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epa03188369 Chairman of Volkswagen Supervisory Board Ferdinand Piech (R) and his wife Ursula Piech (L) share a light moment prior to the general meeting of car manufacturer Volkswagen in Hamburg, Germany, 19 April 2012. Ursula Piech will be elected to the supervisory board during the meeting.  EPA/CHRISTIAN CHARISIUS

Deutschlands mächtigstes Ehepaar: Ursula und Ferdinand Piëch. Bild: EPA

Deutschlands heimlicher Kaiser Piëch regelt wieder einmal seine Thronfolge neu

Der Porsche-Piëch-Clan ist die mächtigste Familie in Deutschland. Nun will Clan-Chef Ferdinand Piëch wieder einmal einen von ihm ernannten Nachfolger bei VW in die Wüste schicken. Vorerst aber scheitert er am Widerstand des Präsidiums des Aufsichtsrates.



Der letzte deutsche Kaiser Wilhelm II. ist 1941 im holländischen Exil gestorben. Die Familie Porsche-Piëch ist jedoch kein schlechter Ersatz. Die Machtkämpfe und Intrigen haben Shakespear’sche Dimensionen und beschäftigen in regelmässigen Abständen die Wirtschaftselite genauso wie das gemeine Fussvolk.

Ein Satz genügt

Nun ist es wieder einmal so weit. Der mächtigste Mann im Clan, Ferdinand Piëch, hat mit einem einzigen Satz einen Sturm im VW-Konzern ausgelöst. «Ich bin auf Distanz zu Winterkorn», sagte er gegenüber Spiegel Online. Das genügte. Piëch ist kein Mann von grossen Worten. Er ist erstens Legastheniker und zweitens so mächtig, dass er sich nicht lange erklären muss.

Im Porsche-Piëch-Clan vereinigen sich Ingenieur-Genie und Geschäftssinn. Clan-Gründer Ferdinand Porsche war für den Ingenieur-Teil zuständig, Anton Piëch für das Business. Besagter Piëch hat Louise, die Tochter von Ferdinand Porsche, geheiratet. Ferdinand Piëch ist das dritte Kind dieser Ehe.

Wie Piëch Porsche gerettet hat

Ferdinand Piëch vereinigt beides, Ingenieur-Genie und Geschäftssinn. Das macht ihn zu einer einzigartigen Figur in der Wirtschaftsszene. Bereits als junger Mann hat er in den 1960er Jahren das Unternehmen Porsche vor dem Untergang bewahrt. Er war es, der die legendären Rennwagen konstruiert hat, welche die Langstreckenrennen wie Le Mans dominierten und der marode gewordenen Marke Porsche zu neuem Glanz verhalfen.

epa04702755 Volkswagen (VW) CEO of Martin Winterkorn stands in front of the VW logo at the Hannover Messe trade fair in Hanover, Germany, 13 April 2015. The industrial trade fair runs from 13 April until 17 April 2015. This year's partner country is India.  EPA/JOCHEN LUEBKE

Hat Grund zur Sorge: Martin Winterkorn. Bild: EPA

1972 wurde Piëch trotzdem aus dem Unternehmen Porsche verstossen. Sein Machtanspruch war der Familie unheimlich geworden und dass er ein Verhältnis mit der Frau seines Vetters Gerd Porsche eingegangen war, steigerte seine Beliebtheit innerhalb des Clans ebenfalls nicht wirklich. Piëch hat übrigens nach eigenen Angaben zwölf Kinder aus verschiedenen Beziehungen. Seit 1984 ist er mit seiner Frau Ursula verheiratet.

Wie Piëch den legendären Audi Quattro lanciert hat

Der verstossene Sohn brauchte nicht lange, um wieder Fuss zu fassen. 1972 trat er in die Dienste der VW-Tochter Audi, damals eine verschlafene Hut- und Stumpen-Marke. Piëch entwickelte den legendären Audi-Quattro und leitete damit Aufstieg in das Premiumsegment ein. Heute spielt Audi auf Augenhöhe mit BMW und Mercedes.

Das reichte Piëch noch lange nicht. Er wollte an die Spitze von VW, und das gelang ihm auch. 1993 löste er Carl Hahn als Vorstandsvorsitzender ab und mischte den Konzern sofort gründlich auf. Vom Erzrivalen GM warb er den Sanierer José Ignacio Lopez ab, sorgte damit zuerst für einen Mediensturm und danach dafür, dass im VW-Konzern kein Stein auf dem anderen blieb.

