Schweiz
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Ignazio Cassis verärgert ausländische Minister und SBB mit Problemen – die Sonntagspresse



Aussenminister Cassis brüskiert ausländische Minister

Bundesrat Ignazio Cassis spricht waehrend einer Debatte im Staenderat, waehrend der Wintersession der Eidgenoessischen Raete, am Dienstag, 10. Dezember 2019, in Bern. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Seine Abwesenheit am Genfer Flüchtlingsforum kommt nicht gut an. Bild: KEYSTONE

Wenn übermorgen Dienstag das erste Globale Flüchtlingsforum in Genf beginnt, fehlt der oberste Gastgeber am Mittagstisch. Aussenminister Ignazio Cassis will das Forum am Morgen zwar noch eröffnen, den anschliessenden Lunch aber schwänzen. Diplomaten schütteln darüber den Kopf. «Bizarr» sei das, wie der «SonntagsBlick» schreibt. Bei der Erstausgabe des Globalen Flüchtlingsforums werden auch Staats- und Regierungschefs sowie viele Minister teilnehmen. Fest zugesagt haben etwa der türkische Premier Recep Tayyip Erdogan oder der deutsche Aussenminister Heiko Maas. Ihre Teilnahme abgesagt hat inzwischen die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel. Das Forum ist eine direkte Folge des Uno-Flüchtlingspakts. Sein Ziel: Staaten sollten mehr zusammenarbeiten, um Lösungen für Menschen zu suchen, die vor Krieg und politischer Verfolgung fliehen. Warum Gastgeber Cassis das Mittagessen schwänzt, ist nicht klar. Die offizielle Erklärung des EDA: Cassis fehle «aufgrund verschiedener Verpflichtungen im Rahmen der laufenden Session des Parlaments». Stattdessen soll nun Mario Gattiker, Chef des Staatssekretariats für Migration, die Schweiz repräsentieren, wenn die Welt zu Gast in Genf ist.

Sommaruga will Energiewende ohne Verbote

Im Interview mit «SonntagsBlick» spricht Bundesrätin Simonetta Sommaruga (59) über den Fokus ihres Präsidialjahres: die Energiewende. Sie ist überzeugt: «Die Wirtschaft hat bereits umgeschaltet.» Im Gegensatz zu den Grünen will die Sozialdemokratin deshalb mit Anreizen statt Verboten die erneuerbaren Energien fördern. Mit Solarenergie könne die Schweiz mehr als doppelt so viel Energie produzieren wie die vier AKW zusammen. Besonderes Potenzial sieht sie in der Landwirtschaft. «Die Bauern werden immer häufiger zu Stromproduzenten.» Und sie glaubt an die Zukunft der E-Autos: «Die Autohersteller haben die Entwicklung der Elektromobilität etwas verpasst. Aber jetzt holen sie auf.» Im Alltag werde die Energiewende zu keinen gravierenden Änderungen führen: «Wir müssen nicht verzichten. Wenn wir weniger Energie verschwenden, ändert sich unser Alltag kaum.»

Erdogan plant Propaganda-Auftritt in Genf

Turkey's President Recep Tayyip Erdogan speaks at a World Human Rights Day event, in Ankara, Turkey, Tuesday, Dec. 10, 2019. Erdogan has protested Nobel Prize for awarding Austrian author Peter Handke in literature and said that

