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Zwei, die sich ähnlich sind: Zugs Harold Kreis (links) und Kari Jalonen vom SC Bern. bild: keystone/watson

Eismeister Zaugg

Kreis vs. Jalonen – so ticken die Trainer der beiden Playoff-Finalisten

Zugs Cheftrainer Harold Kreis tickt wie Berns Kari Jalonen. Wird der SC Bern gerade deshalb erneut Schweizer Meister?



Auf den ersten Blick ist das Finale auch ein «Clash of Cultures». Also eine Auseinandersetzung verschiedener Hockey-Kulturen. Zugs Harold Kreis (58) und Berns Kari Jalonen (57) sind zwar fast gleich alt. Aber sie könnten unterschiedlicher nicht sein. Zumindest theoretisch.

Harold Kreis ist deutsch-kanadischer Doppelbürger, aufgewachsen im kanadischen Winnipeg, als Spieler Legende geworden in Deutschland, aber noch ohne Bundesverdienstkreuz. Kari Jalonen ist Finne, gross geworden im finnischen Oulu, eine hochdekorierte Legende als Coach und Nationaltrainer (WM-Finalist 2016), geehrt mit dem höchsten Orden, den der Staatspräsident zu vergeben hat – eine Ehrung, die dem Bundesverdienstkreuz in Deutschland gleichkommt.

Doch auf den zweiten Blick sehen wir, dass die Unterschiede gar nicht so gross sind. Winnipeg in der kalten Weizenprärie und Oulu, fast am Polarkreis, sind «Hockeytowns» in einem rauen Klima.

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Weizenfelder in der Nähe Winnipegs. In dieser Gegend wuchs Harold Kreis auf. bild: wikipedia

Wer an diesen Orten gelebt hat, glaubt an die traditionellen, guten Werte des Lebens und des Hockeys und gründet seine Philosophie als Bandengeneral auf diesen Tugenden. Experimente? Nein. Harold Kreis und Kari Jalonen stehen für konservatives Hockeydenken. Und für Erfolg.

Von den Preussen abgeschaut

Neun Meisterschaften haben die beiden schon gefeiert. Zweimal war Kreis bei uns Meister (2006 in Lugano, 2008 in Zürich), siebenmal feierte Jalonen in Finnland. Keiner hat also Grund, seine Philosophie zu überdenken.

Harold Kreis und Kari Jalonen sind grosse Bandengeneräle und meisterhafte Verwalter des ihnen anvertrauten Talentes. Wie richtige Generäle bilden sie Schwerpunkte, um die Entscheidung herbeizuführen. Getreu dem preussischen militärischen Motto: «Klotzen – nicht kleckern.»

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Die preussische Armee hoch zu Ross. bild: wikipedia

Der altmodische Kreis coachte den modernen Del Curto aus

Kein anderer Coach hat in diesen Playoffs seine besten Spieler so extrem forciert wie Kari Jalonen. Roman Untersander (28:38 Min) und Eric Blum (27:07 Min.) haben pro Spiel die längste Arbeitszeit von allen Playoff-Teilnehmern. Mark Arcobello (21:37 Min.) ist der am stärksten belastete Stürmer aller acht Playoffteams. Harold Kreis hat seinen besten Verteidiger (Raphael Diaz) und seinen besten Stürmer (Dave McIntyre) fast ebenso stark belastet.

Dieses extreme Forcieren der Besten ist die konservativste aller Führungsmethoden. Der Nonkonformist Arno Del Curto vom HC Davos, der selbst in den Playoffs keinem Spieler längere Eiszeiten als 21 Minuten pro Partie zumutet, ist eine Ausnahme, ja ein Exot. Und wer mag einem Coach einen Vorwurf machen, wenn er von den besten und teuersten Spieler am meisten verlangt? Niemand. Der rollende Einsatz von vier Linien, die Verteilung der Belastung auf vier Formationen, wird in der Theorie gelehrt und in der Praxis selten umgesetzt. Und hat nicht der «altmodische» Harold Kreis soeben über den «modernen» Arno Del Curto im Halbfinal triumphiert? Eben.

Beide beherzigen das «Gotthelf-Prinzip»

Auch im Umgang mit den Spielern sind Harold Kreis und Kari Jalonen sehr ähnlich. Nach aussen verteidigen sie ihr Personal in freundlichen Worten durch alle Böden, lassen sich von Chronisten nicht aufs Minenfeld der Polemik locken, zeigen kaum Emotionen und sind daher – langweilig. Die höchste Form der Kritik ist beim SCB-Trainer auf entsprechende Fragen die Aussage: «Das muss ich zuerst auf dem Video nachschauen».

Beide achten auf Detailarbeit und können in der Sache streng, ja unerbittlich sein. Aber sie beherzigen das «Gotthelf-Prinzip». Der grosse Dichterfürst mahnt, der Mann dürfe sich niemals schlafen legen, bevor er mit seiner Gattin Frieden gemacht habe. Sonst werde aus einer kleinen Auseinandersetzung ein tiefes Zerwürfnis.

Jeremias Gotthelf

Als Dichterfürst kein Schillerfalter: Jeremias Gotthelf, der sicher auch ein guter Bandengeneral gewesen wäre. bild: wikipedia

Aufs Eishockey übertragen: Ein Coach sollte darauf achten, dass er die Kabine nie verlässt, bevor er Frieden gemacht hat. So sehr er einen Spieler auch zusammengestaucht haben mag – am Ende steht ein versöhnliches Wort und die Gewissheit, dass die Kritik nicht persönlich gemeint war. Hätte beispielsweise Doug Shedden dieses Prinzip beherzigt, wäre er heute noch Trainer des HC Lugano.

Ist Kreis mutig genug?

Zug hat nur eine Chance, wenn es gelingt, Bern aus der taktischen und sonstigen Ruhe zu bringen. Kari Jalonen ist ein Hexenmeister der Emotionen- und Spielkontrolle. Seine Berner sind unbesiegbar, wenn alles seinen gewohnten Gang nimmt.

Daher die Frage: Hat Harold Kreis, mindestens ein Zauberlehrling der Spiel- und Emotionen-Kontrolle, den Mut zum Experiment, beispielsweise zu einem «offensiven Überfall» im ersten Spiel? Kaum. Das Finale wird also mit grösser Wahrscheinlichkeit nicht zu einem «Kampf der Kulturen.» Weil die beiden Coaches zu ähnlich sind. Das könnte am Ende des Tages Berns Glück sein.

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