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Champions League, Halbfinal-Hinspiele

Di, 21 Uhr: Tottenham – Ajax

Mi, 21 Uhr: Barcelona – Liverpool

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So wie in Turin will Ajax auch in London wieder jubeln. bild: twitter/afcajax

Der perfekte Moment für Ajax – wenn nicht jetzt, wann dann?

Ajax Amsterdam hat mit alten Tugenden zu neuem Erfolg gefunden. Die Niederländer spielen am Dienstag bei Tottenham ihren ersten Champions-League-Halbfinal seit 1997.



Im Hintergrund wird derzeit daran gearbeitet, die Champions League noch exklusiver zu machen. Die Planungssicherheit und die Verdienstmöglichkeiten für die ganz grossen europäischen Klubs sollen erhöht werden. Ab 2024 könnten die Topvereine eine Liga bilden, eine Phalanx, in der es für die «Kleinen» noch schwieriger wird einzubrechen. Es wird für die Teams mit kleinen Budgets in Zukunft bestimmt nicht einfacher, sich zu behaupten, was schon seit einigen Jahren ohnehin eine Herkulesaufgabe ist angesichts des finanziellen Ungleichgewichts im europäischen Fussball.

Ob damit der richtige Weg eingeschlagen wird, ist fraglich. Befürworter der Reform können darauf verweisen, dass Ajax Amsterdam der erste Klub ausserhalb der Top-5-Ligen ist, der seit 2005 in den Halbfinal vorgestossen ist. Es sind Barcelona, Bayern München, Real Madrid und Co., die normalerweise den Ton angeben und für die TV-Quoten sorgen. Für die Romantiker ist Ajax Amsterdam das beste Argument gegen eine (fast) geschlossene Gesellschaft. Die Niederländer sind als Überraschungsteam in dieser Saison die Attraktion, mehr noch als Messis Barcelona oder Salahs Liverpool.

Während die üblichen Titelanwärter in der Champions League ihr Niveau dank vielen Transfer-Millionen problemlos halten können, müssen die weniger reichen Verfolger ihre Mannschaften immer wieder neu aufbauen und auf den grossen Coup hoffen, auf die perfekte Zusammenstellung, die dann bald mal wieder zerfällt.

«Wenn du Real Madrid und Juventus eliminiert hast, brauchst du vor niemandem Angst zu haben.»

Ajax Legende Patrick Kluivert De telegraaf

Ajax Amsterdam wird im kommenden Sommer eine ganze Reihe seiner momentanen «Spektakelmacher» verlieren – Frenkie de Jong (21) geht zu Barcelona, Matthijs de Ligt (19) könnte ihm folgen, und auch Donny van de Beek wird wie viele andere Ajax-Spieler von Topklubs begehrt.

Klaas-Jan Huntelaar (Sturm):

«Ja, wir sind bereit für den grossen Coup. Wenn wir weiter unser Spiel so wie bisher durchziehen, wird sich dieser Traum ganz sicher erfüllen. Für uns zählt nur eins: Wir wollen den Gegner dominieren, wir wollen immer gewinnen. Wenn es bis zur Pause mal nicht so läuft, hat der Trainer immer Lösungen, damit wir es in der zweiten Halbzeit besser machen.»

Ajax team poses for photographers prior to the start of the Champions League quarter final, second leg soccer match between Juventus and Ajax, at the Allianz stadium in Turin, Italy, Tuesday, April 16, 2019. (AP Photo/Antonio Calanni)

Diese Mannschaft wird so nächste Saison nicht mehr zusammen spielen. Bild: AP/AP

Die Nachfolger sollen zwar in der Nachwuchsakademie «De Toekomst» (die Zukunft) bereit stehen, doch bis sie eine international schlagfertige Truppe bilden wie ihre Vorgänger, wird es dauern. Vieles muss passen, weil das Geld für personelle Korrekturen beschränkt ist. Die Mannschaft, die im Viertelfinal-Rückspiel bei Juventus Turin gewonnen hat, hat 50 Millionen Euro an Ablöse gekostet. Das Jahresbudget beträgt rund 100 Millionen Euro. Das ist in etwa fünfmal weniger, als die beste europäische Konkurrenz zur Verfügung hat.

