Schweiz
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Albert Röstis Rücktritt nicht so freiwillig und unbeliebtes Zürich – die Sonntagspresse



SVP-Präsidium: Röstis Rücktritt nicht so freiwillig

ARCHIV - SVP PRAESIDENT ALBERT ROESTI KUENDIGT RUECKTRITT IM FRUEHLING 2020 AN --- Albert Roesti, Nationalrat SVP-BE, portraitiert am 9. Dezember 2019 in Bern. (KEYSTONE/Gaetan Bally)

Albert Rösti musste nach der Wahlschlappe vom Oktober Kritik einstecken. Bild: KEYSTONE

Der Zürcher Alt-Nationalrat Toni Bortoluzzi war der Erste, der offen Kritik an der SVP-Parteileitung unter Albert Rösti übte. In der Partei habe sich «Berner Behäbigkeit» breitgemacht, sagte Toni Bortoluzzi kurz nach dem Wahltag vom 20. Oktober. Es frage sich, «ob es noch einen Präsidenten verträgt, der so viele Wähleranteile verloren hat». 3,8 Prozent betrug dieser Verlust, zwölf Sitze im Nationalrat. Letzte Woche nun hat Rösti angekündigt, er werde im März nicht mehr für das SVP-Präsidium kandidieren, wie die «NZZ am Sonntag» schreibt. Er wolle sich der Sachpolitik zuwenden, begründete er seinen Entscheid, den er freiwillig getroffen haben will. Ob dem tatsächlich so ist, darf freilich bezweifelt werden. Zwar dankten diese Woche mehrere SVP-Grössen Rösti für seine Arbeit und verwahrten sich dagegen, dem Berner Oberländer die Schuld an der Wahlniederlage zuzuschreiben. Doch Bortoluzzi zeigt sich weniger gnädig: «Albert Rösti hat als Präsident der SVP nicht das gebracht, was man sich versprochen hatte», sagt er und fügt an: «Er ist aber ein feiner Mensch und hätte eine zweite Chance verdient gehabt.» Bortoluzzi ist nun wiederum einer der Ersten, der offen seinen Favoriten nennt: «Aus meiner Sicht kommt Thomas Matter als neuer Präsident infrage. Er ist zwar ein Banker, hat aber auch eine Art, die die einfachen Leute anspricht.» Obwohl Bortoluzzi nicht mehr in Bern politisiert, gilt er als Vertrauter Blochers – und als Vizepräsident der SVP Zürich hat er nach wie vor Einfluss. Bis jetzt halten sich die meistgenannten Anwärter für die Nachfolge Röstis, die Nationalräte Thomas Matter und Marcel Dettling, noch bedeckt. Mike Egger, der bereits ein gewisses Interesse öffentlich bekundete, ist am Überlegen. Und Ständerat Werner Salzmann, Favorit der Berner, will nach Neujahr entscheiden.

Die grüne Nationalrätin Meret Schneider ist verschuldet und vorbestraft

Die Zürcherin Meret Schneider sitzt seit einem Monat für die Grünen im Nationalrat. Für die 27-Jährige hat ihr neues Mandat nur Vorteile – allerdings nicht nur politisch. Gegenüber «SonntagsBlick» sagt sie: «Ich habe 20'000 Franken Schulden.» Mit ihrem Lohn als Parlamentarierin könne sie diese nun endlich abzahlen. Hintergrund ist ein Rechtsstreit unter Tierschützern: Im Vorfeld der Basler Fleischlos-Initiative 2018 kritisierte Mitinitiantin Schneider auf den sozialen Medien einen anderen Tierschützer: Erwin Kessler (75), Präsident und Geschäftsführer des Vereins gegen Tierfabriken (VgT). Dabei ging es um Antisemitismus- und Rassismus-Vorwürfe. Kessler verklagte Schneider wegen Persönlichkeits- und Ehrverletzung. Nach dem Freispruch vor der Staatsanwaltschaft zog er den Fall weiter. Schneider wurde verurteilt. Sie musste die Anwaltsrechnungen beider Parteien berappen. Und sass plötzlich auf Gerichts- und Anwaltskosten von rund 30'000 Franken. Ein harter Schlag. «Ich musste lernen, mit sehr wenig Geld zu leben», sagt sie im «SonntagsBlick» weiter. Um ihre Organisation nicht zu belasten, hatte sie erklärt, ihre Äusserungen als Privatperson gemacht zu haben.

