Wirtschaft
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epa06358486 A photo released by the North Korean Central News Agency (KCNA), the state news agency of North Korea, on 30 November 2017 shows the launch of the newly developed inter-continental ballistic missile Hwasong-15 from an undisclosed location in North Korea, 29 November 2017.  EPA/KCNA EDITORIAL USE ONLY  EDITORIAL USE ONLY

Start einer Interkontinentalrakete in Nordkorea am 30. November 2017. Bild: EPA/KCNA

Interview

«Ein Krieg in Korea wäre wirtschaftlich zu verkraften»

China, Japan und Indien – alle drei asiatischen Grossmächte befinden sich derzeit in guter Form. Selbst Donald Trump und Kim Jong Un können sie nicht aus der Bahn werfen, glaubt der Portfolio-Manager Daryl Liew von Reyl & Cie. in Singapur.



Die Asienreise von Donald Trump wurde bei uns als eine Abschiedsreise einer Supermacht interpretiert. Wie sehen das die Asiaten?
Wir waren vor dem Besuch sehr nervös, schliesslich hat Trump im Wahlkampf immer wieder mit Handelskriegen gedroht. Aus unserer Sicht ist es aber ganz gut gelaufen. Die Treffen mit den verschiedenen Staatschefs waren erfolgreich. Es hätte viel schlimmer kommen können, deshalb sind wir erleichtert.  

Daryl Liew

Daryl Liew, Portfolio Manager der Reyl Bank in Singapore.

Keine Angst mehr vor Sanktionen und Handelskriegen?
Was Trump vor laufenden Kameras und hinter verschlossenen Türen sagt, ist nicht immer das Gleiche. Er hört offenbar auf seine Berater. Aber bei Trump weiss man nie genau, woran man ist. Doch solange die US-Wirtschaft brummt, scheint die Gefahr gebannt zu sein.  

«Länder, die sich Peking widersetzen, werden heute schon hart bestraft.»

Er hat jedoch den Handelsvertrag mit Asien, den TPP, platzen lassen. Wie beurteilen Sie das?
Darauf waren wir vorbereitet, selbst Hillary Clinton wollte ja den TPP neu verhandeln. Jetzt versuchen wir, einen solchen Vertrag ohne die Amerikaner zu realisieren.  

Der grosse Gewinner wird dann China sein.
Ja, die Chinesen füllen das Vakuum, das die Amerikaner hinterlassen, mit Freude aus. Mit dem riesigen Infrastrukturprojekt «One Road One Belt» bauen sie ihren Einfluss gewaltig aus.

Welche Gefühle löst Chinas Aufstieg zu einer Supermacht in Asien aus?
Gemischte. Länder, die sich Peking widersetzen, werden heute schon hart bestraft. So wurde beispielsweise der Premierminister von Singapur nicht zur «One-Road-One-Belt»-Konferenz eingeladen, weil er sich nicht dem Willen der Chinesen gefügt hat. Solche Vorfälle beginnen sich zu häufen.  

epa05965262 Attendees meet during the Roundtable Summit Phase One Sessions of Belt and Road Forum at the International Conference Center in Yanqi Lake, north of Beijing, China, 15 May 2017. The Belt and Road Forum runs from 14 to 15 May, and it is expected to lay the groundwork for Beijing-led infrastructure initiatives aimed at connecting China with Europe, Africa and Asia.  EPA/LINTAO ZHANG / POOL

Die «One-Belt-One-Road»-Konferenz vom Mai 2017 in Peking. Bild: EPA/GETTY IMAGES POOL

China gewinnt aber auch an Respekt und Bewunderung. Das westliche Modell gilt zunehmend als dekadent.
Wirtschaftlich trifft dies zu, und nicht nur für China. Auch Indien ist ein schlafender Riese, der endlich aufwacht. Der Handel zwischen den beiden Ländern hat sich beinahe verzehnfacht.  

Historisch gesehen sind die Asiaten nicht immer friedlich miteinander umgegangen. Japaner und Chinesen waren einst Todfeinde, zwischen China und Indien gibt es nach wie vor Grenzkonflikte.
Die Japaner verfolgen den Höhenflug der Chinesen misstrauisch und versuchen, zusammen mit Südkorea und Australien dagegen zu halten. Vor allem die Tatsache, dass die Chinesen militärisch massiv aufrüsten, sorgt für Unbehagen. Die Chinesen ihrerseits wollen das Südchinesische Meer beherrschen, um sich vor Angriffen und Blockaden zu schützen.  