Kommt er tatsächlich in die Schweiz? Der türkische Präsident Erdogan. Bild: AP

Seit Tagen munkeln Diplomaten, dass der türkische Machthaber Recep Tayyip Erdogan am Dienstag am Globalen Flüchtlingsforum in Genf teilnehmen werde. Bisher hielten sich offizielle Stellen bedeckt, doch jetzt bestätigt das Aussendepartement EDA den Besuch gegenüber dem «SonntagsBlick»: «Gemäss uns vorliegenden Angaben nimmt eine türkische Delegation unter der Leitung von Präsident Erdogan am Forum teil», sagt Sprecherin Carole Wälti. Mit der blossen Teilnahme an der internationalen Konferenz gibt sich der türkische Autokrat aber offenbar nicht zufrieden. «SonntagsBlick»-Recherchen zeigen: Erdogan plant zusätzlich einen Propaganda-Auftritt vor seinen Anhängern. Vieles deutet darauf hin, dass dieser im Genfer Nobelhotel «Four Seasons» über die Bühne gehen soll. Dorthin jedenfalls mobilisieren Erdogan-nahe Kreise für Montagmittag. Die Union Internationaler Demokraten (UID), eine Lobby-Organisation der türkischen Regierungspartei AKP, ruft ihre Anhänger über soziale Medien und SMS-Nachrichten dazu auf, in Massen nach Genf zu reisen. Die Reaktion folgt prompt. Ein Aargauer Türke schreibt auf Facebook: «Wir werden kommen, so Gott will! Um unseren Führer zu sehen, würden wir unser Leben opfern.» Andere organisieren bereits Busfahrten nach Genf. Während der Bund und der Kanton Genf für das offizielle Flüchtlingsforum vom Dienstag ein massives Sicherheitsdispositiv bereitstellen, dürfte der spontane Auftritt vom Montag deutlich heikler werden. Linke Aktivisten und Kurden bereiten im Hintergrund bereits Proteste vor. Es drohen Zusammenstösse zwischen den verfeindeten Lagern.

Grüne drohen mit Angriff auf Amherd

Der Angriff der Grünen auf den Sitz von FDP-Bundesrat Ignazio Cassis scheiterte am Mittwoch klar. Für die Erneuerungswahlen in vier Jahren haben die Grünen einen neuen Gegner ausgemacht: Die CVP, die kleinste der vier Bundesratsparteien und jene Fraktion, die Rytz vor der Wahl gar nicht erst zu einem Hearing eingeladen hatte. «An die Adresse von Parteipräsident Gerhard Pfister sage ich: Leistet die CVP keinen Beitrag aus der bürgerlichen Mitte zu einer griffigeren Klimapolitik, gibt es für uns keinen Grund mehr, den Sitz von Viola Amherd nicht anzugreifen», sagt der Fraktionschef der Grünen, Balthasar Glättli gegenüber «SonntagsBlick» «Arithmetisch wäre ein Angriff bereits in diesem Jahr zu rechtfertigen gewesen», fährt Glättli fort. Tatsächlich haben die Grünen seit Herbst einen höheren Wähleranteil als die Mitte-Partei. «Stattdessen halfen wir mit, dass Frau Amherd ein Glanzresultat feiern konnte.» Nun müsse die CVP diesen Support rechtfertigen. «Geschieht dies nicht, muss sie mit einer grünen Gegenkandidatur rechnen», erklärt der Zürcher Nationalrat im «SonntatsBlick». «Wir werden genau hinschauen, wer grüne Anliegen unterstützt und wer nicht», so Glättlis Ansage. Die erste Probe aufs Exempel planen die Grünen im März, wenn der Nationalrat das CO2-Gesetz berät. Dann müsse die CVP «Farbe bekennen», denn selbst mit einem verbesserten Gesetz verpasse die Schweiz das Ziel, bis 2050 klimaneutral zu werden. Pfister und seine Partei sollen helfen, weitergehende Massnahmen zu beschliessen.

Angriff auf die Reserven der Nationalbank – eine Allianz aus SVP und SP will 2 Milliarden Franken jährlich in die AHV transferieren

Seit der Einführung der Negativzinsen sitzt die Nationalbank auf immer höheren Eigenmitteln. Aktuell sind es gemäss «SonntagsZeitung» 174 Milliarden Franken. Dass diese so hoch sind, liegt an den im Kampf gegen den hohen Frankenkurs angehäuften Devisenreserven. Seit geraumer Zeit wachsen die Begehrlichkeiten, einen Teil des Geldes in die AHV zu transferieren. Entsprechende Vorschläge gab es schon aus Kreisen der SVP und der Gewerkschaften. Lange Zeit waren sie chancenlos, weil sich das Parlament davor scheute, die Unabhängigkeit der Nationalbank anzutasten. Das soll sich nun ändern. Hinter den Kulissen wird in Geheimverhandlungen über eine unheilige Allianz diskutiert, die bereits weit gediehen ist. Ziel ist es, jährlich rund 2 Milliarden Franken aus den Nationalbankreserven in die AHV zu transferieren. Dies soll möglichst ohne Änderung der Verfassung geschehen. Begründung für den Transfer ist, dass die 2 Milliarden etwa das Geld sind, das die Nationalbank über die Erhebung der Negativzinsen verdient und dies ungefähr dem entspricht, was der Altersvorsorge jährlich fehlt. Denn zwar ist die AHV von den Negativzinsen befreit, aber die Pensionskassen zählen zu den Hauptbetroffenen. Involviert sind Politiker von SP und SVP, Gewerkschafter und auch Serge Gaillard von der Eidgenössischen Finanzverwaltung. SVP-Nationalrat Alfred Heer bestätigt, dass es solche Gespräche gibt.

