Unvergessen
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
epa03345985 Felix Sanchez of the Dominican Republic wins the men's 400m Hurdles final at the London 2012 Olympic Games Athletics, Track and Field events at the Olympic Stadium, London, Britain 06 August 2012.  EPA/JOHN G.MABANGLO

Raus mit der Freude: Sanchez gewinnt mit fast 35 Jahren zum zweiten Mal Olympia-Gold. Bild: EPA

Unvergessen

06.08.2012: Felix Sanchez schmuggelt Foto von totem Grosi unter die Startnummer und schafft das grösste Comeback der Leichtathletik

6. August 2012: Felix Sanchez dominiert die 400 Meter Hürden nach Belieben. Als er seinen Glücksbringer verschenkt, läuft aber gar nichts mehr. Doch nach vielen Seuchenjahren überrascht er als Oldie und wird in London zum zweiten Mal Olympiasieger.



Felix Sanchez: Das ist der coole Typ mit dem blinkenden Armband als Glücksbringer. Der Showman. Der Olympiasieger von 2004. Der Seriensieger, der in 43 Rennen über 400 Meter Hürden ungeschlagen ist.

Felix Sanchez: Das ist der Athlet, der ständig mit Verletzungen zu kämpfen hat. Dessen Glanzzeiten lange zurück liegen. Den niemand mehr auf der Rechnung hat.

Felix Sanchez: Das ist der Hürdenläufer, der acht Jahre nach dem Triumph an den Spielen von Athen in London trotz allem ein zweites Mal Olympiasieger wird. Ohne Glücksbringer, aber mit der Erinnerung an die verstorbene Grossmutter. Und in der exakt gleichen Zeit wie 2004.

Die Bilder des Olympiasiegs 2012

47,63 Sekunden – genau wie 2004

Sein Twitter-Name spricht Bände: @elsupersanchez nennt sich Felix Sanchez auf dem Kurznachrichten-Portal. Als das Jahr 2012 beginnt, ist dieser Spitzname aber nur noch eine Erinnerung an ruhmreiche Tage. Sanchez ist kein Top-Athlet mehr, der letzte Medaillengewinn (Silber an der WM in Osaka) liegt fünf Jahre zurück.

Doch als am 3. August die Vorläufe über 400 Meter Hürden an den Olympischen Spielen in London stattfinden, ist Sanchez bereit. Locker gewinnt er seine Serie und tags darauf entscheidet er seinen Halbfinal mit persönlicher Saisonbestzeit für sich. Spätestens jetzt muss auch die Konkurrenz den bald 35-jährigen Läufer aus der Dominikanischen Republik auf dem Radar haben.

Dann der Final. Sanchez setzt alles auf eine Karte und schlägt von Beginn an ein hohes Tempo an. Eingangs der Zielgeraden liegen drei Athleten gleichauf. An der zweitletzten Hürde setzt sich Felix Sanchez dann entscheidend ab. Er kann seinen Sprint durchziehen, niemand holt ihn mehr ein. Die Zeit stoppt bei 47,63 Sekunden. Sanchez gewinnt in der exakt selben Zeit wie acht Jahre zuvor bei seinem ersten Olympiasieg.

abspielen

Der Final über 400 m Hürden in London 2012. YouTube/Olympics

«Es waren acht lange Jahre, während denen ich nach einer Zeit der Dominanz versuchte, zurück an die Spitze zu gelangen», sagte Sanchez mit feuchten Augen. «Als ich die letzte Hürde überquert hatte, dachte ich, dass sie mich noch einholen, ich war sehr müde. Aber ich habe einfach noch einmal alles gegeben und als ich als Erster über die Ziellinie lief, konnte ich es kaum fassen.»

Gedenken an die Grossmutter

Im Ziel sinkt Felix Sanchez auf den Boden, er geht in sich. Er zieht ein Foto aus dem Trikot, auf dem er mit seiner Grossmutter abgebildet ist. Sie war 2008 während der Olympischen Spiele in Peking verstorben. Er habe sie im Herzen getragen, sagt Sanchez nach dem Triumph – und auf seinen Schuhen, auf die er den Namen der Grossmutter geschrieben hat.

Dominican Republic's Felix Sanchez has a family photograph on hand as he reacts to his gold medal win in the men's 400-meter hurdles final during the athletics in the Olympic Stadium at the 2012 Summer Olympics, London, Monday, Aug. 6, 2012. (AP Photo/Martin Meissner)

Superman-Tattoo auf dem Bizeps, die Grossmutter im Herzen. Bild: AP

«Wir haben es geschafft», sagt Sanchez und meint damit sich und sein geliebtes Grosi. Dank des Fotos sei er auch nicht nervös gewesen vor dem Final. «Ich wusste nicht, ob das überhaupt erlaubt ist, wenn ich ihr Foto unter die Startnummer hefte», erzählt er und schmunzelt. «So habe ich vor dem Rennen einfach bloss darauf geachtet, dass mich niemand erwischt.»

