Wirtschaft
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Xi Jingping mit Royal Flush Pokerkarten

Hat gut lachen: Präsident Xi Jingping. Bild: shutterstock / keystone

Analyse

Im Handelspoker gegen Trump hat Xi einen Royal Flush

China sieht einem Handelskrieg mit den USA gelassen entgegen. Peking weiss, dass es bessere Karten hat.



«China hat keine Angst vor einem Handelskrieg», erklärte Zhu Guangyao. Der stellvertretende Handelsminister Chinas reagierte mit diesem Statement auf die Drohung von Donald Trump, weitere Strafzölle in der Höhe von 100 Milliarden Dollar auf chinesische Importe zu erheben.

Chinas Präsident Xi Jinping reagiert in diesem «Wie-du-mir-so-ich-dir»-Gerangel cool wie ein abgezockter Pokerspieler, der genau weiss, dass er das bessere Blatt hat. Er denkt nicht im Traum daran, auf Trumps Bluff hineinzufallen, denn er hat einen Royal Flush in der Hand.

Der Präsident sitzt fest im Sattel

Xi ist der mächtigste Politiker Chinas seit Mao Zedong. Seit seinem Amtsantritt im Jahr 2012 hat er sämtliche Gegner aus dem Feld geschlagen. Kürzlich haben die Chinesen die Verfassung so geändert, dass Xi bis an sein Lebensende im Amt bleiben kann.

FILE - In this March 1, 2016 file photo, souvenir plates bearing images of Chinese President Xi Jinping, left, and late Chinese leader Mao Zedong are displayed at a shop near Tiananmen Square in Beijing. In 2016, the Chinese Communist Party bestows on Xi the wholly ceremonial yet highly significant title of

So mächtig wie einst Mao: Präsident Xi. Bild: AP/AP

Die kommunistische Partei Chinas hat die Wirtschaft fest im Griff. «Sie könnte die Schmerzen eines Handelskrieges auf viele Schultern verteilen und gleichzeitig jahrelang Verluste der Staatsunternehmen verkraften», stellt die «New York Times» fest.

Chinas Wirtschaft ist nicht mehr auf Exporte angewiesen

Vor zehn Jahren betrugen die Exportüberschüsse Chinas noch neun Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP), ein absurd hoher Wert. Der damalige chinesische Premierminister Wen Jiabao bezeichnete Chinas Wirtschaft deshalb als «instabil und unkoordiniert».

epa06641627 Chinese consumer walk by imported foods zone at a supermarket in Beijing, China, 02 April 2018. China has imposed tariffs of 15 percent and 25 percent on 128 US imports according to the different products beginning from 02 April 2018, including pork, wine, fruits and others, after US President Donald Trump raised duties on foreign steel and aluminium imports in March.  EPA/WU HONG

Die Chinesen haben den Konsum entdeckt. Bild: EPA/EPA

Heute ist China nicht mehr Exportweltmeister, der Überschuss in der Leistungsbilanz beträgt gerade mal noch 1,4 Prozent des BIP. Die Strafzölle haben daher viel von ihrem Schrecken verloren. «Wir sehen Anzeichen, dass die chinesische Wirtschaft weniger unausgewogen ist und mehr vom einheimischen Konsum lebt», stellt Martin Wolf in der «Financial Times» fest.

Chinas Ansehen ist weltweit gestiegen

Softpower, die Attraktivität einer Kultur, wird in der Geopolitik des 21. Jahrhunderts immer wichtiger. Davon profitiert China. Das Reich der Mitte hat seine 200 Jahre dauernde Krise überwunden und kann wieder an den Glanz alter Tage anknüpfen.

epaselect epa05960636 Hungarian Prime Minister Vitor Orban (C)and Chinese Premier Li Keqiang (2-L) review honor guards during a welcome ceremony at the Great Hall of the People in Beijing, China, 13 May 2017. Hungarian Prime Minister Vitor Orban is in China to attend the One Belt One Road Forum, which runs from 14 to 15 May.  EPA/HOW HWEE YOUNG

Der alte Glanz Chinas ist wieder da. Bild: EPA/EPA

Dazu kommt, dass sich die Chinesen mit ihrem Programm «One Road, One Belt» immer mehr Freunde rund um den Globus schaffen, vor allem in den Entwicklungs- und Schwellenländern. Es stellt günstige Kredite zur Verfügung und baut Strassen und Eisenbahnen.

Für die Industriestaaten ist China nicht nur ein bedeutender Kunde geworden, sondern auch ein wichtiger Investor. Gleichzeitig sind es ausgerechnet die Kommunisten, die immer mehr zu den Verfechtern des freien Handels werden.

Warum Trump ein mieses Blatt hat

Ganz anders sieht es auf den anderen Seite des Pazifiks aus. Donald Trumps Wirtschafts- und Handelspolitik ist von Angst und Ignoranz getrieben. Er wechselt fast täglich seine Positionen und hat einen zerstrittenen Beraterstab. Kurz: Er hat ein lausiges Blatt und muss bluffen.

