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epa08486906 An aircraft Airbus A220-300 (HB-JCS) of Swiss International Air Lines takes off at the Geneva Airport, in Geneva, Switzerland, 15 June 2020. Flights of the Swiss International Air Lines are partially resuming following a lockdown implemented to stem the spread of the SARS-CoV-2 coronavirus that causes the COVID-19 disease.  EPA/SALVATORE DI NOLFI

Wegen Corona sind über der Swiss dunkle Wolken aufgezogen. Bild: keystone

Swiss-Rettungspaket in der Schwebe: «Das ist ein Powerplay von Deutschland und der EU»

Die Schweiz will die Swiss mit Milliardenkrediten in der Luft halten. Weil der Deutsche Staat nun plötzlich Lufthansa-Aktionär ist, braucht es dazu grünes Licht aus Berlin. Dies lässt auf sich warten. Die Folgen sind ungewiss.



Um was geht es?

Die Swiss und ihre Mutter Lufthansa streichen wegen der sich ausbreitenden Coronavirusinfektion sämtliche Flüge von und nach China bis zum 9. Februar. (Archiv)

Bild: KEYSTONE

Die Corona-Krise trifft die Airlines mitten ins Herz: Jeden Tag verbrennen die Lufthansa und ihre 100-prozentige Tochtergesellschaft Swiss Millionen. Swiss-Boss Thomas Klür machte von Anfang an klar: Ohne Staatshilfe überlebt selbst die einstige Cash-Cow des Lufthansa-Konzerns den Corona-Sturzflug nicht. In Windeseile zimmerte der Bund darum ein 1,275 Milliarden Franken schweres Rettungspaket für die Schweizer Airline. Die Verträge liegen seit Wochen unterschriftsreif bereit.

Deutschland unterstützt die Lufthansa mit neun Milliarden Euro. Die EU-Kommis­sion hat die ­Hilfe aus Berlin Ende Mai nach harten Verhandlungen bewilligt. Als Gegenleistung für die Milliardenhilfe hat die Deutsche Regierung Anfang Woche über den Wirtschaftsstabilitätsfonds (WSF) 20 Prozent des Lufthansa-Aktienkapitals übernommen. Dies, nachdem Grossaktionär der Lufthansa, Heinz Hermann Thiele, nach einem langen Poker grünes Licht für das Finanzpaket gegeben hat.

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Was ist das Problem?

epa08380258 (FILE) - Lufthansa aircraft are parked on the North West runway at the Fraport International airport in Frankfurt/Main, Germany, 23 March 2020 (reissued 23 April 2020). German carrier Lufthansa on 23 April 2020 released their 1st quarter 2020 results, saying the Lufthansa Group revenues dropped by 18 per cent or 1.2 billion euro to 6.4 billion euros, compared with 7.8 billion euros in 2019, in the first quarter. The company said that in March alone, revenues declined by almost 1.4 billion euros or 47 per cent. Cost reductions could only partially offset the revenue decline in the quarter.  EPA/THORSTEN WAGNER

Die Kranich-Airline ist durch Corona arg ins Trudeln geraten. Bild: EPA

Die 9-Milliarden-Staatshilfe für die Kranich-Airline ist in der EU umstritten. Denn der Lufthansa-Konzern mit seinen Tochertfirmen Swiss, Eurowings, Austrian, Brussels Airlines hat in Europa trotz der Billig-Carrier eine grosse Marktmacht. So hat Ryanair bereits Klage gegen das Hilfspaket eingereicht.

Wie der Blick berichtete, darf der gesamte Lufthansa-Konzern laut EU-Vorgaben inklusive Tochtergesellschaften nicht mehr als 9 Milliarden Staatshilfen beziehen. Sonst wäre dies ein Verstoss gegen das EU-Wettbewerbsrecht.

Doch was passiert jetzt mit den 1,275 Milliarden aus der Schweiz? Formell muss nun der WSF das Schweizer Rettungspaket abnicken. Berlin entscheidet also, ob Bern die Schatulle öffnen darf oder eben nicht. Akzeptieren die Deutschen die Schweizer Hilfe, müssen sie das Rettungspaket für die Deutsche Lufthansa wohl um diesen Betrag stutzen. Ausser es wird nochmals mit der EU verhandelt.