SP-Präsidium: Wer traut sich, gegen Wermuth anzutreten?

Cedric Wermuth, SP-AG, spricht waehrend der Debatte um ein Ja zum Verhuellungsverbot, waehrend der Wintersession der Eidgenoessischen Raete, am Donnerstag, 12. Dezember 2019, im Nationalrat in Bern. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Scheint innerhalb seiner eigenen Partei ein Angstgegner zu sein: Cédric Wermuth. Bild: KEYSTONE

Er gilt als gescheiter Kopf, guter Stratege, aber auch als Machtmensch: Der Aargauer Nationalrat Cédric Wermuth (33) hat gute Chancen, die Nachfolge von SP-Präsident Christian Levrat anzutreten – zusammen mit der Zürcher Nationalrätin Mattea Meyer (32). Noch haben die beiden ihre Kandidatur nicht offiziell lanciert. Doch Gespräche mit verschiedenen SP-Parlamentariern diese Woche machen klar: Wermuth und Meyer wollen antreten. Wobei Wermuth wohl nicht zuletzt deshalb auf eine Co-Kandidatur setzt, weil gemäss SP-Logik nach zwölf Jahren Levrat nun eine Frau an der Reihe ist. Denn während Wermuth in der Partei schon lange eine tragende Rolle spielt, ist Mattea Meyer während ihrer vier Jahre im Nationalrat bisher eher im Hintergrund geblieben. Allerdings stösst die voraussichtliche Kandidatur Wermuths gemäss «SonntagsBlick» innerhalb der Partei nicht nur auf Begeisterung. «Viele halten sich zurück, weil sie nicht gegen Wermuth antreten wollen», sagt ein Parteimitglied. Gleichzeitig versteht sich die SP als basisdemokratische Partei, die ihren Mitgliedern eine Auswahl bietet: Eine einzige Kandidatur käme bei der Basis schlecht an. Vielleicht deshalb sind diese Woche mehrere Parteimitglieder auf Nationalrätin Priska Seiler Graf zugegangen. Die Co-Präsidentin der Zürcher SP hatte eine Kandidatur bisher ausgeschlossen, überlegt sich nach Gesprächen innerhalb der Fraktion nun aber doch, sich zur Verfügung zu stellen. Weiterhin im Rennen sind auch die Nationalrätinnen Min Li Marti (45, ZH), Franziska Roth (55, SO) und Gabriela Suter (47, AG). Auch der Walliser Nationalrat Mathias Reynard (32) hält sich die Option einer Kandidatur weiterhin offen.

Abfahrer Marc Gisin: «Du überlegst dir, ob es ein Fingerzeig Gottes ist»

ARCHIVBILD ZU DEN NEUIGKEITEN UEBER MARC GISINS VERLETZUNGEN NACH DEM STURZ IN IN VAL GARDENA, AM SONNTAG, 16. DEZEMBER 2018 - Marc Gisin posiert im Schulhaus von Wengen fuer ein Portrait (Valeriano Di Domenico/EQ Images) (KEYSTONE/EQ IMAGES/Valeriano Di Domenico)

Die Gedanken an seinen Unfall blockieren ihn: Abfahrer Marc Gisin. Bild: EQ IMAGES

Vor einem Jahr stürzte der Abfahrer Marc Gisin so schwer, dass die Ärzte auf der Piste um sein Leben kämpften. «Ich wusste alles nur vom Hörensagen», sagt Gisin im Interview mit der «NZZ am Sonntag». «An die Woche danach habe ich keine Erinnerungen.» Er habe die Ärztin, die ihm noch auf der Piste das Leben gerettet hat, persönlich getroffen, um das Unglück besser verstehen zu können. Wenn er heute auf die Rennstrecke geht, dann bremse ihn sein Unterbewusstsein. «Ich habe nicht das Vertrauen, um die Kontrolle abzugeben, nicht an den Ski, nicht an den Schnee. Im Sport ist das entscheidend.»

