Wirtschaft
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Blick auf das Huawei-Hauptquartier in Shenzen, China

Der Hauptsitz von Huawei im chinesischen Shenzen Bild: Huawei

Chinesischer Handygigant Huawei plant Forschungszentren in der Schweiz

Huawei hat soeben Apple überholt – nun will er Marktführer Samsung vom Thron stossen. In Zürich und Lausanne plant der chinesische Handy-Riese zudem Forschungszentren.

Patrik Müller aus Shenzhen / Schweiz am Wochenende



Die gute Nachricht fiel beiläufig, beim Arbeitsbesuch von Bundesrätin Doris Leuthard am Hauptsitz von Huawei, dem chinesischen Smartphone-Hersteller und Telekom-Ausrüster. Wie entwickelt sich der Konzern in der Schweiz, wo er heute – in Dübendorf ZH – 350 Mitarbeiter beschäftigt?

Diese Frage stellte die «Schweiz am Wochenende» dem CEO Eric Xu. Und der betonte nicht nur, dass die Schweiz ein wichtiger Standort sei für Huawei. Geplant sei eine Expansion: «Wir werden mehr Leute anstellen, denn in Zürich und Lausanne werden wir Forschungs- und Entwicklungszentren eröffnen.» Damit nicht genug. Eric Xu ergänzte: «Wir brauchen ausserdem mehr Mitarbeiter, um unsere Dienstleistungen für Unternehmen zu vermarkten.»

At the office of Huawei at the seat of the company in Duebendorf in the canton of Zurich, Switzerland, pictured on February 5, 2013. Huawei is a Chinese multinational networking and telecommunications equipment and services company. (KEYSTONE/Gaetan Bally)

In den Bueros von Huawei am Sitz des Unternehmens in Duebendorf im Kanton Zuerich, aufgenommen am 5. Februar 2013. Huawei ist ein multinational operierendes chinesisches Unternehmen mit dem Schwerpunkt in Entwicklung und Herstellung von Geraeten der Kommunikationstechnologie. (KEYSTONE/Gaetan Bally)

Blick in die Huawei-Büros in Dübendorf ZH. Bild: KEYSTONE

Das klingt nach einer eigentlichen Schweiz-Offensive des Konzerns, der ein fast unheimliches Wachstum hinlegt. Eben hat er Apple als weltweit zweitgrössten Smartphone-Hersteller überholt, nun will er Marktführer Samsung vom Thron stossen.

Wachsen soll der private chinesische Konzern, der 1992 ins Telekomgeschäft eingestiegen ist, auch in seinem zweiten wichtigen Standbein: Huawei rüstet Firmen mit Infrastruktur und Software aus, etwa die Telekomanbieter Swisscom und Sunrise. Deren Verwaltungsratspräsidenten Hansueli Loosli und Peter Kurer begleiteten Doris Leuthard auf ihrer China-Reise im Rahmen der Wirtschaftsdelegation.

Kampf zwischen China und USA

Huawei-CEO Eric Xu betonte, dass die globalen Wachstumspläne nur mit gewaltigen Investitionen möglich seien: Fast die Hälfte der insgesamt 180 000 Mitarbeiter arbeitet in der Forschung und Entwicklung, und dieses Jahr werden umgerechnet fast 14 Milliarden Franken investiert. Nächstes Jahr sogar 20 Milliarden.

Diese enormen Investitionen zeigen exemplarisch das Machtstreben vieler Technologiekonzerne in Shenzhen, dem «Silicon Valley» Chinas: Früher galten die Chinesen als ruchlose Nachahmer westlicher Hightech-Produkte, heute setzen sie stark auf die Entwicklung eigener Systeme. Sie wollen den Amerikanern die Technologieführerschaft abjagen.

Zum Leidwesen der US-Konzerne versucht Huawei beispielsweise, dem Standard der fünften Mobilfunk-Generation (5G) weltweit zum Durchbruch zu verhelfen. Wirtschaftshistoriker sehen im Kampf um die digitale Vorherrschaft zwischen amerikanischen und chinesischen Konzernen bereits eine Parallele zum Raumfahrt-Wettlauf zwischen den USA und der Sowjetunion in den 1950er- und 1960er-Jahren.

Zusammenarbeit mit ETH

Huawei hat sich bei den Forschungszentren für Zürich und Lausanne entschieden, weil die beiden Städte die Eidgenössische Technische Hochschule (ETH) beherbergen. Die Verträge mit der Hochschule stehen kurz vor der Unterschrift.

Bild

Bundesrätin Doris Leuthard mit Huawei-Chef Eric Xu am Konzernsitz in Shenzhen. Bild: schweiz am wochenende / patrik müller

Huawei brauche hochqualifizierte Forscher, sagte der CEO, der veranschaulichte, in welchen Dimensionen Huawei dank der konsequenten Forschungsstrategie wächst: «Als ich im Jahr 1993 bei diesem Unternehmen anfing, beschäftigte es gerade mal 20 Mitarbeiter.» Heute hat Huawei fast so viele Mitarbeiter wie die US-Giganten Apple und Google zusammen.

