Sport
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Eine nicht bediente TV Kamera der Produktionsfirma tpc im fuenften Eishockey Spiel der Ligaqualifikation der National League zwischen dem EHC Kloten und dem SC Rapperswil-Jona Lakers am Samstag, 21. April 2018, in Kloten. (KEYSTONE/Patrick B. Kraemer)

Die Übertragung von Livesport wird immer wichtiger: Das Wettbieten um die TV-Rechte nimmt Fahrt auf. Bild: KEYSTONE

Analyse

Sunrise kauft UPC – und am Ende zahlen die Sport-Fans die Zeche

Sunrise übernimmt UPC Schweiz. Ein «Big Deal» auch für unseren Sport. Künftig gibt es noch mehr TV-Geld für die Hockey- und Fussballklubs. Aber wenn die Grossen Geschäfte machen, bluten die Kleinen: Für die Fans wird alles teurer werden.



Durch die Verschmelzung von Sunrise und UPC Schweiz entsteht erstmals ein Titan, der im Kommunikationsgeschäft Swisscom auf Augenhöhe herauszufordern vermag.

Auf den ersten Blick eine trockene Wirtschaftsmeldung. Auf den zweiten Blick sehen wir: Ein «Big Deal», der auch die TV-Landschaft im Sport umpflügen und unseren Hockey- und Fussballklubs ab 2021 beziehungsweise 2022 noch mehr TV-Geld bescheren wird.

Blick von einer Kommentatoren-Kabine auf das Eishockey Meisterschaftsspiel der National League A zwischen dem SC Bern und dem Lausanne HC am Freitag, 24. Januar 2014, in der PostFinance Arena in Bern. (KEYSTONE/Marcel Bieri)

In Zukunft wird es immer weniger Live-Sport im öffentlich-rechtlichen Fernsehen geben. Bild: KEYSTONE

Warum? Inhalte (in der Fachsprache «Contents») bekommen in der neuen Medienwelt immer grösseren Wert. Mit noch so guten Serien und Filmen ist im TV-Business kein Staat mehr zu machen. Die laufen über Netflix. Die neue Generation schaltet keine TV-Geräte mehr ein.

Was dem Fernsehen bleibt, ist der Sport mit Live-Übertragungen. Diese Live-Inhalte lassen sich inzwischen immer einfacher verbreiten und der Kunde ist durchaus bereit, dafür zu zahlen. Diese gesuchten Live-Inhalte produziert der Sport rund um die Uhr. Beispielsweise auch unsere Fussball-und Hockeyligen.

Sunrise vs. Swisscom – fight!

Für TV- und Vermarktungsrechte bezahlt heute Swisscom (Teleclub) für unsere höchste Fussball-Liga etwas mehr als 50 Millionen im Jahr. Für die Eishockeyrechte blättert UPC Schweiz jährlich knapp 35 Millionen auf den Tisch. UPC hat 2017 die Swisscom bei der Vergabe der Hockey-Rechte überboten.

ARCHIVBILD - BILDMATERIAL ZUR MELDUNG WEKO GEHT NICHT GEGEN UPC VOR - Eine Person bedient eine Fernbedienung zu einem Fernsehgeraet, am Dienstag, 2. November 2010 in Bern. (KEYSTONE/Peter Schneider)

Wer braucht in Zukunft noch eine Fernbedienung? Es gibt ja Handys ... Bild: KEYSTONE

Der Grund für diese enormen Summen ist ein Verkaufsargument. Stark vereinfacht gesagt: Du kaufst den Internet- und TV-Anschluss und deine Telefoniererei bei mir. Weil du nur bei mir die TV-Livebilder der Hockey- oder Fussballliga bekommst.

Diese Rechnung ist für UPC nicht aufgegangen. Nur wegen Hockey-Livespielen alles bei Swisscom aufkünden, ein neues Abo bei UPC machen und erst noch ein weiteres Kästchen in meiner Wohnung installieren? Nein, danke.

UPC verliert mit dem Hockey-Deal gut und gerne 30 Millionen im Jahr. Nebst den horrenden Kosten für die Rechte muss ja auch der eigens fürs Hockey gegründete TV-Sender «MySports» finanziert werden. Mit den dank den Hockey-Livespielen neu gewonnenen Kabel-Kunden können nicht einmal die Löhne für die «MySports»-Crew um Steffi Buchli und Ueli Schwarz bezahlt werden. Der Hockey-Deal drohte UPC Schweiz finanziell in die Luft zu sprengen.

Moderatorin Steffi Buchli posiert im Studio in der Romandie von UPC MySports in Rossens am Mittwoch, 6. September 2017. (KEYSTONE/Christian Merz)

«MySports» hat mit Sunrise einen neuen, finanzstarken Besitzer bekommen. Bild: KEYSTONE

Aber nun kommt Sunrise. Ein Titan. Sunrise wird durch die Übernahme von UPC auch neuer Besitzer von «MySports» und erstmals hat die Swisscom auch auf dem Sportreche-Markt einen ernst zu nehmenden Herausforderer. UPC Schweiz war es nicht. Jeder, der rechnen konnte, wusste, dass sich UPC mit dem Kauf der Hockey-Rechte übernommen hatte. «MySports» ist für Sunrise das, was «Teleclub» für Swisscom ist.

