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Tigers Head Coach Heinz Ehlers, rechts, waehrend des Meisterschaftsspiels der National League, zwischen dem HC Fribourg-Gotteron und den SCL Tigers, am Sonntag, 5. Januar 2020, in der BCF Arena in Fribourg. (KEYSTONE/Marcel Bieri)

Heinz Ehlers gilt als bester Trainer der SCL Tigers im Playoff-Zeitalter. Bild: KEYSTONE

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Langnaus Trainer in der kritischsten Situation seit seinem Amtsantritt

Heinz Ehlers ist Langnaus mit Abstand bester Trainer des Playoff-Zeitalters. Aber nach zwei Pleiten und einem verlorenen Machtkampf mit Chris DiDomenico geht es jetzt um mehr als «nur» die Playoff-Qualifikation. Es geht um die Jobs von Sportchef Marco Bayer und Heinz Ehlers.



Damit nicht der Verdacht aufkommt, es gehe um eine Polemik, hier nur langweilige Zahlen.

In den letzten drei Partien haben die SCL Tigers 17 Tore kassiert. In den 7 Partien davor waren es zusammengerechnet 16.

Seit dem «Independence Day» (der Verkündung des Abgangs von Chris DiDomenico) haben die Langnauer kein Spiel mehr nach 60 Minuten gewonnen. Es reichte noch zu einem 3:2 n.V in Zürich und seither gab es lauter Niederlagen: 1:2 n.V gegen Davos, 4:5 n.V in Fribourg und nun zweimal hintereinander 1:6 gegen die ZSC Lions.

Seit Heinz Ehlers am 4. Oktober 2016 in Langnau das Banden-Kommando übernommen hat, kassierten die SCL Tigers vor den beiden jüngsten Partien gegen die ZSC Lions in mehr als 170 Spielen nur viermal 6 oder mehr Tore. Und noch nie waren es zweimal hintereinander 6 Gegentreffer.

Vor einem Jahr hatten die Langnauer nach 35 Runden 57 Punkte bei einem Torverhältnis von 91:81. Jetzt sind es mit einer nominell eher besseren Mannschaft und den gleichen Torhütern nach 35 Runden 48 Punkte und ein Torverhältnis von 85:105.

Noch Fragen? Nein. Drama. Eine Szene nach dem kläglichen 1:6 im Hallenstadion erklärt uns eigentlich alles. Heinz Ehlers wird nach dem Spiel gefragt, was die Ursachen für die zwei Zusammenbrüche der defensiven Organisation gegen die Zürcher (2 Spiele/12 Tore) seien. Er sagt, es liege auch an der fehlenden Disziplin. «Was soll ich machen, wenn meine Spieler dumme Strafen nehmen?» Das provoziert die Anschlussfrage, ob er die Kabine noch unter Kontrolle habe, Disziplin müsse doch der Chef durchsetzen. «Das ist eine ganz dumme Frage» entgegnet Heinz Ehlers dem verdatterten Fragesteller. «Fragen Sie doch Ihren Freund Chris DiDomenico …»

Tigers, Chris DiDomenico, waehrend dem Meisterschaftsspiel der National League, zwischen den SCL Tigers und dem HC Davos, am Freitag 3. Januar 2020 im Ilfisstadion in Langnau. (KEYSTONE /Marcel Bieri)

Die Unruhen um Chris DiDomenico sind gemäss Ehlers ein Problem für die Mannschaft. Bild: KEYSTONE

Das sind also die zwei heiklen Punkte: Der Zerfall der Disziplin und Chris DiDomenico. Dazu wiederum die Statistik: Langnaus charismatischer Leitwolf kommt beim 1:6 in Langnau auf einen Assistpunkt und eine Minus-3-Bilanz. Beim 1:6 in Zürich bleibt der ehemalige Topskorer punktelos und geht erneut mit einer Minus-Bilanz (-2) in die Kabine. Sag mir, wie Chris DiDomenico spielt und ich sage Dir, wie es um Langnau steht.

Die Langnauer haben sich im Kampf um die letzten Playoffplätze durch hausgemachte Unruhen um Chris DiDomenico ohne jede Not in eine heikle Lage manövriert. Dass Chris DiDomenico in Langnau halt nicht einfach irgendein Spieler ist, mag wieder eine Episode illustrieren.

