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Zugs Fabian Schnyder, rechts, jubelt nach seinem 3:2 Tor im vierten Eishockey Playoff-Finalspiel der National League A zwischen dem EV Zug und dem SC Bern, am Donnerstag, 13. April 2017, in der Bossard Arena in Zug. (KEYSTONE/Ennio Leanza)

So sehen Sieger aus: Der Zuger Jubel nach dem 3:2. Bild: KEYSTONE

Eismeister Zaugg

Zug hat den SCB zum Schweigen gebracht – geht die Titanic jetzt unter?

Zug rockt. Zug gewinnt 3:2 n.V. Bern verliert zum ersten Mal in seiner Geschichte in den Playoffs zweimal hintereinander in der Verlängerung. Alles beginnt wieder von vorne.



Wenn die Engel die siebte Posaune der Apokalypse blasen und den Untergang der Welt vollenden, dann wird Kari Jalonen ein Bier bestellen. Und seine einzige Sorge wird sein, ob es auch ein richtig gekühltes ist.

Der finnische Bandengeneral ist unerschütterlich.Nach einem der aufregendsten Spiele der Saison, dem er in leitender Position beigewohnt hat, wirkte er ruhig, entspannt und gelassen, als sei er geradeaus einem siebenwöchigen Yoga-Kurs in den Bergen von Bhutan zurückgekehrt.

Seine Mannschaft hat vor einer Viertelstunde in Zug zum zweiten Mal hintereinander in der Verlängerung verloren. Nach dem 1:2 n.V. vom Dienstag in Bern jetzt zwei Tage später 2:3 n.V. in Zug. Die 2:0-Führung im Finale ist verdaddelt. Es steht 2:2. Alles beginnt wieder von vorne. Gross müsste Aufregung und Bestürzung sein.

Enttaeuscht stehen die Berner auf dem Eis nach dem vierten Eishockey Playoff-Finalspiel der National League A zwischen dem EV Zug und dem SC Bern, am Donnerstag, 13. April 2017, in der Bossard Arena in Zug. (KEYSTONE/Ennio Leanza)

Konsternierte Berner nach der zweiten Niederlage. Bild: KEYSTONE

Zwei Berner Chronisten, dem SCB wohl gesinnt, befragen im Kabinengang der Zuger Arena den SCB-Trainer.

Kari, hat jetzt das Momentum gewechselt?

«Momentum?»

Ja, Momentum. Zug hat zweimal gewonnen, das Momentum ist jetzt bei Zug, oder?

«Momentum? Ich glaube nicht an solche Sachen wie ein Momentum. Ich glaube nur an Fakten.»

Was sind die Fakten?

«Es steht 2:2.»

Nun meldet sich der zweite Chronist zu Wort und fragt, ob die Situation nicht gefährlich sei.

«Gefährlich?»

Ja, es ist doch gefährlich. Zug hat zweimal gewonnen.

«Ich verstehe nicht, was Sie mit gefährlich meinen?»

Zug hat jetzt zweimal gewonnen!

«Also ich sehe keine Gefahr. Da war soeben ein Hockeyspiel und am Samstag ist wieder eines. Was soll daran gefährlich sein?»

Berns Ramon Untersander, Berns Simon Bodenmann, SC Bern Cheftrainer Kari Jalonen, Berns Simon Moser und Berns Aaron Gagnon, von links, im zweiten Eishockey Playoff-Finalspiel der National League A zwischen dem EV Zug und dem SC Bern, am Samstag, 8. April 2017, in der Bossard Arena in Zug.  (KEYSTONE/Alexandra Wey)

Jalonen bleibt die Ruhe selbst. Bild: KEYSTONE

Ob diese Unerschütterlichkeit gut ist und dem SCB schliesslich doch den Titel bringen wird, oder ob sie nicht gut und ein Zeichen dafür ist, dass der Trainer die Gefahr nicht sieht/spürt/ahnt und unterschätzt – das werden wir wissen, wenn die Entscheidung gefallen ist.

