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In den neuen SBB-Zügen fehlt die Fläche für Kinderwagen – die SBB sehen das anders

Die Mängelliste des neuen SBB-Pannenzugs wird um einen Punkt verlängert: Bei der Planung ging vergessen, dass Eltern mit Kleinkindern meist mit Kinderwagen unterwegs sind. Nur einen einzigen Kinderwagen-Abstellplatz gibt es im Familienwaggon.

Barbara Inglin / ch media



Im oberen Geschoss des Doppelstockzuges laden eine Rutschbahn und ein Häuschen zum Spielen ein, die Toilette ist gar mit einem Wickeltisch ausgestattet.

Doch Eltern von Kleinkindern, die mit einem Kinderwagen unterwegs sind, stehen vor einem Platzproblem: Im Familienwagen des neuen Bombardier-Zugs fehlen nämlich Abstellplätze für Kinderwagen.

Schöne bunte Kinderwelt – solange keine Familien mit Kinderwagen zusteigen: Familienabteil des FV-Dosto.

Schöne bunte Kinderwelt – solange keine Familien mit Kinderwagen zusteigen: Familienabteil des FV-Dosto. Bild: zvg

Nur ein einziger regulärer Parkplatz steht im Familienwagen, wo oft ganze Kinderscharen anzutreffen sind, zur Verfügung. Gleich daneben angebracht der Hinweis: Gepäckstücke können auch am Bahnschalter aufgegeben und verschickt werden.

Gingen die Kinderwagen bei der Planung vergessen? Keineswegs, finden die SBB. «Nebst einem klassischen Abstellplatz für Kinderwagen besteht Abstellfläche auch im sogenannten Multifunktionsabteil», sagt SBB-Sprecher Christian Ginsig.

Konkret handelt es sich dabei um ein Abteil mit Sitzplätzen, die sich bei Bedarf hochklappen lassen. Vorausgesetzt natürlich, die Plätze sind noch frei – respektive die darauf sitzenden Passagiere bereit, diese freizugeben. Und vorausgesetzt, der Stauraum ist nicht bereits von einem Rollstuhl oder grossen Gepäckstücken besetzt, für die das Multifunktionsabteil ebenfalls vorgesehen ist.

Christian Ginsig, SBB, anlaesslich der Baustellenbegehung Boezbergtunnel am Montag, 1. April 2019, in Schinznach Dorf. Die SBB realisiert einen 4-Meter-Korridor auf der Gotthard-Achse bis Ende 2020. (KEYSTONE/Alexandra Wey)

SBB-Mediensprecher Christian Ginsig. Bild: KEYSTONE

Zwei zusätzliche Abstellplätze für Kinderwagen können mit den hochgeklappten Sitzen dazugewonnen werden, bei besonders platzsparenden Modellen sind es wohl deren drei. Das macht maximal vier Plätze für den gesamten Familienwagen.

Ginsig betont, dass es bei dieser Komposition über den ganzen Zug verteilt in drei weiteren Wagen Multifunktionsabteile gebe. Die gesamte Abstellfläche entspreche somit jener im «alten» Doppelstockzug IC2000. Es gebe genügend Plätze, betont Ginsig. Handlungsbedarf sehen die SBB nicht. Anpassungen sind keine geplant.

Die alten Doppelstöcker bieten deutlich mehr Platz

Der Familienwagen im alten Doppelstöcker ist im Verhältnis dazu geradezu komfortabel ausgestattet. Rund die Hälfte des Untergeschosses ist als Abstellfläche freigehalten. Allerdings wird es auch hier regelmässig eng.

Denn die Familien teilen sich die Fläche mit den Velofahrern, welche hier ihre Zweiräder abstellen. An Wochenenden, wenn Ausflüge und Ausfahrten anstehen, wird der Platz jeweils knapp. Während die einen den Spielwagen für sich reklamieren, pochen die anderen auf den Abstellplatz für ihr Velo, für welches sie – im Gegensatz zu den Kinderwagen – gar ein Ticket lösen müssen. Konflikte sind programmiert.

Zumindest diese Kampfzone wird im neuen Zug aufgelöst. Für die Velofahrer stehen in insgesamt fünf Wagen je zwei Abstellplätze zur Verfügung – fern der Familienzone.

Der neue Fernverkehr-Doppelstockzug von Bombardier, kurz FV-Dosto, sorgt immer wieder für negative Schlagzeilen. SBB-Chef Andreas Meyer sprach von einer «schmerzhaften Zangengeburt».

Bestellt wurden die 59 Kompositionen für 1.9 Milliarden Franken bereits im Jahr 2010. Der neue Zug sollte ab 2013 mit bis zu 1300 Sitzplätzen für mehr Kapazität auf der stark frequentierten Ost-West-Achse sorgen. Die Auslieferung verzögerte sich jedoch um Jahre.

Erst seit dem Fahrplanwechsel im letzten Dezember sind die ersten zwölf Züge im Einsatz – sofern sie denn überhaupt fahren. Die Kompositionen sind pannenanfällig und haben regelmässig Verspätung.

Unter anderem kommt es immer wieder zu Türstörungen, weshalb die Züge im Bahnhof stehen bleiben. Zudem wackeln die Züge zu stark, wenn sie in langsamem Tempo über eine Weiche fahren.

Damit nicht genug. Ein weiteres Problem haben Behindertenverbände ausgemacht. Beim Ein- und Aussteigen muss eine relativ steile Rampe überquert werden, was gemäss den Verbänden selbst für kräftige Rollstuhlfahrer ein grosses bis unüberwindbares Hindernis darstellt. Eine Beschwerde des Dachverbandes Inclusion Handicap vor Bundesgericht ist hängig.

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