Der zurueckgetretene Porsche Vorstandsvorsitzende Wendelin Wiedeking winkt am Donnerstag, 23. Juli 2009, der Belegschaft bei einer Abschiedskundgebung vor Porsche Mitarbeitern im Werk in Zuffenhausen zu. Der 56-jaehrige Wiedeking verlaesst den Sportwagenbauer und zieht damit die Konsequenzen aus dem seit Monaten tobenden Machtkampf mit VW. Seine Nachfolge bei der Porsche AG tritt der bisherige Produktionsvorstand Michael Macht an. (AP Photo/Daniel Roland) --- Former CEO of German car maker Porsche waves good bye to employees at the Porsche factory in Zuffenhausen near Stuttgart, Germany, on Thursday, July 23, 2009. Porsche chief executive Wendelin Wiedeking is leaving the luxury sports car maker after 16 years at the helm, a move widely expected to clear the way for a merger with Volkswagen AG. (AP Photo/Daniel Roland)

Wurde von Piëch zerlegt: Wendelin Wiedeking. Bild: AP

2009 kann es zum grossen Showdown im Porsche-Piëch-Clan. Unter der Führung von Starmanager Wendelin Wiedeking war Porsche nach einer schweren Krise ebenfalls wieder zu einem äusserst erfolgreichen Unternehmen geworden. Das machte die Schwaben übermütig. In einem Coup planten sie die Übernahme der des VW-Konzerns. Das hätten sie besser gelassen. Piëch zerlegte Wiedeking und die Porsches nach allen Regeln der Kunst und integrierte seinerseits den Sportwagenhersteller in VW.

«Die Bilanz des Konzern-Herzens VW ist eine reine Katastrophe.»

Ferdinand Düdenhöffer, Auto-Papst

2002 wurde Piëch wurde Vorsitzender des Aufsichtsrats (in der Schweiz Verwaltungsrat). Das Alltagsgeschäft überliess er zunächst Bernd Pischetsrieder, den er vom Konkurrenten BMW geholt hatte. Doch was Piëch gibt, kann er auch sehr schnell wieder nehmen. Weil er mit dessen Leistung nicht zufrieden war, jagte er 2007 Pischetsrieder wieder vom Hof.

Bernd Pischetsrieder, former Chief Executive Officer of German car giant Volkswagen AG, awaits the beginning of a trial at the district court in Braunschweig, northern Germany, on Tuesday, Jan. 15, 2008. Pischetsrieder appeared as witness in the case against Volkswagen's former personnel manager Klaus-Joachim Gebauer and former workers council chairman Klaus Volkert around allegations of corruption. (AP Photo/Christian Charisius, Pool)

Wurde vom Hof verjagt: Bernd Pischetsrieder. Bild: AP Reuters Pool

Nun soll dessen Nachfolger Martin Winterkorn das gleiche Schicksal blühen. Auf den ersten Blick scheint dies reine Willkür seitens von Piëch zu sein. Unter Winterkorn eilte der VW-Konzern von Erfolg zu Erfolg und wurde hinter Toyota weltweit die Nummer zwei. Der Kurs der VW-Aktie ist auf Rekordhöhe, die Mitarbeiter haben sichere Arbeitsplätzen und anständige Löhnen, und ganz Deutschland sonnt sich im Glanz des Weltkonzerns Volkswagen. Wo also liegt das Problem?

Muss Piëch handeln?

Vielleicht ist jedoch nicht alles so rosig bei VW. «Die Bilanz des Konzern-Herzens VW ist eine reine Katastrophe», erklärte der Auto-Professor Ferdinand Dudenhöffer in einem Interview mit dem «Tages-Anzeiger» und bemängelte: Kein Konzept für die Marke, zu hohe Rabatte und im Vergleich zu GM und Toyota zu tiefe Gewinnmargen. «Piëch musste handeln. Die Luft wird dünn für Winterkorn», lautet Dudenhöffers nüchterne Analyse.

Vorläufig jedoch darf Winterkorn bleiben. Das Präsidium des VW-Aufsichtsrates hat ihm am Freitag den Rücken gestärkt. Doch sollte Dudenhöffers Einschätzung zutreffen, dann wird das Shakespear’sche Drama des Porsche-Piëch-Clans bald um ein Kapitel reicher sein – und VW wieder einmal um einen CEO ärmer.  

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Die bekanntesten Autos und ein Blick in die Zukunft
quelle: ap ny
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