Kari Jalonen sagt dann noch, seine Jungs seien im ersten Drittel wohl noch im Bus gewesen. Aber bevor diese Kritik zur Polemik erweitert werden kann, stellt er klar: «Aber unser Comeback im zweiten Drittel war ein grosses Charaktercomeback».

Bern ist nicht beunruhigt. Alle sind ruhig. All quiet on Berns Hockeyfront. Wer es polemisch will, kann auch sagen: Die Berner sind ruhig, weil sie von den Zugern zum Schweigen gebracht worden sind. Nach der Niederlage wird im Kabinengang nicht geflucht. Keine Türe wird zugeknallt. Kein Stock zertrümmert. Kein lautes Wort fällt. SCB-König Marc Lüthi schreitet ruhig, gemessenen Schrittes durch den Kabinengang, grüsst freundlich und geht nicht in die Kabine. Er sucht nicht einmal nach einem Notausgang um sich durch Rauchen beruhigen zu können.

Marc Luethi, CEO des SC Bern, spricht waehrend einer Vorsaison-Medienkonferenz des SC Bern, am Montag, 5. September 2016, in der Postfinance Arena in Bern. (KEYSTONE/Anthony Anex)

SCB-König Marc Lüthi: Arroganz oder gespielte Ruhe? Bild: KEYSTONe

Ist das alles bloss Arroganz? Oder die gespielte Ruhe vor dem Untergang? Wie damals auf der Titanic, als ein paar Gentlemen beschlossen, stilvoll an der Bar in aller Ruhe mit dem unsinkbaren Schiff unterzugehen? Oder ist es die wahre Zuversicht aus der unerschütterlichen Gewissheit, dass Eishockey ist, wenn der SCB am Ende doch gewinnt? Die Frage ist jedenfalls, ob die Berner die Sprache wieder finden, die sie soeben in Zug verloren haben.

Aber nun zählt alles, was war, nicht mehr. Zum ersten Mal in der Geschichte der Playoffs (seit 1986) hat der SCB zweimal hintereinander in der Verlängerung verloren. Die Verlängerungsniederlage in Zug ist eine der kuriosesten, die der SCB je erlitten hat. Für einmal war Eishockey im besten Wortsinne ein unberechenbares Spiel auf einer rutschigen Unterlage.

Alles, was die Berner unter dem grossen Defensivstrategen Kari Jalonen in monatelanger Arbeit trainiert, exerziert, geübt, eingeschliffen,eingefuchst, repetiert hatten, löste sich einfach in Luft auf. Das mächtige SCB-Bollwerk stürzte in sich zusammen wie einst in die unüberwindlichen Mauern von Jericho beim Schall der Posaunen.

Zugs Fabian Schnyder jubelt nach seinem 3:2 Tor im vierten Eishockey Playoff-Finalspiel der National League A zwischen dem EV Zug und dem SC Bern, am Donnerstag, 13. April 2017, in der Bossard Arena in Zug. (KEYSTONE/Ennio Leanza)

Schnyder jubelt nach dem 3:2. Bild: KEYSTONE

Nationalverteidiger Eric Blum kann die Scheibe nicht kontrollieren, Nationaltorhüter Leonardo Genoni kommt um ein paar Sekundenbruchteile zu spät und Fabian Schnyder trifft in der Verlängerung zum 3:2. Der Stürmer, der die Leidenschaft und den Willen der Zuger personifiziert, hat gleich zwei SCB-Hexenmeister des Verteidigungsspiels, des Abwehrens schachmatt gesetzt. Es ist sein zweiter Treffer in diesem Spiel.

Die Geschichte des Finals 2017 muss neu geschrieben werden. Und der neutrale Chronist fragte sich: Wird Eric Blum vielleicht zu stark forciert? Er hatte wieder am meisten Eiszeit von allen SCB-Titanen (23:20 Min.) und musste mit einer Minus-3- Bilanz vom Eis.

