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Orlando City defender Rodrigo Schlegel, left, celebrates after blocking the final New York City FC penalty kick during overtime of an MLS soccer playoff match, Saturday, Nov. 21, 2020, in Orlando, Fla. Schlegel was sent in to substitute for goalkeeper Pedro Gallese who was ejected after getting his second yellow card. (AP Photo/Phelan M. Ebenhack)

Der Matchwinner: Der gelernte Verteidiger Rodrigo Schlegel jubelt über seinen gehaltenen Penalty. Bild: keystone

Ein Drama in sieben Akten: Vorhang auf für das wohl bizarrste Penaltyschiessen des Jahres



In der amerikanischen MLS ist es in der Nacht auf Sonntag zu einem der wohl denkwürdigsten Penaltyschiessen der Fussballgeschichte gekommen. Orlando City setzte sich am Ende gegen den New York City FC durch – nach einem Drama in sieben Akten.

Orlandos erste Siegesfeier

Das Drama beginnt beim Stand von 4:3 aus Sicht von Orlando – nach je vier Schützen hat nur ein Spieler von New York verschossen. Die Situation ist simpel: New Yorks Valentin Castellanos muss treffen, sonst ist das Spiel vorbei.

Der Argentinier läuft an und visiert die linke untere Ecke an – doch Orlando-Keeper Pedro Gallese hat das geahnt. Der Goalie streckt sich und wehrt den Ball zur Seite ab. Damit endet das Spiel – denken zumindest alle. Orlando feiert, Trainer Oscar Pareja sprintet euphorisch in Richtung Spielertunnel.

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Schiri Chapman wird zum Partykiller

Plötzlich aber endet der Jubel des Heimteams. Schiedsrichter Allen Chapman pfeift die Partie nicht ab, sondern hält die Hand ans Ohr und bespricht sich mit seinen Assistenten. Was ist passiert? Tatsächlich zeigt die Wiederholung, dass Goalie Gallese beim entscheidenden Penalty beide Füsse knapp vor der Linie hatte. Eine Frage von Zentimetern – doch Chapman entscheidet sich dafür, den Penalty wiederholen zu lassen.

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Gallese fliegt vom Platz

Orlando-Keeper Gallese versteht die Welt nicht mehr. Der Peruaner schüttelt den Kopf und macht sich zurück auf den Weg in Richtung Tor. Doch es kommt noch schlimmer für den 30-Jährigen: Schiri Chapman verwarnt ihn für seinen verfrühten Schritt nach vorne – es ist die zweite gelbe Karte gegen den Goalie, der somit vom Platz fliegt.

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Ein zähes Regel-Rätseln

Nun gut, ganz so schlimm ist diese rote Karte nicht – schliesslich hat Orlando mit Brian Rowe noch einen zweiten Goalie auf der Bank. Trainer Pareja wechselt ihn ein, Rowe marschiert entschlossen aufs Feld und stellt sich zwischen die Pfosten. Valentin Castellanos legt sich zum zweiten Mal den Ball zurecht und wartet darauf, bis er schiessen kann.

Alles scheint also bereit für die Fortsetzung – plötzlich hält Schiedsrichter Chapman aber wieder die Hand ans Ohr. Dem Schiri-Team kommt plötzlich in den Sinn, dass während des Penaltyschiessens gar keine Wechsel erlaubt sind. So geht Rowe zurück zur Bank, während sich Schiedsrichter Chapman gleichzeitig mit dem Orlando-Verantwortlichen und über Funk mit seinen Assistenten unterhält.

Zwischenzeitlich winkt Chapman Rowe dann doch wieder aufs Feld, nur um ihn kurz darauf wieder rauszuschicken. Nach minutenlangem Hin und Her bleibt Rowe schliesslich draussen, stattdessen zieht Innenverteidiger Rodrigo Schlegel die Handschuhe an und stellt sich Castellanos gegenüber.

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New York kommt wieder ran

Jetzt geht es wirklich weiter: Schlegel steht im Tor, Valentin Castellanos macht sich zum dritten Mal bereit. Und der Argentinier bleibt souverän, schiebt den Ball locker an Schlegel vorbei ins Tor und lässt so sein Team weiter hoffen.

Trotzdem liegen nach wie vor alle Vorteile beim Heimteam. Es steht vier zu vier, nun hat Altstar Nani als letzter Schütze die Chance, Orlando mit einem Treffer in die nächste Runde zu ballern. Der Portugiese schiesst den Ball in die rechte Ecke, doch genau dort hin fliegt auch Goalie Sean Johnson – dieser wehrt den Ball ab und sorgt so dafür, dass das Spiel weitergeht.

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Schlegel wird zum Helden

Auch beim zweiten Penalty muss sich Aushilfe-Goalie Schlegel geschlagen geben. Da aber Robin Jansson für Orlando trifft, geht das Drama weiter. Und schliesslich wird tatsächlich Schlegel zum grossen Helden.

Der Argentinier pariert den Penalty des Isländers Gudmundur Thorarinsson und setzt zu einem euphorischen Jubel an, um dann gebannt in Richtung Schiedsrichter zu schauen – Chapman pfeift wieder nicht, sondern notiert sich etwas. Dann aber die Erlösung: Der Schiedsrichter pfeift, die Orlando-Spieler bejubeln zum zweiten Mal ihren Sieg.

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Das tatsächliche Ende

Nach dem Schlusspfiff ist das Spiel normalerweise endgültig zu Ende – nicht aber an diesem Abend, an dem das Schiedsrichtergespann längst die Kontrolle verloren hat. Nachdem der Jubel bereits etwas abgeflacht ist, merkt Chapman plötzlich, dass New York das Penaltyschiessen ja eröffnet hat – heisst also, dass Orlando noch einen Schuss versenken muss, um tatsächlich weiterzukommen.

Benji Michel stellt sich der Aufgabe und versenkt den Ball im Tor – damit endet das bizarre Spiel und Orlando kann ein letztes Mal den Einzug in die nächste Runde bejubeln.

Das Penalty-Drama in voller Länge:

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Video: YouTube/Major League Soccer

(dab)

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