Wirtschaft
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Der Goldpreis stürmt auf neue Rekordwerte zu – acht Antworten auf die wichtigsten Fragen

Im März stürzte der Goldpreis zusammen mit den Börsen ab – um anschliessend wieder stark zuzulegen. Acht Antworten zu den Hintergründen.

Roman Schenkel / ch media



Gold im Tresor der Schweizerischen Nationalbank, aufgenommen am 21. Februar 2001 in Bern.  (KEYSTONE/Martin Ruetschi)

Goldbarren im Tresor der Schweizerischen Nationalbank. Bild: KEYSTONE

Wie stark ist der Goldpreis gestiegen?

Der Goldpreis steigt und steigt. Die Nachfrage nach einer sicheren Wertanlage ist aufgrund des anhaltenden Coronavirus-Pandemie ungebrochen. Das Edelmetall hat in diesem Jahr um über 17 Prozent zugelegt. Am Dienstagabend lag der Preis für ein Unze Gold (31.1 Gramm) bei 1781 Dollar. Erstmals seit 2012 könnte der Goldpreis wieder über die Marke von 1800 Dollar springen. Auch das Allzeithoch von 1921 Dollar scheint greifbar.

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Was sind die Gründe für den Anstieg?

Grundsätzlich bildet sich der Goldpreis wie bei anderen Gütern aus Verhältnis von Angebot und Nachfrage. Zuletzt wuchs das Kaufinteresse kräftig, doch Gold ist nicht beliebig vermehrbar, die Bestände wachsen nur langsam. Ein Preisanstieg ist die Folge. Gründe für das hohe Kaufinteresse gibt es aktuell einige. An erster Stelle natürlich die hohen Unsicherheiten im Zusammenhang mit der Coronavirus-Pandemie. In unsicheren Zeiten übt das Metall auf Anleger grosse Anziehungskraft aus.

Wieso stieg der Goldpreis schon vor Corona an?

Covid-19 ist nur indirekt verantwortlich für den steigenden Goldpreis. «Hauptgrund ist die expansive Geldpolitik der Zentralbanken und die dadurch fallenden Realzinsen», sagt Giovanni Staunovo, Rohstoffexperte bei der Grossbank UBS. Gold sei dadurch als «sicherer Hafen», als vor Inflation geschützte Anlage gesucht. Die Corona-Pandemie funktioniert als Beschleuniger, da sie weitere Stimulierungsmassnahmen durch die Regierung und die Notenbank erforderlich machen könnte. Die Zentralbanken signalisierten, dass sie ihre expansive Massnahmen beibehalten möchten.

Wer kauft derzeit Gold?

«Haupttreiber sind Goldinvestoren, die börsenkotierte Anlageinstrumente kaufen», erklärt Staunovo. In den ersten fünf Monaten des Jahres gab es gemäss dem World Gold Council Zuflüsse von 623 Tonnen in börsenkotierte Fonds (Gold-ETF). So viel wie nie zuvor. Laut Commerzbank liegen deren Bestände mit 102.8 Millionen Unzen inzwischen auf dem höchsten Niveau seit 2013. Diese dürften weiter ansteigen.

Umgekehrt ging der Bedarf für Schmuck stark zurück. «Die Schmuckindustrie ist preissensitiv, zudem gab es wegen Covid-19 Friktionen im Handel», sagt Staunovo. Die Schweizerische Zollverwaltung weist etwa für den Export nach China und Indien vergleichsweise tiefe Lieferungen aus. Umgekehrt gab es für die USA im April und Mai dieses Jahres Rekordexporte von über 100 Tonnen. «Das ist auf Verwerfungen am Gold-Futures Markt zurückzuführen», erklärt der Rohstoffanalyst. Die Investoren bevorzugen physisches Gold statt Papiergeld.

Was machen die Zentralbanken?

Die Zentralbanken kaufen weniger Gold ein als auch schon. Die chinesische Zentralbank hat 2020 kein Gold gekauft und die russische Zentralbank, zuletzt der grösste Käufer, hat ihre Zukäufe im März gestoppt. Am aktivsten ist die türkische Zentralbank, die 2020 bereits mehr als 100 Tonnen gekauft hat. Auch Indien hat 18 Tonnen gekauft. Verkauft haben Deutschland und Sri Lanka. Die deutsche Bundesbank verkauft grössenteils Gold um Münzen zu prägen. Am meisten Gold besitzen die Zentralbanken der USA (8133.5 Tonnen), vor Deutschland (3363.6 Tonnen) und Italien (2451.8 Tonnen). Die SNB liegt mit 1046 Tonnen Gold an siebter Stelle.

