Schweiz
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Früherer UBS-Chef Marcel Ospel ist gestorben

Der ehemalige UBS-Verwaltungsratspräsident Marcel Ospel ist tot. Der Basler Ex-Banker starb in der Nacht auf Sonntag im Alter von 70 Jahren an Krebs. Ospel war der erste Konzernchef der UBS und von 2001 bis 2008 deren Verwaltungsratspräsident.



Hanspeter Hammel alias «Minu», ein enger Freund Ospels, bestätigte den Todesfall gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Hammel erhielt die Information von Ospels Witwe Adriana Ospel-Bodmer.

Immer wieder geriet Ospel ins Fadenkreuz der Kritik, sei es als es um seine Rolle beim Zusammenbruch der Fluggesellschaft Swissair ging, sei es wegen seiner üppigen Lohnbezüge. Die Fehlspekulationen mit US-Ramschhypotheken kosten UBS-Präsident Marcel Ospel 2008 den Posten.

UBS Chairman of the Board Marcel Ospel speaks during the Swiss bank's extraordinary general assembly in the St. Jakobshalle, Basel, Wednesday, February 27, 2008. The assembly is held because the UBS needs its share holders to agree for a capital increase in the amount of 13 billion Swiss Francs (11.9 billion US Dollars) due to the banks losses caused by the bank's engagement in the credit crisis affected US market. 11 billion Francs of the cash injection are supposed to come from the Singapore Investment Corporation, the other two billion from an investor in the Mideast. (KEYSTONE/Alessandro Della Bella)

27. Februar 2008: Ospel beantragt bei der Generalversammlung eine Kapitalerhöhung im Umfang von 13 Milliarden Franken. Bild: KEYSTONE

Ospel prägte Fusion

Der Mann aus bescheidenen Verhältnissen hatte sich an die Spitze der Grossbank hinaufgearbeitet. Ospel, am 8. Februar 1950 in Basel geboren, stieg 1977 beim Schweizerischen Bankverein (SBV) ein und war dem Haus nur während drei Jahren zwischen 1984 und 1987 untreu, als er bei der Investmentbank Merrill Lynch arbeitete. Er prägte die Fusion des SBV mit der Schweizerischen Bankgesellschaft zur UBS im Jahr 1998.

Sein Amtsantritt war geprägt von der Beteiligung der UBS am Zusammenbruch der Swissair im Herbst 2001. Als die UBS der Swissair einen zusätzlichen Kredit verweigerte, wurde Ospel beschuldigt, aktiv zur Stilllegung der Swissair-Flotte beigetragen zu haben. Der «Swissair-Prozess» von 2007 beendete diese Vorwürfe, da die UBS nicht für schuldig befunden wurde, die Fluggesellschaft in den Konkurs getrieben zu haben.

Bis zum Zusammenbruch der US-Immobilienmärkte ab 2007 galt Ospels Leistungsausweis als tadellos - die UBS wurde als umsichtig geführte, grundsolide Bank gesehen.

Als ehrgeizig und zielstrebig beschrieben, wurde Ospel häufig dafür kritisiert, dass seine Vergütung zu hoch sei, er war einer der bestbezahlten Führungskräfte der Schweiz machte (18 Millionen Franken im Jahr 2004, 21 Millionen Franken im Jahr 2005).

Sein Umzug aus steuerlichen Gründen in den Kanton Schwyz trug dazu bei, dieses Image in der Öffentlichkeit zu stärken. Im Jahr 2006 stieg seine jährliche Vergütung auf 24 Millionen Franken, das 300-fache des Gehalts eines UBS-Kernmitarbeiters.

ARCHIV - ZUM TOD DES EHEMALIGEN UBS.VERWALTUNGSRATSPRAESIDENTEN MARCEL OSPEL (1950-2020) STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILDMATERIAL ZUR VERFUEGUNG - Outgoing UBS AG chairman Marcel Ospel waves with mustard after shareholder Rudolf Weber presented him with sausages,

Ospel wedelt mit einer Tube Senf, als er zum Abschied aus dem Verwaltungsrat von seinem Nachfolger Peter Kurer einen Ring Cervelats geschenkt bekommen hatte. Bild: AP

Turbulenzen der US-Finanzkrise

2007 geriet die UBS in die Turbulenzen der US-Finanzkrise: Die Bank kündigt damals Ende Sommer einige, aber nicht ernsthafte Schwierigkeiten an. Eine Enthüllung jagte die nächste, und am Vorabend der ausserordentlichen Generalversammlung im Februar 2008 beliefen sich die Verluste wegen der Hypothekarkrise in den USA auf mehr als 20 Milliarden Franken.

Bereits im Jahr 2007 hatte die Bank einen Verlust von 4,4 Milliarden Franken geschrieben- es war der erste Verlust in der Geschichte der UBS. Damit gehörte die UBS weltweit zu den am stärksten von der Kreditkrise betroffenen Banken.

Ospel wurde von den Aktionären heftig kritisiert. Die Bank war gezwungen, eine neue Kapitalerhöhung von 9,53 Milliarden Euro durchzuführen. Schliesslich bat die Bank den Bund um Hilfe und überwies 39,1 Milliarden Franken an «toxischen» Vermögenswerten an die Schweizerische Nationalbank.

Nach der Ablehnung einer Sonderprüfungskommission, die eine Premiere in der Geschichte der UBS gewesen wäre, akzeptiert die Generalversammlung, dass der Staatsfonds GIC von Singapur eine Beteiligung von knapp 10 Prozent am Kapital der UBS übernimmt. Der Staat Singapur, ein mit der Schweiz konkurrierender Finanzplatz, wurde damit zum grössten Aktionär der UBS. Im Mai 2017 trennte sich GIC dann von einem grossen Teil der UBS-Aktien und reduzierte die Beteiligung auf 2,7 Prozent.

Verzicht auf Wiederwahl als VR-Präsident

Am 23. April 2008 trat Ospel aus dem UBS-Verwaltungsrat zurück - er verzichtete auf die Wiederwahl. Er wurde mit sofortiger Wirkung durch Peter Kurer ersetzt. Im April 2010 verweigert die Jahreshauptversammlung die Entlastung für den Verwaltungsrat 2007.

Ospel war seit 2006 mit der 25 Jahre jüngeren Unternehmerin Adriana Ospel-Bodmer in dritter Ehe verheiratet. 2009 wurden die beiden Eltern von Zwillingen. Auch mit seinen beiden früheren Ehefrauen hatte Ospel je zwei Kinder.

Marcel Ospel mochte die Basler Fasnacht. (Archivbild)

Marcel Ospel mochte die Basler Fasnacht. Bild: KEYSTONE

Ospel war ein umtriebiger Basler Fasnächtler und gern gesehener Gast bei Anlässen wie dem Zürcher Opernball oder dem Sechseläuten. Im Nachruf in der «Basler Zeitung» bezeichnet Hammel Ospel als «klassischen Basler». (sda)

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