Schweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Kind über Jahre vergewaltigt – Bundesgericht präzisiert «Unter-Druck-Setzen»



Einem Kosovaren wurde die Aufenthaltsbewilligung gemäss Bundesgericht zu Recht nicht verlängert. (Archivbild)

Bild: KEYSTONE

Das Bundesgericht hat in einem Fall sexuellen Missbrauchs aus dem Kanton Zürich präzisiert, was als psychisches «Unter-Druck-Setzen» zu verstehen ist. Es hat die Verurteilung eines Mannes zu einer Freiheitsstrafe von acht Jahren bestätigt, der die Tochter seiner damaligen Partnerin zwei Jahre lang missbraucht hatte.

Das Mädchen war damals zwischen achteinhalb und zehneinhalb Jahre alt. Der Missbrauch hörte auf, als das Kind sagte, dass es nicht mehr bei den sexuellen Handlungen mitmachen wolle. Es handelte sich namentlich um Beischlaf, Oralsex und Peitschen.

Der Verurteilte kritisierte vor Bundesgericht, dass er keinen Zwang angewendet habe, um das Mädchen zum Mitmachen zu bewegen. Er habe ihr kein Redeverbot auferlegt. Sie hätten aber vereinbart, über die Geschehnisse zu schweigen, «da dies zwischen Erwachsenen und Kindern verboten sei». Es sollte ein Geheimnis zwischen ihnen bleiben.

Dies geht aus einem am Donnerstag veröffentlichten Urteil des Bundesgerichts hervor. Darin halten die Lausanner Richter fest, dass zusätzlich zu einer Verurteilung wegen sexueller Handlungen mit Kindern auch die Straftatbestände betreffend Angriffe auf die sexuelle Freiheit zur Anwendung gelangen können. Darunter fallen die sexuelle Nötigung und die Vergewaltigung.

Verstärkter Schutz für Kinder

Das Bundesgericht führt aus, der Tatbestand der sexuellen Handlungen mit Kindern schütze die seelische Entwicklung eines Kindes, während die anderen Tatbestände die sexuelle Freiheit schützen - jene von Kindern und Erwachsenen. Kinder würden insofern stärker geschützt als erwachsene Opfer.

Die sexuellen Nötigungstatbestände erfordern gemäss Gesetz, dass der Täter das Opfer bedroht, Gewalt anwendet, es unter psychischen Druck setzt oder widerstandsunfähig macht. In seinem Urteil setzt sich das Bundesgericht ausführlich damit auseinander, was unter dem psychischen «Unter-Druck-Setzen» zu verstehen ist, der ein Kind in eine ausweglose Zwangssituation bringt.

Zunächst müsse vorausgesetzt werden, dass das Kind sich einen Willen hinsichtlich seiner sexuellen Freiheit bilden könne. Ansonsten falle eine Tat unter den Straftatbestand der Schändung, wenn ein Kind eine vorgenommene Handlung noch gar nicht einordnen könne.

Eine fixe Altersgrenze, ab welcher ein Kind sich einen Willen zur eigenen sexuellen Freiheit bilden könne, hat das Bundesgericht in seinem Urteil nicht festgelegt. Vielmehr seien die Umstände des Einzelfalls entscheidend. Es sei jeweils sehr zurückhaltend davon auszugehen, dass ein Kind hinsichtlich seiner sexuellen Freiheit nicht urteilsfähig sei.

Grosser psychischer Druck

Im vorliegenden Fall wurde davon ausgegangen, dass das Mädchen urteilsfähig sei. Dennoch ist gemäss Bundesgericht von einer entwicklungsbedingten Unterlegenheit und einer Beeinflussbarkeit des Willens auszugehen.

So könne ein Täter - eben ohne Zwang anzuwenden - vorspielen, die sexuellen Handlungen seien normal oder eine Gefälligkeit. Das Kind werde damit unter einen erheblichen psychischen Druck gesetzt, da es sich nicht abnormal verhalten wolle und die Frage der Normalität nicht abschliessend beurteilen könne.