Gibt es überhaupt genug Gold zum Handeln?

Das Coronavirus hat nicht nur zu Turbulenzen an den Finanzmärkten geführt sondern auch am Goldmarkt. Unterbrechungen bei der Lieferkette beeinträchtigen im März die Herstellung von neuen Goldbarren. Aufgrund der angeordneten Schliessungen von Fabrikationsstätten im Tessin können die dortigen Raffinerien keine neuen Goldbarren schmelzen. Vier der weltweit grössten Goldraffinerien befinden sich in der Schweiz, drei davon im Tessin. Von einem Goldmangel könne aber nicht gesprochen werden. Es gebe genügend oberirdische Goldbestände, sagt Staunovo. Der höhere Goldpreis aktiviere diese, die via Altgold wieder auf den Markt kommen.

Dauert die Preishausse an?

Viele Banken haben ihr Kursziel erhöht, auch die UBS. «Wir gehen im Hauptszenario von 1800 Dollar pro Feinunze aus. «Werden die Turbulenzen an den Finanzmärkten länger andauern, sind gemäss unserem Positivszenario durchaus auch 1900 bis 2000 Dollar möglich», sagt Staunovo. Beruhige sich die Pandemie zügiger als erwartet, könnte der Goldpreis laut Negativszenario auf 1500 bis 1400 Dollar einbrechen.

Wie entwickeln sich andere Edelmetalle?

Neben Gold werden vor allem Silber, Platin und Palladium gehandelt. Diese werden viel stärker als Gold in der Industrie eingesetzt, ihr Kurs ist deshalb stärker vom Wirtschaftseinbruch betroffen. «Erholt sich die Wirtschaft, hat Silber Potenzial, aber es ist doppelt so volatil wie Gold», sagt Staunovo. Daneben hat Palladium einen guten Ausblick. «Allerdings», betont der Rohstoffexperte, kann Palladium sehr illiquide sein und ist nur für risikobereite Investoren geeignet.»

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8Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • aglio e olio 01.07.2020 12:19
    Highlight Highlight Fände es passend konsequent von der Feinunze zu sprechen wenn es um diese geht. Eine Unze sind immerhin ~3g weniger.
  • techniker 01.07.2020 11:33
    Highlight Highlight Obwohl bekannt wurde, dass etwa 4% von Chinas Goldreserven fake sein könnten, glauben immer noch Leute an das schöne Gold. Good luck!
  • Snowy 01.07.2020 10:49
    Highlight Highlight Gut wer schon Gold im Portfolio hat - nun ist es zu spät um einzusteigen.
    • Publicagent 01.07.2020 11:57
      Highlight Highlight Da möchte ich intervenieren, gewisse Minen wie etwa die Pebble Mine in Südalaska können ihre riesigen Vorkommen nur heben, wenn der Goldpreis längerfristig auf einem ähnlichen Niveau bleibt wie dies momentan der Fall ist. Einfach gesagt muss der Goldpreis hoch genug sein, dass die bei diesem Gesteinsvorkommen sehr hohen Extraktionskosten des Materials, profitabel gedeckt werden können. Was ich damit sagen will ist, dass es im Rohstoffsektor und gerade jetzt im Goldbereich durchaus noch attraktive Investitionsmöglichkeiten gibt, auch wenn man denkt, dass man jetzt bereits zu spät ist. =)
    • Snowy 01.07.2020 16:11
      Highlight Highlight Danke für diesen Insight.
  • stoked 01.07.2020 09:43
    Highlight Highlight Gold zeigt uns, was bald mit Bitcoin passieren wird. Beide Vermögensanlagen haben eine rosige Zukunft vor sich.
  • MeinAluhutBrennt 01.07.2020 08:58
    Highlight Highlight Zum Glück glaube ich völlig überzeugt an unser weltweites Finanzsystem und bin überhaupt nicht beunruhigt. Der Glaube gibt mir Halt!

    Je mehr TV ich konsumiere desto mehr festigt sich mein Glaube.
  • Abendländer 01.07.2020 07:58
    Highlight Highlight Eine 1960 ins Sparbuch einbezahlte 100er Note hat per Heute eine Kaufkraft von 24 Fr. Deshalb ist es vernünftig nur minimale Cash-Bestände zu halten. Ferner ist zwingend geraten Vermögen welche die Eilagensicherung (100‘000Fr/pro Bank und Person) in materielles Vermögen umzuschichten. (Bankpleiten, Negativzins, Bargeldabschaffung, schleichende Enteignungen)

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