Wirtschaft
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Die Migros steckt in der Uber-Falle

In Genf testet der Händler einen neuen Food-Lieferdienst – das schmeckt den Gewerkschaften nicht.

Benjamin Weinmann, Genf / ch media



Den Lebensmitteleinkauf online erledigen, das ist bei der Migros schon länger möglich. Seit 2006 gehört die Plattform Leshop zum Portfolio der Detailhändlerin. Darauf können die Kunden ihr Mineralwasser, ihr Brot und ihre Weinflaschen bestellen und nach Hause liefern lassen.

Doch nun geht die Migros Genossenschaft Genf einen neuen Weg. Sie ist vor kurzem eine Kooperation mit dem Genfer Food-Lieferdienst Smood eingegangen – einem Konkurrenten zum US-Anbieter Uber, der mit seinem Angebot «Uber Eats» ebenfalls Mahlzeiten ausliefert. Smood arbeitete bisher mit Restaurants zusammen und ist seit zwei Jahren auch in Zürich unterwegs. Der Essenskurier zählt rund 400 Angestellte.

Die Essenslieferdienste Takeaway.com und Just Eat fusionieren - und dürften damit gegenüber neu eintretenden Playern auf dem Markt wie Uber Eats in einer noch besseren Position sein. Im Bild: Uber-Eats-Velokurier in Genf (Archivbild).

Migros arbeitet mit Uber-Eats-Konkurrent Smood zusammen. Bild: KEYSTONE

Doch weshalb setzt die Migros auf Smood, wenn sie doch schon Leshop.ch hat? Und in Bern testet die Migros ein ähnliches Konzept namens Miacar.

Philippe Echenard, Chef der Migros Genf, sagt zu CH Media: «Mit Smood ist der Einkauf noch schneller möglich als bei Leshop und Miacar. Innerhalb von maximal einer Stunde haben die Kunden ihre Ware zuhause.»

Diese Flexibilität werde von den Kunden zunehmend gewünscht. Die Lieferpauschale beträgt mindestens 4.85 Franken, das Sortiment umfasst 5000 Artikel. Bei Leshop erfolgt die Lieferung frühestens am Tag nach der Bestellung und kostet mindestens 2.90 Franken.

Brisante Zusammenarbeit

Die Smood-Kooperation ist durchaus brisant. Denn erst letzte Woche gab die Migros bekannt, ihr Projekt «Amigos» einzustampfen. Damit ermöglichte es die Migros, dass Privatpersonen für Fremde den Einkauf erledigen und dabei etwas dazuverdienen. Shopping nach dem Uber-Modell quasi. Wie die Amerikaner sah sich auch die Migros nicht als Arbeitgeberin – was ihr Kritik einbrachte (siehe Box unten).

Und in Genf will der Kanton den Marktführer Uber gar verbieten. Der Vorwurf lautet auch hier: Scheinselbstständigkeit. Der Rekurs ist hängig. Migros-Genf-Chef Echenard verteidigt im Gespräch die Partnerschaft mit Smood. Sie sei anders. Es handle sich im Gegensatz zu Uber um eine einheimische Firma, die ihre Mitarbeitenden korrekt anstelle.

Allerdings machte der «Kassensturz» vergangene Woche publik, dass die Kuriere 19 Franken pro Stunde brutto verdienen sowie für private Auslagen wie das Handy oder das Fahrzeug mehrheitlich selber aufkommen müssen – ohne garantierte Arbeitszeit.

Schicht-Arbeitspläne würden meist kurzfristig verschickt. 14 Smood-Fahrer haben bei der Gewerkschaft Syndicom Hilfe gesucht. Die Firma versprach, den kritisierten Punkten nachzugehen und sie allenfalls zu korrigieren.

Unia-Sprecher Philipp Zimmermann sagt, dass die Smood-Lieferanten zwar arbeitsrechtskonform angestellt seien. «Es ist keine so krasse Missachtung der Regeln wie im Fall von Uber.» Die von der TV-Sendung aufgedeckten Mängel seien aber besorgniserregend und sinnbildlich für die prekären Zustände in der Kurierbranche.

Störend sei vor allem, dass sich die Migros als grösste private Arbeitgeberin der Schweiz auf solche Arbeitsmodelle einlasse und damit umstrittene Arbeitsformen fördere. «Die Migros sollte die Kuriere gemäss dem Migros-Gesamtarbeitsvertrag anstellen, anstatt auf Subunternehmen auszuweichen, die Dumpinglöhne zahlen», so Zimmermann.

Migros-Chef Echenard geht auf die Forderung ein. «Wenn das Projekt Erfolg hat und in weiteren Genossenschaften der Migros zur Anwendung kommt, ist ein Gesamtarbeitsvertrag das Ziel.» Vorerst handle es sich aber noch um ein Pilotprojekt. Die Hauslieferung sei nun mal ein neuer und schnell wachsender Wirtschaftszweig, in dem es noch keinen Gesamtarbeitsvertrag gebe. Einen solchen würde er aber für die Branche begrüssen.

Massenentlassung bei Amigos?

Vor eineinhalb Jahren startete die Migros in Zürich die App «Amigos». Darauf war es möglich, dass ein Kunde für einen anderen Kunden den Einkauf tätigt und die volle Tasche nach Hause bringt. Dafür erhielt er eine Pauschale von 7.90 Franken, quasi als Taschengeld

Einige Wochen zuvor hatte die «SonntagsZeitung» darüber berichtet, dass die Ausgleichskasse des Kantons Zürich die «Amigos» nicht bloss als Nachbarschaftshelfer, sondern als Lieferanten einstuft. Das heisst: Es sind Angestellte und keine Selbstständigen. Die Unia spricht denn auch von einer Massenentlassung und fordert nachträgliche Lohn- und Sozialzahlungen.

CH Media weiss: Der Fall beschäftigt die Migros-Juristen. Nun äussert sich die Händlerin zur Kritik der Gewerkschaft. Man habe nie zur sogenannten «Uberisierung» der Arbeitsbedingungen beitragen wollen, heisst es auf Anfrage. Im Zentrum sei der Nachbarschaftsgedanke gestanden. Denn die Migros wolle für faire und fortschrittliche Anstellungsbedingungen stehen. Wäre «Amigos» weiterentwickelt worden, hätte man die arbeitsvertragliche Situation der Bringer geklärt und die Rolle schärfer definiert.

Die Migros sieht die Bringer der Amigos-App nach wie vor nicht als Angestellte. Nachträgliche Lohnzahlungen und das Aussprechen von Kündigungen, so wie es die Unia im Sinne einer Massenentlassung fordert, halte man deshalb nicht für nötig. (bwe)

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Das Leben von Migros-Gründer Gottlieb Duttweiler

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