Schwarzfahrer-Register: Bereits 413 000 Personen erfasst

Kontrolleure kennen mit Schwarzfahren kein Pardon. Jeder Passagier ohne gültiges Billett wird mit 100 Franken gebüsst und landet im Schwarzfahrerregister. Nicht einmal Kinder sind vor solchen Konsequenzen sicher: Neueste Zahlen, die «SonntagsBlick» exklusiv vorliegen, zeigen: Aktuell sind 412963 Personen als Schwarzfahrer registriert, 22208 davon Kinder unter 16 Jahren. Laut Tarifverband Alliance Swisspass ist das der Stand von Mitte Dezember – da waren seit Einführung des Registers im April noch keine neun Monate vergangen! Kritik an dieser hohen Zahl registrierter Personen kommt nun vom Preisüberwacher. Die nun erfassten Schwarzfahrer seien eindeutig viel zu viele. Gegenüber «SonntagsBlick» sagt Meierhans: «Ein Grossteil der registrierten Personen dürften sogenannte Graufahrer sein: Passagiere, die zwar ein Ticket haben – aber das falsche.» Ein wesentlicher Grund für die hohe Zahl registrierter Schwarzfahrer sei demnach das komplizierte Tarifsystem. Inzwischen hat sich auch die Politik eingeschaltet: Der Walliser Nationalrat Mathias Reynard (32, SP) fordert in einem Postulat einen Bericht vom Bundesrat, in dem die Tarifgestaltung und die Finanzierung des öffentlichen Verkehrs überprüft und Verbesserungsmöglichkeiten ausgelotet werden. Der Bundesrat empfahl den Vorstoss zur Annahme und verlangt nun einen Bericht, der den Ausweg aus dem Tarifdschungel aufzeigen soll.

Menschenrechtler laufen Sturm: UBS investiert in Uiguren-Unterdrücker

Die chinesische Regierung begeht eines der schwerwiegendsten Menschenrechtsverbrechen unserer Zeit. In der Provinz Xinjiang hat Peking einen gigantischen Repressionsapparat gegen die Uiguren aufgebaut, Hunderttausende Angehörige der muslimischen Minderheit sind in sogenannten «Umerziehungslagern» inhaftiert. Mit modernster Technologie werden die Uiguren systematisch überwacht. Möglich macht dies unter anderem der chinesische Technologiekonzern Hikvision, dessen Kameras sowohl in den Lagern als auch an öffentlichen Orten zum Einsatz kommen. Hikvision ist mehrheitlich in Staatsbesitz – aber nicht nur: Unter den Aktionären befindet sich auch die UBS. Über Jahre hinweg gehörte die Schweizer Bank zu den Top-Investoren von Hikvision. 2016 wurde die Bank als sechstgrösste Aktionärin geführt, im März 2019 noch immer als neuntgrösste. Dies obwohl zu dieser Zeit bereits publik war, dass Hikvision massgeblich in den Überwachungsapparat gegen die Uiguren involviert ist. Mittlerweile hat die UBS ihre Anteile an der Überwachungsfirma deutlich reduziert. In welchem Umfang sie aktuell noch Aktien an Hikvision hält, will die Bank nicht sagen. Die UBS äussere sich grundsätzlich nicht zu einzelnen Kundenbeziehungen. NGOs und Exil-Uiguren finden die Beteiligung hochproblematisch. In einem Brief an die UBS, der dem «SonntagsBlick» vorliegt, kritisieren die Gesellschaft für bedrohte Völker und der Uigurische Weltkongress das Investment. Sie fordern die UBS auf, ihre Geschäftsbeziehung mit Hikvision abzubrechen. Und sie schreiben: «Es stellt sich die Frage, ob die UBS bezüglich ihrer Beteiligung an Hikvision ihrer Sorgfaltspflicht gemäss den UNO Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte vollumfänglich nachgekommen ist.» Dasselbe gelte für die OECD-Leitsätze für multinationale Unternehmen, zu denen sich die UBS bekenne. Beides sind internationale Empfehlungen, die wirtschaftliche Akteure zur Einhaltung der Menschenrechte auffordern.