Unbeliebte Zürischnurre – beliebte Luzerner

Die Kapellbruecke und der Wasserturm in Luzern, am 16. Juli 2015. (KEYSTONE/Gaetan Bally)

The bridge

Die Stadt Luzern ist bei den Schweizern besonders beliebt. Bild: KEYSTONE

Luzern ist bei Schweizerinnen und Schweizern die beliebteste Stadt, gefolgt von Bern und Basel. Zürich ist zwar beliebt für seine Gastronomie, für das kulturelle Angebot und die guten Jobs. Doch die Zürcher kommen bei ihren Deutschschweizer Mitbürgern schlechter an als bei den Welschen. Oder wie es Professor Andreas Herrmann von der Uni St.Gallen gegenüber der «NZZ am Sonntag» augenzwinkernd erklärt: «Wer die Zürcher versteht, mag sie weniger. Vielleicht, weil er die Zürischnurre besser vom beliebteren Berner Singsang unterscheiden kann.» Herrmann, Leiter des Customer-Insight-Instituts, hat zusammen mit der Agentur Jung von Matt/Limmat untersucht, wie die Schweizer Städte wahrgenommen werden. «Wir wissen, wie weit die Städte geografisch auseinanderliegen», erklärt er. «Nun wollten wir eine psychologische Landkarte über die emotionale Nähe und Distanz der Städte erstellen.» Dabei zeigte sich, dass die Zürcher nicht nur einstecken müssen, sie können auch austeilen: Ihr Verhältnis zu Winterthur empfinden sie als so distanziert, dass die zweitgrösste Stadt des Kantons auf der Landkarte der Sympathien irgendwo in Süddeutschland zu liegen käme. Am härtesten trifft es allerdings die Aarauer: Ihre Stadt belegt auf der Rangliste der beliebtesten Städte den letzten Platz. Eine gewisse Sympathie erfahren sie immerhin von den Schaffhausern.

Krebspatienten müssen immer länger auf neue Medikamente warten

Patientinnen und Patienten in der Schweiz müssen gemäss «NZZ am Sonntag» auf den Zugang zu neuartigen Krebsmedikamenten immer länger warten. Dauerte es vor zehn Jahren im Durchschnitt 234 Tage, bis eine Therapie nach der Zulassung von den Krankenversicherungen vergütet werden musste, hat sich die Frist bis 2018 auf 463 Tage verdoppelt. Eine Studie der Universität Zürich belegt nach Analysen von rund 70 neuen Krebsmitteln den Trend. Der Grund für die Verlängerung findet sich in den härter werdenden Preisverhandlungen des Bundesamtes für Gesundheit mit den Pharmaanbietern. In einigen Fällen feilschen die beiden Parteien mehr als 1000 Tage um die Konditionen. Darunter leiden vor allem schwerkranke Patienten, die dringend auf neuartige Therapien warten. Denn in der Phase der Preisverhandlungen entscheidet die jeweilige Krankenkasse des Patienten fallweise, ob sie eine Therapie vergüten will. Onkologen beklagen Willkür und fehlendes Fachwissen bei den Versicherungen: «Die Gleichbehandlung der Patienten ist nicht mehr sichergestellt», sagt Markus Borner, Präsident der Schweizerischen Gesellschaft für Medizinische Onkologie. Das Bundesamt für Gesundheit stellt nun Massnahmen in Aussicht, welche die Situation verbessern sollen.