Wie viele neue Arbeitsplätze Huawei in Zürich und Lausanne schaffen wird, gab Xu nicht bekannt. Gemäss einem Huawei-Kader, das in die Pläne eingeweiht ist, wird der Ausbau «massiv» sein, wenn auch nicht in der Grössenordnung von Google, in dessen Forschungszentrum in Zürich mehr als 2000 Mitarbeiter tätig sind. Der Kampf um die besten Talente wird sich aber mit Sicherheit zuspitzen, wenn auch Huawei um sie buhlt.

«Die Polizei mag das sehr»

In den Forschungszentren tüftelt Huawei an Technologien, die weit über das Smartphone hinausgehen. Eine Vision heisst «Smart Cities»: Die Chinesen wollen Städte rund um den Globus vernetzen. Der Verkehr, die Stromversorgung, die städtischen Verwaltungen, die Zahlungssysteme, und sicherheitstechnische Überwachungen – alles soll mit Huawei-Geräten und -Software gesteuert und abgewickelt werden können.

Der Schweizer Delegation wurde am Huawei-Hauptsitz bereits existierende Systeme vorgeführt. «Die Polizei mag das sehr», schwärmte ein Huawei-Manager mit Verweis auf die Kamera-Überwachung von Passanten mittels Gesichtserkennung. «Möglich ist heute technologisch alles, aber wollen wir das wirklich?», fragte ein Schweizer Delegationsteilnehmer, der sich an George Orwells Buch «1984» erinnert fühlte.

Befürchtungen, wonach Huawei mit seinen Geräten und seiner Software westliche Handy-Kunden ausspioniert, wies CEO Eric Xu wortreich zurück. «Wir liefern Swisscom und Sunrise nur die Systeme und wir helfen beim Betrieb – aber die Daten selbst, die bleiben bei Swisscom und Sunrise.»

Sunrise-Präsident Peter Kurer ergänzte dazu, dass die Alternative zu chinesischen Systemen letztlich amerikanische wären. «Die Amerikaner sind diesbezüglich aggressiver», sagte Kurer, «und sie haben eine klare machtpolitische Agenda.»

Server, Handys und Netztechnologie

In der Schweiz wird kaum ein SMS oder E-Mail verschickt, das nicht mit Huawei-Technologie in Berührung kommt. In der Öffentlichkeit ist Huawei vorwiegend als Hersteller von Smartphones bekannt, welche die Firma auch mithilfe von Influencern wie Sänger Luca Hänni bekannt macht. Doch die Chinesen rüsten auch Firmen aus etwa Sunrise beim Fest- und Mobilnetz, und Swisscom beim Festnetz.

Huawei liefert die Geräte für die SBB-Kondukteure. Und viele Krankenkassen und Versicherungen haben Huawei-Server. Die Chinesen gelten als günstig. In den USA steht Huawei in der Kritik, weil die Firma eng mit der chinesischen Regierung verbunden sei und Kunden ausspionieren würde. Huawei weist diesen Vorwurf zurück. 

Bundesräte in China

DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com (umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

18
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
18Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Madmessie 11.08.2018 16:29
    Highlight Highlight Europa lässt sich anscheinend weiterhin gerne mit Zückerchen vom imperialistischen, intoleranten, menschenverachtenden chinesischen Imperium kaufen.
  • ostpol76 11.08.2018 14:50
    Highlight Highlight Ein Forschungszentrum in der Schweiz obwohl wir nicht in der EU sind.
    Das wird Herr Blunschi aber ärgern 😉
  • Paddiesli 11.08.2018 12:39
    Highlight Highlight Und dank den neuen legalen "Steuertrick", genannt Patentbox, werden sie wohl kaum Steuern bezahlen müssen.
    • Paddiesli 11.08.2018 18:00
      Highlight Highlight Die kommen mit Garantie wieder, wasps. Man "muss" ja einen Ersatz schaffen für die Privilegien, die nicht mehr legal sind.
  • Güsäheini 11.08.2018 12:26
    Highlight Highlight Traurig dass die Bundesräte ein Freihandelsabkommen mit China, ohne Probleme abschliessen können. Jedoch nicht mit dem uns kulturellen näherem Europa. Im Vergleich zu China ist die EU für uns eine liberalle Demokratie, jedoch will man lieber sich mit einer Diktatur austauschen.
    • _kokolorix 11.08.2018 17:15
      Highlight Highlight Die Chinesen sind sehr geschickt darin ihre Eigeninteressen so zu verpacken, dass sich der Verhandlungspartner in einer Gewinnerposition fühlt. Während die EU mit ihren Apparatschiks abschreckt, stellen die Amis ungerührt ihren Egoismus zur Schau und die Russen drohen unverholen mit Gewalt. So erobert China die Welt, ungeachtet der innerstaatlichen Repressionen.
    • Güsäheini 11.08.2018 18:18
      Highlight Highlight Leider ist das so. Träumen kann man nur von einem Vereinten starken Europa. Und die EU hätte tatsächlich Potential, wenn sie sich neu formiert.
  • Ökonometriker 11.08.2018 11:47
    Highlight Highlight Die Neutralität der Schweiz zahlt sich wiedereinmal aus. Wer in den USA oder der EU investiert, kann sein Geld wegen politischer Unwegsamkeiten verlieren - auch wenn er sonst gut geschäftet. In der Schweiz ist dieses Risiko viel kleiner.
    Gerade im Hightech Bereich brauchen neue Mitarbeiter ein paar Jahre, bis Sie ihr Potential voll entfalten können. Da ist Kontinuität wichtig - und die bietet die Schweiz.
  • Hierundjetzt 11.08.2018 10:57
    Highlight Highlight Tönt alles wunderbar. Es liegt aber darin, dass die CH ein Freihandelsabkommen mit China hat -und die EU nicht. Daher ist für China die CH das Sprungbrett für den EU Markt. Nur darum brauchts 2‘000 MA

