Wirtschaft
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epa07260750 (FILE) - US President Donald J. Trump (L) and Chinese President Xi Jinping (R) shake hands during a press conference at the Great Hall of the People (GHOP) in Beijing, China, 09 November 2017 (reissued 04 January 2019). According to media reports, a US delegation will visit china for trade talks on the 07 and 08 January.  EPA/ROMAN PILIPEY   EDITORIAL USE ONLY/NO SALES  EDITORIAL USE ONLY/NO SALES

Das waren noch Zeiten: Donald Trump und Xi Jinping schütteln sich die Hände beim Staatsbesuch des US-Präsidenten in China im Herbst 2017.  Bild: EPA/EPA

Analyse

China wackelt – und die Weltwirtschaft zittert

Exporte und Importe sind eingebrochen: Chinas Konsumenten machen das Portemonnaie zu. Das ist nicht nur für Apple ein Problem.



Hustet Amerika, hat der Rest der Welt eine Lungenentzündung, heisst es. Diese Küchenökonomie-Weisheit muss ergänzt werden, und zwar wie folgt: Wackelt China, dann zittern alle. China ist nicht nur politisch und technisch eine aufstrebende Supermacht. Es ist auch ein bedeutender Wirtschaftsfaktor geworden und ist für rund einen Drittel des Wachstums des globalen Bruttoinlandprodukts verantwortlich.

«Weltweit haben sich die Exporte abgeschwächt, und alles deutet auf eine schwächere Nachfrage am Ende von 2018 hin.»

Julian Evans Pritchard

Wirtschaftsprofessoren und Börsenanalysten verfolgen deshalb mit Argusaugen die Entwicklung der chinesischen Wirtschaft. An den jüngsten Zahlen werden sie keine Freude haben: Im Dezember sind die Exporte um 4,4 Prozent, die Importe gar um 7,6 Prozent eingebrochen. «Der Handelskrieg allein kann diesen Einbruch nicht erklären», sagt Julian Evans Pritchard von Capital Economics in der «Financial Times». «Weltweit haben sich die Exporte abgeschwächt, und alles deutet auf eine schwächere Nachfrage am Ende von 2018 hin.»

epa07268334 Cargo ships gather in New York harbor, in New York, New York, USA, 07 January 2019. The United States and China are scheduled to begin a first round of trade negotiations on 07 January in Beijing in an effort to settle the current trade dispute that is resulting in a 250 billion US dollar (217 billion euros) in tariffs on imported Chinese goods.  EPA/JUSTIN LANE

Im Hafen von New York warten Frachtschiffe. Bild: EPA/EPA

Chinas Exportschwäche ist vor allem auch beunruhigend, weil die Strafzölle im vergangenen Jahr noch gar nicht in Kraft waren. Das ist erst seit dem Beginn dieses Jahres der Fall. Der Schwächeanfall kam deshalb für die Experten überraschend. Weil jedoch die Importe noch stärker schrumpften, verharrt der Überschuss der chinesischen Leistungsbilanz auf Rekordhöhe.

Der Rückgang der Importe macht den Experten daher am meisten Bauchweh. «Er geht einher mit einer kontinuierlichen Schwächung der chinesischen Wirtschaft», sagt Louis Kuijs von der Beratungsfirma Oxford Economics. «Wir gehen davon aus, dass das Wirtschaftswachstum sich im vierten Quartal 2018 weiter abgeschwächt hat und auch im neuen Jahr unter Druck ist.»

Und was ist mit der Schweizer Uhrenindustrie?

Diese Botschaft wird auf den Geschäftsleitungs-Etagen der internationalen Konzerne die Alarmglocken läuten lassen. Apple hat bereits eine Gewinnwarnung veröffentlicht, weil die iPhone-Verkäufe in China hinter den Erwartungen zurückgeblieben sind. Auch Autohersteller werden die neue Geiz-ist-geil-Mentalität der Chinesen zu spüren bekommen, genauso wie Mode- und Kosmetikhersteller.

Die Schweizer Uhrenindustrie muss mit einer bösen Überraschung rechnen, denn die Verkäufe in den Schmuckgeschäften in Hongkong sind am Boden – und sie gelten als vorlaufender Indikator für die Kauflust der Chinesen im Luxusgütersegment.

Kein Wunder also, ist die Stimmung unter den Ökonomen mies. Wirtschaftswachstums-Prognosen werden rund um den Globus nach unten revidiert. Die Weltbank hat kürzlich vor «Stürmen, die sich über der Weltwirtschaft zusammenbrauen», gewarnt.

