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Chefscout Ruedi Zbinden foehnt sich die Haare, nachdem ihn die Mannschaft in den Whirlpool geworfen hatte, in der Kabine des FC Basel nach dem gewonnen Meistertitel, im St. Jakob Park in Basel, am Samstag, 10. Mai 2008. (KEYSTONE/ Georgios Kefalas)

Das waren noch andere Zeiten: Ruedi Zbinden, damals noch Chefscout beim FCB, nach dem Meistertitel 2008. Bild: KEYSTONE

Analyse

Auch der Sportchef schmeisst hin – wie der FC Basel weiter im Chaos versinkt

Das hat dem einst so grossen FC Basel gerade noch gefehlt. Sportdirektor Ruedi Zbinden wirft nach der Saison den Bettel hin. Nach nur einer Saison hat er genug und vergrössert mit seinem Rücktritt die Sorgen des FCB weiter. Eine Analyse, warum es soweit kommen musste.

Jakob Weber / ch media



Im Juni vor einem Jahr sitzt der damals 60-jährige Ruedi Zbinden mit FCB-Präsident Bernhard Burgener zusammen. Letzterer sucht nach dem Rücktritt von Marco Streller einen neuen Sportdirektor. Chefscout Zbinden soll diese Rolle übernehmen, der Einfachheit halber. Doch der ist unsicher. Er erinnert sich an die Belastung von früher, als er unter Christian Gross bereits Sportdirektor war. Zbinden ist skeptisch, will eigentlich absagen. Doch sein Umfeld überredet ihn. Er müsse das für den Verein machen, so der Tenor. Und Burgener? Der wartet gar nicht erst auf eine Antwort und bespricht lieber sofort das Kader für die kommende Saison. So ist Zbinden plötzlich Sportchef.

«Ich werde in der neuen Saison nicht mehr als Sportchef, sondern nur noch als Chefscout zur Verfügung stehen.»

Ruedi Zbinden

Ein Jahr und zwei Monate später tritt Zbinden zurück. Nach der Saison – also spätestens nach dem Cupfinal am 30. August – wird er seinen Posten zur Verfügung stellen. Burgener wurde von Zbinden bereits informiert. Und diesmal lässt er sich nicht umstimmen.

Gegenüber der «BaZ» bestätigt Zbinden: «Ja, es stimmt, ich werde in der neuen Saison nicht mehr als Sportchef tätig sein, sondern nur noch als Chefscout zur Verfügung stehen.» Ein weiterer Knall beim gebeutelten FCB, der seit drei Jahren von einem Tiefpunkt zum nächsten schlittert.

Wie schon Streller, der vor einem Jahr wutentbrannt ging, weil CEO Roland Heri kurzerhand den schon freigestellten Marcel Koller wieder installierte, geht auch Zbinden, weil die Aufgabe als FCB-Sportchef unter den aktuellen Bedingungen nahezu unlösbar ist.

Praesident Bernhard Burgener spricht an einer Medienkonferenz des FC Basel 1893 in Basel, am Dienstag, 18. Juni 2019. (KEYSTONE/Georgios Kefalas)

Bernhard Burgener und Ruedi Zbinden waren nicht immer gleicher Meinung. Bild: KEYSTONE

Das Problem: Der Klub muss sparen, aber die sportlichen Ziele bleiben unverändert. Dem FCB geht das Geld aus, aber er soll immer noch jedes Spiel gewinnen und Titel holen. Für den Sportchef bedeutet das, dass er seine besten Spieler verkaufen muss und für deutlich weniger Geld Ersatz beschaffen soll. Im Idealfall ohne Qualitätsverlust. Ein Ding der Unmöglichkeit.

2019 schrieb der FCB bereits knapp 20 Millionen Franken Verlust. Durch Corona hat sich die Situation verschärft. Will der FCB nicht pleite gehen, ist er in diesem Sommer mehr denn je gezwungen, sein Tafelsilber zu verkaufen. Goalie Jonas Omlin ist bereits weg. Omar Alderete, Arthur Cabral, Eray Cömert und Silvan Widmer könnten folgen.

Der FC Basel braucht jetzt einen richtigen Neustart

Leistungsträger verlassen den FCB. Der Sportchef, der dem FCB zwar als Chefscout erhalten bleibt, geht ebenfalls. Und wer in 14 Tagen – wenn Kollers Vertrag ausläuft – Trainer wird, ist auch ungeklärt. Es ist eigentlich unglaublich. Doch genau so präsentiert sich das Aushängeschild des Schweizer Fussballs.

Jubel bei Basels Valentin Stocker im Fussball Meisterschaftsspiel der Super League zwischen dem FC St. Gallen und dem FC Basel, am Mittwoch, 22. Juli 2020, im Kybunpark in St. Gallen. (KEYSTONE/Alexandra Wey)

Kommt es beim FC Basel zum grossen Ausverkauf? Bild: keystone

Der einst so grosse FCB löst sich gerade selbst auf. Burgener steht vor einem Trümmerhaufen, den er zu grossen Teilen selber angerichtet hat. Alle flüchten, nur der Schuldige will nicht gehen.

