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epa04975342 Austria's head coach Marcel Koller (L) and player David Alaba (R) celebrate after the UEFA EURO 2016 qualifying match between Austria and Liechtenstein at Ernst Happel stadium in Vienna, Austria, 12 October 2015.  EPA/ROLAND SCHLAGER

Bierdusche nach der erfolgreichen EM-Qualifikation: Bayern-Star David Alaba meint es gut mit Trainer Marcel Koller. Bild: EPA/APA

EM-Countdown

Vom «schweren Foul am österreichischen Fussball» zum Nationalhelden – das ist Marcel Kollers Ösi-Märchen 

Beim Amtsantritt im November 2011 wurde Marcel Koller in Österreich öffentlich als «Fehlentscheidung» bezeichnet. 4,5 Jahre später ist der Schweizer längst ein Nationalheld. Mittlerweile ist seine Mannschaft so stark, dass an der EM sogar eine Überraschung drinliegt.  



Januar 2012: Fussball-Österreich ist am Tiefpunkt. In der Weltrangliste sind unsere östlichen Nachbarn noch auf Rang 71 klassiert  – hinter Nationen wie Mali, Usbekistan, Burkina Faso, Libyen, Sierra Leone, den Kapverdischen Inseln und Jamaika.

Fast noch schlimmer als das Abrutschen ins Niemandsland des internationalen Fussballs ist für die Österreicher aber der Fakt, dass mit Marcel Koller kürzlich ein Schweizer das Amt des ÖFB-Teamchefs übernommen hat. 

epa02950210 The new coach of the Austrian national soccer team, Swiss Marcel Koller (center), the president of the Austrian Football Association Leo Windtner (L.) and interim team manager Willi Ruttensteiner at a press conference on Tuesday 4 October 2011, in Oberwart, Austria.  EPA/ROBERT JAEGER

Marcel Koller mit ÖFB-Präsident Leo Windtner (links) und Interimstrainer Willi Ruttensteiner bei seiner Vorstellung im Oktober 2011. Bild: EPA

Als im Oktober 2011 bekanntgegeben wurde, dass der Zürcher das Traineramt übernimmt, wehte ihm ein eisiger Wind aus der österreichischen Medienlandschaft entgegen: 

«Ich hätte einen ganz grossen Namen erwartet, das hier ist kein Starcoach.»

Christian Russegger, Sportjournalist «Österreich»

«Ich hätte mir eine andere Lösung gewünscht. Für ihn wird es ganz ganz schwer.»

ORF-Experte Herbert Prohaska

«Die Bestellung Marcel Koller ist ein schweres Foul am österreichischen Fussball.»

«Tiroler Tageszeitung»

«Ich glaube nicht, dass das eine glückliche Entscheidung war.»

Ex-Nationalstürmer Toni Polster

Besser als die Schweiz, Italien und Frankreich

Nicht mal vier Jahre nach seinem Amtsantritt, am 8. September 2015, hat Marcel Koller alles auf den Kopf gestellt. Dank einem 4:1-Auswärtssieg in Schweden ist Österreich frühzeitig für die EM qualifiziert. 

Beim letzten Spiel der Qualifikation stand das Feiern im Mittelpunkt. Nach dem lockeren 3:0-Sieg gegen Liechtenstein gab es kein Halten mehr, schliesslich hat sich Österreich zum ersten Mal in der Geschichte aus eigener Kraft für eine EM-Endrunde qualifiziert.

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Fan-Aufnahmen aus dem Stadion nach Spielschluss. 48'500 Fans sind in Feierstimmung. 
YouTube/Yasin Ablak

Mittlerweile liegt Österreich – das uns normalerweise nur im Wintersport Paroli bieten kann – auf Rang 11 der Weltrangliste und damit nicht nur vor unserer Nati (14.), sondern auch vor anderen «grossen» Fussballnationen wie Italien (15.), Holland (17.) oder Frankreich (21.). 

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Die Entwicklung in der Weltrangliste der Schweiz und Österreich in den letzten fünf Jahren.

Grundstein für den österreichischen Erfolg ist der Schweizer Trainer-Export Marcel Koller. ORF-Kommentator Thomas König ist voll des Lobes für den Zürcher: «Er ist der ganz grosse Schweizer Kracher als Teamchef der österreichischen Nationalmannschaft. Er hat ganz wesentlich beeinflusst, was hier in den letzten Jahren passiert ist.» 

Dieses äusserst sehenswerte Video zeigt die grosse Wende des Österreichischen Fussballs unter Marcel Koller. 

