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Tigers Head Coach Heinz Ehlers, Mitte, gibt Anweisungen, waehrend des Eishockey Meisterschaftsspiels der National League zwischen den SCL Tigers und dem EV Zug, am Samstag, 18. Januar 2020, im Ilfisstadion in Langnau. (KEYSTONE/Marcel Bieri)

Heinz Ehlers setzt alles daran, dass die SCL Tigers die Playoffs erreichen. Bild: KEYSTONE

Eismeister Zaugg

Ein Trainer beschliesst, die Playoffs doch zu erreichen

Fast so schnell und überraschend wie Heinz Ehlers die Ordnung wiederhergestellt hat sind wohl nicht einmal Sodom und Gomorra in biblischen Zeiten untergegangen. Hat es in Langnau je einen grösseren Bandengeneral gegeben?



Es war der Anfang vom Ende. So schien es wenigstens. 19 Gegentore und bloss 7 Plustreffer in vier Partien. Vier Niederlagen de suite. 1:2 n.V gegen Davos, 4:5 n.V. in Fribourg, 1:6 gegen die ZSC Lions und nochmals 1:6 gegen den gleichen Gegner ein paar Tage später. Der Sturm ein laues Lüftchen. Die Defensive lottrig. Die Position des Trainers erschüttert wie nie seit seinem Amtsantritt. Die Kabine und auch sonst vieles ausser Kontrolle. Ein Theater um Publikumsliebling Chris DiDomenico inklusive. Die Playoff-Qualifikation in grösster Gefahr. Eine Stimmung fast (aber noch nicht ganz) wie zu uralten Zeiten beim Propheten Hesekiel zu Babylon: «Unsere Gebeine sind verdorrt, und unsere Hoffnung ist verloren; es ist aus mit uns!»

Und nun lediglich 2 Gegentore aber 8 Plustreffer in zwei Spielen und zwei Siege. 3:1 in Lugano und gar ein 5:1 gegen Tabellenführer Zug. Und das alles – abgesehen von einem Zwischenspiel mit Damiano Ciaccio beim 1:6 in Zürich – mit mehr oder weniger gleicher Formation. Selbst in einer so ausgeglichenen Liga wie der National League ist eine solche rasche Wiederauferstehung einer der nominell schwächsten Mannschaften erstaunlich, ja geradezu sensationell.

Die Langnauer haben den Zugern eine Lektion in Effizienz, Disziplin, Zweikampfverhalten und taktischer Intelligenz erteilt. 5:1 bei 18:28 Torschüssen. Nach wie vor werden mehr Tore nach flinken, präzisen Gegenstössen als nach intensivem Kreiselverkehr in der gegnerischen Zone erzielt. Und natürlich spielte es eine Rolle, dass Ivars Punnenovs (96,48 % Fangquote) sein bestes Hockey spielte und Zugs Luca Hollenstein nicht ganz (72,22 %). Und Chris DiDomenico, zuletzt nur mit einem Punkt in drei Partien, war mit einem Tor und zwei Assists gegen Zug nicht nur statistisch der Held des Abends. Erst zum zweiten Mal in dieser Saison liess er sich drei Punkte in einem Spiel notieren. Heinz Ehlers ist in dieser entscheidenden Phase nicht der Versuchung eines Machtspielchens mit seinem widerspenstigen Leitwolf erlegen und hat ihn nicht auf die Tribüne verbannt.

Aber der entscheidende Faktor ist die Wiederherstellung von Mut, Zuversicht, Geduld, Ordnung, Disziplin und das Entfachen der Leidenschaft beim gesamten Personal. Nach einer solchen Wende ist es eigentlich üblich, dass die Trainer ein wenig Eigenmarketing betreiben und von Sitzungen, Einzelgesprächen und taktischen Handgriffen erzählen. Das ist umso einfacher und wirkungsvoller, weil es ja sowieso bei einem so unberechenbaren Spiel auf einer so rutschigen Unterlage kaum möglich ist zu erkennen, was denn nun taktisch anders geworden ist oder eben nicht. Heinz Ehlers aber erklärt nach dem siegreichen Spiel gegen Zug lediglich bescheiden: «Ich habe nichts gemacht.» Der grosse Otto von Bismarck pflegte zu sagen, einen grossen Trainer (Mann) erkenne man in der Mässigkeit im Erfolg.

