Schweiz
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Ist eine Vegi-Wurst eine Wurst? Jetzt mischt sich der Bund in den Sprachenstreit ein

Vegetarische und veganen Fleischalternativen zu Burgern, Steaks und Chicken Nuggets boomen derzeit. Auch Migros, Coop und Nestlé profitieren vom Trend. Doch nun droht Ungemach von der Politik.

benjamin weinmann / ch media



epa07851020 Vegan products are on display at the vegan sausage butcher shop L'herbivore in Berlin, Germany, 17 September 2019 (issued on 18 September 2019). The Sausage skin is made of a special type of plastic wrapping that is not edible but pose no harm when boiled. According to the media, Germany has one of the highest rates of vegans and vegetarians in the world. German politicians are considering raising taxes on meat, lifting the VAT from seven to 19 per cent, for animal welfare and human health as well as to fight climate change.  EPA/HAYOUNG JEON

Ein deutscher «Metzger» präsentiert seine veganen Produkte. Bild: EPA

Vieles hat die Corona-Pandemie diesen Sommer zerstört. Sei es die Openair-Musikfestivals oder die sorgenfreien Ferien im Ausland. Doch das Grillieren an einer Feuerstelle im Wald, zu Hause im Garten oder auf dem Balkon kennt keine Maskenpflicht. Und dennoch: Auch den Barbecue-Fans droht Ungemach, und zwar in Form eines Sprachenstreits.

In Frankreich ist dieser bereits in vollem Gange. Nun gewinnt er auch in der Schweiz an Bedeutung. Und zwar hat die «Grande Nation» kürzlich ein neues Gesetz zur transparenten Information von Lebensmitteln angekündigt. Im Kern geht es um die Absicht, dass Namen von Lebensmitteln, die mit tierischen Zutaten assoziiert werden, nicht verwendet werden dürfen, wenn die Produkte nicht aus solchen bestehen. Heisst übersetzt: Wird eine Wurst oder ein Burger statt mit Rindfleisch mit Randen hergestellt, darf das Produkt nicht als Wurst oder Burger bezeichnet werden. Auch die EU beschäftigt sich mit dem Thema. Erste Entscheide werden im Spätherbst erwartet.

Ruedi Hadorn, Direktor des Schweizer Fleisch-Fachverbandes, begrüsst das französische Vorhaben. «Es braucht eine äusserst strikte Auslegung für die Bezeichnung von Fleischalternativen, auch in der Schweiz.» Man setze sich seit längerem dafür ein, sowohl im Inland als auch über den europäischen Verband – bisher allerdings mit begrenztem Erfolg. «Die Debatte in Frankreich und auf EU-Ebene bestätigt uns nun aber in unseren Bestrebungen.»

Pflanzliches «Fleisch» wird zum Millionengeschäft

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Die Grafik zeigt den geschätzten Umsatz aus dem Jahr 2018 in Millionen US-Dollar. Demnach wurden in der Schweiz 13 Millionen Dollar für pflanzliches «Fleisch» ausgegeben. Im gleichen Jahr betrug der Umsatz für echtes Fleisch in der Schweiz aber fast 4,8 Milliarden Dollar.

Auch wenn der Verband die hiesige Fleischindustrie repräsentiere, habe man nichts gegen Fleischalternativen, die Konsumenten sollen die Wahlfreiheit haben. Ihn störe auch nicht, dass die Hersteller versuchen würden, die Vegi-Produkte bezüglich Textur und Geschmack so fleischähnlich wie möglich zu produzieren. «Uns geht es allein um den Namen», sagt Hadorn. Er spricht von einer «Täuschung der Konsumenten». Die Begriffsdefinitionen würden bis an die Grenzen und darüber hinaus ausgereizt. «Wenn man bei den Produkten schon innovativ sein will, wieso kreiert man dann nicht einfach eigene Begriffe, anstatt sich bei den etablierten Bezeichnungen zu bedienen, von denen man sich mit dem Verzicht auf Fleisch ja eben abheben will? Das ist ein Widerspruch sondergleichen.»

Darf eine vegetarische oder vegane Wurst «Wurst» heissen?

Der Bund will mitreden

Vor wenigen Tagen schaltete sich das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen in die Debatte ein. In einem überarbeiteten Informationsschreiben mit dem Titel «Vegane und vegetarische Alternativen zu Lebensmitteln tierischer Herkunft» äussert sich der Bund zum Sprachenstreit: «Es ist nicht immer leicht festzustellen, ob diese Bezeichnungen dem Lebensmittelrecht entsprechen oder ob sie als irreführend bzw. täuschend betrachtet werden müssen.»