Lehrerverband: Neuer Angriff auf die Schulnoten

Schulzeugnis! Erfuellen Kinder in der Primarschule die Erwartungen der Eltern? Aufgenommen am Freitag, 13. Juli 2001 in Kloten. (KEYSTONE/Franco Greco) === ELECTRONIC IMAGE ===

Kinder sollen nicht von Beginn weg auf ein «Lernen für Noten» getrimmt werden. Bild: KEYSTONE

Die Präsidentin des Schweizer Lehrerverbandes, Dagmar Rösler, will weniger Noten in der Schule. «Ich bin dafür, dass wir die Noten möglichst sanft und spät einführen», sagt Rösler der «NZZ am Sonntag». Man solle die Kinder nicht zum «Lernen für Noten» trimmen. Damit steht sie nicht allein. Solange der Kampf um den neuen Lehrplan tobte, hielten sich Lehrer und Bildungspolitiker zurück. Jetzt lancieren sie eine neue Debatte über die Abschaffung der Noten in der Primarschule. Viele Pädagogen würden Schüler lieber mit Worten statt mit Zahlen beurteilen. So empfahlen Erziehungswissenschaftler in einem Bericht für den Kanton St.Gallen eine Abkehr von notenbasierten Zeugnissen. In den Kantonen gewinnt das Thema ebenfalls an Fahrt. Im Bildungsrat des Kantons Zürich ist es fürs neue Jahr traktandiert. Und die Erziehungsdirektorenkonferenz (EDK) will «den Faden wieder aufnehmen», sagt deren Präsidentin, die Zürcher Bildungsdirektorin Silvia Steiner (cvp.) der «NZZ am Sonntag». Sie selber sei für eine klare Graduierung der Leistungen, dafür würden sich Noten eignen. Widerstand kündigt dagegen die SVP an. Vor zehn Jahren wurde – auch auf Druck der SVP – mittels Abstimmungen in mehreren Kantonen die Wiedereinführung von Zeugnissen für die Schüler durchgesetzt.

Schweizer bestellen jährlich Essen für 1,2 Milliarden Franken nach Hause

Die Schweizerinnen und Schweizer haben im Jahr 2018 Essen für 1,2 Milliarden Franken nach Hause bestellt. Von dieser Schätzung geht das Home Delivery-Unternehmen Eat.ch aus – Tendenz steigend. «Zwischen 2018 und 2020 wird das Volumen nochmals um 15 Prozent, auf 1,4 Milliarden Franken, wachsen», sagt Eat.ch-Chef Dominic Millioud im «SonntagsBlick». Die Firma hat eine Auswertung der Bestellungen des Jahres 2019 vorgenommen: In der Deutschschweiz dominierte mit 49 Prozent die Pizza. Die Welschen stehen auf Fernost: Sushi liegt mit 53 Prozent an der Spitze der Bestellungen. In der Innerschweiz ist der Anteil bestellter Burger am höchsten. Und die Walliser sind die Latinos unter den Eidgenossen: Im Rhonetal folgt nach Pizza gleich der mexikanische Fastfoodklassiker Tacos. In der Deutschschweiz liegt der Anteil bestellter Salate mit 14 Prozent doppelt so hoch wie in der Romandie (7 Prozent). Ob sich daraus Rückschlüsse auf eine gesündere Lebensweise ziehen lassen, bleibt offen. Unterschiede auch zwischen den beiden Basel: Die Baselbieter bestellen um die Hälfte mehr Pizzen – und doppelt so viel Salat wie die Stadtbasler. Nach einer gibt Schätzung von UBS wird sich der globale Gesamtmarkt bis 2030 verzehnfachen wird. Gründe für den Boom gebe es laut Millioud mehrere. “Ein Faktor ist zum Beispiel, dass es immer mehr Single-Haushalte gibt.”

