Schweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Bild

Was ich wirklich denke

Ein dunkelhäutiger Schweizer erzählt, was er vom «Mohrenkopf»-Entscheid der Migros hält



Was ist «Was ich wirklich denke»?

Was ist «Was ich wirklich denke»? Wir gestehen: Bei der Idee für «Was ich wirklich denke» haben wir uns schamlos beim Guardian-Blog «What I'm really thinking» bedient. Wir mussten fast, denn die Idee dahinter passt wie die Faust aufs Auge auf unseren alten Claim «news unfucked». Es geht darum, Menschen, Experten, Betroffene anonym zu einem Thema zu Wort kommen zu lassen, ohne dass diese dabei Repressalien befürchten müssen. Roh und ungefiltert. Und wenn du dich selber als Betroffener zu einem bestimmten Thema äussern willst, dann melde dich bitte unter wasichdenke@watson.ch.

Die Namen unserer Gesprächspartner sind frei erfunden.

Ich finde es schon erstaunlich, wie viele Reaktionen der Entscheid der Migros ausgelöst hat. Alle wollen mitdiskutieren. Dabei können die meisten doch gar nicht nachvollziehen, wie es aus Sicht eines Betroffenen ist.

Als Kind hat mir das Wort «Mohrenkopf» immer einen Stich versetzt. Nicht nur, weil mich die Kinder auf dem Pausenhof immer wieder so nannten oder weil auf den Verpackungen so ein übertrieben dargestelltes Gesicht eines Schwarzen zu sehen war. Mit viel zu grossen Lippen und einem Ring in der Nase.

Es ist nämlich nicht so, als ob es nur das wäre. Es ist die Summe an Diskriminierungen, die einem permanent das Gefühl geben, weniger wert zu sein. Etwa das Spiel «Wer hat Angst vor dem schwarzen Mann?», das Lied «Zehn kleine Negerlein» und so weiter und so fort.

Das ist alles nicht unbedingt böse gemeint, aber wenn man das immer wieder mitbekommt als Dunkelhäutiger, dann hat man irgendwann einfach die Schnauze voll. Ich glaube, das ist mit ein Grund, weshalb so viele Leute jetzt auf die Strasse gehen.

Ich werfe den Leuten nicht vor, dass sie rassistisch sind, wenn sie «Mohrenkopf» sagen. Viele wissen vielleicht gar nicht, dass das Wort «Mohr» von den Kolonialisten benutzt wurde, die dunkelhäutige Menschen versklavten.

Wenn jetzt aber weisse Personen sagen, das Wort «Mohrenkopf» habe nichts mit Rassismus zu tun, dann ist das falsch. Das ist genau das «white privilege», von dem jetzt immer wieder die Rede ist.

Einer weissen Person versetzt es ja nie einen Stich ins Herz, wenn sie das Wort «Mohrenkopf» hört. Es kann doch nicht sein, dass sie uns sagen, wie wir uns fühlen sollen.

Es gibt sehr viele Leute, welche die «Black-Lives-Matter»-Bewegung, jetzt nach dem Tod von George Floyd, gut finden. Aber wenn es dann darum geht, «Mohrenköpfe» zu entfernen, dann regen sich alle auf. Dabei ist das doch gut so. Die Zeiten ändern sich, wir sagen ja auch nicht mehr «Neger».

Ich habe ein gewisses Verständnis dafür, wenn sich gewisse Leute jetzt darüber Sorgen machen, dass Schweizer Traditionen verloren gehen. Aber bitte: Der Mohrenkopf ist jetzt nicht wirklich eine so grosse Schweizer Tradition. Da gibt es andere Traditionen, auf die wir wirklich stolz sein können.

Den Entscheid der Migros finde ich gut. Allerdings ist der Zeitpunkt nicht unbedingt super. Jetzt sieht es so aus, als ob die Migros auch noch auf den «Black-Lives-Matter»-Zug aufspringen will. Mir wäre es ehrlich gesagt lieber gewesen, sie hätten die «Mohrenköpfe» bereits früher stillschweigend aus dem Regal entfernt. Oder halt einfach umbenannt. Ich habe ja nichts gegen das Produkt an sich.

Aber immerhin scheinen die Proteste jetzt eine gewisse Wirkung zu entfalten. Ich hoffe einfach, dass die Leute so langsam ein Bewusstsein dafür entwickeln, was so Worte wie «Mohrenkopf» für die Betroffenen bedeuten.

(Aufgezeichnet von watson.ch)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Was struktureller Rassismus ist und warum es ihn auch in der Schweiz gibt

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

3,8 Milliarden Franken Umsatz: Denner profitiert stark von Coronakrise

Denner hat seinen Umsatz im Corona-Jahr 2020 um 15.7 Prozent gesteigert und einen Nettoumsatz von 3.8 Milliarden Franken erzielt. Das ist rund eine halbe Milliarde mehr als im Vorjahr. Dabei hat unter anderem der Mehrkonsum im Inland dem Discounter in die Hände gespielt, wie Denner am Montag mitteilte.

Die 570 eigenen Denner-Filialen hätten rund 3 Milliarden zum Umsatz beigetragen und seien um 15.6 Prozent gewachsen, hiess es weiter. Die 268 Partnerbetriebe wuchsen mit 16.2 Prozent und einem …

Artikel lesen
Link zum Artikel