Wirtschaft
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Self checkout at Coop Sihlcity in Zurich, pictured on January 29, 2015. (KEYSTONE/Christian Beutler)

Self Checkout im Coop Sihlcity am 29. Januar 2015 in Zuerich. (KEYSTONE/Christian Beutler)

4000 Self-Scanning-Kassen betreiben Coop und Migros. Bild: KEYSTONE

Einst waren die Kunden Könige, heute sind sie Mitarbeiter

Die Hälfte aller Migros-Kunden benutzt zu Stosszeiten bereits Self-Scanning-Kassen – zum Nachteil der Angestellten?

Philipp Felber / schweiz am wochenende



Die Kassen in der kleinen Coop-Filiale am Oltner Bahnhof sind verwaist. Ein Mitarbeiter mustert kurz den Kunden, der sich den Kassen nähert. Der Kunde winkt ab. «Ist schon in Ordnung. Füllen Sie nur weiter die Regale auf. Ich schaff's auch selber», sagt der Kunde und bezahlt sein Morgenessen an der Self-Scanning-Kasse. Selbst ist der Kunde.

Das Beispiel zeigt eines deutlich: Die Kunden haben die Self-Scanning-Kassen akzeptiert. Und machen mit Freuden den Job der Angestellten. In der Hoffnung, dass es schneller geht, man nicht anstehen oder zumindest am Morgen mit niemandem reden muss.

Die beiden Grossverteiler Coop und Migros trieben in den letzten Jahren das Selfscanning voran. Mittlerweile sind bei der Migros 337 Filialen mit dem «Subito»-System, wie der Detailhändler sein Self-Scanning-System nennt, ausgerüstet. Von den über 10000 Kassen, die Migros in Betrieb hat, sind mittlerweile 2200 «Subito»-Kassen. Bei Coop können Kunden an rund 15 Prozent aller Kassen ihre Einkäufe selber scannen.

Die Kassen scheinen sich zu lohnen für die Grossverteiler. Denn: Über das Subito-System würden bei der Migros zwischen 20 und 40 Prozent des Umsatzes generiert – während der Stosszeiten bis zu 50 Prozent. Vor allem in Filialen, wo vermehrt jüngere Kundschaft einkaufe, werde Selfscanning bevorzugt. An Standorten, wo ältere Kundschaft einkaufe, würden eher die traditionellen Kassen bevorzugt, sagt Migros-Sprecherin Monika Weibel. In Coop-Supermärkten, welche mit SelfScanning-Kassen ausgerüstet sind, bezahlen rund die Hälfte der Kunden dort.

1800 Kassen in 5 Jahren

Die Entwicklung hin zum Self Scanning geht rasant voran. Coop führte 2013 die ersten Self-Scanning-Kassen ein. Fünf Jahre später sind es schweizweit 1800. Tendenz weiter steigend. Das hat einen Vorteil. Grundsätzlich stünden mehr Kassen zur Verfügung als vorher, heisst es bei Coop. Das lässt sich in vielen Filialen beobachten: Müssen bediente Kassen Self-Scanning weichen, entstehen doppelt, wenn nicht dreimal so viele neue Bezahlstellen.

«Self-Checkout-Terminals wurden als Dienstleistung für die Kunden eingeführt, die beim Einkauf Zeit sparen und den Einkaufsprozess beschleunigen und verbessern möchten.»

Migros

Doch geht diese Entwicklung auf Kosten des Verkaufspersonals? Die Befürchtung, dass wegen der neuen Kassen Jobs gestrichen werden, schwebt seit den Anfangszeiten von Selfscanning wie ein Damoklesschwert über den Angestellten. Migros und Coop werden nicht müde zu betonen, dass die Kassen nicht dazu da seien, um Personal abzubauen.

Zahlst du gerne an der Self-Scanning-Kasse?

«Self-Checkout-Terminals wurden als Dienstleistung für die Kunden eingeführt, die beim Einkauf Zeit sparen und den Einkaufsprozess beschleunigen und verbessern möchten», heisst es dazu etwa von der Pressestelle der Migros. Der Einsatz von Self Scanning habe kaum Auswirkungen auf den Personalbestand. Und auch bei Coop weist man den Vorwurf des Abbaus von sich. Man beschäftige in den Läden mit Self-Checkout-Kassen nicht weniger Personal als vor der Einführung.