Es ist ein grosser Sieg für die Zuger. Für die Zuschauer ist es mehr als einfach ein Hockeyspiel. Es ist ein Drama in mehreren Akten. Spannender, aufwühlender wäre nicht möglich gewesen.

Erst braust der Sturm der Begeisterung durch die Arena. 1:0! 2:0! Der Himmel ist die Limite. Dann kehrt der SCB im zweiten Drittel zurück. Tobias Stephan kassiert im Laufe des Spiels zwei Treffer zum 2:2. Haltbar? Sagen wir es so: Hätte er diese zwei Pucks abgewehrt, hätte niemand von einem«Big Save», einer grossen Parade, oder verpassten grossen SCB-Chancen gesprochen.

Die Zuger jubeln zum 1:0 Tor im vierten Eishockey Playoff-Finalspiel der National League A zwischen dem EV Zug und dem SC Bern, am Donnerstag, 13. April 2017, in der Bossard Arena in Zug. (KEYSTONE/Ennio Leanza)

Zuger Euphorie nach dem 1:0. Bild: KEYSTONE

Aus Euphorie im Stadion wird trotzige Verzweiflung. Bangen. Hoffen. Zittern. Und dann die Erlösung in der Verlängerung. Zu einem Zeitpunkt, als schon die Dämonen des Zweifels im Anzug waren.

Unser Eishockey ist berühmt für die tolle Stimmung in den Stadien. Doch das, was am Donnerstag in Zug los war, übertrifft sogar die Stimmung bei SCB-Heimspielen in der grössten Arena Europas. Zug rockte. Zug bebte. Keine Frage: In dieser Arena vermag die Mannschaft Energie aufzusaugen.

Dieses 3:2 nach Verlängerung ist ein Sieg des Willens, des Charakters, der Leidenschaft – aber auch der klugen Taktik. Die Zuger dominierten den SCB im Startdrittel und legten mit einer 2:0-Führung die Basis für den Sieg. Es war vielleicht das beste und mit ziemlicher Sicherheit das intensivste Drittel der Zuger in dieser Saison. Die Berner, am Anfang zu selbstsicher, zu arrogant, kehrten im Mitteldrittel ins Spiel zurück – aber es reichte schliesslich nur noch zum Ausgleich.

Trainer Harold Kreis hat nach der krachenden Niederlage im ersten Spiel (0:5) in Bern die Nerven und die Zuversicht nicht verloren – diese Wende vom 0:2 zum 2:2 ist eine noch zu wenig besungene Heldentat des Coaches.

Auch die Zuversicht der Berner ist ungebrochen. Aber etwas hat sich grundsätzlich verändert: Die Zuger wissen jetzt, dass sie den grossen, mächtigen SCB besiegen können. Vor dem Finale waren sie tief im Herzen noch nicht sicher, ob sie tatsächlich dazu in der Lage sind, diesen grossen, mächtigen SCB zu bodigen. Nach zwei Finalspielen schien es gar unmöglich, diesen grossen, mächtigen SCB auch nur zu beunruhigen. Die Berner führten 2:0.

Berns Mark Arcobello, links, blickt enttaeuscht neben Simon Moser, rechts, im vierten Eishockey Playoff-Finalspiel der National League A zwischen dem EV Zug und dem SC Bern, am Donnerstag, 13. April 2017, in der Bossard Arena in Zug. (KEYSTONE/Ennio Leanza)

Geben die grossen, mächtigen Berner die Finalserie tatsächlich noch aus der Hand? Bild: KEYSTONE

Jetzt steht es 2:2. Wir haben schon besseres Finalhockey gesehen. Aber selten dramatischeres. Wir haben soeben mit ziemlicher Sicherheit die aufwühlendsten Tage des Zuger Hockeys in diesem Jahrhundert erlebt. Und diese Tage sind noch nicht vorüber. Müsste denn nicht Meister werden, wer in einem Finale zweimal hintereinander in der Verlängerung gewinnt?

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