Rekord an Baustellen: SBB fahren 2020 am Limit

Baustellenbegehung im Bahnhof Luzern am Sonntag, 18. November 2018. Seit Ende September 2018 bis Ende Januar 2019 ersetzen die SBB Weichen im Bahnhof Luzern. (KEYSTONE/Alexandra Wey)

Nächstes Jahr kämpft die SBB mit besonders vielen Baustellen. Bild: KEYSTONE

Der designierte Bahnchef Vincent Ducrot übernimmt im wahrsten Sinne des Wortes eine Baustelle. Nicht nur, dass die SBB seit geraumer Zeit mit vielen Störungen und Verspätungen kämpfen. Die Korrektur dieser Pannen wird umso schwieriger, als die Bahnen vor einer Baukumulation von nicht gesehenem Ausmass stehen: Die SBB betreiben nächstes Jahr auf ihrem Netz so viele Baustellen wie nie zuvor, auch die investierte Bausumme erreicht neue Rekordwerte. Das schreibt die «NZZ am Sonntag». Und dies wiederum führt dazu, dass die Reisenden ab dem Fahrplanwechsel von heute Sonntag mit laufend «mehr Auswirkungen auf den Bahnverkehr rechnen» müssen. So sind für 2020 bereits jetzt 400 «Ersatzkonzepte» eingeplant, bei denen die Passagiere wegen Streckensperrungen oder anderen Umständen auf den gewohnten Service verzichten müssen. Erschwerend kommt hinzu, dass es den Bahnen offenbar auch hier an Fachleuten fehlt. Bisher war dieser Personalmangel vor allem bei den Lokführern ein Thema, von denen aufgrund früherer Versäumnisse heute zu wenige angestellt sind. Nun hat die Konzernleitung nach vertiefter Analyse festgestellt, dass für die nächsten 12 Monate auch Ingenieure und Handwerker fehlen, ebenso wie Kundenbegleiter und Personaldisponenten. Diese Unterbestände sind für den Betrieb nicht so gravierend wie jene der Lokführer, die bisweilen sogar zu Zugausfällen führen. Aber auch sie haben Folgen. So müssen die SBB teilweise die Kundenpräsenz reduzieren. Und sie können weniger Billettkontrollen durchführen, als sie möchten.

Burkaverbot entzweit Muslime

ARCHIV - ZUR WINTERSESSION 2019 MIT DEM THEMA VERHUELLUNGSVERBOT, STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILDMATERIAL ZUR VERFUEGUNG - A veiled woman looks at a map on the bank of the Geneva Lake, in Geneva, Switzerland, Switzerland, Sunday, July 25, 2010. (KEYSTONE/Salvatore Di Nolfi)

Weden Burkas in der Schweiz demnächst verboten? Bild: KEYSTONE

Nach der Minarett-Initiative kommt mit dem Burkaverbot demnächst eine zweite Vorlage vors Volk, die den Islam zum Thema hat. «SonntagsBlick» wollte von den Muslimen in der Schweiz wissen, wie sie selbst die Initiative sehen. Es zeigte sich: In Sachen Burka gehen auch bei ihnen die Meinungen auseinander. So findet die türkischstämmige Zerrin Desole (56): «Meiner Meinung nach haben eine Burka oder ein Nikab nichts mit dem Islam zu tun und gehören nicht in die Schweiz. Es hat nichts mit Religionsfreiheit zu tun, wenn die Frau das Gesicht verschleiern muss und nicht mehr sichtbar ist. Ich komme selber ursprünglich aus der Türkei, aber diese Auslegung des Islams ist mir sehr fremd! Für mich sind das Sekten und haben bei uns in der Schweiz nichts zu suchen. Wenn man tatsächlich der Meinung ist, dass Frauen in der Öffentlichkeit nur voll verschleiert herumlaufen dürfen, soll man bitte dahin ziehen, wo diese Tradition gelebt wird. Bei uns sollte dies nicht Fuss fassen. Ich werde das Verhüllungsverbot annehmen.» Der Imam und Seelsorger Muris Begovic dagegen lehnt die Burka-Initiative ab: «Bei uns in der bosnischen Moschee trägt keine einzige Frau die Burka. Dennoch wird man durch die Initiative als Muslim automatisch in die Ecke gedrängt – und hat das Gefühl, sich für etwas rechtfertigen zu müssen, was man selber gar nicht macht. Gewisse Menschen wollen nicht akzeptieren, dass wir Muslime Teil der Schweizer Gesellschaft sind. Deshalb wäre ein Ja zum Burkaverbot eine Ohrfeige für die Muslime in der Schweiz. Die Aussage ist: Wir wollen euch hier nicht.»