Die Mitarbeiter hätte andere Aufgaben übernommen. So etwa in der Beratung an Self-Scanning-Kassen, bei technischen Hilfeleistungen oder bei Alterskontrollen beim Alkoholkauf, heisst es von Coop. Bei der Migros setzt man das Verkaufspersonal auch mal an anderen Orten ein. Und: «Mit ‹Subito› entsteht ein neues Aufgabengebiet, denn dieser Bezahlprozess ist ohne Mitarbeitende nicht denkbar», sagt Monika Weibel.

Unia ist skeptisch

Beobachtet man die Abläufe an den Kassen der Grossverteiler, lässt sich teilweise ein anderes Bild zeichnen. Vielfach wird der Bereich der Self-Scanning-Kassen nicht von eigens abgestelltem Personal betreut. Zu Stosszeiten wird etwa die Alterskontrolle von Mitarbeitern durchgeführt, die an der Kasse gleichzeitig Kunden bedienen.

Und auch bei technischen Problemen müssen Angestellte ihre Kassen verlassen, um dem Kunden zu helfen. Zudem gibt es in einigen Coop-Pronto Filialen Kassen, an welchen die Kunden ihre Identitätskarte zur Altersprüfung selber scannen müssen. Auch hier gilt: Selbst ist der Kunde. Derweil kommen für das Verkaufspersonal zusätzliche Aufgaben hinzu, die sie zum Teil parallel ausführen.

Die Gewerkschaft Unia begleitet den Siegeszug der Self-Scanning-Kassen mit Sorge. Beispiele für Kündigungen gebe es zwar nicht, aber man beobachte, dass Pensionierte nicht ersetzt würden wegen der neuen Kassen, sagt Gewerkschaftssekräter Arnaud Bouverat. Damit das Verkaufspersonal nicht von der Digitalisierung überrollt wird, fordert die Unia von Coop und Migros, dass sie ihr Personal umschulen.

Shoppen kann richtig aufregend sein – mit diesen 9 Typen!

Video: watson/Knackeboul, Madeleine Sigrist, Lya Saxer

Das Leben von Migros-Gründer Gottlieb Duttweiler

Das könnte dich auch interessieren:

Wie ich nach 3 Stunden Möbelhaus von Wolke 7 plumpste

Link zum Artikel

Die Fallzahlen steigen wieder leicht an – so sieht's in deinem Kanton aus

Link zum Artikel

Der Mann, der es wagt, Trump zu widersprechen

Link zum Artikel

Magic Johnson vs. Larry Bird – ein College-Final als Beginn einer grossen Sportrivalität

Link zum Artikel

4 Gründe, weshalb die Corona-Zahlen des BAG wenig mit der Realität zu tun haben

Link zum Artikel

Wie ansteckend sind Kinder wirklich? Was die Wissenschaft bis jetzt dazu weiss

Link zum Artikel

Das iPad kriegt Radar? Darum ist der Lidar-Sensor eine kleine Revolution

Link zum Artikel

Lasst meinen Sex in Ruhe, ihr Ehe- und Kartoffel-Fanatiker!

Link zum Artikel

So lief Tag 1 nach Bekanntgabe der «ausserordentliche Lage» für die Schweiz

Link zum Artikel

Corona International: EU beschliesst Einreisestopp ++ Italien mit 345 neuen Todesopfern

Link zum Artikel

Die Schweiz befindet sich im Notstand – die 18 wichtigsten Antworten zur neuen Lage

Link zum Artikel

Nach dem vielen Schnee kommt der Föhnsturm

Link zum Artikel

Ein Virus beendet Jonas Hillers Karriere: «Es gäbe noch viel schlimmere Szenarien»

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

29,8 Milliarden Franken Umsatz: Migros kann trotz Corona erneut zulegen

Die Migros hat auch während der Coronapandemie ihre Rekordjagd fortgesetzt. Hamsterkäufe und Onlineboom verhalfen dem «orangen Riesen» zu einem Umsatzplus von 4 Prozent auf 29,8 Milliarden Franken.

Damit hat die Migros ihren Rekord von 28,7 Milliarden Franken aus dem Jahr 2019 nochmals verbessert. Und die Migros kratzt erstmals an der Marke von 30 Milliarden.

Diese Grenze hatte Konkurrentin Coop im 2018 dank des damals in mehreren europäischen Ländern florierenden Grosshandels überschritten. …

Artikel lesen
Link zum Artikel