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Cheerleader Patrick Fischer

Patrick Fischer: Cheerleader oder Bandengeneral? Auf diesem Bild scheint er noch nicht so ganz zu den Cheerleaders zu passen. bild: watson

Eismeister Zaugg

Jetzt zeigt sich, ob wir einen Cheerleader oder Bandengeneral haben

Die Viertelfinals sind bei der WM in Paris auch mit einer B-Auswahl Pflicht. Nun wird sich zeigen, ob Patrick Fischer ein Cheerleader oder doch ein grosser Bandengeneral ist.



Wo stehen wir vor der zweiten WM mit Patrick Fischer? Er versteht zwar etwas von Taktik. Aber er vermag sein taktisches Konzept nicht so einzuschulen und durchsetzen wie seine Vorgänger Ralph Krueger oder Sean Simpson. Er ist ein sehr guter Kommunikator und als «Verkäufer» unseres Hockeys ein idealer Nationaltrainer. Aber ihm fehlt nach wie vor das Charisma, das nur Sieger haben – er hat als Trainer noch nie etwas gewonnen. Und so sind wir bei der ersten WM unter Patrick Fischer vor einem Jahr in Moskau mit wildem «Pausenplatz-Hockey» knapp und im letzten Gruppenspiel an den Viertelfinals vorbeigeschrammt, schwebten aber zeitweise in Abstiegsgefahr.

Die erste WM mit Patrick Fischer bescherte uns ein «Scheitern mit Herz». Durchaus typisch für die «Post-Silber-Ära», die neue Zeit seit der Silber-WM von 2013. Die Schweizer begeisterten mit mutigem, aber naivem und international nicht tauglichem Offensivspiel («Pausenplatz-Hockey»). Patrick Fischer und seine zwei Assistenten Felix Hollenstein und Reto von Arx mahnten in ihrem Wesen und Wirken in manchen Phasen mehr an Cheerleader als an grosse Bandengeneräle.

Tommy Albelin, Assistenztrainer, waehrend einem Medientermin zum Saisonstart der Herren A-Nationalmannschaft am Dienstag, 1. November 2016, in Opfikon. (KEYSTONE/Alexandra Wey)

Tommy Albelin: Er brachte die defensive Stabilität zurück. Bild: KEYSTONE

Emsige Manager des Optimismus

Diese Schwäche ist erkannt worden. Felix Hollenstein und Reto von Arx sind nicht mehr dabei. Nun steht Patrick Fischer mit dem Schweden Tommy Albelin ein erfahrener Taktiklehrer zur Seite, der in der NHL bei New Jersey als Spieler und Assistent das Defensiv-Handwerk von Grund auf erlernt hat. Unser Spiel ist inzwischen besser strukturiert und mahnte in der WM-Vorbereitung in lichten Momenten, etwa bei den zwei Siegen gegen Russland, ein wenig an die Silber-Saison 2013.

Verbands-Sportdirektor Raeto Raffainer mit seinem geschäftigen, umtriebigen Optimismus und sein Nationaltrainer sind so etwas wie die Cheerleader dieser WM-Expedition. Fleissig bemüht, gute Stimmung zu verbreiten. Emsige Manager des Optimismus. Die Botschaft: Es kommt schon gut, aber es ist gar schwer und man möge doch nicht so kritisch sein, wenn es halt wieder nicht für die Viertelfinals reichen sollte.

Wie weit kommt die Schweiz an der Hockey-WM?

Nominell eines der schwächsten Teams der Neuzeit

Nun, leicht wird es nicht. Das WM-Team 2017 ist nominell eines der schwächsten der Neuzeit. Im Vergleich zum WM-Silberteam eine B-Auswahl. Von den «Silber-Helden» sind nur noch sechs dabei (Diaz, Furrer, Ambühl, Bodenmann, Hollenstein, Suri). Einzig Denis Malgin hat diese Saison regelmässig in der NHL gespielt. Es ist eine Mannschaft mit geringem offensivem Überraschungspotenzial, abschlussschwachen Mittelstürmern, wenig Feuerkraft auf den Aussenbahnen, geringer Wasserverdrängung in der Abwehr und zwei starken Torhütern (Genoni, Hiller). Der Nationaltrainer wird seine zwei nominell besten Verteidiger, Raphael Diaz und Philippe Furrer, mit mehr als 20 Minuten Eiszeit pro Spiel über Gebühr belasten müssen.

Bild

Geringe Wasserverdrängung bei der Schweiz. So sieht das aus, wenn man die durchschnittlichen Grössen und Gewichte der WM-Teams darstellt. bild: watson

Richtig gecoacht ist vieles möglich

Es ist aber auch eine Mannschaft, die richtig gecoacht und mit dem Rückhalt eines starken Torhüters immer noch bei weitem genug Talent hat, um das Minimalziel Viertelfinals (dafür ist Platz 4 in der Gruppe notwendig) zu erreichen. Aber wir haben – anders als die Grossen – nach wie vor nicht das offensive Talent, um Siege herauszuspielen. Wir sind immer noch dazu verurteilt, Siege herauszuarbeiten und unser Talent dem taktischen Konzept unterzuordnen. Deshalb spielt bei uns der Nationaltrainer eine viel wichtigere Rolle als bei den Grossen. Etwas zugespitzt können wir sagen: Paris steht und fällt mit Patrick Fischer.

Seit der Silber-WM von 2013 ist unsere Nationalmannschaft in die Komfortzone der selbstzufriedenen Mittelmässigkeit geraten. Der WM-Final von 2013 scheint inzwischen so weit weg und entrückt ins Reich der Legenden wie die Heldentaten von Bibi Torriani in den 1920er und 1930er Jahren. Die kompromisslose Ausrichtung auf Leistung und Resultat, die klare taktische Konzeption aus der Ära der nordamerikanischen Bandengeneräle Ralph Krueger und Sean Simpson (1998 bis 2014) hat sich aufgelöst in einer rosa Wolke aus Optimismus, Aktivismus und Marketing der Zuversicht. Nur noch einmal (2015) sind die Viertelfinals erreicht worden. Inzwischen ist nach den WM-Schlussrängen 9 (2014), 8 (2015) und 11 (2016) der 7. Platz in der Weltrangliste gefährdet.

Swiss Hockey Nationaltrainer Patrick Fischer beantwortet Fragen der Journalisten bei einem Medientermin am Donnerstag, 20. April 2017, in der Tissot Arena in Biel. (KEYSTONE/Lukas Lehmann)

Diese WM wird zeigen, was Patrick Fischer draufhat. Bild: KEYSTONE

Polemik muss nicht sein, könnte aber kommen

Gemessen an der Bedeutung unseres Hockeys ist in Paris alles andere als eine Viertelfinal-Qualifikation als Misserfolg zu werten und zu kritisieren. Im Falle eines Falles muss ein Scheitern nicht gleich in eine Polemik gegen Nationaltrainer Patrick Fischer münden. Aber in eine kritische, schonungslose Bestandesaufnahme. Die dann halt doch in eine Polemik gegen den Nationaltrainer münden könnte.

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