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epa03956764 Foreign construction workers queue up for the bus back to their accommodation camp in Doha, Qatar, 19 November 2013. The previous day, football's ruling body FIFA said it will continue to put pressure on 2022 World Cup hosts Qatar over the conditions of migrant workers in the country's construction sector, but issued no deadline for improvement. Britain-based rights group Amnesty International said 17 November that workers in the oil- and gas-rich Gulf state suffered difficulties including 'non-payment of wages, harsh and dangerous working conditions, and shocking standards of accommodation.'  EPA/STR

Gastarbeiter in Katar: «Menschenrechtsverletzungen in immensem Ausmass»  Bild: EPA

Report von Human Rights Watch

Sport-Events als Menschenrechts-Killer: Blatter bleibt stur - Bach verspricht Reformen

Die Organisation Human Rights Watch beklagt schwere Menschenrechtsverletzungen bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen. Während IOC-Präsident Bach Reformen zumindest ankündige, gebe sich Fifa-Chef Blatter stur.

Christian Teevs



Ein Artikel von

Spiegel Online

Frustriert wirkt Minky Worden nicht. Dabei könnte man das gut verstehen. Seit 2006 beschäftigt sich die US-Amerikanerin mit den negativen Folgen von Sportgrossveranstaltungen auf die Menschenrechte in den Ausrichterländern. Sie mahnt, deckt auf, prangert an. Doch Besserung ist nicht in Sicht.

Trotz umfassender Kritik werden weiter Länder, in denen die Menschenrechte grob verletzt werden, mit großen Turnieren bedacht. Und mehr noch: «Die Events verschärfen die Lage sogar», sagt Worden, Direktorin bei Human Rights Watch (HRW). Die Organisation hat am Donnerstag ihren Jahresbericht vorgestellt, und der Sport spielt eine grosse Rolle.

epa04011942 (FILE) A file picture dated 02 December 2010 shows FIFA President Joseph S. Blatter (R) and Sheikh Hamad bin Khalifa Al-Thani (L), Emir of Qatar, with the World Cup trophy after Qatar was announced to host the FIFA soccer World Cup 2022 during the FIFA 2018 and 2022 World Cup Bid Announcement in Zurich, Switzerland. FIFA secretary general Jerome Valcke said 08 January 2014 that the FIFA World Cup 2022 in Qatar will not be held in the summer months June or July.  EPA/WALTER BIERI *** Local Caption *** 00000402476812

«Nicht zufrieden mit seiner Arbeit»: HRW über Joseph Blatter. Bild: EPA

«2015 wird das Jahr der Wahrheit», sagt Worden. «Entweder die Funktionäre von Fifa und IOC machen Ernst mit ihren Versprechen, sich für die Menschenrechte einzusetzen. Oder Millionen Menschen werden unter den Folgen leiden.» Der erste Termin ist die Wahl des Fifa-Präsidenten Ende Mai. Trotz fünf Herausforderern sieht es ganz so aus, als könne sich der 77-jährige Joseph Blatter eine weitere Amtszeit sichern.

«Wir sind nicht zufrieden mit seiner Arbeit», sagt Wenzel Michalski, der HRW-Deutschland-Chef. Trotz massiver Kritik im Rahmen der Fussball-WM 2022 in Katar habe sich nichts verändert. Im Gegenteil: Die Vorbereitungen hätten zu «Menschenrechtsverletzungen mit immensem Ausmass» geführt.

Hunderte Gastarbeiter sind auf den WM-Baustellen schon ums Leben gekommen. Katar weigert sich bis heute, ausbeuterische Gesetze wie das Kafala-System zu ändern.

Kafala-System

Es sieht vor, dass der Arbeitgeber die rechtliche Vormundschaft für den Gastarbeiter übernimmt. Die Arbeiter sind dadurch extrem von ihren Chefs abhängig. Viele ziehen sogar den Pass der Angestellten ein, damit diese nicht ohne Einwilligung reisen können.