Der Neuaufbau der Ehemaligen

Dass Ajax das finanzielle Manko zumindest in dieser Saison kompensieren konnte, liegt an seinen alten Tugenden, der Talentförderung und der Spielphilosophie. Verschiedene Akteure leisteten einen wichtigen Beitrag zur Renaissance des Amsterdamer Vereins, der zwar seit der Jahrhundertwende immer wieder gute Spieler hervorbrachte, aber doch nie mehr den Anschluss an die europäische Spitze fand.

2010 strukturierte der vor drei Jahren verstorbene Johan Cruyff die Nachwuchsakademie mit klaren Leitlinien neu. Seine Philosophie ist im Spiel von De Jong und dessen Mitspielern zu erkennen: Tempo, Pressing und individuelle Freiheiten in einer klar definierten Organisation. «Fussballspielen ist einfach, aber einfach Fussball zu spielen ist sehr schwierig», pflegte Cruyff zu sagen.

Dusan Tadic (Sturm):

«Spieler wie de Ligt oder de Jong habe ich in meiner Karriere zuvor nie gesehen. Nicht nur wegen ihrer Fähigkeiten, sondern auch wegen ihrer Mentalität. Wir haben gegen Real und Juventus gespielt und sie waren überhaupt nicht nervös. Sie waren voller Überzeugung.»

daily mail

Edwin van der Sar, der frühere Goalie und derzeitige Geschäftsführer von Ajax, sagt:«Alles, was jetzt passiert, ist kein Zufallsprodukt. Ich denke, Johan muss – dort, wo er jetzt ist – stolz sein, auf das Erreichte.» Zusammen mit Sportchef Marc Overmars hat er die Ideen umgesetzt. Nun könnte auch er im Sommer den Klub verlassen. Manchester United möchte ihn offenbar gern als Geschäftsführer engagieren.

abspielen

Overmars feiert Weiterkommen in Turin mit Bauchklatscher. Video: streamable

Andre Onana (Tor):

«Wir haben einen Vorteil, wir haben etwas, das für uns arbeitet: Das ist der Fakt, das wir keinen Druck haben und nichts verlieren können.»

Seine Arbeit in Amsterdam spricht für Van der Sar. Der 48-Jährige, zusammen mit Overmars 1995 Champions-League-Sieger mit Ajax, hat als CEO alle Puzzleteile zusammengebracht. Die jungen Spieler aus dem eigenen Nachwuchs haben einige erfahrene Teamkollegen wie Daley Blind, Lasse Schöne oder Dusan Tadic an ihrer Seite und werden geleitet von einem Trainer, der die Ajax-Philosophie verkörpert, obwohl er nie für den Klub gespielt hat. Der 49-jährige Erik ten Hag betreute die zweite Mannschaft von Bayern München, als Pep Guardiola, einer der «Cruyff-Jünger» beim deutschen Rekordmeister, das Sagen hatte. Seit Dezember 2017 ist er bei Ajax.

epa07510906 Ajax's head coach Ten Hag (L) reacts during the UEFA Champions League quarter final, second leg, soccer match between Juventus FC and Ajax Amsterdam in Turin, Italy, 16 April 2019.  EPA/ALESSANDRO DI MARCO

Erik ten Hag gibt bei Ajax die sportliche Richtung vor. Bild: EPA/ANSA

Ten Hag weiss, dass er nächste Saison vieles neu aufbauen muss. Es ist für Ajax in diesen Wochen deshalb eine selten gewordene Möglichkeit, in einen Champions-League-Final einzuziehen. Es wäre, den Meistercup mitgezählt, der siebte seiner Geschichte. Doch schon der Halbfinal wird eine kleine Hymne an die Ajax-Philosophie. Mit Jan Vertonghen, Davinson Sanchez, Toby Alderweireld und Christian Eriksen stehen bei Tottenham vier Spieler unter Vertrag, die bei den Niederländern ihre europäische Profikarriere gestartet haben. (pre/sda)

Wie wird der Champions-League-Final lauten?

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