Verkehrsministerin Sommaruga will 1,3 Milliarden Franken zusätzlich in den Bahnunterhalt investieren

ARCHIV - AM 11. DEZEMBER 2019 WIRD SIMONETTA SOMMARUGA VORAUSSICHTLICH ZUR BUNDESPRAESIDENTIN GEWAEHLT, DAZU STELLEN  WIR IHNEN FOLGENDES BILDMATERIAL ZUR VERFUEGUNG - Bundesraetin Simonetta Sommaruga waehrend einer Medienkonferenz, am Montag, 12. Maerz 2018 in Bern. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Sommaruga will mit hohen Investitionen gegen Pannen und Unfälle bei der SBB vorgehen. Bild: KEYSTONE

Pannen, Unfälle, Verspätungen: Die SBB haben in den vergangenen Monaten regelmässig für negative Schlagzeilen gesorgt. Nun will Verkehrsministerin Simonetta Sommaruga den guten Ruf der Schweizer Bahnen retten. Sie werde demnächst dem Bundesrat für die Jahre 2021 bis 2024 zusätzlich 1,3 Milliarden Franken für den Unterhalt der Bahninfrastrutkur beantragen, sagt sie im grossen Interview mit der «SonntagsZeitung». Sommaruga verspricht sich von der Milliarden-Investition ein stabileres Bahnnetz mit weniger Ausfällen und mehr Sicherheit. «Die Passagiere profitieren, wenn wir Gleise, Tunnels, Brücken, Perrons und Fahrleitungen gut instand halten.» Dank des Bahninfrastruktur-Fonds sei das Geld grundsätzlich vorhanden. Die neu gewählte Bundespräsidentin räumt aber ein, dass mehr Unterhalt vorübergehend zu noch mehr Baustellen auf dem Bahnnetz führen wird. «Die grosse Herausforderung ist die Planung.» Sie habe das Problem mit dem Bundesamt für Verkehr angeschaut. Unterhaltsarbeiten könnten zum Teil nachts ausgeführt werden, wenn weniger Züge unterwegs seien. Schon jetzt ist klar: 2020 werden die SBB so viel bauen wie noch nie. Grund dafür sind nicht nur Unterhaltsarbeiten, sondern auch von der Politik beschlossene Ausbauschritte. Zu längeren Streckensperrungen kommt es etwa auf den Strecken Bern-Neuenburg und Wil-Weinfelden – und der Bahnhof Altdorf UR wir für ein Jahr geschlossen.

Die Schweiz verhängt so viele Einreiseverbote wie noch nie

Im laufenden Jahr hat der Bund so viele Einreisesperren erlassen wie nie zuvor. Das berichtet der «SonntagsBlick» gestützt auf Zahlen des Bundesamtes für Polizei (Fedpol). Demnach wurden von Anfang Januar bis Ende November 118 Ausländer mit einem Einreiseverbot belegt. Am häufigsten traf die Massnahme Islamisten (62), gefolgt von mutmasslichen Spionen (31), Gewaltextremisten (13) und Mafiosi (12). Der Anstieg im Jahr 2019 ist laut Fedpol vor allem auf eine härtere Gangart im Bereich organisierte Kriminalität und verbotener Nachrichtendienst zurückzuführen.

Schweizer Firmen ignorieren den Klimaschutz

Menschen demonstrieren am schweizweiten Klimastreik gegen die Klimapolitik und fuer einen sicheren Klimaschutz am Samstag, 6. April 2019 in Zuerich. (KEYSTONE/Ennio Leanza)

Die Klimademos scheinen bei der Mehrheit der Schweizer Unternehmen keine Wirkung zu zeigen. Bild: KEYSTONE