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Die Wende in der Personalie Marcel Koller im Video. Wer sich die vollen 12 Minuten gönnt, drückt danach den Österreichern die Daumen, versprochen! YouTube/TTVcooperations

Das Team um Superstar Alaba

Wie hat es Marcel Koller geschafft, dass sich Österreich zum ersten Mal in der Geschichte aus eigener Kraft für eine EM-Endrunde qualifiziert?

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Die beeindruckende Bilanz in der EM-Quali: 9 Siege, 1 Unentschieden.

Marcel Koller hat es vor allem dank Kontinuität geschafft, aus Österreich ein Spitzenteam zu formen, indem er seinen Stammspielern viel Vertrauen schenkt – auch in schwierigen Phasen. Das ist gerade in einer Nationalmannschaft wie der österreichischen elementar, da sie nicht sonderlich viel Breite an Topspielern aufweist.

Im Tor hat Koller trotz einigen schwächeren Spielen auf den Goalie von Austria Wien, Robert Almer, gesetzt. Dieser dankte es mit einem neuen Rekord von Minuten ohne Gegentor (603) während der EM-Quali.

Football Soccer - Austria vs Albania - International friendly - Ernst Happel stadium stadium, Vienna, Austria - 26/03/16. Austria's Robert Almer.  REUTERS/Heinz-Peter Bader

Österreichs Schlussmann Robert Almer blieb in der EM-Quali fünf Spiele in Serie unbezwungen. Bild: HEINZ-PETER BADER/REUTERS

Die nur fünf Gegentore in 10 Qualispielen sind neben Torhüter Almer auch auf die starke Defensive zurückzuführen, die von Ex-Basler Alexander Dragovic angeführt wird. Daneben verteidigen in der Regel Martin Hinteregger (von RB Salzburg in der Rückrunde an Gladbach ausgeliehen) sowie auf den Aussen der frischgebackene englische Meister Christian Fuchs und Florian Klein von Stuttgart.

«Es gab viele Trainer die sagten, sie können mit mir nicht. Aber Marcel Koller gab mir sofort sehr viel Selbstvertrauen.»

Marko Arnautovic

Der einzige Spieler mit Weltklasse-Format ist David Alaba. Der Bayern-Star spielt in der Nationalmannschaft im zentralen Mittelfeld, da er dort am meisten bewirken kann. Neben ihm agieren im von Marcel Koller bevorzugten 4-2-3-1 Baumgartlinger (Mainz), sowie in der offensiven Dreierreihe Arnautovic (Stoke City), Junuzovic (Bremen) und Harnik (Stuttgart).

Gerade der extrovertierte Marko Arnautovic machte unter Marcel Koller eine beeindruckende Entwicklung vom Problemfall zum Leistungsträger. Auch in der Premier League vermochte der Teamkollege von Xherdan Shaqiri mit 17 direkten Torbeteiligungen in 34 Spielen zu überzeugen.

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Tanzmaus Marko Arnautovic nach der erfolgreichen EM-Quali. gif: orf

Im Sturm ist der FCB-Angreifer Marc Janko gesetzt. Er hat in 52 Länderspielen 26 Mal getroffen. In der EM-Qualifikation zeigte sich der 1,96 Meter grosse Janko in der Form seines Lebens: Sieben Treffer in neun Partien lautet seine starke Ausbeute.

Das voraussichtliche EM-Kader von Österreich

Tor: Robert Almer (Austria Wien), Heinz Lindner (Eintracht Frankfurt), Ramazan Özcan (Ingolstadt)
Abwehr: Aleksandar Dragovic (Dinamo Kiew), Christian Fuchs (Leicester), György Garics (Darmstadt), Florian Klein (Stuttgart), Martin Hinteregger (Gladbach), Sebastian Prödl (Watford), Markus Suttner (Ingolstadt), Kevin Wimmer (Tottenham)
Mittelfeld: David Alaba (Bayern München), Marko Arnautovic (Stoke), Julian Baumgartlinger (Mainz), Martin Harnik (Stuttgart), Stefan Ilsanker (RB Leipzig), Jakob Jantscher (Luzern), Zlatko Junuzovic (Werder Bremen), Valentino Lazaro (RB Salzburg), Marcel Sabitzer (RB Leipzig)
Angriff: Lukas Hinterseer (Ingolstadt), Rubin Okotie (1860 München), Marc Janko (Basel)

Das erklärte Ziel der Österreicher ist das Überstehen der Vorrunde, aber irgendwie ist diesem Team sogar noch mehr zuzutrauen. Und für einmal kann man auch als Schweizer die Daumen drücken. Schliesslich steht mit Marcel Koller ein Zürcher am Ursprung des Erfolges.

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