Währenddessen wird die Stimmung durch die Ereignisse in den USA verstärkt weiter gedrückt. Die wirtschaftlichen Folgen des rekordlangen Shutdown von Teilen der Regierung sind zwar vernachlässigbar, doch sie erhöhen die Unsicherheit. Kommt dazu, dass im laufenden Jahr die amerikanischen Unternehmen nicht mehr von den Steuergeschenken der Regierung profitieren und ein weiteres Gewinnwachstum ausweisen können.

US-Konsumenten werden vorsichtiger

Die amerikanischen Konsumenten werden ebenfalls vorsichtiger. Zwischen Weihnachten und Neujahr waren die Verkaufszahlen enttäuschend. Angesichts der teils grotesken Kursausschläge an den Börsen ist die Unsicherheit gewachsen. Ebenso hat sich die Haltung der Investoren verändert: Früher waren Kurseinbrüche ein Zeichen für Schnäppchenpreise. Heute sind Kurssteigerungen ein Anreiz für Verkäufe.

Generell wächst das Gefühl, dass wir uns am Ende eines Konjunkturzyklus befinden. Das zeigt auch die jährliche Erhebung der Beratungsfirma Ernst & Young bei den Schweizer Banken. Die Finanzinstitute sind deutlich weniger euphorisch als im Vorjahr. Sorgen bereiten ihnen vor allem die weltweit nach wie vor steigenden Schulden und die geopolitischen Unsicherheiten.

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    Alle Leser-Kommentare
  • Lexxus0025 15.01.2019 11:06
    Highlight Highlight Ich bin sowieso der meinung dass es neben den ökonomischen kennzahlen noch ökologische- und soziale kennzahlen bräuchte die auch stärker im fokus stehen (auch an den börsen). Ich persönlich würde aktien von unternehmen kaufen die ok im bereich ökonomie und gut in den bereichen sozial und ökologie sind. Die ökonomischen lassen sich nämlich nur durch gute ideen oder aber durch ausbeute von mensch und umwelt verbessern. Siehe z.b. apple mit plötzlich fest verbauten akkus in allen produkten. Denken bevor man kauft ist angesagt denn unsere kaufentscheidungen sehe ich als demokratische entscheidung.
  • Fairness 14.01.2019 20:00
    Highlight Highlight Wird aber auch Zeit. Die Wirtschaft fängt auch hier an die sinkenden und eingefrorenen Löhne zu spüren. Endlich! Vielleicht merken jetzt einige, dass das nicht auf Dauer funktionieren kann?
  • Asmodeus 14.01.2019 19:50
    Highlight Highlight Weltweit wird bei den Löhnen gespart und Mitarbeiter werden wegrationalisiert.

    Aber alle wundern sich wieso weniger eingekauft wird.
    • Dark Circle 14.01.2019 22:04
      Highlight Highlight Richtig! Beim globalen Konsum reichen die überfüllten Bankkonti des berühmten 1% halt doch nicht mehr, wenn die restlichen 99% weniger konsumieren.
    • Toerpe Zwerg 14.01.2019 23:27
      Highlight Highlight Rekordbeschäftigung in Deutschland und den USA und in den USA neulich auch deutlich steugende Löhne sind nur drei Beispiele dafür, dass Ihre Aussoge falsch ist.
    • Asmodeus 14.01.2019 23:32
      Highlight Highlight Das Jobwunder Deutschland.

      Im Niedriglohnsektor. 1-Euro-Jobs.

      Gemäß Statistik arbeiten diese Leute, aber etwas leisten können sie sich trotzdem nicht.

      In den USA dasselbe wo Leute zwei Jobs gleichzeitig haben um über die Runden zu kommen.

      Übrigens. USA und Deutschland sind zwei Beispiele, nicht drei.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Thadic 14.01.2019 19:42
    Highlight Highlight Könnte unser Wirtschaftssystem singen dann würde es sicherlich Queen singen: the show must go on! Inside my heart is breaking but my smile still stays on.
    Aber irgendwann wird der Tod kommen. Wir müssen dabei nur aufpassen, dass es uns nicht mitreisst.
    Unser Wirtschaftssystem ist wie ein Krebsgeschwür da es stetig wachsen will.
  • Snowy 14.01.2019 19:17
    Highlight Highlight The best things in life aren´t things.
  • zeitgeist 14.01.2019 19:04
    Highlight Highlight "Globales BruttoINLANDprodukt"? 🤔
    ist mir schon klar, was das bedeutet aber ist aber dennoch eine amüsante Formulierung...
    • Philipp Löpfe 14.01.2019 22:36
      Highlight Highlight aber in der Ökonomie gängig, sorry.
  • dmark 14.01.2019 18:52
    Highlight Highlight Man muss auch sehen, dass sich China vermehrt auf den Binnenmarkt konzentriert. Die Einkommen steigen und es bildet sich eine kaufkräftige Mittelschicht. Und man bedenke, dass chinesische Ballungszentren schon alleine mehr als die Bevölkerungszahlen der VSA stellen.
    Parallel dazu versucht das Land, seine Dollarabhängigkeit zu reduzieren. Seit gut einem halben Jahr wird ein neuer Ölindex in Shanghai gehandelt – in der Landeswährung anstatt in Dollar.
    Sicher wird der Handelsstreit mit Trump nicht ganz spurlos vorbei ziehen, aber ich glaube das beeindruckt China nicht sonderlich.
  • Raphael Stein 14.01.2019 18:24
    Highlight Highlight Die Welt basiert auf kaufen.
    • Chääschueche 14.01.2019 18:56
      Highlight Highlight @Raphael
      Nein. Auf Kredit und Geld das gar nicht existiert.



