DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
ARCHIV -- ZU DEN EIDGENOESSISCHEN ABSTIMMUNGEN VOM SONNTAG, 25. NOVEMBER 2018, UEBER DAS SOZIALVERISCHERUNGSGESETZ, STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILDMATERIAL ZUR VERFUEGUNG -- Privat Detektivin observiert in Zuerich am 28. Mai 2018. (KEYSTONE/Gaetan Bally)

Eine Frau überwacht IV-Bezüger. (Symbolbild) Bild: KEYSTONE

«IV auf einem Auge blind»: Sozialdetektiv-Befürworter warnen vor Scheininvalidendebatte

Kurz vor der Abstimmung über Sozialdetektive legt Andreas Dummermuth Überwachungsvideos vor. Er wolle eine neue Scheininvalidendebatte verhindern, sagt der Präsident der Konferenz der kantonalen Ausgleichskassen.

kari kälin / ch media



Der Mann ist arbeitsunfähig, sozial isoliert, kann sich nicht konzentrieren, scheut den Blickkontakt, gibt sich wortkarg und apathisch. Ein Überwachungsvideo entlarvt die Beschwerden, die mehrere Ärzte bestätigt hatten, als Erfindung. Der Mann bewegt sich gekonnt auf Baugerüsten, tauscht sich rege mit Arbeitskollegen aus.

Bild

Das Video eines Detektivs entlarvt den IV-Bezüger (roter Pfeil) als ziemlich agilen Bauarbeiter. Bild: zvg az

Ein zweiter Film eines Sozialdetektivs zeigt ein ähnliches Bild. Der Arbeiter geht in die Hocke, läuft agil über Baugerüste, malt Wände. Dabei leidet er angeblich unter grossen Schmerzen an Schulter, Rücken und Knie, kann nur während dreier Stunden pro Tag als Magaziner arbeiten. Gemäss dem Observationsbericht rackerte sich der Mann jedoch bis zu elf Stunden an einem Tag auf der Baustelle ab.

«Auf einem Auge blind»

Beide Überwachungen erfolgten im Auftrag einer IV-Stelle. Seit Mitte des letzten Jahres dürfen die Sozialversicherungen aber keine Detektive mehr losschicken. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte taxierte die gesetzliche Grundlage als ungenügend. Am 25. November stimmt das Volk über ein revidiertes Gesetz ab, welches die Überwachung von mutmasslichen Betrügern neu regelt.

Eine Überwachung kostet rund 10'000 bis 20'000 Franken. Doch das lohnt sich. Allein in den beiden erwähnten Fällen spart die IV je eine halbe Million Franken – wenn man davon ausgeht, dass die Betroffenen bis zum Erreichen des AHV-Alters eine IV-Rente bezogen hätten.

Bild

Andreas Dummermuth Bild: screenshot twitter/Forum_GW_Basel

«Ohne Überwachungsvideos sind die IV-Stellen auf einem Auge blind», sagt Andreas Dummermuth, Direktor der Ausgleichskasse Schwyz und Präsident der Konferenz der kantonalen Ausgleichskassen (KKAK), der uns die Videos zur Verfügung gestellt hat. Nicht nur aus finanziellen Gründen hält Dummermuth das neue Gesetz für unentbehrlich. «Ich befürchte, dass bei einem Nein die unselige und unterdessen verstummte Scheininvalidendebatte neu aufflammt», sagt er.

Zur Erinnerung: Im Sommer 2003 führte SVP-Vordenker Christoph Blocher den Begriff «Scheininvalidität» in die Kontroverse über die steigende Zahl der IV-Bezüger ein. Der Begriff vergiftete die Diskussion über die IV über Jahre.

Ohne den Einsatz von Detektiven müssten sich die Sozialversicherungen beim Rentenentscheid ausschliesslich auf medizinische Berichte stützen. Für Dummermuth genügt das nicht: «Erst die Überwachung erlaubt es, den ungerechtfertigten Leistungsbezug zu stoppen.» Dass die Ärzte Simulanten manchmal nicht erkennen, wirft ihnen Dummermuth nicht vor. «Es gibt keine Schmerzmesser, sie können auch nicht in den Kopf ihrer Patienten schauen.»

Das wäre den Detektiven mit dem neuen Gesetz erlaubt:

Video: watson/Angelina Graf

Gegner: «Ablenkungsmanöver»

Einr der vier Kampanienleiter, Daniel Graf anlaesslich zum Start des Referendum und der Abstimmungskampagne gegen das Obeservationsgesetz und die Ueberwachung von Versicherten am Montag, 17. September 2018 vor dem Hauptsitz der CSS Versicherung in Luzern.(KEYSTONE/Urs Flueeler)

Daniel Graf Bild: KEYSTONE

Über Videos, die zur Aberkennung von IV-Renten führten, berichtete in ihrer letzten Ausgabe auch die SRF-Sendung «Rundschau». Daniel Graf vom Referendumskomitee «Versicherungsspione Nein» warf der «Versicherungslobby» vor, sie setze auf «pure Emotionen». Er sei nicht gegen Observationen. Sie müssten aber rechtsstaatlich wasserdicht sein, und das Gesetz dürfe nicht Tür und Tor für willkürliche Überwachungen öffnen.