Etwas Gutes hat der Rücktritt von Zbinden dann doch. Er macht den Weg für einen Neustart frei, den der FCB mit drei Jahren Verspätung angeht. Schon damals wollte er auf Spieler aus der eigenen Jugend setzen. Doch auch wegen der sportlichen Ansprüche wich Rotblau immer wieder vom Konzept ab. Jetzt bleibt dem FCB gar nichts anderes übrig. Zusammen mit einem jungen, motivierten Sportdirektor und dem passenden Trainer könnte das funktionieren. Doch dieses Duo muss Burgener erst einmal finden. Und zwar schnell.

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    Alle Leser-Kommentare
  • Luca89 18.08.2020 19:59
    Highlight Highlight Zbinden hat beim fcb davon gelebt, dass dem fcb wegen seiner zeitweise fast sicheren CL Teilnahme gute Spieler angeboten wurden, die jeder Ahnungslose als Talent erkannt hätte.
  • Tomtom64 18.08.2020 16:00
    Highlight Highlight Ich spiele heute Euromillions. Sollte ich den Jackpot holen, mache ich Burgener ein Angebot, das er nicht ausschlagen kann.
    Da ich nicht viel Ahnung vom Fussball-Management habe, installiere ich dann mit eurer Hilfe die richtigen Leute.
  • dho 18.08.2020 14:43
    Highlight Highlight Lasst uns ein Crowdfunding organisieren und den FCB kaufen.

    Kapitaldedarf: CHF 1.00
  • der_senf_istda 18.08.2020 14:36
    Highlight Highlight Burgener kann diese Problem nicht lösen, er ist nicht fähig dazz. Deshalb sollte er - aus Liebe zum FCB - die Kontrolle über den FCB vollständig aufgeben und in fähige Hände legen.
  • Maria Cardinale Lopez 18.08.2020 14:27
    Highlight Highlight Ja bitte Streller zurückholen.
    Dann geht die Sause weiter auch wenn Burgener geht.
  • 's all good, man! 18.08.2020 13:49
    Highlight Highlight «Doch dieses Duo muss Burgener erst einmal finden. Und zwar schnell.»

    Nein, Burgener muss gar nichts finden. Er muss gehen. Und zwar schnell.
  • Töfflifahrer 18.08.2020 13:33
    Highlight Highlight Das kommt dabei heraus, wenn man bei einem Profi-Club mit Internationalem Anspruch eine Amateurführung einsetzt. Es ist sehr schade, mal sehen wann und vor allem ob der FCB sich erholen kann.
  • Vinyl only 18.08.2020 11:59
    Highlight Highlight Der Ruedi ist schwer als Sportchef Zbinden.
  • Snowy 18.08.2020 11:07
    Highlight Highlight Das ganze hat auch viel Gutes:

    Zbinden darf wieder das machen, was er am besten kann, nämlich scouten und "Caipi-Ruedi" sein.

    Die Frage ist nun, wer Trainer und Sportchef wird.
    Das Koller gehen muss, ist gesetzt. Ideal wäre, wenn auch Burgener abdanken würde - allerdings nur mit einer guten Nachfolgeregelung (idealerweise jemand mit viel rotblauem Herz und viel Geld aus dem Basler Daig :)

    Streller kommt als Sportchef verständlicherweise nur zurück, wenn Burgener und Koller weg sind.

    Frei macht als Trainer einen guten Job in der U21 - obs für die erste Mannschaft reicht, weiss ich nicht.
    • Vinyl only 18.08.2020 12:11
      Highlight Highlight Zum Thema Koller habe ich die Befürchtung, dass es danach nicht besser wird. Auch wenn die Ausgangslage unterschiedlicher nicht sein könnte, dachte man schon bei Fischer, dass es besser geht. Es war der Anfang vom Ende. Ich kann mir gut vorstellen, dass bei einem Trainerwechsel sich das eigentliche Problem weiter entpuppt, welches nicht beim Trainer, sondern beim Burgener liegt.
    • Miracoolix 18.08.2020 12:12
      Highlight Highlight Streller zurück? Ernsthaft, du schreibst Streller zurück? Okeee...
    • Snowy 18.08.2020 12:29
      Highlight Highlight Ja natürlich will ich Streller zurück.

