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Kommentar

Elon Musks Schleuderkurs mit Bitcoin. Ist das noch Genie oder schon Wahnsinn?

13.05.2021, 16:46

Jetzt hat er den Rückwärtsgang eingelegt. Tesla werde in Zukunft keine Zahlungen mehr in Bitcoin entgegennehmen, tweetete Tesla-Chef Elon Musk. Man sei besorgt über den rasant wachsenden Einsatz von fossilen Brennstoffen – vor allem von Kohle – für Bitcoin-Mining und deren Transaktionen.

Nach dem Tweet fiel der Kurs von 54'000 auf 46'000 Dollar (Aktuell 50'600 Dollar).

Teslas Statement kommt überraschend. Erst vor drei Monaten verkündete der Autobauer, Bitcoins im Wert von 1,5 Milliarden Dollar erstanden zu haben (ungefähr 43'000 Bitcoins). Fünf Wochen später erhielten Käufer in den USA die Möglichkeit, Fahrzeuge mit Bitcoins zu bezahlen. Tesla schien auf Bitcoin zu setzen. Gestern Nacht folgte der U-Turn.

Kryptowährungen seien in vielerlei Hinsicht eine gute Sache und würden in Zukunft florieren. Dies dürfe aber nicht auf Kosten der Umwelt passieren, heisst es in Musks Statement weiter. Man werde sich nach Kryptowährungen mit weniger Energieverbrauch umsehen.

Die Debatte um den Energieverbrauch von Bitcoin ist nicht erst gestern aufgepoppt wie ein Airbag, sie schwelt seit Jahren. Die direkte Umrechnung des Energieverbrauchs in Transaktionen kann man machen, ist aber Unsinn. Bitcoins Energiekonsum dient der Sicherung des Systems. Diese Leistung müsste aus der Rechnung ausgespart werden. Auch dieses Problemfeld wurde bereits ausführlich beackert.

Die Recherchen vor einem 1,5-Milliarden-Investment werden den wertvollsten Autobauer der Welt mit diesen Fragen konfrontiert – und die Antworten darauf, ihn zufrieden gestellt haben.

Auch Musks Umgang mit Dogecoin wirkt salopp: Die zahlreichen Sympathiebekundungen halfen mit, den Wert des Spasscoins zu vervielfachen. Wer etwas Kenntnis der Materie hat, weiss, dass jedes Jahr 5 Milliarden des Hundecoins produziert werden. Die Obergrenze für die Anzahl Dogecoins wurde 2014 vom Gründer aufgehoben (was auch viel zur Dezentralisierung aussagt). Aktuell entspricht das einer Inflation von ungefähr 4 Prozent. Ausserdem wird auch dieses System mit Proof of Work gesichert. Der steigende Kurs hat dazu geführt, dass aus Doge ein Energiefresser wurde.

Und dann nennt Musk in «Saturday Night Live» Dogecoin «a hussle» – eine Abzocke. Natürlich war's nur Spass. Weniger lustig war's für diejenigen, die ihm blind folgten. Der Preis fiel noch während der Show um mehr als 20 Prozent.

Musks Umgang mit Kryptowährungen wirkt ... fahrig.

Doch einem der grössten Visionäre unserer Zeit Oberflächlichkeit oder gar Unwissenheit zu attestieren, wäre lächerlich – auch wenn sein Schleuderkurs aussieht, wie eine Folge von Kurzschlussreaktionen. Aber Musk weiss genau, was seine Tweets auslösen, oder was passiert, wenn er in einer Talkshow an einem Joint zieht.

Im Minimum bleibt er im Gespräch. Ein geschickter Schachzug von einem CEO, der nur mit Widerwillen Geld für Werbung ausgibt. Er bleibt im Gespräch und bewahrt sich sein Image als unberechenbarer und bisweilen autodestruktiver Disruptor. Auch das ist durchaus gewollt – oder anders gesagt: Er kann vermutlich nicht anders. Wo persönliche Zwänge aufhören und strategisches Denken beginnt, ist gerade bei Musk kaum eruierbar. Musk ist ein Paradebeispiel von Genie und Wahnsinn.

Im Mai 2020 twitterte er zum Schrecken aller Tesla-Fans, in seinen Augen sei der Preis einer Tesla-Aktie zu hoch. Wie zu erwarten war, stürzte der Preis ab. Minus 10,3 Prozent. An einem Tag. Doch so endet die Geschichte nicht. In den folgenden Wochen stieg der Kurs wie Reinhold Messner in seinen besten Jahren. Zwölf Monate später beträgt der Wert von Tesla das Vierfache.

Eine ähnliche Strategie könnte man auch hinter Musks Bitcoin-Klatsche vermuten. Bisher wurde das Umwelt-Narrativ vor allem von den Gegnern dominiert – mit Halbwissen und basierend auf einem sehr kurzfristigen Zeithorizont. Visionär Musk wird weiter denken. Zum Beispiel an seine Firma SolarCity, an seine Batterien ... und vielleicht auch an das Argumentarium der Investmentfirmen Square und ArkInvest. Darin wird erklärt, wie Bitcoin-Mining die Umstellung auf erneuerbare Energien antreibt.

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