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In den Migros- und Coop-Regalen stehen immer mehr vegane Produkte. bild: keystone

Migros und Coop machen mit veganen Produkten ein Millionen-Business

Die Detailhändler machen mit dem veganen Ernährungstrend grosse Kasse und bauen das Sortiment aus. Doch nun gibt es Anzeichen, dass das Wachstum Grenzen hat.

Benjamin Weinmann / ch media



Was einst als Hippie-Food abgetan wurde, ist heute Mainstream: Vegane Lebensmittel. Das zeigt ein Blick in die Regale von Migros und Coop. Die Detailhändler haben den Trend erkannt und massgeblich zu seiner Massentauglichkeit beigetragen. Einerseits, um die Kunden bei Laune zu halten. Andererseits, weil die Händler bei Spezialitäten und Innovationen generell den Preis höher setzen können und somit mehr Marge kassieren.

Neuste Zahlen, die der Marktforscher Euromonitor für diese Zeitung ausgewertet hat, belegen das vegane Wachstum hierzulande. Der Umsatz mit Milch-Alternativen ist von 5.7 Millionen Franken im Jahr 2014 auf heute 7.5 Millionen Franken angestiegen. Noch stärker fällt das Wachstum bei Fleisch-Alternativen sein: Wurden damit vor fünf Jahren erst 13.6 Millionen Franken umgesetzt, sind es heute 17.1 und in drei Jahren dürften es laut Euromonitor-Prognosen knapp 23 Millionen Franken sein.

Bei der Migros und Coop heisst es denn auch, man habe das vegane und vegetarische Sortiment zuletzt stark ausgebaut. Bei der Migros sind es 700, bei Coop 800 Artikel.

Raclette auf Bohnenbasis

Aktuell sind vegane Burger-Plätzchen im Trend. Beide Händler verweisen auf die gute Nachfrage beim neuen «Beyond Burger» des kalifornischen Start-ups Beyond Meat, der zu einem Fünftel aus Erbsen als pflanzliches Protein besteht. Der Rest sind Fette, Spurenelemente und Wasser. Für den fleischig-roten Farbton kommen Randen zum Zug. Kartoffelstärke und Kokosnussöl sollen für eine fleischähnliche Konsistenz sorgen.

Raclette auf Bohnenbasis und veganes Fondue Chinoise

Beide Grossverteiler haben inzwischen ein grosses Angebot an Milchersatzgetränken auf Soja-, Reis, Hafer-, Mandel- oder Cashew-Basis. Bei Coop gibt es neu sogar eine Hanf-Milch. Gefragt seien zudem pflanzenbasierte Käse und Joghurts. Die Migros bietet saisonal Raclette auf Bohnenbasis an sowie einen veganen Fondue-Chinoise-Mix.

Die Migros verkauft die veganen Produkte einerseits in ihren Supermärkten, insbesondere aber in den Bio-Geschäften von Alnatura, die sie hierzulande betreibt. Coop hingegen ging vor zwei Jahren in die Offensive und eröffnete am Bahnhof Zug einen «Karma»-Laden, der nur vegetarische und vegane Artikel im Regal hat. Nebst veganen Hotdogs und Sandwiches sind auch vegane Kosmetikprodukte im Angebot. Der Name «Karma» stammt von der Produktlinie, die Coop 2013 eingeführt hat.

Zürcher Karma-Shop schon wieder zu

Zur Eröffnung des Shops kam sogar Coop-Chef Joos Sutter. Er unterstrich die strategische Bedeutung des Food-Trends für die Firma, denn: «Rund 40 Prozent der Schweizer Bevölkerung verzichten bewusst einmal pro Woche auf Fleisch.» Es folgte ein weiterer «Karma»-Ableger in Zürich.

Dennoch gibt es Anzeichen dafür, dass das Wachstum nicht grenzenlos ist. So blieb der Pro-Kopf-Konsum von Fleisch laut der Branchenorganisation Proviande im letzten Jahr mit 52 Kilogramm hierzulande stabil. Und wie die «Handelszeitung» berichtete, wurde der Zürcher «Karma»-Shop bereits wieder geschlossen, und Expansions-Pläne für einen Standort in Fribourg hat Coop begraben.

Fleischabtelung in der Coop - Filiale in Zumikon (ZH) am Dienstag, 13. Dezember 2016. Der neue Coop in Zumikon ist die erste Coop-Verkaufsstelle, die komplett nach neuen Ladenkonzept realisiert wurde. (KEYSTONE/Walter Bieri)

Der Fleischkonsum blieb mit 52 Kilogramm pro Kopf im letzten Jahr stabil. Bild: KEYSTONE

Die Flexitarier sollen es richten

Die Hoffnungen der Detailhändler ruhen auf den so genannten Flexitariern: Kunden, die sich gerne ab und zu vegetarisch und vegan ernähren und in den Fleisch-Alternativen in erster Linie eine Möglichkeit sehen, zwischen einer Kalbsbratwurst und einem Schweinekotelette mal etwas Neues auszuprobieren.

So betont eine Migros-Sprecherin: «Wir rechnen damit, dass es sich nicht nur um einen kurzfristigen Hype handelt, sondern um einen langfristigen Trend.» (bzbasel.ch)

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