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epa07934252 Dortmund's head coach Lucien Favre reacts during the German Bundesliga soccer match between Borussia Dortmund and Borussia Moenchengladbach in Dortmund, Germany, 19 October 2019.  EPA/FRIEDEMANN VOGEL CONDITIONS - ATTENTION: The DFL regulations prohibit any use of photographs as image sequences and/or quasi-video

Lucien Favre steht in Deutschland derzeit unter Beschuss. Bild: EPA

Warum Dortmund an der Kritik selbst schuld ist – und Favre trotzdem unfair behandelt wird

Niederlage in der Champions League, Platz 4 in der Bundesliga. Borussia Dortmund befindet sich anscheinend in einer Mini-Krise. Eigentlich ist die Lage gar nicht so schlimm und Trainer Lucien Favre wird teilweise unfair behandelt. Doch an einem Teil der Kritik ist der Verein auch selbst schuld.



Die deutsche Presse hat sich auf Lucien Favre eingeschossen. Nach einem auf den ersten Blick durchzogenen Saisonstart scheint der Schweizer Trainer von Borussia Dortmund überall das heisseste Gesprächsthema zu sein. Die «Sport Bild» brachte gestern gar schon einen ersten Nachfolger ins Spiel: José Mourinho soll es sein, falls oder gar wenn Favre entlassen wird.

Eine Meldung, die BVB-Sportchef Michael Zorc sogleich dementierte: «Präsident Watzke und Mourinho haben eine Männerfreundschaft, die schon seit vielen Jahren besteht. Der Artikel entbehrt jeglicher Substanz. Wir führen keine Trainerdiskussion. Wir sind froh, dass wir Lucien Favre haben.»

Dass die Diskussion – von Fans und Medien – dennoch geführt wird, hat sich der BVB teilweise auch selbst zuzuschreiben. Vor dem Saisonstart gab Dortmund offen den Meistertitel als Saisonziel aus. Favre war zwar damit einverstanden, doch richtig begeistert klang er damals nicht über die forsche Formulierung: «Ich habe mein Okay gegeben, es so zu kommunizieren», sagte der 61-Jährige vor dem Saisonstart.

«Es war sehr, sehr schwer, gegen Inter zu spielen. Wir können gegen eine solche Mannschaft nicht zehn Chancen herausspielen.»

Lucien Favre

Diese angriffige Kommunikation, die guten Transfers und die hervorragenden Resultate in der Vorbereitung schürten die Erwartungen. Deshalb folgte bald die Ernüchterung, als es bei Aufsteiger Union Berlin eine 1:3-Niederlage absetzte. Und die Stimmung wurde nach drei Unentschieden in Folge gegen Frankfurt, Bremen und Freiburg natürlich nicht besser.

So hatte man das Gefühl, dass Favre gegen Inter auswärts in Mailand einen Sieg oder wenigstens einen Punktgewinn gebraucht hätte, um die Gemüter wieder etwas zu beruhigen. Es gab stattdessen ein 0:2 – und wieder einiges an Kritik zur Leistung der Schwarz-Gelben.

Die Highlights des Spiels. Video: SRF

Dabei vergisst man, dass die «Nerazzurri» derzeit die zweitstärkste Kraft sind in der Serie A. Sie liefern sich mit Serienmeister Juventus Turin ein Rennen um die Tabellenführung, sind also ein Gegner, der sich mit Dortmund mindestens auf Augenhöhe befindet.

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Favres Pressekonferenz nach der Niederlage gegen Inter. Video: YouTube/Borussia Dortmund

Zudem ist für den BVB noch nichts verloren. Man liegt in der Bundesliga zwar «nur» auf Platz 4, doch das punktgleich mit den Bayern und nur einen Zähler hinter Leader Gladbach. Auch in der Champions League ist mit vier Punkten aus drei Spielen noch alles möglich. Mit zwei Siegen in den Rückspielen gegen Slavia Prag und Inter sollte die Qualifikation für die Achtelfinals schon fast gesichert sein.

Statt alle Schuld dem Trainer zuzuschieben, ist es vielleicht an der Zeit einzugestehen, dass die Mannschaft nicht ganz die Qualität hat, die ihr vor der Saison zugeschrieben wurde. Die Abwehr um Mats Hummels und Manuel Akanji ist wacklig und nach vielen späten Gegentoren auch mental angeschlagen.

Dortmund's Paco Alcacer, second left, celebrates with Dortmund's Marco Reus after scoring his side's opening goal during the German Supercup final soccer match between Borussia Dortmund and Bayern Munich in Dortmund, Germany, Saturday, Aug. 3, 2019. (AP Photo/Martin Meissner)

Ohne Reus und Alcacer bleibt die BVB-Offensive meist blass. Bild: AP

Und wenn das Spiel gegen Inter eines gezeigt hat, dann dass Dortmund ohne Captain Marco Reus und Goalgetter Paco Alcacer die Durchschlagskraft fehlt. Da helfen auch die grossen Namen von Thorgan Hazard, Jadon Sancho und Julian Brandt nicht weiter. Verteidigung erhielt der Schweizer Trainer jüngst auch von Frankfurts Sportdirektor Fredi Bobic:

«Wenn man Lucien Favre holt, dann weiss man, man holt einen top Fussballtrainer. Alles bei Dortmund auf den Trainer zu legen, weiss ich nicht, ob so etwas so richtig ist.»

Fredi Bobic, Sportchef Eintracht Frankfurt sky

Klar ist aber auch: Wenn Favre die Gemüter in Dortmund beruhigen will, dann braucht es am Samstag (15.30 Uhr) einen Sieg im Revierderby gegen Schalke.

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