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«Die bunte Schweizer Truppe, die am Homeless World Cup stolz die soziale Not eines der reichsten Länder der Welt repräsentiert, spielte ein gutes Turnier.» bild: olivier joliat

Finals am Homeless World Cup

Entscheidung an der Obdachlosen-Weltmeisterschaft: Die Schweiz spielt im Final

Die Schweiz und Bosnien-Herzegowina stehen heute Nachmittag erstmals in einem Final am Homeless World Cup. Nicht nur auf dem Feld liegen zwischen den beiden Strassensport Projekten Welten.



Olivier Joliat, chile

Bei der elften Teilnahme von Surprise Strassensport beim Homeless World Cup spielt das Team erstmals um einen Pokal. Es geht dabei nicht um den Weltmeistertitel, sondern um den Futbol de Calle Cup. Zu stark waren die Gegner der Schweizer in der ersten Qualifikationsgruppe. Mit Brasilien, Namibia und Polen schafften es gleich drei davon unter die stärksten acht Teams, die um den HWC-Titel spielen. 

Von diesen Niederlagen liessen sich die Schweizer jedoch nicht entmutigen. Da hat jeder Spieler in seinem Leben schon anderes weggesteckt: sei es die Drogensucht überwinden, nach Schnorrer-Leben auf der Strasse wieder Heim und Arbeit zu finden, oder nach der Flucht aus Kriegswirren eine neue Existenz aufzubauen. Die bunte Truppe, die am HWC stolz die soziale Not eines der reichsten Länder der Welt repräsentiert, spielte ein gutes Turnier.

Schweizer Strassensport versus Slum Soccer aus Indien

Nur wegen dem Torverhältnis aus den Spielen gegen Wales, Finnland und Italien reichte es nicht in stärkste Gruppe der unteren Tableau-Hälfte. In der K.O.-Phase hat die Schweiz jedoch zum Toreschiessen zurückgefunden und siegte gegen Tschechien (8:2) und die USA (7:4) jeweils klar. Heute geht es im Final gegen Slum Soccer India darum, ein angestrebtes Ziel, den ersten Titel eines Schweizer Teams am Homeless World Cup zu erobern. Das Spiel kann ab 15:35 Uhr live auf homelessworldcup.org verfolgt werden. 

Danach werden die vom Plastikrasen arg geschürften Beine hochgelagert. Dafür ist Handarbeit gefragt zum Daumendrücken oder klatschen bei den finalen Spiele der anderen Cups, bis es schlussendlich um den Weltmeister-Titel geht (ab 23.35 Uhr).  

Europäischer Aussenseiter im Final

Mit Bosnien-Herzegowina spielt erstmals seit 2011 wieder ein europäisches Team um den Homeless World Cup. Sie sind gegen Chile jedoch klare Aussenseiter. Die Gastgeber werden stets vom frenetischem Heimpublikum angepeitscht und haben Bosnien in der ersten Gruppenphase bereits 7:1 geschlagen. Genau deshalb sieht Teammanager Kenan Bajraktarevic Chancen für sein Team: «Wir haben nichts zu verlieren, sie alles. Ausserdem haben meine Jungs in diesem Turnier gelernt, zu was Underdogs fähig sind.»

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Die Bosnier freuen sich über ihren ersten Finaleinzug. bild: olivier joliat

Seine Mannschaft besteht aus jungen Männern, die ihre Väter und teilweise auch Mütter im Jugoslawien Krieg verloren haben. Die meisten starben beim Genozid in Srebrenica. Seither leben sie in sogenannten Flüchtlingsheimen. Bajraktarevic: «Bei uns gibt es offiziell keine Obdachlosen. Die Teilnahme an der Obdachlosen WM ist für uns auch ein innerpolitisches Statement.» Trotzdem sprechen sie meist vom Flüchtlingsteam, da Obdachlose in den Medien und der Gesellschaft Bosniens geächtet sind. 

Selbstbewusstsein dank Fussball

Dank der Finalqualifikation seines Teams berichtet nun sogar das Staatsfernsehen über seine Fussballhelden in Chile. Bajraktarevic: «Das ist für das Selbstvertrauen meiner Spieler enorm wichtig. Die jungen Männer aus den Flüchtlings-Ghettos stehen am untersten Ende der bosnischen Hierarchie. Die Erfolge hier helfen gegen ihren alles lähmenden Minderwertigkeitskomplex.»

Selbstvertrauen setzt Energien frei und so haben zwei Spieler des letztjährigen HWC-Teams nun in Bosnien einen Job gefunden. «Bei einer Arbeitslosenrate von über 50%, die bei den Jugendlichen noch weit höher ist, ist schon einer, der einen Job findet ein grosser Erfolg», so Bajraktarevic. 

Sportlich ist die Finalteilnahme Bosniens bei ihrem dritten HWC nach zwei sechsten Plätzen bereits der grösste Erfolg. Bajraktarevic ist überzeugt, dass weitere folgen werden und sagt mit einer deftigen Prise schwarzen Humors: «Dank der Flutkatastrophe im Frühjahr haben wir 200'000 neue Obdachlose. Die Spieler werden uns so schnell nicht ausgehen.» 

Support vom Superstar

Finanziell sieht es für die nächste HWC-Teilnahme eines der ärmsten Länder Europas dank dem Engagement von Nationalspieler Muhamed Bešić rosiger aus als auch schon. Als das 22-Jährige Grosstalent, das neu beim FC Everton spielt, vom bosnischen Strassenfussball Projekt hörte, ging er es besuchen. Nun amtet er als Ambassor und zahlte einen grossen Teil des HWC-Budgets Bosniens. Bajraktarevic: «Bald können wir uns hoffentlich auch neue Dresses leisten. Nach drei HWC-Turnieren haben die meisten Trikots Löcher.»

Vielleicht ziert das bosnische Trikot dann ein Weltmeister-Stern. 

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