Schweiz
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Paar wollte ihren Ehemann vergiften – Bundesgericht bestätigt Urteil



Eine Frau und ein Mann müssen wegen der versuchten Tötung des Ehemanns der Frau definitiv für neun Jahre und sieben Monate respektive zehn Jahre ins Gefängnis. Das Paar hatte versucht, den Gatten mit hohen Dosen des entzündungshemmenden Schmerzmittels Paracetamol umzubringen.

Generika sind in der Schweiz nach wie vor fast doppelt so teuer wie in anderen europäischen Ländern - hier ein Generikum aus Deutschland. (Symbolbild)

Das Paar hatte dem Ehemann der Frau hohe Dosen Paracetamol ins Essen gemischt. Bild: AP

Das Bundesgericht bestätigte in seinem am Freitag veröffentlichten Urteil das Verdikt des Zuger Obergerichts. Ein erstes Urteil von zehn Jahren für die Frau sowie von zehn Jahren und acht Monaten für ihren Partner hatten die Lausanner Richter im Juni 2019 kassiert. Das Obergericht musste gerichtsmedizinische Analysen der Universität Zürich vervollständigen lassen.

Der nach dem erneuten Obergerichtsurteil erhobene Rekurs hatte im neuen Lausanner Urteil nun keinen Erfolg. Die Zuger Justiz räumte im neuen Urteil ein, dass sich aus aufeinanderfolgenden Expertisen der Haare des Opfers nicht auf die exakte vom Paar verabreichte Paracetamol-Dosis schliessen lasse.

Andererseits könnten die Analysen aber auch nicht zur Entlastung dienen, weil sie ja die gesamte aufgenommen Paracetamol-Dosis zeigten, also auch jene Dosen, die das Opfer freiwillig zu sich nahm. Und diese Menge hätte zwangsläufig zum Tod des Ehemannes geführt.

Verräterische WhatsApp-Nachrichten

Diese Begründung des Obergerichts sei weder diskutabel noch willkürlich, befand das Bundesgericht. Auch habe die kantonale Instanz den Austausch des Paares über den Messenger-Dienst WhatsApp nicht missbräuchlich interpretiert. Dort äusserten sich die beiden über den geplanten Tod des Ehemanns aufgrund der Paracetamol-Überdosierung.

Die bei der Tat 38-jährige Rumänin und der 45-jährige Schweizer waren wegen der versuchten Tötung des Ehemanns 2017 in erster Instanz verurteilt worden. Zwischen Mitte Mai und Ende August 2016 hatten sie dem Mann hohe Dosen Paracetamol ins Essen gemischt. Sie wollten damit bei dem starken Trinker ein Nierenversagen auslösen.

Neben den gerichtsmedizinischen Analysen führte die Staatsanwaltschaft tausende von Botschaften ins Feld, in denen sich die Angeklagten über die besten Methoden und Mittel zur Tötung des Mannes austauschten.

Als das Verhältnis der beiden aufflog, hatte es auch mit den Giftplänen ein Ende. Der Ehemann überlebte. Er erlag aber beim ersten Prozess vor dem Zuger Strafgericht im Dezember 2017 einem Herzinfarkt.

(Urteile 6B_245/2020 und 6B_246/2020 vom 6. Mai 2020)

(sda)

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8Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Victor Paulsen 23.05.2020 18:21
    Highlight Highlight Sowas kennt man nur aus Filmen
  • Silphium 22.05.2020 14:15
    Highlight Highlight Anmerkung: Anders als die Schmerzmittel Acetylsalicylsäure oder Ibuprofen besitzt Paracetamol eine lediglich unter Laborbedingungen feststellbare entzündungshemmende Wirkung und wird entsprechend nicht in die Gruppe der klassischen „nicht-steroidalen Entzündungshemmer“ (auch: nicht-steroidale Antirheumatika, NSAR; englisch non-steroidal anti-inflammatory drugs, NSAID) eingeordnet (Quelle Wikipedia). Soviel zur entzündungshemmenden Wirkung. Es mag kleinkariert daherkommen, allerdings führen genau solche verwirrenden Angaben in der Praxis zu unnötigen Problemen mit Patienten und Kunden.
  • Atavar 22.05.2020 14:11
    Highlight Highlight Eine Erklärung über das unterschiedliche Strafmass wäre wünschenswert. Spekulationen über Bevorzugung von Frauen in Strafverfahren kommen sonst unweigerlich.

    @watson: gebt der nächsten Echo-Kammer keine Chance!
    • Zeitreisender 23.05.2020 00:24
      Highlight Highlight Kooperation und Reue nach dem Erwischen sowie die Beurteilung wer die ursprünglich initiativere Person vor dem Verbrechen war, haben einen massgeblichen Einfluss auf das Strafmass. Jedoch würde ich bei 5 Monaten Differenz gemessen an einem Jahrzehnt Freiheitsentzug nicht von Bevorzugung sprechen. Es wurden lediglich alle Aspekte beurteilt und so das jeweilige Strafmass definiert.
  • Bruno Wüthrich 22.05.2020 13:10
    Highlight Highlight Abstrakt betrachtet will es nicht recht einleuchten, dass die Ehefrau weniger Strafe erhält als ihr Partner. Gerade eine Ehepartnerin oder ein Ehepartner sind doch Personen des besonderen Vertrauens. Zudem ist davon auszugehen, dass sie als Ehepartnerin die besseren Möglichkeiten hatte, ihrem Mann das Medikament unterzujubeln.

    Allerdings sind - wie immer bei Berichterstattungen über Straftaten - die wichtigen Hintergründe für die Leserschaft nicht ersichtlich. Entsprechend ist es absolut unmöglich, die Urteile auch nur ansatzweise zu bewerten.

    Schade !!!
    • MacB 22.05.2020 13:47
      Highlight Highlight Es ist auch eine Krankheit der Gesellschaft, alles immer bewerten zu müssen. Manchmal ist es auch einfach eine Information, nicht?
    • who cares? 22.05.2020 14:00
      Highlight Highlight Vielleicht kam aus den Nachrichten hervor, dass er die treibende Kraft war? Vielleicht war er bereits vorbestraft?
    • 7immi 23.05.2020 17:08
      Highlight Highlight @macB
      Ausser es begünstigt den Mann gegenüber einer Frau, dann ist es fehlende Gleichberechtigung...
      So kommt es mir zumindest vor im Alltag. Männer bezahlen mehr für Autoversicherungen? Klar, sie sind risikobereiter, alles gut. Frauen bezahlen höhere Krankenkassenprämien, da sie häufiger krank sind? Diskriminierung!
      Für mich sind das auch nur Infos, aber halt nicht für alle...

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