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«Menschenverachtend und ein absolutes No-Go» – 300 Mieter in Basel vor die Tür gestellt

Am Schorenweg in Basel müssen die Mieter der Hochhaus-Überbauung ihre Wohnungen räumen – und sie sind damit nicht allein.

Claudia Hottiger / ch media



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Die betroffene Überbauung. Bild: bz/Kenneth Nars

Am vergangenen Samstag mussten die Pöstler bei den beiden Hochhäusern am Schorenweg Höchstarbeit leisten. 230 Kündigungen erreichten die Mieter der Liegenschaften 20/22 und 30/32 mit der Post. Wie das Nachrichtenportal «Online Reports» am Montag mitteilte, sollen die Wohnungen für eine umfassende Sanierung geräumt werden.

«Den Leuten geht es schlecht», sagt Beat Leuthardt, Co-Geschäftsleiter des Basler Mieterverbandes gegenüber der bz. Man müsse jetzt so schnell wie möglich handeln. Morgen Abend findet deshalb in der Aula des Schorenschulhauses eine Informationsveranstaltung für die Betroffenen statt.

Doch nicht nur die Mieter, sondern auch der Mieterverband wurde vom Handeln der Immobilienverwaltungsfirma Wincasa, welche die Liegenschaften am Schorenweg betreut, überrascht. Der Verband habe zwar schon länger von den Umbauarbeiten gewusst, doch die Wincasa habe ihnen versichert, dass die Sanierung ohne Kündigungen über die Bühne gehen würde. Jetzt kommt doch alles anders.

Mieterverband übt Kritik

«Dieses Vorgehen ist menschenverachtend und ein absolutes No-Go», so Leuthardt. Deshalb fordert er, dass die Kündigungen zurückgenommen werden und die Mieter mit einer «der Sanierung angemessenen Mietzinserhöhung» nach den Umbauarbeiten ihre Wohnungen wieder beziehen können. Ein fairer Vermieter würde dafür sorgen, dass die Menschen im Falle einer Sanierung in ihren Wohnungen bleiben können. Das sei immer möglich, so Leuthardt.

Das überraschende Umschwenken kann sich Leuthardt deshalb nur damit erklären, dass die Credit Suisse, der die Hochhäuser gehören, mehr Umsatz mit den Immobilien erreichen möchte. «Wird den Mietern im Sanierungsfall gekündigt, so steckt dahinter immer ein Investor, der Rendite machen will.»

Der Mieterverband sieht jetzt die Regierung in der Pflicht. Es würde Zeit, dass die neue Wohnschutzverordnung endlich zum Tragen komme, so Leuthardt. Auch die Basler Jungsozialisten haben noch am Montag auf den Vorfall reagiert. Sie verlangen ein sofortiges Moratorium für Massenkündigungen.

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Video: watson/Knackeboul, Madeleine Sigrist, Lya Saxer

Auch nach Annahme der vier Wohnschutz-Initiativen gehöre in Basel die Kündigung langjähriger Mieter zur Tagesordnung. Dies mit dem Ziel die Gebäude so zu sanieren, dass die Mieten in die Höhe schiessen würden und mehr Profite erzielt werden könne, heisst es in einer Medienmitteilung. Die Regierung müsse nun endlich handeln.

Die zuständige Immobilienverwaltungsfirma verteidigt indes ihr Vorgehen gegenüber der bz. Laut dem Basler Wincasa-Filialleiter, Remo Fumagalli, seien die Kündigungen notwendig. Ein Verbleib in den Wohnungen sei aufgrund der umfassenden Arbeiten nicht möglich.

Auch den Vorwurf der «Luxussanierung» weist er von sich. «Die Wohnungen passen von ihrer Grösse und Ausstattung her weiterhin ins Hirzbrunnen-Quartier und werden ortsübliche Mietzinse aufweisen», so Fumagalli. Ebenso werde die Wincasa die Mieter aktiv bei der Wohnungssuche unterstützen. Bei einem geeigneten Objekt erhielten die Mieter den Vorzug. Dies gelte ebenfalls, wenn diese nach erfolgter Sanierung in die Überbauung am Schorenweg zurückziehen möchten.

Nächste Massenkündigung

Auch an der Ecke Feldbergstrasse / Riehenring / Effringerstrasse kam es laut Angaben des Mieterverbandes zu ähnlichen Kündigungen. Betroffen seien rund 80 Parteien. Das Vorgehen gleiche dem des Schorenwegs. «Nur dass sich die Mieter, viele mit Migrationshintergrund, in diesem Fall noch schlechter wehren können», so Leuthardt.

Am Donnerstag werden die betroffenen Mieter an einer Versammlung über das weitere Vorgehen informiert.

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