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Dortmund's head coach Lucien Favre prior to the German Bundesliga soccer match between Borussia Dortmund and Bayern Munich in Dortmund, Germany, Saturday, Nov. 7, 2020. (AP Photo/Martin Meissner, Pool)

Hat Lucien Favre gar nie richtig zu Borussia Dortmund gepasst? Bild: keystone

Favres Rausschmiss beim BVB – die wichtigsten Fragen und Antworten

Das 1:5 gegen Aufsteiger VfB Stuttgart war die berühmte Niederlage zu viel. Borussia Dortmund hat sich nach der höchsten Heimniederlage seit elf Jahren von Trainer Lucien Favre getrennt. So geht es beim BVB jetzt weiter.



Warum trennte sich der BVB von Favre?

Lucien Favre ist mit einem Schnitt von 2,01 Punkten pro Spiel der zweiterfolgreichste BVB-Trainer. Erfolgreicher war nur sein Vorvorgänger Thomas Tuchel, der mit 107 Partien drei weniger coachen durfte als der Schweizer und dabei 2,12 Punkte im Schnitt holte.

Wieso also die Trennung? Der BVB führt sportliche Gründe an: «Wir sind der Meinung, dass das Erreichen unserer Saisonziele aufgrund der zuletzt negativen Entwicklung in der gegenwärtigen Konstellation stark gefährdet ist und wir deshalb handeln müssen», erklärte Sportchef Michael Zorc in einem Statement.

Dreimal in Serie hatte Favres Mannschaft zuletzt in der Bundesliga zuhause verloren, das 1:5 gegen den VfB Stuttgart war dann der Tropfen, der Fass zum Überlaufen gebracht hat. Die BVB-Führung sah das überlebenswichtige Minimalziel – das Erreichen der Champions League – in Gefahr. Nicht für Favre sprach zudem, dass er in zweieinhalb Jahren keinen einzigen Titel gewonnen hat. Und dafür hatten sie ihn 2018 eigentlich nach Dortmund geholt.

Doch die sportliche Entwicklung der Mannschaft ist nur die halbe Wahrheit über den Grund der Entlassung. Die BVB-Führung wurde in zweieinhalb Jahren nie richtig warm mit ihrem Trainer. Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke erklärte gestern zwar, Favre sei «als Fachmann und als Mensch über jeden Zweifel erhaben», doch hinter vorgehaltener Hand hatten die BVB-Bosse immer wieder das Gefühl, dass der freundlich-distanziert wirkende Favre gar nicht so recht zum Klub aus dem Kohlenpott passe. Mehrfach wurde versucht, Favre umzubiegen, doch der blieb stets sich selbst – mit allen positiven und negativen Eigenschaften.

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Das letzte Favre-Spiel an der BVB-Seitenlinie. Video: YouTube/DAZN Bundesliga

Die Klub-Bosse führten in den vergangenen Wochen gemäss «Sport1» auch viele Gespräche mit der Mannschaft. Darin verfestigte sich der Eindruck, dass Favre das Team nicht mehr erreicht. Weder sportlich, noch emotional. Hauptvorwurf der Mannschaft: Vor allem gegen nominell schwächere Teams soll der Schweizer ihr keinen richtigen Matchplan mit auf den Weg gegeben haben. Darüber hinaus vermissten einige Führungsspieler von Favre den nötigen Mut. Der BVB habe auf dem Platz viel zu abwartend agiert.

Wie lief die Trennung ab?

Beschlossen wird der Rauswurf gemäss der «Bild»-Zeitung von Favre schon am Samstagabend nach dem Stuttgart-Spiel. Erst zweieinhalb Stunden nach dem Schlusspfiff verlässt Klubboss Watzke den Signal-Iduna-Park – ohne sich vor der Presse hinter den Trainer zu stellen.

Am Sonntagvormittag wird der Mannschaftsrat um Mats Hummels, Marco Reus, Thomas Delaney, Emre Can und Axel Witsel in einer WhatsApp-Gruppe über die Favre-Trennung informiert. Wenig später verabschiedet sich der Trainer bereits von einigen Spielern per SMS, andere Spieler wie Captain Reus ruft er direkt an.

Für einen persönlichen Abschied bleibt vorerst keine Zeit. Am Nachmittag informieren Geschäftsführer Watzke, Sportchef Zorc und Lizenzspielerchef Sebastian Kehl die Mannschaft über die Gründe der Trennung. Rund zehn Minuten dauert die Ansprache. Dann geht's zum Training – zum ersten Mal nach zweieinhalb Jahren ohne Lucien Favre.

Was sagte Favre zum Rausschmiss?

Favre hätte in Dortmund gerne weitergearbeitet und zeigte sich nach der Trennung schwer enttäuscht. «Ich finde es schade, dass sich unsere Wege hier trennen. Wir hatten zwei erfolgreiche Jahre und haben eine Mannschaft, die auch in diesem Jahr am Ende eine erfolgreiche Saison gespielt hätte. Davon bin ich nach wie vor überzeugt», sagte er gestern der Deutschen Presse-Agentur dpa.

ARCHIV - 12.12.2020, Dortmund: Fu

Die Luft ist draussen – Lucien Favre ist nicht mehr BVB-Trainer. Bild: keystone

Wer übernimmt die Mannschaft jetzt?

