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Germany's Tim Stutzle (8) checks Switzerland's Noah Meier (24) during the third period of an IIHF World Junior Hockey Championship game Wednesday, Dec. 30, 2020, in Edmonton, Alberta. (Jason Franson/The Canadian Press via AP)

Die Schweizer U20-Nati verliert auch gegen Deutschland. Bild: keystone

Kommentar

Die U20-WM zeigt, dass die Schweizer Hockey-Bosse an der falschen Baustelle arbeiten

Die Schweizer U20-Nationalmannschaft scheidet an der Junioren-WM blamabel und ohne Sieg aus. Es zeigt das grosse Problem auf, das mit der geplanten Ligareform nur noch verstärkt würde.



Die Schweizer U20-Nationalmannschaft erwachte zu spät. Nach einem 0:4-Rückstand gegen Deutschland gab es am Ende eine 4:5-Niederlage im entscheidenden Spiel, in dem die Schweiz einen Sieg nach 60 Minuten gebraucht hätte. So endete eine enttäuschende Junioren-Weltmeisterschaft verfrüht. Immerhin muss die Nati in diesem speziellen Jahr nicht auch noch gegen den Abstieg spielen.

4 Spiele, 0 Punkte, 5 Tore und 20 Gegentore. Wie lässt sich das schlechte Abschneiden erklären? Einerseits mit den üblichen Talent-Schwankungen. Während die Schweiz das nominell schwächste Team in den letzten Jahren am Start hatte, waren Kanada, Finnland und eben auch Deutschland hervorragend besetzt. Andererseits waren viele der Schweizer Leistungsträger sogenannte «Underager». Delémont (18), Meier (18), Biasca (17), Canonica (17), Fust (18) und Knak (18) haben allesamt noch mindestens eine U20-WM vor sich, wo sie mit der Erfahrung dieses Jahres erfolgreicher auftreten werden.

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Die Highlights der Niederlage gegen Deutschland. Video: YouTube/MySports

Doch was bei diesem Turnier ebenfalls auffiel: Die Schweizer waren überfordert vom Spieltempo des Gegners, kassierten viele Strafen und kamen bei Gegentoren oft einen Schritt zu spät. Das liegt daran, dass die Mehrheit der U20-Spieler kaum Spielerfahrung auf einem derart hohen Niveau hat. Nur zwei Spieler (Simon Knak und Rocco Pezzullo) kamen regelmässig in der National League zum Einsatz, ein paar weitere in der Swiss League, doch die Mehrheit spielt noch bei den Elite-Junioren.

Genau da liegt der Hund begraben. Die jungen Spieler – auch die besten des Landes – erhalten kaum Eiszeit in der National League und hinken auch deshalb in ihrer Entwicklung den Spielern anderer Länder hinterher. Bereits jetzt ist es für viele Junioren so aussichtslos, Einsätze zu erhalten, dass sie den Sprung ins Ausland (nach Schweden oder Nordamerika) wagen.

Und was machen elf der zwölf (nur die ZSC Lions sind dagegen) National-League-Klubs? Sie planen, die Lage für die Nachwuchsspieler noch schwieriger zu machen – mit einer Erhöhung der Ausländerbegrenzung, die eine Umstellung der höchsten Juniorenliga von U20 auf U22 zur Folge hat.

Die National-League-Bosse arbeiten schlicht und einfach an der falschen Baustelle. Statt zu versuchen, die Löhne mit einem Mogelpaket aus Ausländerbegrenzung, geschlossener Liga und einem Alibi-Salary-Cap zu begrenzen, sollten sie lieber hinterfragen, weshalb so viele Schweizer Junioren ins Ausland abwandern. Sie sollten – in Zusammenarbeit mit dem Verband – die Nachwuchsförderung und Trainingsmethoden optimieren und schauen, wie sie noch mehr Kinder für den Eishockeysport begeistern können. Gleichzeitig sollte man sich auch überlegen, die Klubs dazu zu verpflichten, regelmässig U20-Spieler in der National League einzusetzen.

Eine gute Nachwuchsförderung ist auch im Interesse der National-League-Klubs, beklagen sie sich doch darüber, dass der Schweizer Spielermarkt zu wenig hergebe. Mit mehr Investitionen in den Nachwuchs würde auch dieser Spielermarkt irgendwann grösser.

Natürlich käme der Lohn für diesen Aufwand nicht sofort. Bis es so weit wäre, könnte ein wirksamer Salary Cap eine gute Methode sein, um die Lohnkosten zu kontrollieren. Die Zukunftschancen des Schweizer Nachwuchses mit noch mehr Import-Spielern zu verbauen, ist aber definitiv der falsche Ansatz.

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