Tigers Chris DiDomenico, Topscorer Harry Pesonen und Pascal Berger, von links, jubeln, waehrend des Eishockey Meisterschaftsspiels der National League zwischen den SCL Tigers und dem EV Zug, am Samstag, 18. Januar 2020, im Ilfisstadion in Langnau. (KEYSTONE/Marcel Bieri)

Wie erlangten die Langnauer ihre Motivation zurück? Bild: KEYSTONE

Nichts gemacht und doch alles wieder im defensiven, offensiven und sonstigen Lot? Kann das sein? Heinz Ehlers erzählt, es sei eben nicht nötig gewesen, etwas zu tun. Er sei weder laut noch böse geworden. «Ich musste nichts sagen.» Die Spieler seien nach der Niederlage in Zürich enttäuscht gewesen und hätten selbst gewusst, dass eine Reaktion folgen müsse.» Tatsächlich keine bösen Worte? Keine strengen Ermahnungen? Keine Sitzungen? Kein Kinobesuch oder sonstiges Motivations-Kamasutra? «Nein». Und wie hat er die Disziplin wiederhergestellt und die Kontrolle wiedererlangt, die verloren gegangen war? «Ich habe gesagt, was ich vor jedem Spiel sage: keine dummen Strafen!». Nun sei es wieder gelungen, das Tempo aus dem Spiel zu nehmen und geduldig zu sein. Seine Mannschaft sei nicht gut genug, um gegen Spitzenteams offenes Lauf- und Tempohockey («Nord-Süd-Hockey») zu spielen.

Und dann folgt eine dieser Matchanalysen, die längst Kultcharakter haben. So wie Heinz Ehlers nach Niederlagen in der Regel noch viel Rühmenswertes findet, so übt er sich selbst nach triumphalen Siegen in Bescheidenheit und zerknirschter Selbstkritik. Und so sagt er: «Zug hätte nach dem ersten Drittel auch 4:0 führen können.»

Die wundersame Rückkehr der SCL Tigers wirkt, als habe der Trainer beschlossen, die Playoffs doch zu erreichen. Bereits am Dienstag treten die Langnauer wieder gegen Zug an. Diesmal auswärts. Ein guter Test auch für Zugs Trainer Dan Tangnes. Kann auch er die taktischen und spielerischen Dinge so schnell wieder ordnen und ausbalancieren wie Heinz Ehlers?

Gelingt es ihm, dann können wir sagen: Ein Trainer beschliesst, wieder ein Spitzenteam zu sein. Nach einer Revanche gegen Langnau zu sagen, Zugs Trainer habe beschlossen, wieder meisterlich zu sein wäre hingegen doch eine schier masslose Übertreibung. Denn gemessen am Talent müsste Zug eigentlich dazu in der Lage sein, eine limitierte Mannschaft wie Langnau zu besiegen, ohne das beste Hockey zu spielen. Ausser eben eine Mannschaft mit so wenig Talent wie Langnau wird von Heinz Ehlers dirigiert.

Was wäre eigentlich, wenn Langnaus Trainer einmal ein nominelles Spitzenteam coachen könnte? Ein Team, dessen Verteidiger nicht Larry Leeger, Federico Lardi oder Yannick Blaser heissen. Sondern Eric Blum, Ramon Untersander und Calle Andersson. Oder Romain Loeffel, Julien Vauclair und Alessandro Chiesa. Oder Beat Forster, Dominik Rathgeb und Samuel Kreis.

Aber lassen wir das. Wir wollen nicht grübeln.

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