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Noch immer verdienen Männer praktisch überall deutlich mehr als Frauen. bild: shutterstock/watson

Neue Zahlen zeigen: So gross sind die Lohnunterschiede zwischen Mann und Frau wirklich

Die Lohnunterschiede zwischen Mann und Frau werden auch durch die neusten Zahlen belegt. Während die Differenz teilweise erklärbar ist, sind 45,4% der Lohnunterschiede unerklärt. Diese Grafiken zeigen, wo das Gefälle am grössten ist.



Das Bundesamt für Statistik hat heute die «Analyse der Lohnunterschiede zwischen Frauen und Männern anhand der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) 2018» herausgegeben.

Die Unterschiede sind weiterhin enorm. So waren 2018 in der Gesamtwirtschaft 60,9% der Arbeitnehmenden, deren monatlicher Lohn für eine Vollzeitstelle unter 4000 Franken liegt, Frauen. Umgekehrt waren die Arbeitnehmenden im obersten Segment der Lohnpyramide mit einem Lohn von mehr als 16'000 Franken zu 81,2% Männer.

Wir blicken auf die wichtigsten Punkte der Analyse. Zu beachten gilt, dass an der Erhebung in den vergangenen Jahren auch Kritik aufkam (siehe letzter Punkt).

Um es kurz zu sagen: Die Unterschiede bleiben gross. Frauen verdienen im Schnitt 19 Prozent weniger als Männer. Bei der letzten Erhebung 2016 betrug die Differenz noch 18,3 Prozent.

Erklärte und unerklärte Unterschiede

Ein Teil der 19% Lohnunterschiede lässt sich durch Faktoren wie Alter, Bildungsniveau, Dienstjahre oder durch den Tätigkeitsbereich oder die Stelle erklären. Doch gemäss den Ergebnissen des Bundesamtes für Statistik (BFS) lässt sich ein anderer Teil nicht damit erklären und dieser Teil macht 45,4% des Lohnunterschieds aus. Bei der letzten Erhebung 2016 waren es noch 42,9 Prozent.

Der Trend

Der Lohnunterschied wird in der Tendenz kleiner. 2006 lag er gemessen an der Gesamtwirtschaft noch bei 16,6 Prozent, jetzt liegt er bei 11,5 Prozent.

Unterschied nach Wirtschaftsbranche

Einzig bei Bürokräften und verwandten Berufen sind die Unterschiede praktisch inexistent. Die grössten Unterschiede findet man bei Handwerks- und Montageberufen sowie bei den Hilfsarbeitskräften und bei den Führungskräften.

Lohnunterschiede Mann Frau nach Branche Schweiz 2018

Unterschied nach Alter

Auffallend ist bei der Altersverteilung, dass die jüngeren Altersgruppen noch deutlich weniger Unterschiede aufweisen. Mit ein Grund dafür ist, dass die Führungskräfte (siehe oben) meist erst mit fortgeschrittenem Alter ihre Position erreichen. Zudem fehlen Frauen mit Kindern durch die Mutterschaftspause Dienstjahre.

Lohnunterschiede Mann Frau nach Alter Schweiz 2018

Unterschied nach Bildung

Auch bei der Bildung zeigt sich: Je höher die Bildung, desto grösser der Unterschied.

Lohndifferenz nach Bildung Mann Frau Schweiz, 2018

Unterschied nach Herkunft

Lohnunterschiede Schweiz Mann Frau nach Herkunft 2018

Unterschied nach Position

Lohnunterschiede Mann Frau Schweiz nach Position, 2018

Unterschied nach Beschäftigungsgrad

Lohnunterschiede Schweiz Mann Frau nach Beschäftigungsgrad, 2018

Unterschied nach jährlichen Sonderzahlungen/Boni nach Unternehmensgrössen

Hier sind die Differenzen sehr gross. Bei den Sonderzahlungen und Boni schneiden Frauen – egal wie gross die Unternehmen sind – überall deutlich schlechter ab. Auch dies hängt zu grossen Teilen damit zusammen, dass in den obersten Kaderpositionen Frauen meist deutlich untervertreten sind.

Unterschiede Sonderzahlungen und Boni Mann Frau nach Unternehmensgrösse Schweiz

Kritik an der Studie

Die Erhebungen des Bundesamts für Statistik erscheinen im Zweijahres-Rhythmus. Die Methodik ist international anerkannt. Trotzdem gab es in der Vergangenheit Kritik. So kam eine 144 Seiten starke Studie der HSG 2015 zum Schluss, dass das Modell gravierende Mängel aufweise, weil die tatsächliche Berufserfahrung als wichtigster Grund unbeachtet bleibt.

Beim BfS ist man sich dieses Vorwurfs bewusst. «Wir kennen die Kritik. Tatsächlich wird diese effektive Berufserfahrung nicht direkt erhoben», sagt Didier Froidevaux, Leiter der BFS-Fachsektion Löhne und Arbeitsbedingungen, auf Anfrage. «Allerdings ist die Umsetzung nicht möglich, da die Arbeitgeber diese persönlichen Daten nicht erheben oder kennen und in den Registern nicht ausfindig zu machen sind.»

«Um die effektive Berufserfahrung messen zu können, müsste man die berufliche Biografie jeder Person bis ins Detail kennen (mit allen Unterbrüchen auf dem Arbeitsmarkt)», so Froidevaux weiter. «Wir sollten präzise Angaben betreffend allen früheren Stellen besitzen, wo die Person tätig war. Was noch dazu kommt, ist, dass man sich einigen sollte, ein einziges Bewertungsmodell der Erfahrung zu definieren.» Mit den bestehenden Variablen in der LSE könne man das berufliche Profil und die Kompetenz der Personen indirekt schätzen.

«Die angewandte Methode entspricht dem internationalen Standard», so Froidevaux weiter: «Sie wird so beispielsweise auch von Eurostat, dem Statistischen Amt der Europäischen Union, angewandt.»

Daten und Quellen

Die Angaben dieses Artikels stammen von der «Analyse der Lohnunterschiede zwischen Frauen und Männern anhand der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) 2018» des Bundesamtes für Statistik. Sie wird alle zwei Jahre im Oktober mittels Direkterhebung bei den Unternehmen durchgeführt. 2018 nahmen rund 36'000 Unternehmen teil. Durch den Einbezug von rund 1,2 Millionen Arbeitnehmenden bietet die LSE einen repräsentativen Überblick über die Lohnsituation der in der Industrie und im Dienstleistungssektor tätigen Arbeitskräfte in der gesamten Schweiz und in den Grossregionen.

Der monatliche Bruttolohn wird jeweils in standardisierte Monatslöhne, d.h. auf eine einheitliche Arbeitszeit von 4 1/3 Wochen zu 40 Arbeitsstunden (Vollzeitäquivalent), umgerechnet.

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