      @Vinyl: Sehe ich auch so. Burgener ist die rotblaue Ursünde.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Nicosinho 18.08.2020 10:56
    Highlight Highlight rot blau adé xP
  • Mr. Shuckle 18.08.2020 10:48
    Highlight Highlight Also so schlimm kann es auch wieder nicht sein (wie dargestellt), wenn er als CS erhalten bleibt. Vielleicht sogar besser, wenn er sich nur noch auf diese Aufgabe konzentrieren kann, in der er bekanntlich Vorzügliches leistet.
  • Kaffo 18.08.2020 10:40
    Highlight Highlight Heusler und Heiz haben sehr viel richtig gut gemacht. Eines jedoch haben sie richtig schlecht gemacht, nähmlich den Club in Burgeners Hände zu geben. Ich wette, Heusler hat heute noch ein schlechtes Gewissen.
    • CePe 81 18.08.2020 10:57
      Highlight Highlight kann sein oder sie wussten, was auf sie kommen wird. Wissen wir alles nicht. Auf jeden Fall macht Burgener vieles falsch.
    • Snowy 18.08.2020 11:09
      Highlight Highlight Ja, hat er. Zu recht.
    • Jekyll & Hyde 18.08.2020 11:29
      Highlight Highlight Heusler und Heiz wussten das es den FCB den Sie aufgebaut haben so nicht weiter geben wird. So haben Sie ihn an den ersten übergeben der Intresse zeigte.......
    Weitere Antworten anzeigen
  • Linus Luchs 18.08.2020 10:12
    Highlight Highlight "Alle flüchten, nur der Schuldige will nicht gehen."

    Exakt.
  • Vinyl only 18.08.2020 10:11
    Highlight Highlight Ich zweifle an der Handfestigkeit Deiner Analyse und frage mich, wie sehr gewisse Punkte reine Interpretation bzw. Stammtischaussagen sind? Es war von Anfang an klar, dass er diesen Posten interimistisch besetzt. Jedoch haben Sie Recht, dass sich der Club in einer Abwärtsspirale befindet, das ist aber nichts Neues. Ich wünsche mir ebenfalls einen Neuanfang, befürchte aber, dass dies noch lange nicht geschehen wird. Wenn, dann mit einem ungemütlichen Ende für die Basler Fussballkultur - Stichwort Investoren.
  • Bruno Wüthrich 18.08.2020 09:51
    Highlight Highlight Es ist eine romantische Vorstellung von vielen Sportkommentatoren, wenn sie meinen, das Umstellen auf junge Spieler sei einfach so zu realisieren. Ein bislang erfolgreicher Klub kann das nicht so einfach.

    Das Problem ist beim Umfeld zu suchen. Man findet weder unter den Fans noch unter den Sponsoren in einer Sommerpause jemanden, der dagegen ist, auf die Jungen zu setzen. Oft wird gesagt, dafür würde man auch die eine oder andere Niederlage oder einen etwas schlechteren Rang in der Tabelle in Kauf nehmen.

    Ist es aber dann tatsächlich so weit, sind solche Bekenntnisse plötzlich vergessen.
  • Max Müsterlein 18.08.2020 09:32
    Highlight Highlight Hoffentlich erhält Marco Streller eine zweite Chance. 😉
    • TanookiStormtrooper 18.08.2020 13:29
      Highlight Highlight Alle anderen Clubs würde es freuen. 🤣
  • Jacques #23 18.08.2020 09:19
    Highlight Highlight Die Gewohnheiten des Menschen sind träger als der Saldo von Einnahmen und Ausgaben.

    Obwohl man mit der Tabelle einen ziemlich guten Gradmesser hat.

    Was folgt:
    Böses Blut, Schuldige, Abrechnungen, Opfer. Scheinheiligkeit, Neuanfang und Aufbau.

    Plus einige Male "Wer mich kennt, weiß, dass mir der Club ans Herz gewachsen ist".

    Dauer 2 - 7 Jahre. Vielleicht.
  • Bert der Geologe 18.08.2020 09:00
    Highlight Highlight Es ist eine Tragödie: Zitat Wikipedia: Kennzeichnend für die Tragödie ist der schicksalhafte Konflikt der Hauptfigur (Burgener). Ihre Situation verschlechtert sich ab dem Punkt, an dem die Katastrophe eintritt. Das Scheitern des Helden ist in der Tragödie unausweichlich; die Ursache liegt in der Konstellation und dem Charakter der Figur. Der Keim der Tragödie ist, dass der Mensch der Hybris verfällt und dem ihm vorbestimmten Schicksal durch sein Handeln entgehen will.
  • Glenn Quagmire 18.08.2020 08:38
    Highlight Highlight Seit dem Aufstieg eifert der FCB GC nach. Spieler, Trainer mit GC Vergangenheit waren der heilige Gral. Schön, dass man den GC-Weg konsequent geht und den Verein von innen zerstört.
    • Bert der Geologe 18.08.2020 09:38
      Highlight Highlight @Glenn: Nun heisst es: "Warten auf die Chinesin".
    • Glenn Quagmire 18.08.2020 10:03
      Highlight Highlight @Bert: das geht noch 20 Jahre.
    • McStem 18.08.2020 10:58
      Highlight Highlight Als nächstes dürfte ein saudischer Prinz anklopfen (zur Not tut es aber auch ein nigerianischer Prinz).
    Weitere Antworten anzeigen

Kommentar

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