Wie Tamedia berichtete, besuchte SVP-Wirtschaftsminister Guy Parmelin am Montagabend seinen Amtskollegen Peter Altmeier in Berlin. Parmelin-Sprecher Urs Wiedmer sagt zu watson, der Bundesrat habe nochmals die Position der Schweiz dargelegt. Ohne jedoch eine konkrete Antwort zu erhalten. Die Schweiz dürfe «bald» eine Entscheidung des Deutschen Staates über das Schweizer Rettungspaket erhalten.

Was bedeutet das Hickhack für die Swiss?

Ob mit oder ohne Rettungspaket: Wegen der Coronakrise kommt es bei der Swiss, wie bei den meisten anderen Airlines, zu einem Stellenabbau. Denn viele Flugzeuge stehen nach wie vor herum. Bis im Herbst will die Swiss 40 Prozent der ursprünglich geplanten Flüge anbieten. So hat die Swiss laut Inside Paradeplatz dem Flugpersonal in Ausbildung 1000 Franken angeboten, wenn sie von sich aus kündigen.

Laut Swiss-Sprecherin Karin Müller soll es nicht nicht zu Entlassungen kommen. «Es ist nach wie vor das oberste Ziel, das Unternehmen mit der gesamten Belegschaft durch diese Krise zu führen», sagte Müller auf Anfrage der Nachrichtenagentur AWP. Vielmehr solle der Stellenabbau durch natürliche Fluktuationen, Pensionierungen und neue Teilzeitmodelle in allen Personalgruppen erreicht werden.

Das Unternehmen hat für die gesamte Belegschaft bis Ende Februar 2021 Kurzarbeit angemeldet.

Zwei statt 25 neue Flugzeuge

Swiss verschiebt Flugzeugauslieferungen

Um ihre Sparziele zu erreichen, muss die Swiss auch ihre Flotte verkleinern. Bis 2024 hätte die Schweizer Airline 17 Flugzeuge des Typs A320neo und acht A321neo erhalten sollen. Zwei der neuen A320neo wurden bereits geliefert. «Aufgrund der aktuellen Situation im Zusammenhang mit der Coronapandemie werden die weiteren Neuauslieferungen verschoben», sagte Swiss-Sprecherin Müller. Ob auch bereits getätigte Bestellungen gestrichen würden, gab sie jedoch nicht bekannt.

Inwiefern sich das Hickhack um das Rettungspaket auf die Airline selbst auswirkt, ist ungewiss. Lufthansa-Chef Carsten Spohr zeigte sich in einem Interview mit der NZZ zuversichtlich, was die Entwicklung der Swiss angeht.

Der Chef der Lufthansa Carsten Spohr will Privatpersonen für Flugreisen gewinnen, indem die Fluggesellschaft die Kosten für eine allfällige Rückreise übernimmt, falls Touristen am Zielort etwa nicht einreisen dürften. (Archivbild)

Lufthansa-Chef Carsten Spohr Bild: sda

Eine der Bedingungen, die die Lufthansa mit den Schweizer Staatshilfen akzeptieren müsste, ist die Erhaltung des Flughafens Zürich als wichtiges Drehkreuz der Lufthansa. Für Spohr offenbar keine schwierig einzuhaltende Auflage: «Die Swiss ist so erfolgreich und der Schweizer Markt so lukrativ, dass wir das schon aus betriebswirtschaftlicher Logik so machen.» Sprich: Die Swiss setzt auch nach der Corona-Pandemie auf einen starken Hub Zürich.

Gegenüber Tamedia liess sowohl die Swiss wie Lufthansa verlauten, dass die Swiss die Mittel zum Überleben erhalten werde – unabhängig vom Entscheid des deutschen Staates.

Was sagt der «Swiss-Politiker»?

«Das ist ein politisches Powerplay von Seiten Deutschland und der EU.»

Thomas Hurter, SVP

Der SVP-Nationalrat und Swiss-Pilot Thomas Hurter ist überzeugt, dass die beiden Länder zuletzt eine Lösung finden werden. «Das ist ein politisches Powerplay von Seiten Deutschland und der EU. Deutschland und die Schweiz haben ein sehr hohes Interesse daran, dass die Swiss mit der Edelweiss nicht geschwächt wird. Denn die beiden Airlines waren vor Covid-19 höchst rentable Airlines und haben den Wirtschaftsstandort Schweiz selbstständig angebunden.» Davon habe auch die Lufthansa profitiert. Hurter geht davon aus, dass die Verträge bis Mitte Juli unter Dach und Fach sind.

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