Schweiz
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echinaforce a. vogel ag

Der Hauptsitz der A. Vogel AG im Thurgau. Bild: a. vogel ag

Corona-Heilmittel oder zu früh gefreut? Labor Spiez relativiert eigene Echinaforce-Studie

Das Labor Spiez hat in einer Studie dem Naturheilmittel Echinaforce eine Wirkung gegen Coronaviren bescheinigt. Nun relativiert das Labor die Ergebnisse jedoch selbst.



«Naturheilmittel wirkt gegen Corona!» titelte der «Blick» am Montag in gewohnt grossen Lettern. Das auf Pflanzen basierte Echinaforce soll Coronaviren abtöten, in der Petrischale sei es «ein wahrer Coronakiller!». Dies hätte eine Studie des Labors Spiez gezeigt. Der Bericht hat einen Ansturm auf Apotheken und Drogerien in der Schweiz ausgelöst.

Ganz so einfach ist es leider nicht. Die Studie aus Spiez macht zwar Mut, vieles ist aber noch unklar.

Was sagt die Studie wirklich aus?

Letzten Mittwoch publizierte das Fachjournal «Virology Journal» eine Studie des Labors Spiez, wonach das pflanzliche Heilmittel Echinaforce Coronaviren abtötet.

Bisher wurde dies allerdings in-vitro, also in Petrischalen, festgestellt. Die Wirksamkeit in-vivo, also beim Menschen, ist noch nicht geklärt und muss erst untersucht werden. Die in Zellkulturen vorherrschenden Bedingungen können nicht mit jenen in einem Organismus verglichen werden. Dies bestätigt das Labor Spiez auch nochmals auf Twitter und relativiert seine eigene Studie gleich selbst.

Es kommt des Öfteren vor, dass Substanzen in der Zellkultur eine Wirkung zeigen, bei Versuchen an Menschen jedoch wirkungslos bleiben.

Weiter ist nicht klar, ob der in Echinaforce enthaltene Wirkstoff aus der Echinacea-Pflanze überhaupt für die Wirkung in der Studie verantwortlich ist. Es könnte auch der als Extraktionsmittel verwendete Alkohol gewesen sein.

Zwar verteidigt sich das Labor Spiez auf Twitter: «Wir haben das Lösungsmittel natürlich in der geeigneten Verdünnung als Kontrolle getestet.» In der Studie wird dies allerdings mit keinem Wort erwähnt.

Hersteller finanziert Studie

Die Studie über das Naturheilprodukt der Firma A. Vogel AG wurde teilweise vom Hersteller selbst finanziert. Auch waren zwei Mitarbeiter der Firma an der Studie beteiligt.

Diese Interessenskonflikte weist das Labor Spiez jedoch ausdrücklich in der Studie aus.

(dfr)

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50 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
Madison Pierce
14.09.2020 15:52registriert September 2015
Es ist leider oft das gleiche Muster: es erscheint eine Studie zu einem Wirkstoff, welcher gegen eine akute Krankheit oder Krebs helfen soll. Ein Journalist stösst darauf (oder wird vom Hersteller des Produkt darauf aufmerksam gemacht), liest aber nur die Zusammenfassung. Ist eh alles englisch und kompliziert. Auf Rückfrage bei einem Experten des Gebiets verzichtet er, soll ja schnell gehen. Dafür kommt ein Fragezeichen in den Titel.
Kaum veröffentlicht, sehen das die Leute der anderen Medien und diese lesen dann nicht mal mehr die Zusammenfassung...
Die Studie kann da nichts dafür.
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JackTheStripper
14.09.2020 15:45registriert August 2018
Ich würde mich natürlich freuen, wenn Echinaforce tatsächlich gegen die Viren hilft.
Jedoch müsste ich auch lachen, wenn es nicht stimmen sollte. Einfach, weil einige idiotische Menschen dann ihr Geld heute vergebens in der Apotheke ausgegeben hätten.
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landre
14.09.2020 16:29registriert June 2019
Da ein Gerücht das von "Inside Paradeplatz" verbreitet wird, genügt um Aktien 2 Prozent zu steigern und ein "Blick"-Artikel genügt um einen Produkt-Hype auszulösen, dann zeigt das aber schon ganz klar dass unsere Spezies durchgeknallt am hyperventilieren ist.
Zeigt aber auch emblematisch dass die Medien um einiges eine grössere Verantwortung tragen als man es sich vorstellen kann oder will.
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