DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Manuel Neuer of Germany, one of the nominees for the FIFA Ballon d'Or 2014 award, attends a press conference prior to the FIFA Ballon d'Or awarding ceremony at the Kongresshaus in Zurich, Switzerland, Monday,  January 12, 2015. (KEYSTONE/Walter Bieri)

Nein, fehlender Modegeschmack ist kein Grund.  Bild: KEYSTONE

Nach der Schlappe von Neuer beim Ballon d'Or

Sorry liebe Goalies, wir haben schlechte Nachrichten: Sieben Gründe, wieso nie einer von euch Weltfussballer werden kann

Manuel Neuer vereinte bei der Wahl zum Weltfussballer nur 15,72 Prozent der Stimmen auf sich und landete hinter Cristiano Ronaldo und Lionel Messi abgeschlagen auf dem dritten Platz. Wir haben uns auf die Suche nach plausiblen Gründen gemacht.



1) Verlierer-Image

Noch heute gibt es im Turnunterricht ein ungeschriebenes Gesetz, wonach der schwächste – meistens auch der dickste  – Schüler im Tor stehen muss. So war es schon früher und es so wird wohl auch immer sein. Deshalb haftet der Position des Goalies ein Verlierer-Image an. Bei jeder Glanzparade haben die Mitspieler so immer noch im Hinterkopf, dass der da eigentlich nur zu schlecht als Feldspieler war. 

2) Statistik-Nachteil

Wie viele Tore hat Lionel Messi geschossen? Wie viele Bälle hat Cristiano Ronaldo per Elfmeter versenkt? All das kann man leicht nachschauen. Der Goalie hat es da wesentlich schwieriger. Die Spiele ohne Gegentor – manchmal auch dem Unvermögen des Gegners geschuldet – lassen sich mit etwas Aufwand auch herausfinden. Wenn man hingegen die durchschnittliche Zahl der Paraden oder die Fangquote wissen will, muss man schon ein Fachblatt konsultieren.

«Ich wusste von vornherein, dass es schwer wird, sich gegen die Stürmer durchzusetzen. Cristiano Ronaldo und Lionel Messi haben in den letzten Jahren so eine Marke aufgebaut – da ist es schwer als Torwart.»

Manuel Neuer spiegel

3) Underdog-Bonus

Die Durchschnittsgrösse der Nummer-1-Torhüter in den 32 Kadern bei der WM 2014 betrug 188 Zentimeter. Die Feldspieler sind statistisch wesentlich kleiner. Und wie schon in der Bibel bei David und Goliath gilt die Sympathie den Kleinen, schliesslich sind sie ja schon körperlich unterlegen. 

Argentina's Lionel Messi shakes hands with Germany's goalkeeper Manuel Neuer during the trophy ceremony after the 2014 World Cup final at the Maracana stadium in Rio de Janeiro July 13, 2014. REUTERS/Fabrizio Bensch (BRAZIL  - Tags: SOCCER SPORT WORLD CUP)

Otto Normalverbraucher hält zu den Kleinen.  Bild: FABRIZIO BENSCH/REUTERS

4) Keine Reaktionsmöglichkeit

Wenn Messi mit Barça im Hintertreffen liegt, kann der Argentinier aufdrehen und Tore schiessen, um doch noch zum Held zu werden. Wenn Real Madrid in der Nachspielzeit einen Elfmeter kriegt, kann Ronaldo die Verantwortung übernehmen. 

Wenn hingegen Neuer ein faules Ei kassiert, ist er auf seine Vorderleute angewiesen, die seinen Fehler ausbügeln müssen. So kann der Torwart nicht aus Eigeninitiative agieren, sondern ist zur Passivität verdammt und muss nehmen, beziehungsweise einfach halten, was auf sein Tor zufliegt. 

5) Andere Sportart

Versucht man einem Sport-Muffel zu erläutern, was der Unterschied zwischen einem Handball-Goalie und einem Fussball-Torhüter ist, kommt man in Erklärungsnot. Schliesslich ist die Aufgabe bei beiden Berufsgenossen die gleiche: Bälle halten. 