Im Weissen Haus herrscht Chaos

Der Personalverschleiss im West Wing, dem Flügel, in dem der Stab des Präsidenten arbeitet, ist gewaltig. Jede Woche treten wichtige Vertreter zurück oder sie werden gefeuert. Die Zurückgeblieben sind verängstigt, verunsichert und untereinander zerstritten.

epa06616134 Outgoing White House chief economic adviser Gary Cohn attends a meeting with US President Donald J. Trump and the Crown Prince Mohammed bin Salman of the Kingdom of Saudi Arabia in the Oval Office at the White House in Washington, DC, USA, 20 March 2018.  EPA/KEVIN DIETSCH / POOL

Geflüchtet: Wirtschaftsberater Gary Cohn. Bild: EPA/UPI POOL

Das gilt auch für die Handelspolitik. Zwar sind viele der sogenannten Globalisten inzwischen weg, vor allem Wirtschaftsberater Gary Cohn und Aussenminister Rex Tillerson. Doch der Streit geht weiter. So soll Finanzminister Steven Mnuchin alles andere als erfreut sein über Trumps Strafzoll-Pläne. Mit zerstrittenen Partnern in den Krieg zu ziehen, ist selten eine gute Idee.

Die Börsen und die Bauern laufen Amok

Trumps Äusserungen zu möglichen Strafzöllen haben zu hektischen Kursausschlägen an den Finanzmärkten geführt. «Meint der Präsident es ernst oder nicht?», lautet derzeit die Gretchenfrage der Investoren. Die gefühlte Antwort auf diese Frage lässt die Kurse in die Tiefe sausen oder in die Höhe schiessen.

Das Börsentheater kann Trump zumindest vorübergehend kalt lassen. Die wahre Gefahr droht von der realen Wirtschaft, konkret von den Bauern. Diese sind von den Retourkutschen der Chinesen besonders betroffen – und sie reagieren sauer.

epa06425801 US President Donald J. Trump addresses a gathering of farmers and ranchers at the annual American Farm Bureau Federation convention in Nashville, Tennessee, USA, 08 January 2018. After speaking, he signed two executive orders to expand access to broad band internet service in rural America.  EPA/RICK MUSACCHIO

Verärgert die Bauern: Donald Trump. Bild: EPA/EPA

Senator Ben Sasse, ein Republikaner und Trump-Anhänger aus dem Bundesstaat Nebraska, ist empört. «Selbst wenn der Präsident es nur halbernst meint, ist es Blödsinn», kommentiert der die Strafzoll-Absichten. «Es ist die dümmst mögliche Art, die Chinesen zu bestrafen.»

Sollte Trump den Handelskrieg weiter eskalieren, riskiert er, die bisherige Unterstützung auf dem Land zu verlieren.

Die Freunde werden vor den Kopf gestossen

Mit den Strafzöllen will Trump erklärtermassen China treffen, er fügt jedoch vor allem den Alliierten der USA Schaden zu. Mit dem Verzicht auf den Freihandelsvertrag TPP hat er zur Freude Chinas die Verbündeten in Asien verärgert. Japan, Australien & Co. wollen das Abkommen nun ohne die Amerikaner durchziehen.

Canadian Prime Minister Justin Trudeau meets with U.S. President Donald Trump in the Oval Office of the White House in Washington, D.C. on Wednesday, Oct. 11, 2017.  (Sean Kilpatrick/The Canadian Press via AP)

Nicht mehr beste Freunde: Kanadas Premierminister Justin Trudeau und US-Präsident Donald Trump. Bild: AP/The Canadian Press

Selbst die besten Freunde bekommen ihr Fett ab. Das Hickhack um den Freihandelsvertrag Nafta hat dazu geführt, dass der Haussegen zwischen den USA und Kanada mehr als schief hängt, von Mexiko gar nicht zu sprechen. Seit Trump Strafzölle auf Stahl und Aluminium verhängt und Strafzölle auf Autos angedroht hat, ist auch das Klima zwischen Berlin und Washington mehr als frostig geworden.

Trumps fataler Irrtum

Handelskriege seien locker zu gewinnen, hat Trump vor kurzem getweetet. Ein fataler Irrtum. Dabei hätten die USA tatsächlich gute Gründe, gegen China vorzugehen. Patentschutz und Gegenseitigkeit werden in Peking mit den Füssen getreten. Mit seinem chaotischen Vorgehen spielt Trump jedoch Xi direkt in die Karten.

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55 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
Oh Dae-su
06.04.2018 15:24registriert May 2017
"Vor zehn Jahren betrugen die Exportüberschüsse Chinas noch neun Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP), ein absurd hoher Wert. Der damalige chinesische Premierminister Wen Jiabao bezeichnete Chinas Wirtschaft deshalb als «instabil und unkoordiniert»."
Sagt das nur nicht den Deutschen ;)
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Ruffy
06.04.2018 15:08registriert January 2015
Eine einzige Massnahme des Westens, gemeinsam gegen China würde schon reichen. Einfach verlangen, dass wir genauso in China investieren, Chinesische Firmen kaufen und Aktien an ihren Börsen handeln können wie die Chinesen das bei uns können. Solange alle Chinesischen Auslandgelder/Investitionen einfrieren.
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Moudi
06.04.2018 15:16registriert September 2015
Ich finde den Artikel gut geschrieben und beschreibt die Lage doch sehr genau!
An Herr Löpfe eine andere Frage: Was halten Sie davon das China und Russland eine Art Petro-Yuan/Rubel (Goldgedeckt!!) aufbauen und so womöglich den Petro-Dollar ablösen werden?
Wäre mal spannend was in dieser Richtung zu lesen!
Wünsche ein schönes Weekend!
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55

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