Schweiz
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Frauen sind im Alter stärker als Männer von Gewalt betroffen. Die Gleichstellung der Geschlechter ist laut dem Friedensdienst CFD die beste Prävention gegen diese Gewalt. (Symbolbild)

Sorgenthema Nummer 1 bleibt die Altersvorsorge. Bild: AP

Grösste Sorge der Schweizer ist die AHV – und das Vertrauen in die Politik schwindet

Laut dem jüngsten Sorgenbarometer der Credit Suisse ist die Altersvorsorge in den Augen der Schweizer das drängendste Problem. Deutlich fällt der Vertrauensverlust in die Politik aus. Die 4 wichtigsten Erkenntnisse.



AHV ist Sorge Nummer 1

Bei den von den befragten Schweizer Stimmberechtigten am häufigsten genannten Probleme gibt es auf den Spitzenplätzen keine Veränderungen. Das zeigt der neuste Sorgenbarometer, den das Institut Gfs Bern im Auftrag der Credit Suisse erstellt hat.

Gefragt nach den in ihren Augen fünf wichtigsten Problemen in der Schweiz nannten 47 Prozent das Thema AHV/Altersvorsorge, 41 Prozent das Thema Gesundheit/Krankenkassen und 30 Prozent der Befragten nannten das Thema Ausländer. Diese drei Themen belegten schon vergangenes Jahr die Podestplätze im Sorgenbarometer-Ranging.

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Bild: credit suisse sorgenbarometer 2019 / gfs bern

Mit 29 Prozent kommt das Thema Umweltschutz / Klimawandel auf Rang 4. Die Sorge um die Umwelt ist seit 2015 «kontinuierlich grösser geworden», wie die Forscher des Gfs Bern schreiben. Der Zuwachs von sechs Prozent im Vergleich zum Vorjahr ist der zweitgrösste Anstieg aller Probleme, nur die Sorge um die persönliche Sicherheit stieg mit elf Prozent noch stärker an.

Wenn die befragten Stimmberechtigten darum gebeten werden, statt den fünf dringendsten lediglich das in ihren Augen dringendste Problem zu benennen, landet das Thema Umweltschutz / Klimawandel mit 12 Prozent auf dem zweiten Platz hinter der Altersvorsorge mit 16 Prozent.

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Bild: credit suisse sorgenbarometer 2019 / gfs bern

Jüngere sorgen sich mehr ums Klima – SVPler kaum

Mit den Lebensumständen variiere auch die Sorgenwahrnehmung, schreiben die Studienautoren. Faktoren wie etwa das Alter oder der Wohnort einer Person beeinflussen, welche Prioritäten eine Person setzt und welche Probleme sie sieht.

Die folgende Grafik zeigt jedoch, dass die Wahrnehmung der Altersvorsorge als wichtigstes Problem unabhängig vom Wohnort oder dem Alter der Befragten gleich bleibt. Bei anderen Themen hingegen gibt es durchaus Unterschiede. Während für die Stimmberechtigten unter 39 Jahren Klima und Umweltschutz die zweitgrösste Sorge sind, liegt das Thema bei den 40- bis 64-Jährigen lediglich auf Rang 4 und schafft es bei den über 65-Jährigen nicht in die Top 5.

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Bild: credit suisse sorgenbarometer 2019 / gfs bern

Auch der Wohnort beeinflusst die Problemwahrnehmung. Bei den Bewohnern von Agglomeration sowie Städten ist das Umweltthema die am dritthäufigste genannte Sorge. Bei den Bewohnern der ländlichen Gebiete hingegen landet das Thema nicht in den Top 5. Ein umgekehrtes Bild zeigt sich beim Thema Ausländer: Für Stimmberechtigte, die auf dem Land und in kleineren und mittleren Agglomerationen wohnen, ist es die drittgrösste Sorge. In den Städten landet es lediglich auf Rang 5.

Und schliesslich beeinflusst auch die politische Einstellung die Problemwahrnehmung. Wenig überraschend nennen von jenen Befragten, welche mit den Grünen sympathisieren, 61 Prozent den Umweltschutz als eine ihrer fünf grössten Sorgen. Das ist der Spitzenwert unter den Parteien. Von den SVP-Anhängern hingegen nannten nur acht Prozent das Thema als eine ihrer grössten Sorgen.

