DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
 22.01.2021, Streif, Kitzb

Im elften Anlauf stimmte endlich alles: Beat Feuz. Bild: www.imago-images.de

«Ich wusste gleich, dass das der Sieg ist» – so loben die Gegner Hahnenkamm-Sieger Feuz

Beat Feuz darf sich endlich Hahnenkamm-Sieger nennen. Der Emmentaler gewinnt die von zwei Stürzen getrübte und nach 30 Fahrern wegen Windes abgebrochene Abfahrt vor Matthias Mayer und Dominik Paris. Es ist ein so verdienter wie lange erdulteter Triumph.



Diesen Sieg musste sich Beat Feuz im wahrsten Sinn erdauern. Zehn Hahnenkamm-Abfahrten hatte er bestritten, ehe es an diesem Freitag ausgerechnet unter Ausschluss der ansonsten über 50'000 Zuschauer klappte. Viermal war der 33-Jährige im Ski-Monument auf der berüchtigten Streif schon Zweiter – 2018, weil ihm Thomas Dressen als krasser Aussenseiter bei besser werdender Sicht den Triumph vor der Nase wegschnappte.

«Erleichterung ist vielleicht das falsche Wort. Es ist vor allem wunderschön, dass es jetzt geklappt hat. Wer mich kennt, weiss, dass ich einen Klassiker wie Kitzbühel auf jeden Fall gewinnen will. Wenn du viermal Zweiter gewesen bist, weisst du auch, dass du nahe dran bist. Fünf Siege irgendwo sind mir aber immer noch lieber als ein Sieg hier.»

Beat Feuz

Andere Male klappte es knapp nicht, weil jeweils einer der Konkurrenten den Höllenritt ein paar winzige Zehntel schneller bewältigte. Und einmal, 2017, entglitt ihm der Sieg, weil er mit sieben Zehnteln Vorsprung in der berüchtigten Traverse vor dem Zielhang zu viel riskierte und in den Fangnetzen landete.

«Am meisten nervte es mich nach 2017. Da hatte ich das Gefühl, dass ich es hätte gewinnen müssen und diese grosse Chance vergeben zu haben. Ich wusste nicht, wie viele Gelegenheiten ich noch bekommen würde.»

Beat Feuz

Obendrein war er in Kitzbühel im Super-G 2017 Dritter und in der Kombination 2012 Zweiter. Die Abfahrt vom Freitag war sein 25. Weltcuprennen im Tiroler Nobelskiort.

Die Zusammenfassung des Rennens. Video: SRF

Stürze, Wind und Abbruch

Passend zum Geduldspiel über die Jahre musste Feuz in der erfolggekrönten elften Abfahrt wegen mehrerer längerer Verzögerungen fast drei Stunden in der Leaderbox ausharren, bis er sich seines Sieges sicher sein konnte. Für Urs Kryenbühl bedeutete der fürchterliche Sturz beim Zielsprung das Saisonende, Ryan Cochran-Siegle durchbrach bei seinem Sturz in der Traverse die Sicherheitsnetze, hatte aber grosses Glück.

Weil es im obersten Teil stark zu winden begann, musste Feuz zwischenzeitlich auch noch eine Annullierung des Rennens befürchten. Bevor das Klassement nach 30 Fahrern seine Gültigkeit hatte, war das Rennen 40 Minuten lang unterbrochen.

«Wenn sie das Rennen nach 23 Fahrern abgebrochen hätten, wäre ich am Samstag nicht gestartet. Das hätte ich mental nicht verkraftet. Ich glaube nicht, ob ich noch einmal bereit gewesen wäre, dieses Risiko einzugehen, das ich bereit war einzugehen», sagte Feuz, als die Absage just vor Marco Odermatts Lauf Nummer 31 ohne negative Folgen für ihn eintraf. 14.30 Uhr zeigte die Uhr zu diesem Zeitpunkt, so spät sind Speedrennen selten entschieden.

epa08957803 Third placed Dominik Paris of Italy (L), winner Beat Feuz of Switzerland (C) and second placed Matthias Mayer (R) of Austria celebrate after the men's Downhill race of the FIS Alpine Skiing World Cup event in Kitzbuehel, Austria, 22 January 2021.  EPA/CHRISTIAN BRUNA

