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ARCHIV - 11.03.2020, Nordrhein-Westfalen, Mönchengladbach: Fußball: Bundesliga, Borussia Mönchengladbach - 1. FC Köln 21. Spieltag im Borussia Park. Der Mönchengladbacher Patrick Herrmann bei einem Eckstoß. Das Spiel findet wegen des Coronavirus ohne Zuschauer als Geisterspiel statt. Die Vereine trainieren wieder in Kleinstgruppen - und im Mai soll es dann ohne Zuschauer weitergehen. Die DFL plant eifrig für die angedachte Fortsetzung der Bundesliga-Saison. Doch davor gibt es noch zahlreiche Hürden. Foto: Fabian Strauch/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ (KEYSTONE/DPA/Fabian Strauch)

Gladbach und Köln bestritten am 11. März das erste Geisterspiel der Bundesliga-Geschichte. Bild: DPA

Die Bundesliga drängt auf Wiederanpfiff – die 9 wichtigsten Fragen und Antworten dazu

Trotz Kontaktbeschränkung soll der Ball in der Bundesliga schon im Mai wieder rollen. Doch die Pläne stossen auf Kritik – selbst bei den Fans. Eine Übersicht.

christoph reichmuth / ch media



Wird die Bundesliga im Mai wieder gestartet?

Die Deutsche Fussball Liga (DFL) hat ein Konzept vorgelegt, damit die verbleibenden neun Spieltage der Saison2019/2020 in der 1. und 2. Bundesliga bis Ende Juni doch noch zu Ende gespielt werden kann. Demnach plant die Liga ausschliesslich Geisterspiele, maximal 300 Personen wären pro Spiel im Stadion zugelassen.

Wann würde gestartet?

Unter Einhaltung der vom DFL vorgelegten Massnahmen solle der Ball in der 1. und 2. Bundesliga bereits am 9. Mai wieder rollen. Natürlich geht es dabei auch um das wirtschaftliche Überleben der Profi-Klubs. Laut Berichten verschiedener Medien geraten 13 der 36 Erst- und Zweitligisten in ernsthafte wirtschaftliche Nöte, sollte die Saison abgebrochen werden. Bei einem Abbruch bliebe die vierte TV-Gelder-Tranche in der Höhe von 300 Millionen Euro für die Vereine aus.

Wie viele Tests sind nötig?

Mindestens einmal pro Woche, so die Pläne der DFL, sollen die Profikicker auf Corona getestet werden. Die DFL rechnet bis Saisonende mit etwa 25'000 notwendigen Corona-Tests für die Profifussballer. Sollte ein Kicker positiv auf Covid-19 getestet werden, soll nicht das gesamte Kader in Quarantäne geschickt werden. Die infizierte Person soll isoliert und beobachtet werden, unter Beobachtung stünden Kontaktpersonen, die aber nicht isoliert werden müssten. Eine Quarantäne für das gesamte Team wäre nicht möglich, da dann der Spielbetrieb nicht mehr weitergeführt werden könnte.

epa08379384 An view of corona tests inside the   Laboratory at Bioscientia Healthcare GmbH in Ingelheim, Germany, 23 April 2020. The largest medical laboratory in Rhineland-Palatinate, Bioscientia Healthcare GmbH in Ingelheim, is one of the performance centres for corona diagnostics in Germany. In the laboratory in Ingelheim, up to 3,500 PCR examinations for the coronavirus are carried out daily. Countries around the world are taking increased measures to stem the widespread of the SARS-CoV-2 coronavirus which causes the Covid-19 disease.  EPA/RONALD WITTEK

Die Kosten für die Bundesliga-Tests würden sich auf rund 2,5 Millionen Euro belaufen. Bild: EPA

Wer unterstützt die DFL – und was sagen die Kritiker?

Die Ministerpräsidenten von Bayern (Markus Söder, CSU), Nordrhein-Westfalen (Armin Laschet, CDU) oder auch Sachsen (Michael Kretschmer, CDU) halten eine Wiederaufnahme des Spielbetriebs durchaus für möglich und wünschenswert. Die Grünen-Co-Vorsitzende Annalena Baerbock hält einen Sonderstatus für die Bundesliga allerdings für «zutiefst ungerecht» – angesichts der Tatsache, dass in einigen Bundesländern «ein Kind noch nicht einmal auf die einsame Schaukel darf».

