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Offen gesagt

«Lieber Herr Berset, machen Sie Lockerungen von der Impfquote abhängig»

Der Bundesrat verkündet neue Impfdosen-Akquisen und erleichtert den Zugang zur Impfung. Über Lockerungen der Massnahmen spricht er nicht. Das ist gut so. Am besten verknüpft er die Lockerungsplanung gleich mit der Impfquote.



Lieber Herr Berset

Wie Sie und der Bundesrat derzeit die Prioritäten bei der Pandemiebekämpfung setzen, ist vielversprechend. Sowohl politisch als auch kommunikativ.

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In den letzten Tagen sind ja aus den verschiedenen politischen Lagern wieder die üblichen Profilierungsversuche erfolgt, wann und wie die geltenden Corona-Massnahmen zu lockern seien. Das ist natürlich alles für die politische Galerie. Die Entwicklung des R-Werts und der B.1.1.7.-Fallzahlen machen die Situation zu unvorhersehbar, um jetzt eine Lockerungsdebatte zu führen.

Dass Sie das mehr oder weniger ignorieren, ist sehr gut. Nicht, dass aus verfrühten Öffnungsdiskussionen wieder falsche und fatale Erwartungen entstehen wie letzten Sommer.

Noch besser aber ist, dass Sie stattdessen hauptsächlich über das Impfen sprechen und in dieser Angelegenheit dermassen Druck machen. Lockdowns werden mit zunehmender Dauer teurer, schwieriger durchzusetzen und unwirksamer. Darauf verzichten kann man aber erst, wenn zwischen 70 und 80 Prozent der Bevölkerung auf die eine oder andere Art geimpft sind.

Nun haben Sie weitere Impfdosen-Lieferungen auf den Weg gebracht und spendieren auch Leuten ohne Schweizer Krankenversicherung die nötigen Impfungen. Damit haben Sie eine der letzten Lücken zum Impfzugang geschlossen. In absehbarer Zeit wird niemand mehr sagen können, man habe aus Kapazitäts- oder finanziellen Gründen keine Möglichkeit zum Impfen gehabt.

Diesen Umstand sollten Sie für die nächsten Lockerungsdebatten nutzen. Die werden früh genug wieder losbrechen. Sobald es etwas wärmer ist, die vulnerabelsten Bevölkerungsteile geimpft sind und B.1.1.7. dank der ausgebauten Test-Kapazitäten hoffentlich einigermassen in Schach gehalten werden kann.

Dann werden die verschiedenen Akteure wieder laut zu streiten beginnen, ab welchem R-Wert, welchen Inzidenzen in welchen Altersgruppen und welchen Kantonen welche Art von Einrichtungen nach wessen Experteneinschätzung wie bald wieder geöffnet werden kann.

Lassen Sie sich darauf bloss nicht ein. Machen Sie es stattdessen einzig und allein von der Gesamt-Impfquote abhängig, ob und wie gelockert wird oder nicht. Und legen Sie die Latte so hoch wie möglich.

Damit erreichen Sie einerseits ohne direkte gesetzgeberische Querelen grosse Publizität für die simple Tatsache, dass es in einer Pandemie keinesfalls Privatsache ist, ob man sich impfen lässt oder nicht.

Und andererseits erhöhen Sie so elegant den Druck auf den immer noch zu grossen Anteil der Impf-Skeptiker. Deren Angst, Unwissen oder schlicht Egoismus ist die letzte Hürde zur Herdenimmunität, zur Kontrolle der Pandemie und zum Ende der Eindämmungsmassnahmen unter denen wir alle auf die eine oder andere Art leiden.

Viel Erfolg!

Maurice Thiriet

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So wird in Luzern geimpft

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quelle: keystone / urs flueeler
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Liebe Frau Masserey

Sie sind die Leiterin der «Sektion Infektionskontrolle und Impfprogramm» im Bundesamt für Gesundheit. Auf dem Papier sind sie damit operativ zuständig für die Bodigung von Covid-19 in der Schweiz.

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