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Warten im Bahnhof Biel. bild: watson

Verbogene Gleise, heisse Züge, Personalmangel: Die SBB rollen auf einen heissen Sommer zu



Die Schweizer Bevölkerung leidet derzeit unter der Hitze. Aber nicht nur die Menschen: Etliche Gleisanlagen verbogen sich gestern Nachmittag aufgrund der Hitze. Die überhitzten Züge sind jetzt schon vollgestopft und es steht uns ein Sommer voller Grossevents bevor. Zeit für die SBB, sich ein paar Fragen zu stellen.

Ab wann verbiegen sich Gleise?

Nicht nur zwischen dem verkehrsreichen Streckenabschnitt zwischen Bern und Bern Wankdorf kam es zu verbogenen Gleisen. Gemeldet wurden Störungen zwischen Genf und La Plaine GE sowie im Kanton Luzern bei Willisau. Im Raum Bern war der Verkehr auch am Freitagmorgen noch gestört.

Bahnschienen sind zwar auf heisse Tage ausgelegt, aber bei extremer Hitze wie am Donnerstag kann es zu Verwerfungen kommen, heisst es bei den SBB. (Archivbild)

Bild: KEYSTONE

Ein SBB-Mediensprecher sagte zu watson, das SBB-Schienennetz sei für heisse Tage ausgelegt. In Extremsituationen (ab ca. 60 bis 80 Grad) könne es aber dennoch zu so genannten Gleisverwerfungen kommen, weil die heissen Schienen sich ausdehnten. Pro Jahr gebe es bei den SBB drei bis sieben solche Verwerfungen.

Ein laut SBB «recht effizientes» Kühlungsmittel ist Wasser, das aus einem Tankwagen auf die Gleise gesprüht wird. Wo wann gekühlt wird, werde jeweils auf Grund von Lagebeurteilungen situativ entschieden.

Die schon in früheren Hitzewellen diskutierte und andernorts bereits erprobte Methode, die Schienen für eine bessere Wärmeabstrahlung weiss anzumalen, ist laut SBB-Sprecher in Prüfung. Man sei in Kontakt mit europäischen Partnerbahnen, sagte er. Im laufenden Sommer werde aber noch keine SBB-Schiene weiss gestrichen.

Wieso sind die Züge im Inneren so heiss?

Die heissen Züge sind im Sommer immer wieder mal Gesprächsthema und sorgen für rote Köpfe.

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screenshot: facebook/sbb

Aufs Jahr gerechnet fallen laut SBB 14 von insgesamt 7200 Klimageräten in 4100 Fahrzeugen aus. Im Sommer seien es tendenziell mehr.

90 Prozent der Züge sind mit Klimaanlagen ausgerüstet, heisst es weiter. Was aber dazukommt: Momentan sind erst 16 von insgesamt 62 Bombardier-Fernverkehrszügen im Einsatz. Dort, wo sie fehlen, kommen alte Fahrzeuge in den Gebrauch, die unter Umständen keine Klimageräte haben. SBB-Sprecher Reto Schärli sagte zum SRF: «Wir haben im Sommer natürlich auch diesen Nachteil, dass älteres Rollmaterial nicht durchgehend klimatisiert ist.»

24 Bilder aus der guten alten SBB-Zeit

Ein anderer Punkt, der bei einigen Passagieren in den letzten Tagen gar nicht gut ankam: Die SBB kühlen ihre Züge nicht mehr als fünf Grad Differenz zur Aussentemperatur runter. Man halte an dieser Praxis auch während heissen Tagen fest, sagte SBB-Sprecher Hirt zu «20 Minuten». Grund dafür: Bis jetzt habe man «wenige» Rückmeldungen zur Klimatisierung erhalten.

Etliche beschwerten sich auf Facebook über die zu hohen Temperaturen:

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screenshot: facebook/sbb

Kommt es zu Verspätungen wegen zu wenig Personal?

In diesem Sommer sind einige grosse Events angesagt. Nebst den üblichen Festivals kommen dieses Jahr zum Beispiel auch das Eidgenössische Turnfest in Aarau und das Züri-Fäscht dazu. Diese zusätzlichen Events stellen die SBB vor einige Probleme: Lokführerpräsident Giger sagte gegenüber dem SRF, dass bei den SBB ein andauernder Personalengpass herrsche.

Das kann sich dann auch auf den Normalbetrieb auswirken, sagt Karin Blättler vom Fahrgastverband Pro Bahn. Sie findet es zwar grundsätzlich gut, dass die SBB Extrazüge für Grossevents einsetzt, kritisiert aber, dass die Pendler dann darunter leiden:

«Es ist natürlich schon so, dass schon Züge nicht fahren konnten, Angebote nicht erbracht werden konnten, weil zu wenig Lokführer verfügbar waren. Und das darf nicht zulasten vom Normalbetrieb gehen, dass nachher schlichtweg das Personal fehlt.»

Dass sich das auf die Pünktlichkeit auswirken kann, zeigt ein Blick auf puenktlichkeit.ch. Die Webseite erfasst täglich die Rohdaten aus dem öffentlichen Verkehr und bereitet sie auf.

In den letzten sieben Tagen kamen 78,8 Prozent der Intercity-Züge pünktlich an. Zum Vergleich: In den letzten vier Wochen lag die Pünktlichkeit bei 83,9 Prozent, in den letzten 13 Wochen bei 84,5 Prozent. Ein Zug ist pünktlich, wenn er weniger als 3 Minuten Verspätung hat.

Die Zahlen sind jedoch mit Vorsicht zu geniessen, puenktlichkeit.ch betont: «Die Aufbereitung erfolgt mit grösstmöglicher Sorgfalt, dennoch kann keine Gewähr für die Richtigkeit der hier präsentierten Auswertungen übernommen werden.»

(jaw / mit Material der SDA)

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