Interesse an Politik auf Rekordhoch – Unzufriedenheit wächst

Trotz vergleichsweise tiefer Stimmbeteiligung bei den Wahlen im Oktober: Das Interesse der Schweizerinnen und Schweizer an der Politik erreicht mit 74 Prozent einen Höchstwert. Seit 2015 ist es kontinuierlich angestiegen.

Interesse an Politik

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Frage: «Ganz allgemein gesprochen, wie sehr sind Sie an politischen Fragen interessiert?» Bild: credit suisse sorgenbarometer 2019 / gfs bern

Doch die Stimmbürger sind nicht zufrieden mit der Politik. 46 Prozent der Befragten gaben an, dass Politik, Regierung und Verwaltung «in entscheidenden Dingen» oft versagen. Das entspricht dem höchsten Wert seit 2005, wie es im Sorgenbarometer der Credit Suisse heisst.

Politikversagen

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Frage: «Haben Sie das Gefühl, die Politik von Regierung und Verwaltung versage in entscheidenden Dingen?» Bild: credit suisse sorgenbarometer 2019 / gfs bern

Die beiden wichtigsten Sorgen der letzten Jahre, die Altersvorsorge und die Gesundheitskosten, seien konkrete innenpolitische Themen, bei denen von der Politik Lösungen erwartet wurden, wird Lukas Golder, Co-Leiter des Gfs Bern und Mitautor des Sorgenbarometers, in einer Medienmitteilung zitiert. «Doch diese Lösungen sind gemäss der Wahrnehmung des Elektorats nicht erfolgt, weshalb im Hinblick auf diese Sorgen eine gewisse Politikverdrossenheit auszumachen ist», so Golder.

Entsprechend sind auch 83 Prozent der Befragten der Meinung, der Bundesrat müsse seine Führungsrolle besser wahrnehmen. 68 Prozent finden, das Parlament müsse wieder mehr Kompromisse suchen. 77 Prozent betrachten «die sinkende Fähigkeit der Politik, für tragfähige Lösungen zu sorgen» als grösste Gefahr für die Schweizer Identität.

Vertrauen in Politik sinkt drastisch

Das Vertrauen der Stimmbürger in die Institutionen der Schweiz ist im Vergleich zum Vorjahr deutlich gesunken. Die 20 untersuchten Institutionen in den Bereichen Politik und Behörden, Wirtschaft und Medien haben innerhalb eines Jahres insgesamt ein Viertel des Vertrauens der Stimmbevölkerung eingebüsst. Einzig die Polizei geniesst heuer mehr Vertrauen. Sie geniesst mit 72 Prozent so viel Vertrauen wie keine andere Institution.

Vertrauen in ausgewählte Institutionen (Skala 1-7)

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Bild: credit suisse sorgenbarometer 2019 / gfs bern

Am deutlichsten ist der Rückgang des Vertrauens in die Kirchen (25 Prozentpunkte), die Bezahlzeitungen (23 Prozentpunkte), die Arbeitgeber (23 Prozentpunkte) sowie in die Arbeitnehmer und die EU (je 20 Prozentpunkte). Dem Bundesrat bringen 51 Prozent der Befragten Vertrauen entgegen. Das sind 10 Prozentpunkte weniger als im vergangenen Jahr. Gemäss Lukas Golder vertrauen die Schweizer ihrer Regierung aber weiterhin mehr als die Bewohner der OECD-Länder im Durchschnitt. Dieser Durchschnittswert liegt nämlich bei 43.5 Prozent.

Vertrauen in Institutionen von Politik und Verwaltung (Skala 1-7)

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Bild: credit suisse sorgenbarometer / gfs bern

Der praktisch flächendeckende Vertrauensverlust sei «nicht zuletzt auch vor dem Hintergrund anstehender politischer Reformprojekte wie der Sicherung der Altersvorsorge oder der Ausgestaltung der Beziehungen zur EU zu sehen», heisst es im Sorgenbarometer der Credit Suisse: «In den Augen der Stimmberechtigten haben relevante Akteure ihre Aufgaben offensichtlich nicht genügend gut erledigt».

So wurde die Umfrage durchgeführt

Befragt worden sind zwischen 10. Juli und 5. August 2'495 Stimmberechtigte in der ganzen Schweiz. Die Rekrutierung und Befragung der Teilnehmer erfolgte mit verschiedenen Methoden (Face-to-Face, Gfs-Bern-Panel, Online-Opt-In), welche auf Methodeneffekte hin überprüft wurden. Die Daten wurden systematisch gewichtet, um die Repräsentativität herzustellen. Der Stichprobenfehler beträgt +/- zwei Prozent.

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