Auch SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach – selbst Arzt – hält das Konzept der DFL für widersprüchlich. Allen voran die Pläne, bei einem Covid-19-Fall in der Mannschaft nicht das gesamte Team in Quarantäne zu schicken. Die Gewerkschaft der Polizei befürchtet bei einer Wiederaufnahme des Spielbetriebs Fan-Ansammlungen vor Stadien und in privaten Räumen.

Security with face masks stand in front of the Signal Iduna Park, Germany's biggest stadium of Bundesliga soccer club Borussia Dortmund, where a temporary coronavirus treatment center opened today in Dortmund, Germany, Saturday, April 4, 2020. Instead of the originally scheduled today football clash between Dortmund and Bayern, parts of the stadium were turned into a medical center for outpatient treatment and consultation. The new coronavirus causes mild or moderate symptoms for most people, but for some, especially older adults and people with existing health problems, it can cause more severe illness or death. (AP Photo/Martin Meissner)

Erhält der Fussball einen Sonderstatus? Das würde vielen sauer aufstossen. Bild: AP

Was wollen die Fans?

Selbst Fan-Organisationen gehen auf Distanz zu den Plänen der DFL. Sie schreiben: «Wenn der Fussball Teil der Gesellschaft sein will, kann er nicht losgelöst von der gesamtgesellschaftlichen Situation handeln.»

Der Umstand, dass der seit Mitte März ruhende Spielbetrieb ein Drittel aller Klubs in wirtschaftliche Turbulenzen bringe, sei Indiz dafür, dass der Fussball eine falsche Entwicklung genommen habe. Selbst DFL-Präsident Christian Seifert erkennt die Fehlentwicklung im Profi-Geschäft. Wenn Klubs nach zwei Monaten Spielpause in finanziell schwierige Gewässer gerieten, sei es Zeit, «dass man da einiges korrigieren muss». Skeptisch reagiert nicht zuletzt die Bevölkerung: In einer repräsentativen Umfrage der ARD spricht sich eine Mehrheit gegen eine Sonderregelung für den Fussball aus – etwa, was die Regeln für die Quarantäne betrifft.

Was sagen die Virologen?

Merkels Chef-Virologe Christian Drosten deutete bereits im März an, dass er Fussballspiele in vollen Stadien nicht vor Ende Jahr für realistisch hält. Zuletzt warnte er – auch mit Blick auf die Pläne der DFL – davor, dass Deutschland mit Lockerungen dabei sei, seinen «Vorsprung zu verspielen».

Auch Drostens Berufskollegen weisen die Pläne der DFL zurück. Allen voran den Vorschlag, junge Profi-Kicker regelmässig zu testen. «Die Testkapazität ist begrenzt und wird es bleiben. Deshalb muss erst einmal sichergestellt werden, dass Patienten bei Verdacht einen Test bekommen mit einem schnellen Ergebnis. An zweiter Stelle kommt das medizinische Personal», sagt der Epidemiologe Gérard Krause.

Christian Drosten, center, Director Institute of Virology at the University Hospital Charite, talks with German  Education and Research Minister Anja Karliczek, right, and and Heyo Kroemer, Charite Chairman of the Board, left, during a news conference on the National Research Alliance of University Medicine in the fight against novel coronavirus outbreak at the  Ministry of Research in Berlin, Germany, Thursday, March 26, 2020. The new coronavirus causes mild or moderate symptoms for most people, but for some, especially older adults and people with existing health problems, it can cause more severe illness or death. (Michael Kappeler/Pool via AP)

Merkels Virologe Drosten hält den Bundesliga-Restart für ein unnötiges Risiko. Bild: AP

Was meint das Robert-Koch-Institut?

Auch das Robert Koch-Institut (RKI) zeigt sich skeptisch. RKI-Vizepräsident Lars Schaade: «Ich denke, man sollte Tests dort anwenden, wo es medizinisch sinnvoll ist.» Der Ärzteverband stellt sich hinter das RKI. Der Virologe Jonas Schmidt-Chanasit aus Hamburg meint, die Corona-Lage sei noch zu ernst, um «20'000 nicht massenhaft vorhandene Tests für gesunde, junge Spieler zu verwenden». Hinzu kommt ein weiterer Aspekt: Die Bevölkerung ist dazu angehalten, Abstandsregeln einzuhalten. Die sind beim Kontakt-Sport Fussball undenkbar.

Wer entscheidet – und wann wird entschieden?