Eine Mehrheit der Schweizer Unternehmen hat keine konkreten Ziele zum Klimaschutz. Das zeigt eine neue Umfrage des Beratungsunternehmen Deloitte, die der «SonntagsZeitung» vorliegt. Gemäss der Befragung von 103 mittelgrossen und grossen Firmen in der Schweiz haben sich 57 Prozent keinerlei Vorgaben zur Reduktion von klimaschädlichen Gasen gesetzt. Damit schneiden die hiesigen Firmen im europäischen Vergleich unterdurchschnittlich ab. Einige Länder sind schon weiter: In Schweden bekennen sich 64 Prozent der befragten Firmen zu Zielen, um ihren CO₂-Fussabdruck zu reduzieren. Noch schlechter sieht es bei Schweizer Firmen aus, wenn es darum geht, die Risiken des Klimawandels für den eigenen Betrieb zu analysieren. Nur ein Viertel hat laut der Befragung eine solche Analyse überhaupt vorgenommen. Laut Alessandro Miolo, Leiter Audit und Versicherung bei Deloitte, ist das zu wenig. «Diese Zahl wird hoffentlich rasch steigen. Der Klimawandel wird nicht nur unser Leben stark beeinflussen, sondern hat auch grosse Auswirkungen auf Produkte, Dienstleistungen und Geschäftsmodelle.»

Subprime ist zurück – diesmal sind es Ramschkredite für Autos

In den USA werden wieder Ramsch- und Schrottpapiere angeboten, die vor gut einem Jahrzehnt die Finanzkrise ausgelöst haben. Wie die «SonntagsZeitung» schreibt, geht es diesmal nicht um minderwertige Hypothekarkredite wie zu Zeiten der Finanzkrise. Stattdessen boomen Autokredite auf dem Markt für Asset Backed Securities. Das sind Finanzinstrumente, die mit Autokrediten unterlegt sind. Renditehungrige Investoren stehen Schlange. Sie scheren sich kaum um Risiken. Solche auch Subprime genannten Papiere werden trotz steigender Risiken gekauft, bestätigt Jennifer Thomas, Analystin bei der Bostoner Investmentfirma Loomis Sayles. Sie schätzt das Volumen auf den Rekordstand von 29 Milliarden Dollar. Gleichwohl wächst die Sorge, dass sich zahlreiche Haushalte finanziell übernehmen. Daten der Federal Reserve Bank of New York zeigen, dass die Zahl der nicht bedienten Autokredite steigt. Der gesamte Autokreditmarkt in den USA hat ein Volumen von 1,3 Billionen Dollar, davon sind rund 62 Milliarden Dollar und damit 4,8 Prozent stark ausfallgefährdet. Das ähnelt dem Niveau während der Finanzkrise 2008. In einer Studie verweist die US-Notenbank Fed auf eine Konzentration der Risiken.

Assange-Prozess: UNO-Sonderbeauftragter für Folter kritisiert US-Justiz und die Schweiz

epa07539717 (FILE) - Wikileaks founder Julian Assange speaks to reporters on the balcony of the Ecuadorian Embassy in London, Britain, 19 May 2017 (reissued 01 May 2019). Reports on 01 May 2019 state Wikileaks founder Julian Assange has been sentenced by a court in London to 50 weeks in jail for breaching his bail in 2012. Assange breached his bail in 2012 by entering the Ecuadorean embassy in London in a bid to avoid being extradited to Sweden to face allegations of rape and sexual assault. Assange was arrested at Ecuadorean embassy in March 2019.  EPA/FACUNDO ARRIZABALAGA *** Local Caption *** 55004940