Einr der vier Kampanienleiter, Dimitri Rougy anlaesslich zum Start des Referendum und der Abstimmungskampagne gegen das Obeservationsgesetz und die Ueberwachung von Versicherten am Montag, 17. September 2018 vor dem Hauptsitz der CSS Versicherung in Luzern.(KEYSTONE/Urs Flueeler)

Dimitri Rougy Bild: KEYSTONE

Grafs Mitstreiter Dimitri Rougy hält die Videos und Dummermuths Warnung vor einer neuen Scheininvalidendebatte für ein Ablenkungsmanöver. «Das zeigt, dass die Befürworter keine Argumente haben», sagt er. Das Gesetz sei schlampig formuliert. «Mit einem Nein geben wir dem Parlament den Auftrag, rechtsstaatlich saubere Paragrafen zu formulieren, die nicht die Grundrechte beschneiden und Rechtsprofessoren die Haare zu Berge stehen lassen», sagt Rougy. Das Gesetz biete den Sozialversicherungen Hand für Machtmissbrauch.

Oft geben Nachbarn Hinweise

Dummermuth verteidigt die Publikation der Überwachungsvideos. «Das Volk muss sich in voller Kenntnis der Fakten ein Bild machen können», sagt er. Der KKAK-Präsident betont, die IV-Stellen würden Überwachungen nur als Ultima Ratio einsetzen und wenn sie klare Anhaltspunkte auf einen missbräuchlichen Leistungsbezug hätten. Oft stammten Hinweise von Nachbarn. «In einem Fall sahen Nachbarskinder eine angeblich an den Rollstuhl gefesselte Person beim Schneeschaufeln», sagt Dummermuth.

Dank Observationen sparten die IV-Stellen in den Jahren 2010 bis 2016 insgesamt 170 Millionen Franken. In diesem Zeitraum wurden 1050 IV-Bezüger observiert, in 500 Fällen bestätigte sich der Verdacht. Pro Jahr geraten weniger als ein Promille der rund 220 000 IV-Bezüger ins Visier der Detektive. (aargauerzeitung.ch)

Das könnte dich auch interessieren:

Wie ich nach 3 Stunden Möbelhaus von Wolke 7 plumpste

Link zum Artikel

Die Fallzahlen steigen wieder leicht an – so sieht's in deinem Kanton aus

Link zum Artikel

Der Mann, der es wagt, Trump zu widersprechen

Link zum Artikel

Magic Johnson vs. Larry Bird – ein College-Final als Beginn einer grossen Sportrivalität

Link zum Artikel

4 Gründe, weshalb die Corona-Zahlen des BAG wenig mit der Realität zu tun haben

Link zum Artikel

Wie ansteckend sind Kinder wirklich? Was die Wissenschaft bis jetzt dazu weiss

Link zum Artikel

Das iPad kriegt Radar? Darum ist der Lidar-Sensor eine kleine Revolution

Link zum Artikel

Lasst meinen Sex in Ruhe, ihr Ehe- und Kartoffel-Fanatiker!

Link zum Artikel

So lief Tag 1 nach Bekanntgabe der «ausserordentliche Lage» für die Schweiz

Link zum Artikel

Corona International: EU beschliesst Einreisestopp ++ Italien mit 345 neuen Todesopfern

Link zum Artikel

Die Schweiz befindet sich im Notstand – die 18 wichtigsten Antworten zur neuen Lage

Link zum Artikel

Urteil gegen Ex-Polizist wegen Tötung George Floyds

Link zum Artikel

Ein Virus beendet Jonas Hillers Karriere: «Es gäbe noch viel schlimmere Szenarien»

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Aktuelle Polizeibilder: 

1 / 95
Aktuelle Polizeibilder: Lagergebäude durch Brand beschädigt
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Initiative steht: Ein bedingungsloses Grundeinkommen für 500 Menschen aus Zürich

In einem wissenschaftlichen Pilotversuch sollen 500 Menschen in der Stadt Zürich während drei Jahren ein bedingungsloses Grundeinkommen erhalten. Dies fordert eine Initiative vom Zürcher Stadtrat. Über 4000 Unterschriften wurden gesammelt.

Innerhalb der letzten 6 Monate konnten mehr als 4000 Unterschriften für die Initiative «Wissenschaftlicher Pilotversuch Grundeinkommen» gesammelt werden. Heute werden diese nun dem Zürcher Stadtrat übergeben, wie das Initiativkomitee mitteilt.

Im Rahmen des Projektes sollen mindestens 500 Personen während drei Jahren ein Grundeinkommen erhalten. Die Höhe des Grundeinkommens ist im Pilotversuch noch nicht festgelegt. Bedingung ist aber, dass das soziale Existenzminimum der Stadt Zürich nicht …

Artikel lesen
Link zum Artikel