Je näher ein Täter dem Opfer stehe, umso grösser sei der Einfluss auf die Willensbildung des Kindes. Sichere der Täter die Situation durch die Schaffung eines «gemeinsamen Geheimnisses», werde die Lage für ein Kind derart ausweglos, wie es von den Nötigungstatbeständen vorausgesetzt werde. (Urteil 6B_1265/2019 vom 9.4.2020) (aeg/sda)

DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com (umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

12
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
12Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • atorator 07.05.2020 17:00
    Highlight Highlight Mir wird übel wenn ich sowas lese. Ich arbeite in der sozialen Integration und fast alle meiner Mitarbeiter hatten in ihrer Kindheit sexuelle Misshandlung erfahren müssen. Viele können nie wieder ein normales, erfülltes Leben führen. Depressionen, Bipolarität und sonst alles mögliche. Einfach traurig.
  • ändu aus B (weder Bärn noch Basel) 07.05.2020 17:00
    Highlight Highlight Okey - ich vertrage auch Horrorfilme schlecht. Aber hier wird mir schon beim Lesen schlecht!
    Und dann hat der noch die Frechheit, bei Gericht etwas von "psychischem Druck ist keine Vergewaltigung" zu lamentieren. Traurige Welt!
  • nass 07.05.2020 15:20
    Highlight Highlight Mir fällt nichts ein was publiziert wird. Solche Leute gehören weggesperrt. Punkt.
  • sternsucher 07.05.2020 15:19
    Highlight Highlight Schlicht und einfach ein verdammter Pädo. Da gibts für mich gar keinen Spielraum.
  • Johnny Geil 07.05.2020 14:40
    Highlight Highlight Mir ist gerade nach Kotzen zumute.
  • Bee89 07.05.2020 14:29
    Highlight Highlight Schlimm. So einer gehört lebenslang hinter Gitter! 8 Jahre, das ist ja wohl ein Witz!
    • Mandarinchen 07.05.2020 14:54
      Highlight Highlight Es ist zu hoffen dass der ganz besonders "schöne" 8 Jahre bekommen wird.
  • Linus Luchs 07.05.2020 13:45
    Highlight Highlight Ein rund 10-jähriges Kind ist den Erwachsenen ausgeliefert. Es kann sich nicht für oder gegen die Erwachsenen im familiären Umfeld entscheiden. Der Erwachsene nutzt seine Macht gegenüber einem wehrlosen Kind und tut ihm sexualisierte Gewalt an. Auch wenn die Richter zum erwünschten Resultat kommen, finde ich es bedenklich, wie umständlich das abgewogen werden muss.
  • Pinkerton 07.05.2020 13:21
    Highlight Highlight Da könnte man nur noch Kotzen.
  • Zyniker haben es leichter 07.05.2020 13:10
    Highlight Highlight 8 Jahre... Das ist für mich ein Aufruf zur Selbstjustiz. Wie viele Jahre wird er wirklich absitzen?
    • Mandarinchen 07.05.2020 14:53
      Highlight Highlight Wenn ich den kennen würde, dann würde es nicht nur heissen Schnipp, Schnapp, Schnäbeli ab, sondern dann wäre das ab.
  • Baccaralette 07.05.2020 12:25
    Highlight Highlight Sie hätten vereinbart, darüber zu schweigen.

    Das Kind war achteinhalb. Da vereinbart man nichts, weil das Kind die Tragweite gar nicht versteht. Er hat wahrscheinlich gesagt: Gäu, mir säget de am Mami nüt. Das Kind war unter Druck und hat bejaht. Und dann wird es vom Täter so ausgelegt.

    Zum Glück haben wir in diesem Fall verständige Richter!!

Kinder im Keller: Zürcher Gericht schickt Eltern 16 und 12 Jahre ins Gefängnis

Weil es seine Kinder jahrelang im Keller einsperrte, schlug und hungern liess, ist ein Zürcher Ex-Ehepaar am Donnerstag zu langen Freiheitsstrafen verurteilt worden. Das Bezirksgericht schickt den Vater für 16,5 Jahre ins Gefängnis, die Mutter für 12 Jahre.

Die beiden Kinder seien über Jahre systematisch im Keller eingesperrt worden, sie hätten Schmerzen gehabt, Hunger gelitten und Schikanen, Demütigungen und Erniedrigungen erlebt, sagte der Richter. Was die Kinder erzählt hätten, sei glaubhaft.

Sie …

Artikel lesen
Link zum Artikel