Bei der Siegerehrung fliessen die Tränen erneut und gleich in Strömen. «Es begann zu regnen», schildert Sanchez. «Ich stellte mir vor, dass das ihre Freudentränen sind. Es hat mich richtig mitgenommen auf dem Podest.» Selbst im Rückblick darauf kann der Leichtathletik seine Tränen nicht zurückhalten.

abspielen

Felix Sanchez erzählt über seine «olympische Reise» von Athen 2004 nach London 2012. YouTube/Olympics

Dominican Republic's Felix Sanchez reacts after winning the men's 400 meters hurdles race at the Golden League athletics meeting in Zurich, Switzerland, Friday, August 15, 2003.  (KEYSTONE/Steffen Schmidt)

2003: Sanchez feiert mit den Fans im Zürcher Letzigrund. Das blinkende Armband ist sein Markenzeichen. Bild: KEYSTONE

Felix Sanchez, of the Dominican Republic, gestures after running in a qualification heat of the 400-meter hurdles at the Olympic Stadium during the 2004 Olympic Games in Athens, Monday, Aug. 23  2004. (KEYSTONE/AP Photo/Anja Niedringhaus)

2004: Sanchez bei den Olympischen Spielen in Athen. Sprint-Star Usain Bolt wird nach ihm mit der gleichen Geste jubeln. Bild: AP

Defending World Champion Felix Sanchez of Dominican Republic drops out injured in the 400m Hurdles at the 10th IAAF World Championships in Athletics, Helsinki, Finland, Tuesday 09 August 2005. 
EPA/ROBERT GHEMENT

2005: Als zweifacher Weltmeister von 2001 und 2003 muss Sanchez in Helsinki aufgeben. Bild: EPA

Defending World Champion Felix Sanchez of Dominican Republic drops out injured in the 400m Hurdles at the 10th IAAF World Championships in Athletics, Helsinki, Finland, Tuesday 09 August 2005.  EPA/FABRICE COFFRINI

2005: Für Sanchez, der zwischen 2001 und 2004 in 43 Rennen in Serie ungeschlagen blieb, der Beginn mehrerer «Seuchenjahre». Bild: EPA

Rücktritt nach Rio 2016

Ende August wird Felix Sanchez 38 Jahre alt. Er läuft immer noch über 400 Meter Hürden, aber die erfolgreichen Zeiten sind definitiv vorbei. Wobei man das schon vor den Olympischen Spielen in London behauptete … Er habe das grösste Comeback der Leichtathletik geschafft, schrieb die NZZ damals.

2016, nach den Spielen von Rio de Janeiro, soll nun endgültig Schluss sein. «Solche Comeback-Stories gibt es nicht einfach so», betont der Champion. «Aber mit harter Arbeit, mit viel Einsatz und Hingabe, wird auch das Unmögliche möglich.»

Unvergessen

In der Serie «Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob hervorragende Leistung, bewegendes Drama oder witzige Anekdote – alles ist dabei.

Kennst du schon die watson-App?

Über 150'000 Menschen nutzen bereits watson für die Hosentasche. Unsere App hat den «Best of Swiss Apps»-Award gewonnen und wurde unter «Beste Apps 2014» gelistet. Willst auch du mit watson auf frische Weise informiert sein? Hol dir jetzt die kostenlose App für iPhone/iPad und Android.

DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com (umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Unvergessen

Mit dem letzten Rennen der Waffenlauf-Meisterschaft geht eine Ära zu Ende

19. November 2006: Nur ganz wenige Sportarten haben eine so alte Geschichte wie der Waffenlauf – er stand schon bei den Olympischen Spielen der Antike auf dem Programm. Sehr viel später wurde der Speer mit einem Sturmgewehr getauscht und für die Helden gab es keinen olympischen, dafür aber Fernseh-Ruhm.

Albrecht Moser! Wenn es einen einzigen Schweizer Sportler gibt, der in meiner frühen Kindheit der grösste Star von allen ist, grösser noch als Pirmin Zurbriggen, dann wohl er. Sonntag für Sonntag wird im Fernsehen von seinen Siegen berichtet – und das sind eine ganze Menge. Moser ist zu seinen besten Zeiten der Roger Federer des Waffenlaufs: Acht Mal in Folge wird der bärtige Mitrailleur, ein Schulhaus-Abwart aus dem Berner Seeland, zwischen 1978 und 1985 Schweizer Meister.

Aushängeschild Moser …

Artikel lesen
Link zum Artikel