Selbst einer, der über die Besonderheiten der Erdenbewohner so viel weiss wie Pedro Lenz, wunderte sich. Vergnügt erzählt er eine Begebenheit, die sich dieser Tage zugetragen hat. Kürzlich rockte in Langnau im Kultlokal «Käpt’n Holger» die Band «Bubi Eifach». Als eine Vorgruppe schrummen wollte, habe einer aus dem Publikum «DiDomenico! DiDomenico!» gerufen. Worauf der verärgerte Bandleader klargemacht habe, es gehe hier nicht um Hockey und Chris DiDomenico.

Tigers Sportchef Marco Bayer, vor dem Meisterschaftsspiel der National League, zwischen den SCL Tigers und dem HC Genf-Servette, am Freitag 13. September 2019 im Ilfisstadion in Langnau. (KEYSTONE /Marcel Bieri)

Sucht Marco Bayer den Machtkampf mit Chris DiDomenico? Bild: KEYSTONE

Wir sehen also, wie wichtig Eishockey in Langnau ist. Wichtiger als jede kulturelle Veranstaltung. An und für sich keine Neuigkeit. Aber es ist eine Episode, die zeigt, wie beliebt der Kanadier auch im Dorf, im Umfeld ist und Sportchef Marco Bayer und Trainer Heinz Ehlers zutiefst beunruhigen müsste. Sagen wir es für einmal salopp und vielleicht politisch nicht ganz korrekt (aber unser aller Gotthelf würde es wohl auch so erklären): So wie man niemals willentlich die Eifersucht einer lieben Ehefrau wecken sollte, so müsste es für jeden Sportchef und jeden Trainer tabu sein, einen sensiblen, charismatischen Leitwolf im Stolz zu verletzen und mit Machtspielchen herauszufordern. Das hart erarbeitete Glück einer Mannschaft, die so sehr ein Maximum aus einem Minimum herausholt wie Langnau, kann zerbrechlich sein wie ein billiges Plastik-Spielzeug.

Sind der tüchtige Sportchef und sein Trainer ob dem Erfolg der Vergangenheit ein wenig fidel geworden? Ein bisschen ist es wohl so. Inzwischen haben die SCL Tigers mehr als 85 Runden (!) auf Playoffplätzen verbracht. Die längste, ruhigste und erfolgreichste Phase des Klubs in der höchsten Liga seit der NLA-Saison 1984/85. Diese ungewohnt lange Zeit der sportlichen und wirtschaftlichen Stabilität hat die Langnauer ein wenig übermütig werden lassen. Oder boshaft erklärt: Wenn es dem Esel (oder dem Tiger) zu wohl wird, begibt er sich aufs Eis.

Ohne jede Not hat Sportchef Marco Bayer im Dezember durch die Äusserung, Chris DiDomenico müsse sich für eine Vertragsverlängerung empfehlen, in der klubnahen und jeder Polemik abholden «Berner Zeitung» den Machkampf mit dem Kanadier gesucht. Mit seinem charismatischsten, unberechenbarsten und sensibelsten Spieler. Und er hat diesen Machtkampf inzwischen verloren: Chris DiDomenico verlässt die SCL Tigers per Ende Saison. Die Trennung («Independence Day») ist am 27. Dezember im Rahmen des Spengler Cups durch eine Indiskretion publik geworden. Und seither ist nicht mehr alles so, wie es einmal war und wie es sein sollte.

Der Kanadier ist bei der Mannschaft beliebt und deshalb sorgt sein Abgang in der Kabine für Unruhe. Marco Bayer sieht keinen Anlass, seine Vorgehensweise zu hinterfragen. Zum Thema Chris DiDomenico bekräftigt er, dass er noch einmal alles genau gleich machen würde. Und bringt die Situation auf den Punkt: «Wir brauchen jetzt Ruhe.»

Aber wie Ruhe finden, wenn Chris DiDomenico in den letzten fünf Partien nicht mehr getroffen hat und die Abwehr der SCL Tigers lottert wie noch nie seit dem Amtsantritt von Heinz Ehlers?

Bis jetzt hat Langnaus dänischer Erfolgstrainer in jeder kritischen Situation die richtigen Massnahmen ergriffen und eine Lösung gefunden. Nun steckt er unverhofft in der kritischsten Situation seit seinem Amtsantritt. Findet er eine Lösung, wird er mächtiger denn je. Findet er keine Lösung, dann ist nicht einmal mehr sicher, dass er seinen Vertrag bis Ende der nächsten Saison erfüllt. Und dann muss auch Sportchef Marco Bayer um seinen Job bangen.

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