Bis zum Saisonende wird der bisherige Co-Trainer Edin Terzic die Mannschaft trainieren. Mit dieser Interimslösung will sich der BVB die nötige Zeit geben, den passenden Trainer zu finden. Erfahrung als Chefcoach hat Terzic bislang noch keine, unter Slaven Bilic war er zwischen 2013 und 2017 Co-Trainer bei Besiktas Istanbul und West Ham United. Zuvor war er zwischen 2010 und 2013 im Jugendbereich des BVB als Co-Trainer tätig.

 Dortmund Trainer Lucien Favre gefeuert Laut BILD-Zeitung wurde der Dortmund Trainer Lucien Favre nach der 1:5 Niederlage gegen den Aufsteiger VfB Stuttgart von seinem Job freigestellt. Laut kicker-Informationen soll Assistenztrainer Manfred Stefes ebenfalls freigestellt werden. Das Traineramt soll zunächst von Co-Trainer Edin Terzic übernommen werden. DFL regulations prohibit any use of photographs as image sequences and/or quasi-video. *** Dortmund coach Lucien Favre fired According to the BILD newspaper, Dortmund coach Lucien Favre was released from his job after his 15th defeat against the rising stars VfB Stuttgart According to kicker information, assistant coach Manfred Stefes is also to be released The coaching position will initially be taken over by co-coach Edin Terzic DFL regulations prohibit any use of photographs as image sequences and or quasi video xHDJPGx

Am Sonntag leitete Interimstrainer Terzic bereits seine erste Übungseinheit. Bild: www.imago-images.de

Der 38-jährige Kroate soll ein ganz anderer Typ sein als Favre. Der «Kicker» beschreibt ihn als «einnehmend und hemdsärmelig». Zu seinen ersten Aufgaben gehört denn auch, die Mannschaft wieder emotionaler anzupacken, als Favre das jeweils machte, und so eine Reaktion auf die zuletzt dürftigen Leistungen aus ihr herauszukitzeln. Seinen ersten Auftritt wird Terzic bereits morgen Dienstag beim Gastspiel bei Werder Bremen haben.

Wer kommt im Sommer?

Als Wunschkandidaten gelten bereits seit längerer Zeit Marco Rose von Borussia Mönchengladbach und Julian Nagelsmann von RB Leipzig. Beide waren schon bei der Favre-Verpflichtung im Gespräch, sind derzeit allerdings bei Bundesliga-Spitzenklubs beschäftigt.

Wie «Sky»-Reporter Gianluca Di Marzio berichtet, soll mit Rose trotz laufenden Vertrags in Gladbach bis 2022 bereits eine nicht-schriftliche Einigung über ein Engagement bestehen. Offenbar besitzt der 44-Jährige eine Ausstiegsklausel nach dieser Saison.

Daneben gehört auch Jesse Marsch von Red Bull Salzburg zu den möglichen Fix-Lösungen im Sommer. Der 47-jährige US-Amerikaner hat bei den Österreichern zwar noch einen Vertrag bis 2022, doch das muss nicht allzu viel heissen: Grosse Fische fressen schliesslich kleine Fische. Salzburg gilt zudem als Trainer-Talentschmiede: Roger Schmidt, Adi Hütter, Oliver Glasner, Marco Rose – sie alle haben oder hatten über die «Mozartstadt» den Sprung in die Bundesliga geschafft.

Gut denkbar ist aber auch, dass Dortmund im Sommer gar keinen neuen Trainer suchen wird. Dann nämlich, wenn Terzic voll einschlägt, den BVB zurück in Spur führt und eventuell gar einen Titel holt. Es wäre sozusagen die Blaupause des Falles Hansi Flick bei Bayern München, der zunächst auch nur als Interimslösung gedacht war, dann aber Sieg an Sieg reihte und schliesslich bleiben durfte.

Was schreibt die Presse?

Eurosport:

«Lucien Favre muss nach dem 1:5 gegen den VfB Stuttgart seine Koffer packen und ist nicht mehr länger Trainer von Borussia Dortmund. Dass die Reissleine schon jetzt, nach gerade einmal elf Bundesliga-Spieltagen, gezogen wird, ist das richtige Zeichen. Denn noch sind die Saisonziele nicht ausser Sichtweite. Dass die Entscheidung gegen Favre auch ein Risiko birgt, ist die andere Hälfte der Wahrheit.»

Kicker:

«Borussia Dortmund hat die Reissleine gezogen und sich von Trainer Lucien Favre getrennt. Die Entscheidung war überfällig angesichts der seit mehr als einem Jahr stillstehenden Entwicklung einer Mannschaft, die dringend frische Impulse benötigt.»

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bild: screenshot kicker

Sport1:

«Es war genauso richtig wie überfällig, dass Borussia Dortmund Trainer Lucien Favre von seinen Aufgaben entbunden und die dauerhafte Quälerei beim BVB vorzeitig beendet hat. Die Spielerfront stand geschlossen gegen ihn – die Vereinsführung konnte nicht länger wegsehen. Das ständige Gerede, dass Lucien Favre ein sehr guter Fachmann sein soll, ist genau das: Gerede. Ein Trainer ist nur dann ein guter, wenn die Leistung der Mannschaft permanent und nicht nur phasenweise das Level erreicht, das der Spielerkader eigentlich hergibt.»

Bild

bild: screenshot sport1

Spiegel:

«Er verlangte nie etwas, weder Rückendeckung noch neue Spieler. Nun muss Lucien Favre beim BVB gehen, weil er nicht der Trainer war, den sich die Verantwortlichen wünschten. Und weil er an der letzten Stufe scheiterte.»

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