«Die Nordkoreaner werden ihre Atomwaffen auf keinen Fall aufgeben.»

Japan ist der Verlierer des geplatzten Handelsabkommens TPP. Wird sich das Land langsam von den USA entfremden und vermehrt auf eigenen Beinen stehen?
Japan geht es derzeit gut bis sehr gut. Die Wirtschaft läuft und die Konzerne erwirtschaften ansehnliche Gewinne. Zudem hat die Abhängigkeit von Exporten abgenommen, zwei Drittel des Bruttoinlandprodukts werden heute auf dem Binnenmarkt erzielt.

Die Dynamik der Achtzigerjahre hat Japan jedoch eingebüsst.
Das hängt mit der demographischen Entwicklung zusammen. Die japanische Bevölkerung ist alt und sie schrumpft. Politisch ist das Land derzeit geeint. Premierminister Abe hat soeben die Wahlen wieder gewonnen. Insgesamt sind wir, was Japan betrifft, derzeit sehr optimistisch gestimmt.  

epa06371419 A supporter of Dr Bhim Rao Ambedkar gets a free eye examination during the celebration for Ambedkar 61st death anniversary in Mumbai, India, 06 December 2017. Thousands of people from Maharashtra and neighboring states gather at Ambedkar's memorial 'Chaitya Bhoomi' in Mumbay to pay tribute to the iconic low-caste Hindu leader who fought against discrimination on the basis of caste.  EPA/DIVYAKANT SOLANKI

Feiernde Frau. Auch in Indien hat die Wirtschaft Tritt gefasst. Bild: EPA/EPA

Indien ist die dritte asiatische Grossmacht. Wie beurteilen Sie die Lage dort?
Seit Premierminister Modi vor drei Jahren an die Macht gekommen ist, sind massgebende Reformen verwirklicht worden. Vor allem ist es dank der Digitalisierung gelungen, allen Indern eine Identitätskarte zu ermöglichen. Heute gibt es eine zentrale Datenbank, in der fast alle Einwohner erfasst sind. Dank dieser digitalen Identitätskarte haben diese Menschen nun auch Zugang zum Bankensystem. Das ist ein wichtiger Schritt im Kampf gegen die Korruption und zur wirtschaftlichen Entwicklung des Landes.

Tönt ja alles wunderbar. Insgesamt scheint Asien sehr gut dazustehen.
Ja. China ist bereits nicht mehr auf ein rasantes Wachstum der Wirtschaft angewiesen und hat begonnen, mehr Wert auf Umweltfragen und Fragen der Lebensqualität zu legen.  

Was aber ist mit Nordkorea? Ist das nur ein Problem für die Amerikaner?
Niemand kann ein Interesse an einem Krieg haben. Nord- und Südkorea wollen eine Wiedervereinigung, aber jeweils nach ihren Vorstellungen. China will den Status quo erhalten, weil es weder Millionen von koreanischen Flüchtlingen aufnehmen noch US-Truppen an seiner Grenze will. Die Amerikaner werden nervös, weil mit Atomsprengköpfen bestückte nordkoreanische Raketen bald ihr Land erreichen können. Die Nordkoreaner werden ihre Atomwaffen auf keinen Fall aufgeben, weil sie gesehen haben, was mit Saddam Hussein und Muammar al-Gadaffi geschehen ist. Deshalb ist die Lage blockiert, niemand hat Handlungsspielraum.  

Nordkorea: Dritter Raketentest in einem Monat

Video: srf/SDA SRF

Es könnte ja sein, dass Trump die Nerven verliert.
Menschlich wäre es eine Tragödie, die Südkoreaner werden deshalb alles unternehmen, um dies zu verhindern. Wirtschaftlich hingegen wären die Folgen zu verkraften. Ich habe ein mögliches Kriegsszenario analysiert und bin zum Schluss gekommen, dass es vergleichbar wäre mit den Schäden, die der Tsunami 2011 in Japan angerichtet hat. Die japanischen Aktienkurse brachen um rund 30 Prozent ein, erholten sich jedoch sehr rasch wieder. Ein kurzer Koreakrieg – einen langen halte ich für unwahrscheinlich – hätte eine ähnliche Wirkung.  

Gilt das auch für einen Atomkrieg?
Nein, aber Nordkorea wird keine Atomwaffen gegen Südkorea einsetzen. So dumm sind die nicht. Die Folgen eines Atomkrieges sind nicht abzuschätzen.

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