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Real forward Karim Benzema holds the ball after being scored by Ajax, during the Champions League soccer match between Real Madrid and Ajax at the Santiago Bernabeu stadium in Madrid, Spain, Tuesday, March 5, 2019. (AP Photo/Manu Fernandez)

Die Real-Stars trotten nach dem 1:4 gegen Ajax von dannen. Bild: AP/AP

Analyse

3 Gründe, warum Real Madrid gerade seine schwärzeste Stunde erlebt hat



Gellende Pfiffe, leere Blicke und bittere Tränen: Fassungslos sassen die Fans von Real Madrid auf den Tribünen des Estadio Santiago Bernabeu, das sich nach dem Schlusspfiff schnell leerte.

Mit 1:4 verloren die Königlichen gegen Ajax Amsterdam und besiegelten damit die sportlich wohl düsterste Woche der Vereinsgeschichte. Mit zwei Niederlagen zu Hause gegen den Erzrivalen Barcelona hatte sich Real bereits in der Copa del Rey und in der Meisterschaft aus der Entscheidung um den Titel verabschiedet, gestern ist nun auch der letzte Titeltraum geplatzt.

Nicht irgendwie: Real hat sich gegen Ajax regelrecht blamiert. Nicht in irgendeinem Wettbewerb: In der Champions League, welche die Spanier zuletzt dreimal in Folge und viermal in den letzten fünf Jahren gewannen. Das Scheitern hatte sich nach dem 2:1-Sieg im Hinspiel nicht angekündigt, aus heiterem Himmel kommt es aber nicht. Im Gegenteil: Es hat seine guten Gründe ...

Selbstüberschätzung

Sinnbildlich dafür steht aktuell Sergio Ramos. Der beste Innenverteidiger der Welt holte sich im Hinspiel in der Schlussphase absichtlich eine Gelbe Karte, damit er im Rückspiel und nicht im folgenden Viertelfinal gesperrt (oder vorbelastet) ist. Statt auf dem Feld für ein Weiterkommen zu kämpfen, sass Ramos auf der Tribüne und liess sich in seiner «SR4 VIP AREA» für eine Amazon-Doku über ihn selbst filmen.

Doch Ramos ist längst nicht der einzige Real-Star, der sich momentan gnadenlos selbst überschätzt. Da wären noch ...

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Der «Benzema-Slip» gegen Ajax. Video: streamable

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Das herrliche 4:1 von Lasse Schöne. Video: streamable

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Bale scheitert völlig frei vor dem Tor an Onana. Video: streamable

epa07416617 Frontpages of Spanish daily newspapers published on 06 March 2019 referring to the UEFA Champions League round of 16, second leg soccer match between Real Madrid and Ajax Amsterdam in Madrid, Spain, 05 March 2019. Ajax won 5-3 on aggregate.  EPA/JAVIER LIZON

Die spanische Presse lässt heute kein gutes Haar an Real. Bild: EPA/EFE

Verpasster Umbruch

Die Sportzeitung «AS» fragte heute, wer Schuld am Real-Debakel hat: Präsident Florentino Perez, Trainer Santiago Solari oder die Mannschaft? Überwältigende 71,52 Prozent der Umfrage-Teilnehmer sprachen sich für Perez aus. Bereits unmittelbar nach dem 1:4 gegen Ajax äusserten Fans ihren Unmut über ihren Präsidenten und forderten vor dem Bernabeu mit «Florentino, dimision!»-Sprechchören seinen Rücktritt.

Vor allem wegen seiner Transferpolitik steht Perez in der Kritik: Nach dem Abgang von Trainer Zinedine Zidane und Superstar Cristiano Ronaldo hat er es verpasst, den nötigen Umbruch einzuleiten. Der Milliardär hat den Einfluss der beiden auf das Team komplett unter- und die Stars der zweiten Reihe überschätzt.

Ohne Ronaldo und Ramos fehlt Real ein echter Leader, der das Team anführen könnte. Das Kader ist ausserdem sehr dünn besetzt. In der Offensive soll mit Vinicius Junior ein 18-jähriger Brasilianer mit 28 Einsätzen in Europa der grosse Hoffnungsträger sein und in der seit Wochen anfälligen Defensive hat sich längst gezeigt, dass die jungen Jesus Vallejo, Sergio Reguilon oder Alvaro Odriozola einfach noch nicht weit genug sind. Im Mittelfeld wirken Modric, Kroos und Casemiro oft lustlos und von den Erfolgen der Vergangenheit gesättigt.

epaselect epa07416040 Real Madrid's Vinicius Junior leaves the field injured during the UEFA Champions League round of 16 second leg match between Real Madrid and Ajax at the Santiago Bernabeu stadium in Madrid, Spain, 05 March 2019.  EPA/RODRIGO JIMENEZ

Vinicius Junior hat zwar grosses Potenzial, noch kann er Reals Offensive aber nicht alleine tragen. Bild: EPA/EFE

Im Sommer steht Real nun der grosse Umbruch bevor. Die Mannschaft braucht frisches Blut, weshalb es kaum bei ein, zwei Neuzugängen bleiben wird.

Überragender Tadic

Real scheiterte gestern aber nicht nur an sich selbst, sondern auch an einem starken Ajax. Die Niederländer überzeugten mit einer übersolidarischen Mannschaftsleistung. Sie liessen hinten wenig zu und nützten vorne ihre Chancen eiskalt aus.

Trotz des starken Kollektivs ragte ein Mann bei Ajax heraus: Dusan Tadic. Der 30-jährige Serbe war so richtig in Spiellaune und am Ende an allen vier Toren seiner Mannschaft beteiligt. Eine Augenweide waren vor allem sein «Zidane-Move» vor dem 2:0 und sein herrlicher Schlenzer ins Lattenkreuz zum 3:0.

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Tadic zerstört Casemiro vor dem 2:0 mit Zidanes Trick. Video: streamable

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Bumm! Das 3:0 für Ajax durch Tadic. Video: streamable

Von der renommierten, französischen Sportzeitung «Equipe» hat Tadic für seine Leistung als erst neunter Spieler überhaupt die Gesamtnote 10 erhalten. Seine Vorgänger waren: Frank Sauzee (1988), Bruno Martini (1988), Oleg Salenko (1994), Lars Windfeld (1997), Lionel Messi (2010), Lionel Messi (2012), Robert Lewandowski (2013), Carlos Eduardo (2014) und Neymar (2018).

Der serbische Nationalspieler spielt nicht erst seit gestern gross auf. Im Sommer wechselte er von Southampton zu Ajax und schlug gleich ein wie ein Bombe: In 40 Pflichtspielen hat er bereits 26 Treffer und 13 Assists erzielt. Dabei ist Tadic kein klassischer Mittelstürmer, sondern gelernter Linksaussen. In der Premier League traf der lediglich 1,81 Meter grosse Stürmer in 134 Spielen nur 21 Mal.

Seine Leistungen in dieser Saison haben allerdings schon die ersten Interessenten auf den Plan gerufen. Bayern München würde ihn gerne als Backup für Robert Lewandowski verpflichten, ausserdem soll Valencia seit längerem interessiert sein. Und spätestens gestern ist Tadic auch allen anderen Grossklubs aufgefallen. Nach dem Abgang von Frenkie de Jong zu Barcelona dürfte aber auch Abwehrchef Matthijs de Ligt Ajax im Sommer verlassen. Der Champions-League-Sieger von 1995 wird deshalb alles daran setzen, wenigsten den Toptorjäger halten zu können.

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