Erbschafts-Boom treibt Immobilienpreise in die Höhe

Im nächsten Jahr erreicht die Summe der vererbten oder geschenkten Vermögen rekordhohe 95 Milliarden Franken. Laut einer Studie der Universität Lausanne hat sich das Volumen in 15 Jahren verdoppelt. Dieser Boom trägt zum starken Preisanstieg auf dem Immobilienmarkt bei, denn der Geldsegen muss angelegt werden oder wird an die nächste Generation weitergegeben. «Wir stellen fest, dass die Elterngeneration immer öfter bei der Finanzierung mithilft», sagt die Leiterin Immobilienanalyse der Zürcher Kantonalbank, Ursina Kubli. Jeder dritte Besitzerwechsel von Stockwerkeigentum in der Stadt Zürich erfolge innerhalb der Familie. Bei Einfamilienhäusern ist es über die Hälfte. «Damit aber wird die Preisspirale weiter angeheizt», sagt Kubli gegenüber der «NZZ am Sonntag», «denn je mehr Objekte direkt an die Nachkommen vererbt werden, desto knapper ist das freie Angebot auf dem Markt.» Die ZKB hat errechnet, dass eigentlich nur 10 Prozent der Mieterhaushalte ein passendes Eigenheim vermögen. Für eine 4-Zimmer-Wohnung im Kanton Zürich zahlt man inzwischen bis zu 1 Million Franken. Um ein solches Objekt zu finanzieren, braucht es laut ZKB einen Jahreslohn von 180 000 Franken – oder eine Schenkung oder Erbschaft von Verwandten.

Die Amigos bringen der Migros Probleme

Den Stellenabbau begründet die Migros Aare mit intensivem Wettbewerb und sinkender Rentabilität. (Archivbild)

Private kaufen für Private ein, das war die Idee des Migros-Lieferdienstes «Amigos». Bild: KEYSTONE

Die Migros hat dem Lieferdienst Amigos, bei dem Private für Private einkaufen gingen, am Mittwoch den Stecker gezogen. Doch das umstrittene Angebot wird die Migros weiter beschäftigen. Von einem Arbeitsverhältnis mit den Lieferanten will die Migros nichts wissen. Dem widerspricht nun aber die hauseigene Ausgleichskasse des Grossverteilers. Der Kurierdienst für Amigos werde als unselbstständige Tätigkeit eingestuft, sagt Marita Ebneter, Geschäftsleiterin der Ausgleichskasse der Migros-Betriebe zur «SonntagsZeitung». Die Migros muss nun über ihre Ausgleichskasse, die nur für ihre Angestellten zuständig ist, die Lohnbeiträge aller Bringer abrechnen, wenn die das verlangen. Laut Philipp Zimmermann von der Gewerkschaft Unia bricht die Argumentation der Migros, die Lieferanten seien nicht ihre Angestellten, mit diesem Entscheid endgültig zusammen. Die Migros müsse den Lieferanten im Nachhinein anständige Löhne bezahlen und sie für ihre Auslagen wie genutzte Fahrzeuge entschädigen, sagt Zimmermann. Da es sich bei den Amigos um Angestellte der Migros handle, bedeute das Ende des Dienstes zudem eine Massenentlassung. Ähnlich sieht das offenbar das Zürcher Amt für Wirtschaft und Arbeit. In einem Brief an die Unia, der der «SonntagsZeitung» vorliegt, schreibt die Behörde, sie habe die Migros auf die Meldepflicht bezüglich Massenentlassungen gemäss Obligationenrecht aufmerksam gemacht. Bei der Migros weiss man allerdings nichts von einer solchen Information.

Schwere Schlappe für den Schweizer Naturschutz

Der Zustand der artenreichsten Lebensräume der Schweiz wird von Jahr zu Jahr schlimmer, das schreibt die «NZZ am Sonntag». Das geht aus zwei Berichten hervor, die das Bundesamt für Umwelt (Bafu) kürzlich publiziert hat. Grund für die drastische Verschlechterung sind auch die ­Versäumnisse der kantonalen ­Behörden, die Jahrzehnte hinter ihrem Zeitplan für den Naturschutz zurückliegen. Nur ein Fünftel der bedrohten Lebensräume ist ausreichend geschützt, obwohl das Ziel für Ende 2020 bei rund neunzig Prozent liegt.

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