Würdiges Siegertrio: Dominik Paris, Beat Feuz und Matthias Mayer (von links). Bild: keystone

«Mit der Zeit änderte sich meine Sicht (auf die verpassten Siege), und ich war hauptsächlich glücklich über die vielen 2. Plätze hier. Auf diese Weise gelang es mir, mich vom Druck zu befreien. Ab da verschwendete ich keine Sekunde mehr mit Gedanken an den Sieg, sondern konzentrierte mich darauf, sauber, gut und schön Ski zu fahren und das abzurufen, was ich kann – so wie dieses Mal.»

Beat Feuz

Die Konkurrenz freut sich mit

Dass neben Feuz mit dem Vorjahressieger Matthias Mayer als Zweiter und dem dreifachen Hahnenkamm-Abfahrtssieger Dominik Paris zwei andere absolute Topfahrer auf das Podest stiegen, stand auch dafür, dass die Verhältnisse im Kampf um die vordersten Plätze trotz der Turbulenzen fair waren. «Er hat diesen Sieg mehr als verdient nach so vielen zweiten Plätzen», meinte Dominik Paris.

Feuz' Teamkollegen bliesen ins selbe Horn. Carlo Janka, als Sechster der zweitbeste Schweizer und so gut wie noch nie in diesem Winter, meinte: «Diesmal hat er es runtergebracht. Darüber, dass er es verdient hat, müssen wir nicht reden.» Ralph Weber, der die Fahrt von Feuz in der Gondel am Smartphone verfolgte, sagte: «Ich wusste gleich, dass das der Sieg ist. Das war extrem beeindruckend. Seine Fahrt erinnerte mich an jene von Didier Cuche 2011. Der fuhr damals gefühlt auch alles in der Hocke. Der Sieg ist ihm zu gönnen.»

Die Fahrt zum Sieg auf der Streif. Video: SRF

Nur der Vorjahressieger hielt mit

Zwar bezeichnete Feuz seine Fahrt nur als «meine zweitbeste in Kitzbühel», weil er 2017 bis zum Sturz noch makelloser unterwegs war. Er lieferte aber in der Tat eine Vorstellung ab, an der es nur wenig zu mäkeln gibt. Der fast perfekte Lauf war aber auch nötig, um diesmal das Duell gegen Mayer für sich zu entscheiden. Der Kärntner, der vor zwölf Monaten 22 Hundertstel schneller war, lag im Ziel 16 Hundertstel zurück. Kitzbühel-Spezialist Dominik Paris, der ein Jahr dem Kreuzbandriss auf das Weltcup-Podest zurückkehrte, lag bereits 56 Hundertstel zurück.

In der 500. Abfahrt der Weltcup-Geschichte komplettierte Feuz damit seine Gams-Herde um das fehlende goldene «Tier». Gleichzeitig sorgte er für den ersten Schweizer Abfahrtssieg auf der Streif seit neun Jahren. Damals hatte sich der Neuenburger Didier Cuche mit seinem fünften Triumph zum alleinigen Rekordhalter gemacht. (ram/sda)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Die letzten Schweizer Sieger im Skiweltcup

1 / 12
Die letzten Schweizer Sieger im Skiweltcup
quelle: keystone / christian bruna
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Diese Bilder sehen verblüffend real aus

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Kommentar

Alaba küsst nach 12 Bayern-Jahren das Real-Logo?! Eigentlich das Normalste der Welt

Die bayrische Fussball-Welt ist gestern etwas aus den Fugen geraten. Dass David Alaba sich nach 12 Jahren bei Bayern München mit den Klub-Bossen nicht über einen neuen Vertrag einigen konnte und deshalb zu Real Madrid wechselt, stiess den Anhängern des deutschen Rekordmeisters ja schon sauer auf.

Dass der 29-jährige Österreicher, der in München als Publikumsliebling und Identifikationsfigur galt, nun bei seiner Vorstellung in Madrid das Trikot seines neuen Arbeitgebers küsste, war für viele …

Artikel lesen
Link zum Artikel