    • Maya Eldorado 14.01.2019 19:07
      Highlight Highlight Das ist unsere Religion
    • _kokolorix 14.01.2019 21:13
      Highlight Highlight @Gipfeli
      Was du sagst hat was wahres. Aber in der Realität geht es andersherum. Die Unternehmen steigern kurzfristig ihre Gewinne indem sie die Löhne senken(Arbeitszeit verlängern bei gleichem Lohn). Zusätzlich höhlen sie ihre Innovationskraft aus, indem sie die Gewinne zu grossen Teilen an Aktionäre und Management auszahlen statt in Forschung, Bildung und Produktionsmittel zu investieren. Dadurch sägen sie am Ast auf dem sie sitzen und die Politik der konservativen Wirtschaftsbanausen tut absolut nichts dagegen, im Gegenteil
  • Todesstern 14.01.2019 18:16
    Highlight Highlight Wozu auch der endlose Konsum? Übermüllung des Planten, mikroplastik in allen Lebewesen und in den Meeren, Nanopartikel aus Schwermetallen welche wieder der Nahrungskreislauf geraten.

    Weniger ist mehr. Weniger Dinge, mehr Leben. 🖖 Habt einen schönen Tag.
  • shanatschka 14.01.2019 17:53
    Highlight Highlight Und wann bricht sich nun dieser verdammte Kapitalismus das Genick?
    • _kokolorix 14.01.2019 21:17
      Highlight Highlight @diablo
      Mal sehen wie sich Klimakollaps und Oelmangel verkapitalisieren werden. Der Kapitalismus wird fallen, aber mit einer gigantischen Katastrophe, weil der Glaube an unendliches Wachstum so geil ist, dass ihn niemand ernsthaft hinterfragen will. Eine Religion halt, und die treten niemals freiwillig von der Bühne
    • zeitgeist 15.01.2019 00:36
      Highlight Highlight @diablo
      Wenn China kein kapitalistischer Staat sein soll, dann weiss ich auch nicht mehr... China ist in Tat und Wahrheit der moderne Kapitalismus in seiner reinsten Form. Man könnte das Wesen Chinas auch als kapitalistischen Kommunismus beschreiben.
  • jinglejanglee 14.01.2019 17:49
    Highlight Highlight man könnte ja aus der krise lernen...
  • namib 14.01.2019 17:33
    Highlight Highlight Das Wachstum der Wirtschaftsleistung in China 2018 entspricht in etwa dem Bruttosozialprodukt der Schweiz, China‘s Wirtschaft legte also 2018 um ein Mal die Schweizer Volkswirtschaft zu! So viel zur Wichtigkeit von China.

    Zur Abschwächung der Exporte im Dezember muss erwähnt werden, dass diese im September und im Oktober sehr stark angestiegen sind. Das hängt wohl mit Hamsterkäufen zusammen. Im Wissen, dass künftig zusätzliche Zölle verhängt werden, haben Importeure anderer Länder vorgekauft. Das muss bei der Beurteilung der Zahlen mit einfliessen.
  • YoNoFui 14.01.2019 17:17
    Highlight Highlight Argusaugen, nicht agusaugen
    • Philipp Löpfe 14.01.2019 17:28
      Highlight Highlight Stmmt, Sorry (nobody is perfect)
    • Gegu 14.01.2019 17:51
      Highlight Highlight stimmt, nicht stmmt😉
      auch löpfe kennt den montag😂
    • oldsailor 14.01.2019 22:03
      Highlight Highlight Der tolle Artikel (das Thema sauber aufgerollt und kompakt präsentiert) macht den Rechtschreibfehler absolut weg. Mehr von dir Philipp! Danke!
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