Bild: EPA/EPA

Nils Melzer, UNO-Sonderbeauftragter für Folter, lässt kein gutes Haar am Verfahren gegen Wikileaks-Gründer Julian Assange, der in britischer Haft sitzt. Melzer kritisiert die US-Justiz und den Schweizer Bundesrat, der zu diesem Fall schweigte. Das Verfahren «ist rechtsstaatlich inakzeptabel und erinnert an ein diktatorisches Regime, aber nicht an eine moderne Demokratie», sagt er im Interview mit dem «SonntagsBlick». Zur Rolle der Schweiz sagt er: «Die Schweiz möchte es wohl vermeiden, sich hier auf die falsche Seite zu stellen, sich zu exponieren. Denn sie ist wirtschaftlich davon abhängig, dass die Amerikaner nicht mit dem Vorschlaghammer auf den Finanzplatz losgehen.» Aber in diesem Fall gehe es um den Schutz von Whistleblowern, der freien Presse und des Rechtsstaates – «um Themen also, für welche unsere Politik einsteht», so der Schweizer weiter. «Dass die Schweiz hier schweigt, ist langfristig sicher nicht in ihrem besten Interesse.» Mit ihrer demokratischen, humanitären und menschenrechtlichen Tradition könnte die Schweiz laut Melzer «auch gegenüber mächtigen Staaten viel deutlicher sein und auf diplomatischem Wege zur Einhaltung grundlegender völkerrechtlichen Normen mahnen».

Ärzte machen Übergewichtige oft zu Patienten zweiter Klasse

Fast jeder dritte Patient beim Hausarzt ist nach medizinischen Massstäben zu dick, jeder fünfte ist sogar als adipös oder fett anzusehen. Trotzdem treten die Ärzte den Betroffenen mit einer befremdlichen Einstellung entgegen: Laut Umfragen empfinden über die Hälfte der Mediziner Übergewichtige als unattraktiv, unangenehm und unkooperativ. Ein Drittel attestiert ihnen einen Mangel an Selbstdisziplin und Willensstärke, die Attribute faul und schlampig werden ebenfalls verliehen, wie die «NZZ am Sonntag» berichtet. Das spiegelt sich in der Behandlung wider: Studien zeigen, dass Sprechstunden bei übergewichtigen Patienten kürzer ausfallen, in Gesprächen wird weniger auf sie eingegangen. Für das Gesundheitssystem wird das zum Problem, weil Dicke um Arztpraxen zunehmend einen Bogen machen. Bei Krebsvorsorgeuntersuchungen etwa haben übergewichtige Menschen auffallend niedrige Teilnahmequoten. «Die entscheidenden Mechanismen, die über das Gewicht entscheiden, kann der Mensch selbst kaum aktiv beeinflussen», erklärt Bernd Schultes vom Stoffwechselzentrum St.Gallen. Appetit, Sättigung und der Kalorienbasisverbrauch werden unbewusst von Hormonen, Darm und den Genen gesteuert. «Nicht helfen zu können, ist uns Ärzten unangenehm», sagt Schultes. Als Mediziner verstehe man sich als Heiler und messe sich an dem Ziel, den Adipösen schlank zu machen. Die Schuld am eigenen Scheitern werde dann gerne an die Patienten weitergereicht, sagt der Arzt.

Tierhalter im Visier von Betrügern

Mit einer grausamen Masche ködern Kriminelle verzweifelte Tierhalter, die ihren Vierbeiner suchen. Dabei kontaktieren vermeintliche Finder die Besitzer von vermissten Hunden oder Katzen. Sie geben an, die Vierbeiner gefunden und mit ins Ausland genommen zu haben. Als Entgelt beispielsweise für Tierarztbesuche verlangen die Gauner hohe Beträge und drohen das Tier erst nach der Überweisung des Geldes rauszurücken. Weil sich bei der Schweizerischen Tiermeldezentrale die Fälle häuften, bei denen Hunde- und Katzenhalter Opfer von solchen Gaunern geworden sind, liess Geschäftsführerin Bernadette Christen die Anzeigen auf der Plattform überarbeiten: «Bisher waren die Kontaktdaten der Tierhalter ersichtlich. Heute haben diese die Möglichkeit, ihre Meldungen zu anonymisieren», sagt sie gegenüber der «SonntagsZeitung».

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