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Zuerichs Fredrik Pettersson, Zuerichs Roman Wick und Zuerichs Cheftrainer Arno Del Curto, von links, im Eishockey Meisterschaftsspiel der National League zwischen dem EV Zug und den ZSC Lions am Samstag, 9. Februar 2019, in der Bossard Arena in Zug. (KEYSTONE/Alexandra Wey)

Arno Del Curto hat die ZSC Lions noch nicht auf Kurs gebracht. Bild: KEYSTONE

Analyse

Del Curto hat den ZSC nicht besser gemacht – doch er ist nicht das grösste Problem

Die ZSC Lions kommen auch unter Trainerlegende Arno Del Curto nicht vom Fleck. Der Meister könnte sogar die Playoffs verpassen. Doch die Trainerfrage ist nicht die einzige, mit der sich die Zürcher auseinandersetzen müssen.



Noch liegen die ZSC Lions auf einem Playoff-Platz. Doch Vorsprung auf Servette, das auf dem neunten Platz liegt, haben sie keinen mehr. Beide Teams haben wie Fribourg nun 62 Punkte auf dem Konto. Zuletzt gab es nach einem umkämpften Spiel eine Niederlage gegen Leader Zug (0:3) und nun auch eine bittere Heimpleite gegen Genf (1:4). Der Mist war gestern Abend im Hallenstadion bereits nach 20 Minuten und der 3:0-Führung Servettes geführt.

Es hagelte Pfiffe während eines Timeouts und als die Spieler in die erste Pause gingen. Der Arno-Effekt sei verpufft, schreiben mehrere Schweizer Medien. Wir sagen, es hat ihn gar nie gegeben – von der Fan-Euphorie mal abgesehen. Unter Serge Aubin holten die Zürcher immerhin noch 1,61 Punkte pro Spiel. In den neun bisherigen Auftritten unter Arno Del Curto war es noch genau ein Zähler pro Partie.

Bild

Die aktuelle Tabelle der National League. bild: srf

Auch sonst sind die Zahlen unter Del Curto alles andere als berauschend, wobei man natürlich den kleineren Datensatz unter dem Engadiner in Betracht ziehen muss. Während die Lions laut «NL Ice Data» unter Aubin 51,1 Prozent der Schussversuche kontrollierten, sind es unter Del Curto 51,45 Prozent. Dabei fällt auf, dass die Zürcher momentan zwar mehr schiessen, aber auch mehr Schüsse auf das eigene Tor kassieren als noch unter Aubin.

Del Curto schlechter als Aubin

Der PDO (Addition von Schusseffizienz und Fangquote der Torhüter) ist unter Arno Del Curto mit 95,02 sehr tief, deutlich tiefer als noch unter Serge Aubin (99,26). Das hat einerseits sicher mit Pech zu tun, andererseits aber auch mit der Schussauswahl. Die Spieler des ZSC schiessen wie bereits erwähnt mehr auf den gegnerischen Kasten. Allerdings ist die Zahl der Schüsse aus dem Slot etwa gleich geblieben wie vorher. Die zusätzlichen Schüsse kommen also eher von der blauen Linie oder von den Aussenbahnen. Dieses Phänomen war unter Del Curto schon in Davos zu beobachten.

Entsprechend ist die Schusseffizienz von durchschnittlich 7,64 Prozent unter Aubin auf 5,33 Prozent unter Del Curto gesunken. Der einzige Ort, wo es dem Ex-HCD-Coach gelungen ist, die Lions zu verbessern, ist das Powerplay (20,37% Erfolgsquote gegenüber 13,1%). Dafür ist das Boxplay deutlich schlechter geworden (67,65% gegenüber 84,33%).

Arno Del Curto vs. Serge Aubin – der Vergleich

Doch dem Trainer alleine die Schuld in die Schuhe zu schieben, wäre zu einfach. Schliesslich hat es bislang weder unter Hans Wallson, Serge Aubin noch Arno Del Curto nach Wunsch geklappt. Nur Meistertrainer Hans Kossmann konnte die Mannschaft zwischenzeitlich nach vorne bringen. Wie das beim lautstarken Schweiz-Kanadier über eine ganze Saison ausgesehen hätte, wissen wir nicht.

Dazu kommt auch noch Verletzungspech. Robert Nilsson hat nach einer Hirnerschütterung diese Saison noch kein einziges Spiel gespielt. Roman Wick fehlte über 30 Partien. Roman Cervenka litt an einer Lungenembolie und Captain Patrick Geering laborierte an einer Bauchmuskelverletzung.

Schlechte Stimmung in der Garderobe?

Trotzdem muss sich das Management der ZSC Lions auch unangenehme Fragen gefallen lassen. Fragen, welche die NZZ teilweise schon bei Del Curtos Vorstellung in die Runde warf. Fragen wie:

Der beste Spieler der Zürcher in dieser Saison ist Denis Hollenstein. Der Flügel ist der produktivste Mann der Lions und auch defensiv absolut verlässlich. Doch er ist erst seit dieser Saison dabei und erst noch vom Erzrivalen aus Kloten gekommen. Soll er tatsächlich schon eine lautstarke Rolle in der Kabine übernehmen?

ZSC Lions Stuermer Denis Hollenstein waehrend dem Eishockey-Meisterschaftsspiel der National League zwischen den SC Rapperswil-Jona Lakers und den ZSC Lions am Freitag, 1. Februar 2019, in Rapperswil. (PPR/Patrick B. Kraemer)

Denis Hollenstein: Kann er beim ZSC ein Leader sein? Bild: PPR

Nein, in der Garderobe sind andere Figuren gefragt. Aber wer? Captain Patrick Geering hat diese Saison wie schon erwähnt viele Spiele verletzungsbedingt verpasst. Kevin Klein scheint das Feuer aus den letztjährigen Playoffs noch nicht wiedergefunden zu haben. Pius Suter ist noch jung und auch sonst nicht der lautstarke Typ. Und von den Zürcher Urgesteinen Chris Baltisberger und Reto Schäppi kommt diese Saison zu wenig.

Auch der Exodus der jungen Spieler sollte die ZSC-Führung beunruhigen. Niklas Schlegel (24), Jérôme Bachofner (22), Roger Karrer (22) und Marco Miranda (20) verlassen das Team, obwohl sie regelmässig zum Einsatz kommen. Bachofner war einige Spiele sogar Topskorer der Löwen.

Ist die Stimmung in der Kabine etwa schlecht? Gerüchten zufolge erhielten junge Spieler in der ZSC-Kabine bei guten Leistungen keine Gratulationen oder Unterstützung, sondern Hohn und Spott. Ob an diesen Gerüchten etwas dran ist, lässt sich von aussen allerdings nicht sagen.

Vieles bei den ZSC Lions wirkt momentan chaotisch. Überhastete Entscheide, schlechte Stimmung und viele Niederlagen trotz «Heilsbringer» Arno Del Curto. Nicht auszudenken, was passieren würde, sollten die Zürcher tatsächlich die Playoffs verpassen.

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Die Karriere von Arno Del Curto

Hier kannst du auf einem gefrorenen See toben

Video: srf

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