«Gegenteil eines geeigneten Ausrichterlands»

Auch auf die Lage in Aserbaidschan machen Michalski und Worden aufmerksam. Die Hauptstadt Baku richtet im Sommer die ersten Europaspiele aus. Das vollmundig proklamierte Ziel ist es, «die Olympische Idee in ganz Europa zu verbreiten». Doch die aserbaidschanische Regierung geht laut HRW hart gegen Kritiker vor, blockiert Spenden an unabhängige Organisationen, bedroht und verhaftet Journalisten und Menschenrechtler. «Das ist das Gegenteil eines geeigneten Ausrichterlands», sagt Worden.

epa02665873 An elderly Azeri man holds a placard up  during an anti-government protest in Baku, Azerbaijan, 02 April 2011. Police arrested at least 30 people during anti-government protests in Azerbaijan on 02 April, local media in the former Soviet republic reported. Despite a protest ban, dozens of opposition activists had gathered in the capital Baku to demonstrate against the government led by President Ilham Aliyev. They chanted 'freedom' and demanded Aliyev‘s resignation. Human rights activists have accused the government of attacks on the opposition and the suppression of dissidents.  EPA/IRADA HUMBATOVA

Ruf nach Freiheit: Regierungsgegner in Baku. Bild: IRADA HUMBATOVA/EPA/KEYSTONE

«Wir müssen Druck machen, damit die politischen Gefangenen und Journalisten freigelassen werden.» Dafür gebe es während der Europaspiele ein kleines Zeitfenster.

Diskriminierung in Saudi-Arabien

Heftige Kritik übte Worden an Saudi-Arabien. In dem Königreich dürfen Frauen keine öffentlichen Sportveranstaltungen besuchen, es gibt keinen Sportunterricht für Mädchen an öffentlichen Schulen und keine Frauensportverbände. Im Klartext: Frauen wird es nicht nur verboten, sich Sport anzuschauen, sie haben auch selbst kaum die Chance, welchen zu betreiben - mit katastrophalen gesundheitlichen Folgen, wie Worden berichtet.

Saudi Arabia's fans attend their team's Asian Cup Group B soccer match against Uzbekistan at the Rectangular stadium in Melbourne January 18, 2015. REUTERS/Brandon Malone (AUSTRALIA  - Tags: SOCCER SPORT)

Zu Hause unmöglich: Weibliche saudische Fans schauen ein Spiel ihrer National-Elf am Asia-Cup in Melbourne. Bild: BRANDON MALONE/REUTERS

Sie erzählt ausserdem, dass Saudi-Arabien beim IOC angefragt habe, Olympische Spiele nur für Männer auszutragen, die Wettbewerbe der Frauen sollten in einem anderen Land stattfinden. IOC-Präsident Thomas Bach habe das aber zurückgewiesen. «Wenn sich die Lage von Frauen in Saudi-Arabien in diesem Jahr nicht verbessert, werden wir den Ausschluss des Lands von den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro fordern», sagt Worden.

Bach unter Beobachtung

Überraschend positiv äussert sich die Menschenrechtlerin über IOC-Präsident Bach. Dieser habe mit der Agenda 2020 wichtige Reformen angestossen. Zum Beispiel soll die Achtung von Menschenrechten künftig in die Ausrichterverträge geschrieben werden. Für Worden ein wichtiger Schritt vorwärts.

epa04517190 International Olympic Committee, IOC, President Thomas Bach of Germany, attends the press conference during the IOC Executive Board meeting in Monaco, 06 December 2014.  EPA/SEBASTIEN NOGIER

Reformer? IOC-Präsident Thomas Bach. Bild: SEBASTIEN NOGIER/EPA/KEYSTONE

Zugleich warnt sie Bach aber auch: «Seine Versprechen werden in diesem Jahr auf die Probe gestellt.» Zunächst in Baku und dann Ende Juli, wenn die IOC-Mitglieder die Olympischen Winterspiele 2022 vergeben. Zur Wahl stehen nach dem Rückzug von München, Oslo und Stockholm nur noch Almaty in Kasachstan und Peking in China. Beide Länder haben laut HRW eine katastrophale Bilanz in Sachen Menschenrechte.

In Almaty etwa, warnen die Autoren, «könnte das IOC eine verheerende Neuauflage des Unrechts von Sotschi erleben». Ausser mit Bach haben die Aktivisten sich vor Kurzem auch mit DOSB-Chef Michael Vesper und DFB-Präsident Wolfgang Niersbach getroffen. Keinen Kontakt gebe es dagegen zum Fifa-Chef, erzählt Michalski und fügt spöttisch an: «Wir haben ihn um ein Treffen gebeten, aber Herr Blatter hatte bisher wohl noch keine Zeit zu antworten.»

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