Ob die Bundesliga-Saison zu Ende gespielt werden kann – und ab wann –, darüber entscheiden die Bundesregierung und die Bundesländer. Am kommenden Donnerstag konferiert Kanzlerin Merkel mit den 16 Ministerpräsidenten. Allerdings hat sie angekündigt, an diesem Tag noch nicht über weitere Lockerungen der Corona-Massnahmen zu entscheiden. Erst am 6. Mai soll über mögliche weitere Lockerungen diskutiert werden, sollte die Infektionsrate solche zulassen.

epa08380393 German Chancellor Angela Merkel speaks to the media following a video conference of the European Council meeting on coronavirus pandemic in Berlin, Germany, 23 April 2020. European leaders are looking for common measures to stem the social and economic impact of the SARS-CoV-2 coronavirus which causes the Covid-19 disease.  EPA/MAJA HITIJ / POOL

Die Frage aller Fragen: Was entscheidet Merkel beim Thema Bundesliga? Bild: EPA

Ist ein Start der Bundesliga am 9. Mai realistisch?

Da die Vereine mindestens zwei Wochen vor Wiederaufnahme des Spielbetriebs im Mannschaftstraining trainieren müssen, um Verletzungen zu vermeiden, scheint der 9. Mai als Tag des Wiederanpfiffs unrealistisch. Demnach wäre ein Neustart der Bundesliga frühestens am 20. Mai möglich. Die DFL hat bereits angekündigt, die Saison notfalls auch erst im Juli zu Ende spielen zu lassen.

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10Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Schneider Alex 29.04.2020 06:10
    Highlight Highlight Die Millionnen, die heute im Profifussball umgesetzt werden, sind völlig überzogen und zeigen die dekadenten Seiten des Sports, der Gesellschaft und des Kapitalismus deutlich auf. Aber klar, nur als ein Beispiel unter vielen!
    Wenn es nur noch Amateurfussball geben würde, fände auch dieser begeisterte Zuschauer*innen!
  • Noblesse 28.04.2020 11:15
    Highlight Highlight Geisterspiele sind wie deren Name! Geistlos! Der bezahlte Fussball müsste jetzt über die Bücher und a la USA klarere finanzielle Ausgangslagen schaffen. Dieser Überbietungswettbewerb tut dem Spiel nicht gut. Alles neu aufziehen und entschlacken. Stark machen gegen die menschliche Geldgier...
  • chnobli1896 28.04.2020 08:59
    Highlight Highlight Hoffentlich spielen sie. Hoffentlich sind die Einschaltquoten gleich Null. Hoffentlich hat das negative Auswirkungen auf die nächsten Vermarktungsverträge.

    Ignoranz sollte boykottiert werden.
    • Super8 28.04.2020 09:20
      Highlight Highlight Ich vermute leider stark, dass die EInschaltquoten astronomisch sein werden.
  • Züri1234 28.04.2020 08:34
    Highlight Highlight wäre schön wenn man bald wieder Fussball schauen könnten ... wenn es auch nur Geisterspiele sind.

    was ich nicht begreife: es wird immer argumentiert, dass viele Vereine ernsthafte liq. Probleme hätten wenn das TV Geld ausbleibt. Die Kosten der Abonnenten für die Pay-TV Abos laufen jedoch weiter ... was hindert die TV Anstalten daran das Geld einfach weiterzuzahlen?
    • chnobli1896 28.04.2020 09:08
      Highlight Highlight Ich denke, dass die Werbeeinnahmen (Sky schaltet ja relativ viel Werbung) fehlen, da keine Spiele gezeigt werden können. Ich nehme mal an, dass die Werbeeinnahmen mehr ausmachen als die Abo-Kosten und das darum ein beträchtlicher Teil der Einnahmen fehlt.
    • Pascal Mona 28.04.2020 09:43
      Highlight Highlight Also mein Regionaler Kabelanbieter hat mir jetzt gerade 2 Monate MySports “geschenkt“ (ohne Nachfrage meinerseits). Zudem wird es sicher viele Kündigungen dieser Abos geben resp. bereits gegeben haben. Einfach so weiterzahlen liegt wohl kaum drin.
    • Posersalami 28.04.2020 09:54
      Highlight Highlight @Pascal Mona: Sky hat das Problem elegant umschifft, und für jeden Sky Sports Abonnenten Sky Show freigeschaltet.

      Mich zumindest haben sie so davon abgehalten, das Abo zu stornieren. Habe dafür jetzt Babylon Berlin und endlich mal Westworld angesehen.
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