Schweiz
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Ein junger Pfadfinder bläst zum Appell. Das Bild ist um 1940 entstanden.

Ein junger Pfadfinder bläst zum Appell. Das Bild ist um 1940 entstanden. Bild: Schweizerisches Nationalmuseum / ASL

Als die «Boy Scouts» in die Schweiz kamen

Seit über 100 Jahren gibt es Schweizer Pfadfinderinnen und Pfadfinder. Die Grundgedanken der Organisation stammen aus dem Militär und verbreiteten sich rasch über den Globus.

Andrej Abplanalp / Schweizerisches Nationalmuseum



1910 wurden in der Schweiz die ersten Pfadfindergruppen gegründet. Die Idee stammte von Robert Baden-Powell, einem britischen Offizier, der 1907 erstmals ein Lager für Buben durchführte. Die 21 «Boy Scouts» verbrachten zehn Tage auf der südenglischen Insel Brownsea und setzten sich intensiv mit der Natur auseinander. Da sie aus unterschiedlichen sozialen Schichten stammten, trugen sie Uniformen, um diese Differenzen zumindest äusserlich zu verdecken.

Die Erfahrungen auf Brownsea verarbeitete Baden-Powell in einer Artikelserie, die in einer Zeitung abgedruckt wurde. Später entstand daraus das Buch «Scouting for Boys». Das Werk gehört mit einer Gesamtauflage von rund 150 Millionen Exemplaren zu den meistgedruckten Büchern der Welt.

Hier bloggt das Schweizerische Nationalmuseum

Drei Museen – das Landesmuseum Zürich, das Château de Prangins und das Forum Schweizer Geschichte Schwyz – sowie das Sammlungszentrum in Affoltern am Albis sind unter dem Dach des Schweizerischen Nationalmuseums vereint.
Im Blog veröffentlichen Mitarbeiter des Nationalmuseums und renommierte Gastautoren Beiträge zu aktuellen Themen. watson übernimmt in loser Folge ausgesuchte Perlen daraus. Der Beitrag «Die Pfadfinder» erschien am 22. Juli 2019.
blog.nationalmuseum.ch/2019/07/die-gruendung-der-schweizer-pfadfinder/

Der Pfadigründer wird bis heute weltweit verehrt und war mehrmals für den Nobelpreis vorgeschlagen. Robert Baden-Powell war jedoch nicht nur ein Förderer der Jugend, sondern als Offizier der britischen Armee in den kolonialistischen Burenkrieg in Südafrika involviert. Dort verteidigte er zwischen 1899 und 1900 die Stadt Mafeking gegen die zahlenmässig um ein Vielfaches überlegenen Buren.

Robert Baden-Powell bei einem Besuch in der Schweiz, 1932.

Robert Baden-Powell bei einem Besuch in der Schweiz, 1932. Bild: Schweizerisches Nationalmuseum

Dies gelang ihm vor allem durch eine List: Er täuschte dem Gegner eine weitaus grössere Anzahl an Soldaten vor, als wirklich vorhanden waren. Die Buren wagten deshalb keinen Angriff und als nach über 200 Tagen Verstärkung eintraf, konnten sie zurückgedrängt werden.

Um Mafeking zu verteidigen, war jeder Mann nötig. Deshalb wurden schon Buben ab neun Jahren für gewisse leichtere Dienste abkommandiert. Sie erledigten Botenaufgaben oder beobachteten die Truppenbewegungen der Buren. Die jungen «Soldaten» machten ihre Sache so gut, dass sich Baden-Powell entschloss, ein Buch darüber zu schreiben.

Angereichert mit Tipps und Tricks zu Themen wie Jagd, Spurenlesen oder Medizin, die der Brite von der afrikanischen Bevölkerung gelernt hatte, entstand «Aids for Scouting». Das Werk war als Anleitung für militärische Spähertruppen gedacht, wurde jedoch von vielen Jugendlichen in Grossbritannien verschlungen und teilweise sogar nachgeahmt.

Fünftes Pfadi-Bundeslager in Saignelegier, 1956.

Fünftes Pfadi-Bundeslager in Saignelegier, 1956. Bild: Schweizerisches Nationalmuseum / ASL

Ideen breiten sich schnell aus

Das Interesse der Jugend überraschte Robert Baden-Powell. Er beschloss, das Werk anzupassen. Nach dem Lager von 1907, das ihm als Test diente, veröffentlichte er seine angepasste Version. Baden-Powells Ideen begeisterten nicht nur Grossbritannien, sondern verbreiteten sich rasend schnell und wurden schon bald auch von Mädchen aufgenommen.

1910 entstanden in der Schweiz die ersten Pfadfindergruppen, ein Jahr später die ersten Vereinigungen von Pfaderinnen. Besonders in den Städten sorgte die Bewegung für viel Begeisterung. Im Oktober 1913 gründeten die Verbände der Kantone Genf, Waadt, Neuenburg, Bern, Basel, Zürich und der Zusammenschluss von St.Gallen/Thurgau den Schweizerischen Pfadfinderbund (SPB). 1919 folgte die Entstehung des Bundes der Schweizer Pfadfinderinnen (BSP).

Während des Ersten, vor allem aber während des Zweiten Weltkriegs standen Pfadfinder als freiwillige Helfer im Einsatz. Sie unterstützten beispielsweise das Rote Kreuz oder fungierten als Meldeläufer und Bürohilfen. Rein militärische Dienste gehörten nicht zu ihren Aufgaben. In Deutschland wurden zahlreiche Pfadfinder-Vereinigungen in die Hitler-Jugend eingegliedert. Da dies jedoch nicht vollständig gelang, wurde die Bewegung 1938 schliesslich verboten.

Pfadfinderlager in Bern, 1925.

Pfadfinderlager in Bern, 1925. Bild: Schweizerisches Nationalmuseum

Viele bekannte Pfader

Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte sich die Schweizer Pfadfinder-Bewegung kontinuierlich weiter. Zwar bremsten die Umbrüche der Jugendkultur in den 1960er-Jahren das Wachstum, doch bereits ein Jahrzehnt später stieg es wieder an.

Zahlreiche bekannte Persönlichkeiten wie Komiker Beat Schlatter, Ellen Ringier oder alt Bundesrat Otto Stich waren in der Pfadi. Viele Prominente machten sich auch nach ihrer aktiven Zeit für die Pfadfinder-Bewegung stark. Etwa als Mitglied eines Patronatskomitees oder als Stiftungsrat der Pfadibewegung Schweiz (PBS). Diese ist 1987 aus verschiedenen Landesverbänden entstanden und steht heute für rund 47'000 Mitglieder, die in 22 kantonalen Verbänden gegliedert sind.

Auch Alt Bundesrat Otto Stich war früher ein Pfader. Sein handwerkliches Geschick bewies er auf der Bundesratsreise von 1995.

Auch alt Bundesrat Otto Stich war früher ein Pfader. Sein handwerkliches Geschick bewies er auf der Bundesratsreise von 1995. Bild: Schweizerisches Nationalmuseum / ASL

Die PBS ist auch für die Schweizer Vertretung an den Jamborees zuständig. Diese internationalen Pfadfinder-Treffen finden alle vier Jahre statt und locken jeweils zehntausende von Pfaderinnen und Pfadern an. Das Treffen von 2019 findet in West Virginia statt und dauert bis zum 2. August.

>>> Weitere historische Artikel auf: blog.nationalmuseum.ch

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