    Es gibt keinen rationalen Grund, warum die 2 grösste Wirtschaftsmacht der Welt per Zufall nur mit dem europäischen Land Schweiz ein Abkommen haben sollte, einem Land mit einer Einwohnerzahl einer chinesischen Stadt

    Vielleicht will die EU die Chinesen nicht einfach so ohne Gegenleistung den Markt öffnen. Was sehr Sinn macht.

    Aber neu sind jetzt Huwaei-Produkte, CH Produkte. Oh Wunder...
    • DocShi 11.08.2018 13:53
      Highlight Highlight Es könnte ja nicht an den recht günstigen Steuern liegen oder daran dass die Schweiz zudem neutral ist. Nein, sehr unwahrscheinlich.
      Oder möglicherweise daran dass die Glasfaserserver in den Schächten vor eurer Haustüre, von Huawei geliefert werden?
      Nö, ganz sicher ist es wie du @Hierundjetzt es sagst. 😉
      Entschuldigt meinen Sarkasmus aber ich konnte mich nicht zurückhalten.
      PS: geschrieben mit nem Huaweihandy. 😁
    • pedrosuizo 11.08.2018 15:49
      Highlight Highlight Das tönt witzig. Ohne Gegenleistung? Wer kauft die überteuerten schweizer Luxusührli? Meines Wissens ist die Schweiz eines der wenigen Länder mit einen Exportüberschuss nach China...
    • Hierundjetzt 11.08.2018 17:11
      Highlight Highlight Gegenleistung: Firmengründungen. Nicht möglich in China. Nur mittels chinesischem Joint Venture. Übernahmen von chinesischen Firmen sind ausgeschlossen.

      Exportüberschuss hat rein gar nichts mit Freihandelsabkommen zu tun. Bitte informieren.
    Weitere Antworten anzeigen
  • My Senf 11.08.2018 10:13
    Highlight Highlight Forschungszentren ?🤔
    Oder eher Spionagezenter?
  • Samurai Gra 11.08.2018 09:41
    Highlight Highlight Also ich finde es schön das eine weitere Hightechfirma in Unmittelbarer nähe zu zwei ETH Standorten Forschungszentren baut, das könnte Synergien ergeben 🙂
  • Michi Sunnestich 11.08.2018 09:28
    Highlight Highlight Hat man schon vergessen, dass 2013 bei Huawei Dübendorf 9 Mitarbeiter wegen Spionage verhaftet wurden ?!?
    • Hierundjetzt 11.08.2018 12:19
      Highlight Highlight Das passt eben nicht zum Lobgesang des Artikels. Auch hat man „vergessen“ zu erwähnen das Huawei nicht im Bereich Bundesinformatik offerieren darf. Da die Struktur der Firma intransparent ist

Massiver Betrug mit gefälschten iPhones in der Schweiz aufgeflogen – so gingen Täter vor

Weil sie sich an einem ausgeklügelten Betrugssystem mit gefälschten iPhones beteiligten, wurden ein Chinese und seine Mutter vom Bezirksgericht Baden verurteilt. Apple trat als Privatklägerin auf.

Rund 1300 gefälschte iPhones aus Hong Kong – über 80 Prozent davon hatten einen Wasserschaden oder Batterieprobleme – sollen der 34-jährige Chinese Tian (Name geändert) und seine 56-jährige Mutter in Apple-Läden in der ganzen Schweiz in den Jahren 2015 bis 2019 gegen neue Geräte eingetauscht haben. Der laut dem Regionaljournal SRF Aargau-Solothurn schweizweit bisher einzig bekannte Fall wurde an zwei Tagen vor dem Bezirksgericht Baden behandelt.

Auch wenn Tian nicht der eigentliche Drahtzieher …

Artikel lesen
Link zum Artikel