Schweiz
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Das sind die nervigsten Pflanzen der Schweiz



Kürzlich musste ich meinen Frust hinsichtlich der Maiglöckchen loswerden.

Ein Ohr fand ich unter anderem bei watson-User 03_szust, der sich als wahrer Experte für nervige Pflanzen erwies. Kein Wunder, seit ein paar Wochen bekämpft er im Zivildienst sogenannte Neophyten. Wir haben mit ihm über die schlimmsten Pflanzen der Schweiz gesprochen.

03_szust, Sie kämpfen gerade gegen Neophyten. Was sind das eigentlich?
03_szust: Das sind nicht einheimische Pflanzen, die sich innerhalb der letzten ca. 500 Jahre hier angesiedelt haben – und sich jetzt breitmachen.

500 Jahre?
Das geht auf Kolumbus zurück. Er hat damit begonnen, diverse Pflanzen aus Amerika mitzubringen. Gewollt oder ungewollt. Und wir taten es ihm nach.

Und Ihre Arbeit im Zivildienst besteht darin, diesen nun den Garaus zu machen?
Genau. Eigentlich lautet der Auftrag «Naturschutz». Aber dazu gehört zu 90 Prozent das Ausreissen solcher Pflanzen. Bekämpft werden schweizweit 30 – 40 Arten, ich habe es mit zehn zu tun. Diese sind besonders schlecht für das einheimische Ökosystem.

Sie haben es also täglich mit Arschlochpflanzen zu tun?
Genau.

Nun. Welche Pflanze ist denn die schlimmste?
Uff. Die Auswahl fällt schwer.

Können Sie uns eine Top 5 geben?
[Überlegt] Auf dem fünften Platz sehe ich den Sommerflieder, ...

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Ein Sommer- oder Schmetterlingsflieder (Buddleja davidii) der Sorte «White Profusion». bild: wikimedia

... Platz vier geht an die Geissraute, ...

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bild: shutterstock

... Dritter wird die Goldraute, ...

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bild: shutterstock

... Silber geht an das Berufkraut ...

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bild: shutterstock

... und den ersten Platz verdient sich die Armenische Brombeere.

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bild: wikimedia

Mit welcher Leistung holt sich die Armenische Brombeere denn Gold?
Sie hat Dornen – Dornen sind grundsätzlich ein Problem. Sie stechen, sie verfangen sich überall, sie sind unhandlich. Und dann kann man die Armenische Brombeere fast nicht unterscheiden von all den einheimischen Brombeeren. Erkennen tut man sie nur anhand der weissen Blattunterseite, dem Abstand der Dornen (zwei Finger) und den fünf Blättern. Und wenn man sie irgendwo findet, findet man gleich ein Meer davon – und sie ist fast nicht zu entfernen. So richtig ausrottbar ist sie nicht. Es gibt ganze Waldhänge davon und wenn ich ehrlich bin: Wir haben vor ihr teilweise schon kapituliert. Also ich schon länger.

Was ist mit dem Berufkraut?
Es ist eigentlich gar nicht so schlimm. Das Problem liegt eher daran, dass die Pflanze überall wächst. Also auch an Stellen, die nur sehr schwer erreichbar sind – zum Beispiel inmitten eines Brennnesselfeldes oder in einer Felswand. Wenn sie jung ist, kann man sie fast nicht nachhaltig ausreissen. Hat sie bereits geblüht, ist es zu spät. Drei Wochen, nachdem man ein Feld gesäubert hat, steht sie wieder da. Es ist nur schwer zu ertragen.

Die Goldrute?
Mit ihr verhält es sich ähnlich wie mit dem Berufkraut. Nur schon die Menge ist überwältigend. Sie kann sich dank Rhizomen unterirdisch weiterverbreiten. Man kriegt das Zeugs nicht weg. Ein tolles Feature der Goldrute ist, dass sie immer in der Nähe von Brennnesseln wachsen.

Und was würden Sie mir im Kampf gegen meine Maierisli raten?
Kommt ein bisschen darauf an. Wenn es keine anderen Blumen dazwischen hat, die Sie verschonen möchten, dann würde ich das gesamte Erdgut abtragen, neu aufschütten und dann bepflanzen. Das sieht für eine Weile nicht sehr schön aus, ist aber effektiv.

Meine Maierisli wuchern aber unter ein paar Sträuchern.
Dann schlage ich vor, dass Sie einen Schanzpickel zur Hand nehmen. Vergessen Sie den Versuch von Genauigkeit. Er ist hoffnungslos. Stellen Sie sich vielmehr auf eine Geduldsarbeit in den nächsten paar Jahren ein.

Und damit keine weiteren Pflanzen à la Armenische Brombeere importiert werden, keine Pflanzen aus den Ferien mit nach Hause bringen?
Nein, nein. Dass man Pflanzen importiert, kann man sowieso nicht verhindern. Ein Samen in der Sohle reicht.

Also ist die Lage hoffnungslos?
Ja, absolut. Wir haben verloren.

Aber so möchte ich das Interview nicht beenden.

Das mag ja jetzt alles recht hoffnungslos tönen, als ob es absolut keine Chance gibt, irgendwas zu tun, aber das ist natürlich nur meine persönliche Wahrnehmung. Und die ist eingeschränkt durch die drei Monate, die ich das jetzt schon mache. Naturschutz ist natürlich nicht komplett nutzlos und auf lange Dauer kann man auch Wirkung feststellen (oder zumindest keine Verschlimmerung) und natürlich ist es auch immer eine Budget-Frage, wer mehr Geld zur Verfügung hat, investiert mehr in Naturschutz. Ausserdem hab ich noch eine Bitte: Wenn ihr irgendwo im Wald oder auf Wiesen gerade welche von diesen Pflanzen seht und Zeit habt, nehmt sie doch bitte raus. Ihr könnt sie auch da liegen lassen, Hauptsache, sie sind draussen. Und wenn ihr gerade keine Zeit oder Lust habt, meldet es doch vielleicht bei eurem lokalen Werkhof. Jeder noch so kleine Einsatz zählt. Naturschutz ist nämlich eins dieser wenigen Dinge, bei denen man nicht Geld spenden muss, sondern gleich einfach zwischendrin selbst Hand anlegen kann. Übrigens, ihr könnt weiter Brombeeren kaufen und essen, denn ja, das ist der Grund, warum die Armenische Brombeere hier ist. Ich bin euch auch fast nicht böse. Fast.

«Die Randensprosse ist das Arschloch der Gesellschaft»

Video: watson/Philipp Löpfe, Emily Engkent

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