Und zu allem Übel nehmen sie beide (meist) die Hände und Füsse zur Abwehr. Fazit: Der Goalie-Job im Fussball ist einfach nicht vergleichbar mit den Aufgaben eines Feldspielers. Wobei Manuel Neuer diesen ziemlich nahe kommt.

6) Fehlende Vermarktung

Wie viele Bekannte kennen Sie, die ein Trikot eines Goalies besitzen? Eben. Die wenigen Mitmenschen, die tatsächlich ein Jersey besitzen, sind selbst Goalies. Die langärmligen Trikots sehen selten adrett aus und sind mit den Polstern auch weniger alltagstauglich. Deshalb sieht man in der Fan-Meile auch selten ein grelles Trikot herausblitzen.

BERLIN, GERMANY - JULY 13: Fans of Germany cheer after the 2014 FIFA World Cup Final between Germany and Argentina at the Fanmeile public viewing at Brandenburg Gate on July 13, 2014 in Berlin, Germany. (Photo by Target Presse Agentur Gmbh/Bongarts/Getty Images)

Bild: Bongarts

7) Handschuhe

Wer früher in der Dorfdisco mit Handschuhen ravte, war definitiv nicht das hellste Gestirn am Firmament. Die armen Goalies müssen die Handschuhe dazu noch jeden Tag montieren. Wegen der penetranten Duftnote der verschwitzten Kautschuk-Latex-Flossen rümpfen nicht nur die Teamkollegen die Nase.

Bild

Screenshot: thegoalkeeperco.com

Fazit: Den idealen Zeitpunkt verpasst

Als bisherig einziger Goalie wurde 1963 der Russe Lew Jaschin zu Europas Fussballer des Jahres gekürt. Bei der Wahl zum Weltfussballer war Vizeweltmeister Oliver Kahn 2002 immerhin Zweiter geworden. Mit Manuel Neuer kam ein Kandidat, bei dem man sich die Frage stellen musste: Wenn nicht jetzt, wann dann?

Alle Titel gewonnen, ausser der Champions League. In insgesamt 60 Spielen 28 Mal ohne Gegentreffer geblieben und durchschnittliche 45 Ballkontakte. Dazu hat der 1,93 Meter grosse Deutsche nebenbei die Rolle des Torhüters offensiv interpretiert wie noch nie und agierte teilweise als Libero fast an der Mittellinie.

«Wenn man sich ein Fussballspiel anschaut, ist das erste, was man fragt: Wer hat die Tore gemacht – und nicht, wie der Torwart gehalten hat. Das wird auch immer so bleiben.»

Manuel Neuer spiegel

Deshalb wird es bei Beibehalten des Wahlprozederes innerhalb der FIFA nie einen Torhüter als Gewinner des Ballon d'Or geben. Immerhin darf sich Manuel Neuer trösten, dass ihm unter anderem die Captains von Liechtenstein (der unverwüstliche Mario Frick), Laos, Oman, Solomon Islands sowie Surinam die volle Punktzahl gegeben haben. 

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Unvergessen

Christian Gross motiviert Hakaaaan bis in die Zehenspitzen und wir dürfen zuschauen

9. Mai 2002: Das Schweizer Fernsehen strahlt einen Dok-Film über den FC Basel aus, der auf dem Weg zum ersten Meistertitel der Neuzeit ist. In Erinnerung bleibt besonders eine Pausenansprache von Trainer Christian Gross.

Acht Meistertitel in Folge zwischen 2010 und 2017 – bis YB zu seinem Höhenflug ansetzte, war der FC Basel das Mass aller Dinge im Schweizer Klubfussball. Dabei liegen die Zeiten, als Rot-Blau selber zu den Habenichtsen gehörte, noch gar nicht weit zurück.

Erst 2002 holt der FCB den ersten Titel der Neuzeit und aus dieser Zeit stammt auch ein köstliches Video. Es zeigt die Halbzeit-Ansprache von Trainer Christian Gross im Rückspiel des UI-Cup-Finals bei Aston Villa im August 2001, die bei seinem …

Artikel lesen
Link zum Artikel