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Sandro Brotz sieht sich in der «Arena» mit Fälschungsvorwürfen konfrontiert.
Sandro Brotz sieht sich in der «Arena» mit Fälschungsvorwürfen konfrontiert.
Bild: screenshot srf
Review

SVP-Imark zeigt fragwürdige Grafik in der «Arena» – jetzt reagiert der SRF-Chefredaktor

Nützt das neue CO2-Gesetz dem Klima? Diese Frage diskutierte Sandro Brotz mit seinen Gästen in der Abstimmungs-«Arena». SVP-Nationalrat Christian Imark teilte am meisten aus und sein Parteikollege sorgte für eine Überraschung.
15.05.2021, 06:11
Mehr «Schweiz»

Der Klimawandel schreitet munter voran und gilt, bekämpft zu werden. In diesem Punkt sind sich in der Abstimmungs-«Arena» zum CO2-Gesetz alle einig. Nur: Ist das Gesetz, das der Bundesrat vorgelegt hat, der richtige Weg dazu?

Wieder einmal sind es die Kosten, die für grosse Uneinigkeit sorgen. Während Umweltministerin Simonetta Sommaruga das Gesetz als fair und sozial beschreibt, sieht Christian Imark darin eine Abzocke: Das «sozialistische Gesetz», wie er es nennt, verteuere das Leben und den Klimawandel könne die Schweiz damit schon gar nicht bremsen. Im Verlauf der Sendung knöpft sich der SVP-Nationalrat jeden einzelnen seiner Gegner vor.

Imark vs. Sommaruga

Gleich zu Beginn wirft Imark der Umweltministerin vor, dass sich der Bundesrat bei diesem Gesetz zu fest engagiere. Und fügt in ironischem Ton an: Das könne sich nur die linke Seite erlauben, die müssten sich ja nicht an die Regeln halten.

Als Nächstes schiesst der SVP-Mann gegen den Inhalt des CO2-Gesetzes. Mit den Händen in der Luft fuchtelnd ahmt er Sommaruga nach, dass mit dem Gesetz alle profitieren und niemand etwas zahlen würde. «Das ist, als hätte man ein goldiges Perpetuum Mobile geschaffen, das Geld scheisst.»

Video: srf

Imark vs. Knutti

Nachdem Imark mit der Bundesrätin fertig ist, knöpft er sich den Klimaphysiker Reto Knutti aus dem Publikum vor. Dieser hat gerade Argumente für das CO2-Gesetz ins Feld gezogen. Aber nicht nur das: Er bezeichnet die gegnerische Ansicht, die Schweiz sei für einen Einfluss auf die Klimaerwärmung zu klein, als fadenscheinig. Imark zu Knutti: «Sie mögen etwas verstehen von Vorlesungen und Theorie, aber von der Praxis scheinen sie nicht viel Ahnung zu haben.»

Dann zückt der SVP-Nationalrat ein Papier mit einem Diagramm darauf, um seine Argumente zu untermauern. Sandro Brotz ist sofort alarmiert: Eine Grafik, die nicht geprüft wurde? In diesem Studio? «Das ist gefährlich für den Moderator», sagt Brotz.

Trotzdem konfisziert er das Papier nicht, das Imark für die Zuschauenden in die Kamera hält. Das Diagramm stelle dar, was in der Schweiz bereits getan werde, um den Klimawandel zu bekämpfen, sagt Imark. Quelle und Glaubwürdigkeit der Darstellung bleiben bis zum Ende der Sendung ungeklärt.

Der Klimaphysiker Reto Knutti startet etwas später nochmals einen Diskussionsversuch über das Diagramm, worauf sich Imark in die Startlöcher begibt, um sein Papier zu verteidigen. Brotz klemmt das Ganze jedoch ab.