Handy wird zum Hosen-TV-Apparat

Es geht inzwischen nicht mehr bloss um Kabelanschlüsse. Die werden für Privatkunden ohnehin bald nicht mehr notwendig sein. Es geht um «Big Business». Um die Übertragung von Live-Bildern auf Smartphones und Tablets. Dank neuen Technologien (5G) in höchster Qualität.

Da heute eine Verschlüsselung über Apps möglich ist, braucht es in absehbarer Zeit keine Kabelnetze und keine Kästen in Wohnzimmern, um dem Privatkunden Geld für TV-Liveübertragungen abzuknöpfen. Bald läuft alles per Wischbewegung auf dem Smartphone und dem Tablet. Das Smartphone mutiert vom Hosentelefon zum Hosen-TV-Apparat.

Sunrise bekommt mit «MySports» ein grandioses Verkaufsargument: Du telefonierst mit mir und nicht mehr mit Swisscom und kannst dafür unsere Hockeyspiele live auf deinem Smartphone sehen. Wofür du natürlich auch etwas bezahlen musst. Swisscom (mit Teleclub) hält dagegen mit dem Argument: und bei mir kannst du unsere Fussballspiele gegen Bezahlung live sehen.

Technicians of the Teleclub remove their equipment after the referee postponed the soccer match of the Super League Swiss Championship between FC Lausanne-Sport and FC Basel because parts of the pitch are frozen, at the Stade Olympique de la Pontaise stadium, in Lausanne, Switzerland, on Saturday, February 24, 2018. (KEYSTONE/Salvatore Di Nolfi)

«Teleclub» hält derzeit die meisten Fussballrechte in der Schweiz – bleibt das auch ab 2021 so? Bild: KEYSTONE

In den nächsten Jahren dürften die beiden Kommunikations-Giganten versuchen, weitere Sport-Liverechte einzukaufen (z.B. Ski oder Motorsport). Für den sportlich durchschnittlich interessierten Zeitgenossen genügt die in der Schweiz durch den Gesetzgeber geregelte kostenlose Grundversorgung mit TV-Bildern. Es sind die Brosamen, die vom Tisch der Grossen fallen, und mit denen sich in Zukunft das staatstragende Fernsehen mehr und mehr begnügen muss.

Die Gespräche um die Vergabe der TV-Rechte haben bereits begonnen und nun setzt sich mit Sunrise ein Big Player mit an den Tisch.

Mehreinnahmen gehen in Spielerlöhne

Im Fussball werden diese Rechte im Sommer 2021 und im Eishockey ein Jahr später neu vergeben. Bereits ist klar, dass sich dafür Swisscom und Sunrise interessieren werden. Wenn die Eishockey-Rechte im Sommer 2022 auf den Markt kommen, ist schon bekannt, wer im Fussball zum Zuge gekommen ist. Der Verlierer im Schachern um die Fussball-Rechte wird dann im Bietverfahren ein sehr hohes Angebot einreichen, um die Hockey-Rechte zu bekommen. Die Preise werden also nicht fallen. Sondern steigen.

Der Medienmarkt verändert sich so schnell, dass die Liga bzw. die Klubs in absehbarer Zeit einen Teil des Geschäftes selbst machen und die laufenden Bilder ihrer Spiele direkt an ihre Kunden verkaufen werden. Wie ein Saisonabo.

Leute arbeiten in den Studios in der Romandie von UPC MySports in Rossens am Mittwoch, 6. September 2017. (KEYSTONE/Christian Merz)

Die Produktion von TV-Livebildern wird dank neuer Technologien immer billiger. Bild: KEYSTONE

Sport-Liveübertragungen können immer kostengünstiger produziert und in immer besserer Qualität auf immer mehr Kanälen verbreitet werden. Sie sind in der Medienlandschaft des 21. Jahrhunderts ein immer grösser werdendes Geschäft.

Die TV-Einnahmen für die Klubs werden steigen und damit übrigens auch die Spielerlöhne. Denn Klubs investieren im Fussball und Hockey Mehreinnahmen grundsätzlich in Spielerlöhne.

Im gleichen Zug werden die Preise, die der Sportkonsument für die bezahlten Live-Inhalte bezahlen muss, angehoben. Und die Fans werden zahlen. Weil das frei empfangbare Sport-Live-Angebot im öffentlich-rechtlichen TV immer dürftiger werden wird. In der neuen Medienwelt werden die klassischen öffentlich-rechtlichen TV-Sender im Geschäft um Sport-Liverechte nicht mehr mithalten können.

Wer alle Spiele seines Klubs in unseren höchsten Fussball- und Hockey-Ligen live auf irgendeinem Gerät (TV-Apparat, Tablet, Smartphone) sehen will, muss künftig immer tiefer in die Tasche greifen. Spätestens ab 2021 im Fussball und spätestens ab 2022 im Hockey.

Wenn die Grossen Geschäfte machen, zahlen halt immer die Kleinen – im Sport sind es die Fans – die Zeche.

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