Um für mehr Klarheit zu sorgen, hat das Amt eine Übersicht publiziert mit verschiedenen Begriffen, die aus Sicht des Bundes in Ordnung sind – und solche, die als täuschend eingestuft werden und somit nicht verwendet werden sollten (siehe Grafik). So sind beispielsweise umschriebene Bezeichnungen wie «veganer Fleischkäse» oder «vegetarischer Cervelat» nicht erlaubt. Stattdessen schlägt das Amt Formulierungen vor wie «vegane Alternative zu…». Auch das «vegane Rinderfilet» ist ein «No-Go». Die vegane oder vegetarische Bezeichnung ist hingegen erlaubt bei klassischen Begriffen wie «Geschnetzeltes», «Burger», «Steak», «Schnitzel» oder «Wurst».

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Allerdings: Bei der Liste des Bundes handelt es sich bestenfalls um einen Wegweiser. Denn das Schweizer Lebensmittelrecht regelt die Bezeichnungen für Fleischalternativen nicht abschliessend. Im Streitfall obliegt den Kantonschemikern die Durchsetzung der Regeln, wobei der Interpretationsraum gross ist.

Verbandsdirektor Ruedi Hadorn bezeichnet die Erläuterungen des Bundes als «Schritt in die richtige Richtung». Doch ihm gehen die hiesigen Regeln zu wenig weit: «Wenn Hersteller wie Nestlé eine ‘incredible Bratwurst’ bewerben, die komplett pflanzlich hergestellt wurde, ist das für mich grenzwertig und sehr störend.» Für ihn sei klar, dass auch die klassischen Begriffe wie «Burger», «Wurst» oder «Steak» auf die No-Go-Liste gehören.

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Die Juristen des Bundesamts kümmern sich derweil auch um Milch-Alternativprodukte – und nehmen es dabei sehr genau. Ein Name wie «Tschisi» mit ähnlicher Phonetik aber offensichtlich anderer Schreibweise als der englische Originalbegriff «Cheese» sei als «akzeptabel einzustufen». Doch mit der gleichen Phonetik und Schreibweise wie beim Original – wie zum Beispiel bei «Cheesi» - «ist der Begriff als irreführend zu betrachten, da die Konsumentinnen und Konsumenten dies als Tippfehler betrachten können (…).»

Das sagen Händler und Hersteller

Tatsächlich boomen die Fleisch-Alternativen in den Regalen der Supermärkte. Erst diese Woche gab die Migros eine Erweiterung ihres pflanzenbasierten, vegetarischen und veganen Portfolios bekannt. Dazu gibt es die neue Marke «V-Love». Das Sortiment soll laufend ausgebaut werden. Nebst Fleischersatzprodukten gehören dazu auch pflanzenbasierte Milch, Joghurt und Käse, Ei-Ersatz, Snacks, Fertiggerichte, Tiefkühlprodukte sowie Getränke.

Die aktualisierte Namenliste des Bundes habe man zur Kenntnis genommen, sagt eine Migros-Sprecherin. Man habe alle Produkte auf die neuen Weisungen hin geprüft und wo nötig angepasst. Eine Coop-Sprecherin sagt, man sei daran, das bestehende Sortiment diesbezüglich zu analysieren. Von Kunden, die aus Versehen einen Pflanzen- statt einen Rindsburger gekauft hätten, habe man keine Kenntnis. «Die Produkte sind im Regal klar abgetrennt.»

Auch Nestlé sieht keinen Handlungsbedarf für strengere Regeln: «Wir weisen auf unseren auf der Verpackung darauf hin, dass die Produkte 100 Prozent ‹veggie›, ‹vegan› oder ‹aus Pflanzenproteinen› sind», sagt ein Sprecher. Gängige Begriffe wie Burger oder Steak würden den Konsumenten helfen. Denn der Name beziehe sich auf die Erscheinung eines Produktes, nicht auf die Herkunft der Zutaten.

Wie gesund sind die Fleischalternativen?

Die Hersteller der fleischlosen Fleischprodukte bewerben ihre Artikel gerne als tierfreundliche, gesunde Alternativen zu herkömmlichem Fleisch. Im ersten Punkt haben sie natürlich Recht: Für die erbsenprotein- und sojabasierten Erzeugnisse müssen keine Tiere sterben. Das ist gut fürs Klima: Ein Kilo Sojaprodukt belastet die Umwelt beispielsweise nur halb so stark wie ein Kilo Hühnchen.

Punkto Gesundheit sind die Versprechen jedoch mit Vorsicht zu geniessen. Für Sarah Pritz, diplomierte Ernährungsberaterin, ist der Begriff «Ersatzprodukt» irreführend: «Ich würde es eher ‹Nothelfprodukt› nennen», sagt sie. Für Veganer, die bei einer Grillparty nicht «nur eine Peperoni auf den Grill werfen möchten», seien die Fleisch-Alternativen eine Option. «Zur Grundernährung würde ich diese Erzeugnisse aber keinesfalls zählen.» Die Gründe dafür sind vielfältig wie es das Sortiment. Pauschale Aussage könne man nicht machen, dennoch gibt es einige Problempunkte: Hochverarbeitete Industrieprodukte gelten als ungesund. Beim wiederholten Erhitzen werden Vitamine und sekundäre Pflanzenstoffe zerstört.