Update: Am Samstagmorgen wurde ein Faktencheck zu Imarks gezeigtem Dokument nachgereicht – und zwar von Reto Knutti. In mehreren Tweets liefert er folgende Analyse:

«3/ Falsche Einheit: Gezeigt sind Tonnen pro Jahr, nicht Tonnen. Allerdings kaum lesbar ...
4/ Irreführend: Die vertikale Skala beginnt nicht bei null. Bei gezielter Wahl der Achsenskalierung zeigt eine Kurve steil nach unten selbst wenn die absolute Reduktion minimal ist.
5/ Irreführend: Entscheidend für die internationalen Verpflichtungen und für das Klima sind Länderemissionen, nicht pro Kopf Emissionen.
6/ Täuschung: Imark spricht von ‹Realität› und zeigt Emissionen bis 2030 als Argument, wie gut die Schweiz schon sei. Und zeigt dazu die 50% Reduktion bis 2030 *MIT* dem CO2 Gesetz, das es angeblich nicht braucht!
7/ Fehler: Die 50% Reduktion bis 2030 beziehen sich auf die Länderemissionen. Pro Kopf müssten diese damit von ~8t/Jr in 1990 bis 2030 nicht auf 4t/Jr, sondern 2,8 t/Jr. Die gezeigte Zahl für 2030 ist also zudem noch falsch.
8/ Fakt: Die CH hat Ihre THG Emiss. seit 1990 um 14% reduziert, vor allem im Gebäudesektor durch Lenkungsabgabe/Gebäudeprog. Vor 2050 muss das Netto Null Ziel erreicht sein. Die Behauptung, dass dies ohne wirksames und verursachergerechtes Instrument gehe, ist unhaltbar.»
quelle: twitter/reto knutti

Dass auch SRF-Chefredaktor Tristan Brenn nicht gerade begeistert von Imarks Auftritt – und dessen Nummer mit der Grafik auf dem Zettel war – beweist er seinerseits mit diesem Tweet:

Und auch «Arena»-Moderator Sandro Brotz reagiert am Tag nach der Sendung noch einmal auf den Fall mit folgendem Tweet:

Müller vs. Imark

Nun setzt FDP-Ständerat Damian Müller zum Schlagabtausch mit dem etwas älteren Imark an. Die Steuerzahler würden unterm Strich weniger belastet und was Herr Imark behaupte, sei absoluter Lug und Trug.

Video: srf

Moderator Brotz versucht, den Vorwurf abzufedern und bittet in Richtung Müller um Vorsicht mit solchen Ausdrücken. Doch Imark hat eifrig mitgeschrieben und setzt zum Rückschlag an. «Herr Müller, wenn es darum geht, nicht die Wahrheit zu sagen, dann sind Sie das beste Beispiel.»

Imark vs. SRF

Jetzt geht Sandro Brotz mit dem SVP-Nationalrat für das 1:1-Gespräch in den Ring. Imark spaziert lässig zum beleuchteten Podium. Moderator Brotz zeigt ihm einen «Rundschau»-Ausschnitt über den immer mehr ausbleibenden Schnee im Skigebiet Balmberg, nahe Imarks Wohnort, und folgert: «Der Klimawandel findet vor Ihrem eigenen Haus statt, aber Sie knallen die Tür zu und schauen weg.»

Imark verteidigt sich: Die Schweiz sei zu einem kleinen Teil verantwortlich, dass es weniger Schnee habe. «Wir können den Klimawandel nicht stoppen.»

Darauf konfrontiert ihn Brotz mit Zahlen: Die Schweiz habe für dieses Jahr bereits alle natürlichen Ressourcen aufgebraucht, die ihr zur Verfügung stünden. «Besteht jetzt Handlungsbedarf oder nicht?», fragt Brotz. Darauf Imark: «Es kommt darauf an, wie Sie diese Statistik gefälscht haben.»

Video: srf

Brotz verlangt, dass Imark den Fälschungsvorwurf zurücknimmt. Doch dieser denkt nicht daran. Stattdessen bezieht sich der SVP-Nationalrat auf das Sprichwort: «Traue keiner Statistik, die du nicht selber gefälscht hast.»

Die Gäste werfen sich in der Folge gegenseitig noch weitere Male an den Kopf, zu lügen. Einen Konsens über Nutzen und Kosten des CO2-Gesetzes finden sie nicht.

Brotz versucht, die Sendung doch noch versöhnlich zu schliessen und fragt die Gäste nach ihrer Lieblingsmusik. Während der Rest sich zurückhält mit präferierten Genres oder Bands, outet sich SVP-Nationalrat Thomas Hurter als ein Fan von House-Musik. Na, wie wäre es eigentlich, die nächste «Arena» bei einem CO2-neutralen Outdoor-Rave zu veranstalten? Vielleicht gingen dann die Gäste netter miteinander um.

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