Diese Verarbeitung durchlaufen viele der Fleisch-Alternativen. «Bei vielen veganen Fleisch-Alternativen ist die Energiedichte höher als beim originalen Produkt», sagt Pritz. Dadurch setzt die Sättigung erst später ein und man isst mehr. Zu viel Soja: Viele Fleisch-Alternativen basieren auf Soja. «Bei Soja gibt es aber hormonelle Unklarheiten», so Pritz. Die enthaltenen Östrogene könnten einen Einfluss auf den Hormonhaushalt haben. Dies sei jedoch noch nicht abschliessend geklärt. (df, watson)

So von wegen Essen: Weisst du, aus welchem Land diese «Delikatessen» stammen?

Quiz
1.Smalahove heisst diese Leckerei, die man unschwer als Schafskopf erkennen kann. Aus welchem Land stammt diese Delikatesse?
smalahove norwegen schafskopf lammkopf fleisch essen food https://de.wikipedia.org/wiki/Smalahove
wikicommons
Norwegen
Schweden
Finnland
Litauen
2.Was bekommt man, wenn man in Japan Basashi bestellt?
food essen basashi pferdefleisch sashimi roh japan asien essen food
shutterstock
Rohes Rindfleisch
Rohes Pferdefleisch
Rohes Schweinefleisch
Rohes Hundefleisch
3.Wie alt sind tausendjährige Eier wirklich?
food essen Tausendjährige Eier, Hundertjährige Eier oder Chinesische Eier (chinesisch 皮蛋, Pinyin pídàn ‚Leder-Eier‘ oder 松花蛋, sōnghuādàn ‚Kiefermuster-Eier‘) sind fermentierte Eier, eine Delikatesse der chinesischen Küche. Es handelt sich um durch aseptisch behütete Autolyse konservierte Eier.
shutterstock
1000 Jahre
100 Jahre
3 Jahre
3 Monate
4.Um was genau handelt es sich bei Balut?
Balut – Philippinen. https://www.instagram.com/dcannadc/
instagram/dcannadc
Ein angebrütetes Enten- oder Hühnerei.
Ein vergorenes Enten- oder Hühnerei.
Ein Krokodil-Ei.
5.Mmmh, Shirako! Doch was genau ist das eigentlich?
food essen shirako fischmilch Als Fischmilch oder -milcher, auch kurz Milch oder Melcher genannt, wird der Samen männlicher Fische, Weichtiere oder anderer im Wasser lebenden Arten bezeichnet. Diese Flüssigkeit wird während der Laichzeit auf den Rogen ausgeschieden, wodurch die Befruchtung erfolgt
shutterstock
Die Milz vom Tunfisch.
Das Hirn vom Hai.
Das Ejakulat vom Dorsch.
6.«Das folgende Rezept ist nichts für schwache Nerven!», schrieb der Kochbuchautor Paul Harris in einem seiner Kochbücher als Einleitung zu welchem Gericht?
food essen haggis schottladen schafsmagen innereien
shutterstock
Blood sausage.
Haggis.
Lamb and kidney pie.
7.Und was, bitte sehr, sind Butod?
food essen butod malaysien larve sagowurm insekten
shutterstock
Eine Schneckenart
Käferlarven
Gnocchi
Würmer
8.Cuy asado! Hmm ...
food essen
shutterstock
Das sind ja Ratten!
Nein, halb so wild – das sind Karnickel!
Halt, das sind glaub Meerschweinchen!
9.Was genau sind eigentlich Marmite und Vegemite, die in gewissen englischsprachigen Ländern als Brotaufstrich genossen werden?
vegemite marmite eingland grossbritannien australien hefeextrakt brotaufstrich toast essen food love it or hate it
shutterstock
Hefeextrakt
Fleischextrakt
Schokoaufstrich
10.Mmmh tacos de escamoles! Doch was genau sind Escamoles?
escamol tacos mexiko streetfood ameisen larven essen food insekten http://www.bugsfeed.com/escamol_ant_larva
Ameisenlarven
Termitenlarven
Scherzkeks – das sind reisähnliche Getreidekörner.
11.Riecht nach Füssen, sieht aus wie Alien-Hirn und heisst ... wie?
food essen
shutterstock
Pitaya
Feijoa
Durian
Jackfruit
Kiwano
Longan
12.Eine Spezialität aus Kanada! Wie nennt man sowas?
jellied moose nose kanada essen food sulz fleisch https://twitter.com/eveldick/status/855621076524703748
twitter
Jellied caribou scrotum
Jellied beaver snout
Jellied moose nose
Jellied seal flanks
13.Rocky Mountain oysters nennt man das hier in den USA. Oder prairie oysters. Auch cowboy caviar. Oder swinging beef. Langsam checkst du, um was es sich hier handelt, nicht?
prairie oysters rocky mountain oysters stierhoden essen food USA fleisch BALLS
shutterstock
Das sind Rindsnieren.
Das sind Pferdenieren.
Das sind Stierhoden.
Das sind Pferdehoden.
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Wenn Essen Angst macht – 14 sehr spezifische Food-Phobien

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